E-Book, Deutsch, 355 Seiten
Wirths Autumn Creek
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-565-01851-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 355 Seiten
ISBN: 978-3-565-01851-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nina Wirths wurde 1990 geboren und lebt mit ihrem Verlobten und zwei Katzen in Wuppertal. Als @ninawirths begeistert sie ihre Follower*innen mit Buchempfehlungen, Outfitideen auf ihren Social-Media-Kanälen und nimmt sie mit auf Reisen. Die Inspiration, die Nina aus ihren Reisen schöpft, ermöglicht es ihr, lebendige und mitreißende Geschichten zu erschaffen. Fu?r sie gibt es nichts Gemu? tlicheres, als an einem verregneten Tag die Nase zwischen die Seiten eines Buches zu stecken und fantastische Orte zu entdecken. Wegen ihrer Liebe zu Tieren setzt sie sich außerdem fu? r den Tierschutz ein.
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2
Long roads often lead to beautiful ranches
Hey«, murmelte ich und schirmte meine Augen mit den Händen gegen die tief stehende Sonne ab.
»Hi Willow«, entgegnete die Blonde und winkte mir grinsend zu.
»Mit Tieren umgehen kann sie schon mal.« War das ein Kompliment? Der junge Mann, dessen dunkle Haare unter dem Cowboyhut hervorlugten, schmunzelte. Ein Bartschatten zeichnete sich auf seinem markanten Kinn ab.
»Willkommen mitten im Nirgendwo in Montana, Stadtmädchen.« Er lächelte mir zu. »Du bist doch aus Chicago, richtig?«
»Jetzt überfordere unsere Praktikantin doch nicht gleich, Lex, sie ist gerade erst angekommen«, schimpfte die Blonde, und ich schnaubte belustigt.
»Warum sind Männer immer so gemein?«, flüsterte sie und beobachtete mich aus ozeanblauen Augen, während sie neben mich trat. Ihre Wangen waren rosig und sie pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. Sie trug eine schwarze Jeans, Gummistiefel, ein Jeanshemd und einen schlichten, stilvollen Cowboyhut. Sie verkörperte pure Lässigkeit. Ein geflochtener Zopf, aus dem sich einzelne Strähnen lösten, hing über ihre Schulter.
Ich kam mir in meinem Aufzug absolut lächerlich vor.
»Keine Sorge, ich bin fast einundzwanzig Stunden gefahren, ich werde jetzt nicht sofort umkehren«, entgegnete ich und lächelte.
»Das freut mich zu hören. Happy scheint dich nämlich zu mögen. Das ist mein Australian Shepherd. Ich heiße übrigens Lilly.« Sie war so cool, dass ich mich direkt wohlfühlte.
Siehst du? War doch gar nicht so schlimm, schoss es mir durch den Kopf.
»Happy liebt jeden, der vorbei kommt«, stichelte Lex und klopfte ihr auf die Schulter. Lachfalten zeichneten sich um seine tiefgrünen Augen und spiegelten eine ungezwungene Leichtigkeit wider.
Lilly streckte ihm die Zunge raus und ich kicherte.
Er ignorierte sie, klopfte sich Heu von der Jeans und schaute zu dem Anhänger des Traktors. »Jetzt kommt her und lasst für eine Sekunde mal das Heu in Ruhe«, forderte er.
»Wir mussten den Heuballen nur entsichern«, kam es zur Antwort. Ein Niesen folgte. »Wir kommen gleich.«
Lilly deutete neben sich. »Und dieser nette Kerl ist Lex«, stellte sie ihn vor und sah ihn auffordernd an.
»Hi Willow.« Er zog mich in eine Umarmung, und ich machte große Augen. Mit derart viel Freundlichkeit und Offenheit begrüßt zu werden, hatte ich nicht erwartet.
Da sprang der helle Labrador an mir hoch. »Lucky, hör auf zu springen. Ich muss zugeben, Happy ist etwas besser trainiert. Lucky ist mein Hund und er denkt, er wäre ein Kuschelmonster.« Lex versuchte seinen Hund zu zähmen, aber der lief schwanzwedelnd davon.
