E-Book, Deutsch, Band 3, 480 Seiten
Reihe: Tears of Tess
Winters Tears of Tess - Buch 3
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-86552-752-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3, 480 Seiten
Reihe: Tears of Tess
ISBN: 978-3-86552-752-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Pepper Winters stammt aus Neuseeland und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Dark Romance. Sie schreibt finstere, brutale Liebesgeschichten, in denen die Heldin viel Leid durchlebt. Oh, und Sex ... Ihre Bücher sind voller Sex. Verrucht, heiß, ergreifend. Jedes Buch von Pepper Winters ist eine gewaltige Reise voller Schmerz und Leidenschaft.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
TESS
Doch mit anderen spielen unsere Dämonen nicht,
die Bestie lässt sie leiden,
wenn sie ihre Ketten durchbricht …
»Tu es, puta. Töte sie.«
»Nein! Aufhören. Ich kann nicht mehr. Nicht weiter …«
»Doch, weiter. Jede Nacht gehörst du uns. Jedes Mal wenn du deine verfluchten, hübschen Äuglein schließt, warten wir auf dich. Jedes Mal, wenn du in den Schlaf sinkst, warten wir darauf, dich in den Wahnsinn zu zerren.«
Es ist nicht real. Es ist nicht real.
Sooft ich die Wahrheit auch hinausbrüllte, der Traum würde mich niemals loslassen. Lederjacke trickste meinen Verstand immer wieder aus, lockte mich aus der Sicherheit, die mir Qs Nähe schenkte, und riss mich in die Tiefen der Verzweiflung.
»Bitte, tu mir nicht weh«, stöhnte Blonder Engel.
Ich wollte es nicht. Ich wollte nie wieder einem anderen Wesen wehtun.
»Denk nicht mal dran, dich zu widersetzen, puta. Du weißt ja, was dann passiert.« Mit einem Flackern teilte sich Lederjacke in zwei Ungeheuer: Im einen Moment war er noch der Mann, den ich kannte – der Mann, der mich gefoltert, geschlagen und gedemütigt hatte –, und im nächsten der sabbernde, raubtierhafte Schakal, der Blonden Engel vergewaltigt hatte, nur wenige Minuten bevor Q mich fand.
Nebliger Smog kroch in meinen Verstand und waberte mit widerlicher Wärme um mich herum. »Nein! Nicht.« Ich wollte nie wieder die Geisel von Drogen werden. Drogen ließen mich vergessen. Drogen verwandelten mich in einen von ihnen.
»Tu es, Schätzchen. Sonst tue ich etwas noch viel Schlimmeres«, knurrte Lederjacke.
Mein Herz sank in die Tiefen meiner Seele hinab. Jede Nacht besuchten sie mich. Jede Nacht zerstörten sie die Fortschritte meiner Heilung und schleuderten mich in eine Vergangenheit zurück, die ich nicht vergessen konnte. Jede Nacht erinnerten sie mich daran, dass Schmerz etwas Abscheuliches war. Schmerz war der Teufel. Schmerz war furchtbar, entsetzlich und grausam.
Schmerz.
Mein Verderben.
Meine Last.
Ich schüttelte den Kopf, stand über Blondem Engel. Unsere Blicke trafen sich – wie schon Hunderte Male zuvor – und ich schrie wortlos meinen Kummer, meine Traurigkeit, ein ganzes Leben voller Entschuldigungen hinaus.
Aber es machte keinen Unterschied.
Genauso wie mich einst die Drogen in Rio lähmten, übte der Traum in der Gegenwart Macht über mich aus.
Ich würde nicht frei sein, bis ich mich dem Unvermeidlichen ergab. Ich würde nicht wieder aufwachen, bis ich sie getötet hatte.
Eine schwere Brechstange ruhte in meinen vor Schweiß ganz glitschigen Händen. Ich versuchte rückwärtszutaumeln, aber eine dunkle Kraft presste gegen meine Schultern. Der Phantomdruck hob meine Arme gegen meinen Willen hoch – nahm mir jegliche Kontrolle über meine Bewegungen. Ich schrie, bis meine Kehle rau und blutig brannte.
Der Geruch von Moder und stinkendem Müll verstopfte meine Nasenlöcher, obwohl ich wusste, dass er nicht real war. Obwohl das Einzige, das ich hätte riechen sollen, die tröstliche Mischung aus Zitrus und Sandelholz meines Meisters war, der neben mir schlief.
Meines Meisters, der geschworen hatte, mich vor allem zu beschützen. Meines Meisters, der jede Nacht versagte. Wie sollte ein Mensch auch gegen Albträume ankämpfen? Wie konnte er Männer abschlachten, die er bereits getötet hatte, auch wenn sie meinen Verstand im Schlaf zerstörten?
Ganz einfach: Er konnte es nicht.
Es war jede Nacht das Gleiche. Q kämpfte darum, mich vor Dämonen zu retten, die er nicht bekämpfen konnte. Und ich kämpfte darum, meinen Träumen ein Ende zu bereiten.
Hatte mich der Albtraum einmal gepackt, konnte ich mich erst nach dem grauenvollen Ende wieder von ihm befreien. Jedes Mal war es ein wenig anders. Manchmal geschah es durch eine Kugel. Manchmal durch eine Axt oder Klinge. Aber ganz egal, wie ich es tat, zu morden war die einzige Möglichkeit, mich wieder ins Bewusstsein zu schleudern.
