Wohlfarth / Mutschler | Unter einem manchmal blauen Himmel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

Wohlfarth / Mutschler Unter einem manchmal blauen Himmel

Wahre, berührende Geschichten von Menschen und ihren Tieren
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9397-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wahre, berührende Geschichten von Menschen und ihren Tieren

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

ISBN: 978-3-6957-9397-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Begegnung beginnt oft mit einem Blick. Mit einer Pfote auf einer Hand. Mit einem stillen Versprechen. Unter einem manchmal blauen Himmel erzählen diese wahren Geschichten von der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier, von Nähe und Vertrauen, aber auch von Brüchen, Zweifeln und Wandel. Sie handeln von stillen Begleitern, die Leben verändern, von Rettung auf leisen Pfoten und von einer Liebe, die nicht perfekt sein muss, um wahr zu sein. Ein Buch, das Herz und Seele berührt. Eine Frau verlässt ihren Mann für ein Pferd, ein wasserscheuer Hund rettet ein Mädchen vor dem Ertrinken, eine Katze adoptiert zwei Menschen und ein Mann findet mit einem Hund zugleich die Liebe seines Lebens und ein neues Zuhause. Diese außergewöhnlichen Geschichten zeigen, wie Tiere unser Leben auf überraschen-de, berührende und mitunter radikal verändernde Weise beeinflussen. Ein Buch voller Wunder, Wärme und tiefer Einsichten in das, was Menschen und Tiere miteinander verbindet.

Dr. Rainer Wohlfarth, Jahrgang 1960, ist Psychologischer Psychotherapeut und ein Pionier der tiergestützten Psychotherapie. Er bringt Menschen und Tiere auf ganz besondere Weise zusammen und zeigt, wie Tiere Heilung, Trost und neue Perspektiven schenken können. Seit 2006 beschäftigt er sich intensiv mit der Mensch-Tier Beziehung und teilt dieses Wissen in seinen Büchern auf inspirierende und berührende Weise.
Wohlfarth / Mutschler Unter einem manchmal blauen Himmel jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


HEIMAT


Vor exakt 18 Monaten hatte er eine Frau kennengelernt, die ihm zu gut schien, um wahr zu sein: Sie mochte Tiere, war gern in der Natur, liebte die Berge und machte auch auf dem Bike eine gute Figur, sie war lustig, intelligent, attraktiv. Sie empfahl ihm Infanta von Bodo Kirchhoff, es wurde sein Lieblingsbuch. Sie spielte ihm ihre Lieblingslieder vor, von Tori Amos bis Keziah Jones, beide hört er noch heute. Hätte er eine Checkliste für seine Traumfrau gehabt, er hätte bei ihr alle Haken setzen können.

Bei ihrem ersten Treffen, er hatte gekocht, redeten sie über Gott und die Welt. Erst am nächsten Morgen ging sie nach Hause und ihm danach nicht mehr aus dem Kopf. Sie trafen sich zum Wandern und Biken, zum Reden und zum Sex. Fünf erfüllte und glückliche Wochen lang. Dann plötzlich Funkstille. Anrufe und Nachrichten blieben unbeantwortet. Warum, erfuhr er nicht. Kein Abschiedsgruß, keine erklärenden Worte, viele Fragen blieben zurück. Sie kam ihm abhanden, wurde ein Geist, er litt und zweifelte, war wütend und schleppte sich durch die Tage, die sich plötzlich so leer anfühlten. Vergessen konnte er sie jedoch nicht. Ständig summte Sinéad O'Connors „Nothing Compares 2U“ in seinem Kopf.

*

Eine schwarze Leere breitete sich in ihm aus. Es fühlte sich an wie der Tod, als wäre sie auf dem Weg nach Hause von einem Auto überfahren worden. Die Ahnung eines „Wir“, seine Zukunftsträume wie weggeblasen. Er quälte sich mit dem Gedanken, etwas falsch gemacht zu haben, blieb im Ungefähren hängen, in seinem Kopf ein Wollknäuel, unentwirrbar und voller loser Enden. Nichts schien mehr zusammenzupassen. Lauter Fragezeichen.

Was ist passiert?

Was habe ich falsch gemacht?

Hätte ich vielleicht …?

Oder: Hätte ich besser nicht?

Es brachen alte Wunden auf, das Gefühl, nicht gewollt zu sein, nicht attraktiv genug, nicht nett genug. Nicht genug.

*

Spät erst suchte Chris sich Hilfe.

„Wir Menschen neigen dazu, eine verpasste Liebe zu verklären“, sagte sein Psychotherapeut. „In Filmen oder Romanen löst eine verlorene Liebe bei uns oft ein wohliges Schmachten aus, da wir wissen, das Warten und Trauern lohnt sich, da das Liebespaar sich am Ende wiederfindet. In der Realität aber kann das Glauben an ein Happy End zum Problem werden, denn unsere Erinnerung täuscht uns. Auch Sie sehen Laura viel positiver, als sie tatsächlich war, denn man beschönigt rückblickend viele Dinge oder schätzt sie als positiver ein.“

Chris hielt das für großen Quatsch. Für ihn war Laura die Traumfrau schlechthin, seine große Liebe, seine Zukunft und gleichzeitig auch sein Zuhause. Und jedes Bild von ihr auf seinem Handy, die qualvoll er oft anzusehen einfach nicht lassen konnte, war eine weitere Bestätigung dafür, Laura war sein Herzensmensch.