»Wie sein Herrchen.« Lillys Lachen war ansteckend.
»Er braucht noch etwas Erziehung.« Entschuldigend kratzte Lex sich im Nacken, was mich zum Lächeln brachte. Er zog ein Haargummi über sein Handgelenk und band sich seine Haare im Nacken zusammen. »Jetzt hast du uns kennengelernt und wirst merken: Wir sind lustiger als die anderen beiden.«
Lilly stimmte zu und drehte sich zum Traktor. »Jetzt hört doch mal kurz auf mit der Arbeit und kommt her. Das Heu läuft nicht weg.« Sie schüttelte den Kopf. »Claire und Aiden sind pflichtbewusster als alle anderen zusammen«, flüsterte sie mir zu. Dann fragte sie mich etwas lauter: »Hast du gut hergefunden?«
Ehe ich antworten konnte, drang eine Stimme zu mir: »Lilly, du und deine Arbeitsmoral«, sagte eine brünette Frau. Das musste bestimmt Claire sein. Ihr Grinsen entblößte eine schmale Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen.
Lilly nickte in die Richtung. »Ah, da ist sie ja!«
Happy winselte und bettelte um meine Aufmerksamkeit. Ich streichelte beiläufig seine Öhrchen, schaute aber zur Ladefläche. Das Gesicht eines weiteren jungen Mannes verbarg sich im Schatten eines Cowboyhuts. Unweigerlich klopfte mein Herz wieder schneller.
Jeder schien hier Westernkleidung zu tragen und ein richtiges Cowgirl oder echter Cowboy zu sein. Ich hingegen trug meine hellen Jeans, die Chucks und den College-Pullover der University of Chicago. Mehr Stadtmädchen war nicht drin. Daran hatte ich nicht gedacht. Innerlich seufzte ich und hoffte, dass sie mich nicht gleich abstempelten.
Die brünette junge Frau mit der gebräunten Haut in meinem Alter nieste lautstark und schob sich zwischen Heuballen hervor. »Sorry«, murmelte sie. »Zu viel Heu.« Sie kletterte von dem Anhänger und landete direkt vor Lilly und mir. Ihre Augen strahlten förmlich. »Hi Willow, freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Claire.« Sie streckte mir die Hand hin, die ich ergriff. »Ich würde dich auch gern umarmen, aber ich bin voller Heu. Was Lilly auch theoretisch wäre, wenn sie nicht mehr reden, als arbeiten würde.«
»Hi, Danke für die liebe Begrüßung«, erwiderte ich und lächelte. In Gedanken ging ich die Namen durch. Claire. Lex. Lilly.
Das lief doch gar nicht mal so schlecht.
»Du bist allergisch?«, erkundigte ich mich bei ihr.
»Eigentlich nicht, aber Aiden hat so viel Heu aufgewirbelt, das hat mich zum Niesen gebracht. Ich habe das Gefühl, dass ich mindestens einen Heuballen inhaliert habe.« Sie hob ihre Stimme, damit dieser Aiden das Gesagte auch mitbekam. Kurz darauf sprang er ebenfalls herunter. »Ich hab das genau gehört!« Er klopfte sich die Jeans ab, sodass Heu aufwirbelte und in der tief stehenden Sonne tanzte. Er warf eine Plane über die übrigen Heuballen und zurrte sie fest.
Claire hob ihren Cowboyhut an und schüttelte ihr langes, wunderschönes Haar aus, sodass Heu zu Boden regnete.
Lilly kam ihr zu Hilfe und zupfte ein paar Halme aus ihren Strähnen.
Etwas Nasses, Feuchtes schleckte an meinem Handrücken und ich sah Happy, der mir auffordernd entgegenblickte.
»Ich sag doch, er mag dich«, freute sich Lilly und klatschte in die Hände.
»Happy mag jeden«, sagte auch Claire, die sich einen neuen Zopf band. Lex stimmte zu. Immer wieder glitt mein Blick zu dem anderen Mann, der eine weitere Öse mit einem Spanngurt festzurrte.