Wenn ich mich stark genug konzentrierte, konnte ich ihn spüren. Wenn ich die Augen ganz fest zudrückte und nach dem Anker suchte, den mein sterblicher Körper darstellte, erkannte ich, dass ich nicht ruhig und friedlich dalag. Mein Körper war schweißgebadet und warf sich in den zerwühlten Laken hin und her. Meine Wangen glühten von Qs beißender Ohrfeige, mit der er versuchte, mich zu wecken.
Noch mehr Schmerz.
Schmerz, nichts als Schmerz.
Das alles musste ein Ende haben, bevor ich wahnsinnig wurde.
»Ich werde dich nicht noch mal bitten, Schätzchen«, grunzte Lederjacke.
Die Brechstange lag nun nicht mehr schwer in meinen Händen. Die unsichtbare, bösartige Macht drückte meinen Rücken durch und hob die Waffe, hoch und tödlich.
Nein. Nein, nein, nein. Nicht schon wieder.
Mach die Augen zu. Schau nicht hin. Besudel deinen Geist nicht mit noch mehr Mord und Gräuel.
Blonder Engel kroch langsam rückwärts, hielt ihr gebrochenes Handgelenk, umklammerte mit den Armen ihr zertrümmertes Knie. Ihr Mund verzerrte sich flehend. »Nicht. Bitte, nicht. Hast du nicht schon genug angerichtet? Du hast sie getötet! Du hast das andere Mädchen getötet. Kennst du denn gar keine Gnade?« Ihre wilden Augen leuchteten grün und klar wie geschliffenes Glas. Ihr blondes Haar glänzte nicht mehr golden, sondern hing in blutigen Klumpen herab.
»Es tut mir leid!«
Sie grunzte nur über meine von Herzen kommende Entschuldigung. »Nein, tut es nicht. Du bist eine von ihnen. Du belügst dich selbst, ihn, mich. Du hast es genossen, die andere Blondine zu töten, und jetzt gierst du nach noch mehr Morden. Du bist ein Monster. Die verfluchte Ausgeburt des Teufels.«
Ihr Hass erstickte mich, saugte mir die Luft aus der Lunge und ertränkte mich in Kummer. Die Brechstange schwang hoch über meinem Kopf, geführt vom Puppenspieler dieses grauenvollen Traumes.
»So ist es gut, Süße. Tu es. Was ist schon ein weiteres Leben? Du hast doch schon einmal auf so wunderbare Weise Gehorsam bewiesen. Jede Nacht begehst du einen verdammten Mord. Jede Nacht kehrst du zu uns zurück.«
Der Mann, dessen Besitz ich gewesen war, der mich unter Drogen gesetzt, mich verkauft und mich letzten Endes gebrochen hatte, tauchte aus dem Traumnebel auf. Der Weiße Mann wirkte in seinem strahlend weißen Anzug elegant und makellos. Ich spürte seine barbarische Berührung an meinem Kinn. Sie umspannte meinen Kiefer, hielt mich gefangen. »Du wirst dich niemals von uns befreien. Wir haben dir in Brasilien deinen Verstand entrissen. Dein Besitzer, dieser verdammte Mistkerl, hat vielleicht meine Männer abgeschlachtet und dich gerettet, aber du kennst die Wahrheit.« Sein Mund senkte sich zu mir herab, die monströse Zunge tauchte zwischen meine Lippen. Ich musste würgen.
Heftig keuchend zog er sich wieder zurück. Manische Wut funkelte in seinen blauen Augen. »Sag mir die Wahrheit.«
Die Wahrheit?
Welche Wahrheit? Ich wusste nicht mehr, was ich glauben sollte. War mein Verstand so verworren, dass ich die Wahrheit nur noch erkennen konnte, wenn ich schlief? Betrog ich mich in jedem wachen Augenblick selbst, wenn ich vorgab, Schmerzen und Gräuel zu verabscheuen, obwohl ich mich in Wirklichkeit danach verzehrte? Danach, sie zu verursachen. Danach, zu töten.
Fragen und Ungewissheit sprossen wie giftiges Unkraut, wuchsen dick und schnell, erstickten auch den letzten Rest von Vernunft und Klarheit.
Bin ich wirklich so, wie sie sagen? Ich bin kein Lehrling mehr. Ich bin der leibhaftige Teufel.
Ich kniff die Augen zusammen, sperrte den Traum aus, grapschte mit panischen Fingern nach dem schwachen Seil, das mich ans Bewusstsein band.
Wach auf, Tess.
Bitte.
»Sag. Es. Mir.« Der Atem des Weißen Mannes wehte über meine Wimpern. Er roch nach Zuckerwatte. Warum roch der Dämon aus meinen Albträumen nach Unschuld und Zucker?
Ich schüttelte den Kopf und wimmerte: »Es gibt nichts zu sagen.« Meine Arme waren noch immer über dem Kopf ausgestreckt und hielten die Brechstange in unnatürlicher Pose. Ich hatte keine Kontrolle mehr. Nicht die geringste.
»O doch, gibt es.« Seine weiße Hose flüsterte leise, als er einen Schritt zur Seite machte und mich mit sich zerrte.
Blonder Engel zitterte so stark, dass ihre klappernden Knochen in meinen Ohren dröhnten. »Nacht für Nacht kehrst du zu mir zurück. Nacht für Nacht tötest du für mich. Du bist nicht frei, Schätzchen. Das ist die verdammte Wahrheit.«
Lederjacke tauchte auf der anderen Seite neben mir auf, grinsend wie ein Psychopath. »Die Wahrheit ist eine beschissene Schlampe – und dann stirbt sie. Du weißt, wie das hier endet, puta. Tu es, dann lasse ich dich wieder aufwachen.«
Aus dem Nichts wehte ein Windstoß herein, wirbelte Staub und Moder im gesamten...