»Ihr habt euch gegen mich verschworen«, jammerte Lilly und verdrehte die Augen. »Keine Sorge, Willow, ich bin die einzige Normale auf der Ranch.«
Claire lachte und Lex legte Lilly eine Hand um die Schultern. »Du bist vieles, aber nicht normal.« Lillys Wangen wurden noch einen Ton dunkler. Sie war definitiv die Jüngste von allen. Der vierte der Runde wandte sich zu uns und schloss zu unserer Gruppe auf.
Happy ließ augenblicklich von mir ab und lief ihm entgegen.
»Ist ja gut, Großer.« Er tätschelte das Fell des Hundes, dann richtete er sich auf. Er hob seinen Cowboyhut an und wischte sich mit seinem Unterarm den Schweiß von der Stirn. Sein dunkelblondes Haar war an den Seiten kürzer geschnitten.
Unsere Blicke trafen sich und ich schluckte schwer. Vermutlich hatte er wesentlich mehr Erfahrung in Pferdeangelegenheiten als ich und mein Outfit war alles andere als Ranch-like.
Er kam mit undurchdringlicher Miene auf mich zu. Seine braunen Augen erinnerten mich an Herbstlaub. Wenige Schritte vor mir stehend bleibend, schaute er auf mich hinab. Machte er sich gerade ein Bild von mir? Ob ich seine Prüfung bestanden hatte? Unruhig biss ich mir auf die Unterlippe. Ich wusste selbst, dass ich von der langen Fahrt müde aussah.
»Hi, ich bin Willow«, hauchte ich und sein misstrauischer Blick wurde weicher.
»Ich würde dir gern die Hand geben, aber die ist leider dreckig. Willkommen auf der Mountain View Ranch, Willow. Ich bin Aiden.« Seine Stimme war kühl, doch seine kleinen Lachfältchen ließen ihn weniger distanziert wirken.
»Hi Aiden, freut mich, dass ich hier sein darf«, sagte ich. Freut mich, dass ich hier sein darf? Ich hätte mir am liebsten gegen die Stirn geschlagen.
Er tippte sich an die Hutkrempe und sagte knapp. »Ellen wir später deine Personalien noch mal aufnehmen. Ich bin gleich wieder da.« Er drehte sich um und lief in Richtung des Traktors, von dem er eben gesprungen war.
»Also Willow, vermisst du die Großstadt schon?« Lilly sah mich abwartend an. Eine Last fiel von meinen Schultern und ich stieß grinsend den Atem aus. Das war doch kein schlechter Start.
»Bis jetzt noch nicht. Immerhin ist es hier deutlich ruhiger und hier fahren sicherlich auch keine Krankenwagen im Stundentakt vorbei.« Lilly verzog den Lippen.
»O nein, keine Sorge. Der Krankenwagen kommt selten, das nächste Krankenhaus ist eh viel zu weit weg. Bis da Hilfe kommt, ist man vermutlich –«
»Lilly!«, unterbrach Claire und rümpfte die Nase. »Lass dir keine Angst machen«, sagte sie zu mir. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lex sich lachend abwendete und Aiden half, den letzten Heuballen vom Anhänger zu laden. »Hey, wenn ihr kurz wartet, helfen wir euch!«, rief Claire ihnen zu.
Lex winkte ab. »Wir wissen, dass du die schnellste von uns bist. Das musst du uns nicht immer unter die Nase reiben.«
Claire schüttelte grinsend den Kopf.
»Okay, dann passe ich wohl besser auf, dass mir nichts passiert«, griff ich den Faden wieder auf und es war nur halb scherzend gemeint.
»Und du studierst Veterinärmedizin?«, fragte Lilly stattdessen.
»Ja, ich befinde mich am Ende des Studiums –«, fing ich an, aber sie unterbrach mich.
»Dann wirst du hier voll auf deine Kosten kommen.«
»Sind so viele Tiere krank?« Erschrocken hob ich die Augenbrauen, doch Lilly lachte nur. »Nein, das nicht. Aber es gibt immer mal wieder kleinere...