Auf Anraten seines Psychotherapeuten begann er, sich wieder mit Frauen zu treffen. Doch alle Bekanntschaften danach maß er an ihr. Der Maßstab war streng und ließ jeden einzelnen Versuch scheitern. Falscher Humor. Falsche Einstellung. Falscher Geschmack. Falsche Erwartungen. Fast alles war falsch.

Es waren immer die falschen Frauen, die seinen Weg kreuzten.

Es fehlte ihm alles in der Gegenwart, und so flüchtete er sich in seine Gedankenwelt. Er träumte sich weg, um nicht völlig den Glauben an sich zu verlieren.

„Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass man wehmütig in die Vergangenheit schaut, wenn man sich im Hier und Jetzt mit etwas nicht beschäftigen will“, insistierte sein Therapeut. „Stattdessen macht Ihre Erinnerung sie zur Märchenprinzessin.“

Es wurde täglich schlimmer. Und je öfter eine neue Beziehung scheiterte, desto mehr schaute er zurück. In seinen Träumen tauchte Laura immer häufiger auf.

Dann konnte er ihre Haare riechen, ihre Haut spüren, und der Sex mit ihr war überwältigend. Was wäre wenn? But nothing I said nothing can take away these blues.

Er lebte nur noch in diesen vergangenen fünf Wochen. Die eine oder keine. Keine der Frauen, die er kennenlernte, konnte das Loch füllen, das Laura hinterlassen hatte, keine seine Sehnsucht nach Nähe stillen, keine passte in seine Zukunftsträume.

*

Wer bin ich? Wer will ich sein? Was will ich sein? Wo will ich sein? Was ist in mir?

Der Gedankenbrei, der sich in seinem Kopf ausbreitete, wurde immer dicker und zäher. Die Sehnsucht nach Langsamkeit, nach Ausbruch aus seinem bisherigen Leben, nach einem einfachen Leben wurde immer größer. Vielleicht solle er pilgern gehen, riet ihm sein Therapeut. Manchmal helfe es, in Bewegung zu sein, Gedanken neu zu denken. Und seinen eigenen Weg zu gehen, helfe, bei sich selbst anzukommen.

Die Idee gedieh und wurde stetig konkreter. Nervosität ergriff ihn, als er erkannte, was das eigentlich bedeutete, sich auf eine Pilgerreise zu begeben.

Das Hauptgetränk ist Wasser. Das Marschgepäck spärlich. Übernachtet wird auf dem Fußboden von Heuschobern, Hütten und Herbergen. Manchmal auch nur unter dem Sternenhimmel. Er war noch nie so einsam wie in der langen Zeit nach ihr. Er war noch nie so entschlossen.

Er beantragte ein Sabbatical, organisierte alles und ging los. Er hatte sich für die Via Francigena entschieden, die Route führte von Canterbury nach Rom.

Der Weg war das Ziel. Jeden Tag erlebte er viele kleine Wunder. Moose und Flechten leuchteten in Grün- und Gelbtönen. Sonne und Regen schienen intensiver. Beim Gehen hörte er Bäume sprechen, Wasser singen und den Wind flüstern, und er fragte sich, ob er solche Momente zu Hause auch erlebt und einfach nicht mehr wahrgenommen hatte. Er lief sich den Schmerz seiner Seele aus dem Körper. Kilometer für Kilometer, Höhenmeter für Höhenmeter.

Wenn du losgehst, geht Hoffnung neben dir.

Mit dem Pilgern ist vor allem Freiheit verbunden, eine Art legitimierte Alltagsschwänzerei, ohne Wecker, ohne Handy, ohne Geselligkeitszwang. Es war erleichternd, tagelang mit niemandem reden zu müssen. Er spürte, wie durch das Gehen sein Körper von selbst einen eigenen Rhythmus fand. Er fühlte, zunehmend ein Teil der Natur zu werden, die ihn tröstete. Das Alleinsein veränderte seinen Fokus, schärfte seinen Blick für die echte Welt, die Natur, den Wind, die Sonne, die Tiere und auch die unbekannten Seiten an sich selbst: eine ungewohnte innere Sturheit, seine Angst, das Gesicht zu verlieren, sich zu blamieren, und wie wenig er braucht, um glücklich zu sein. Es half ihm, sich selbst ein wenig besser kennenzulernen, ohne äußere Verfälschungen.

Eines der Dinge, die er am Wandern so lieben lernte, war der Raum zum Nachdenken. Plötzlich hielt die Zeit inne. Das stete Gehen, ohne andere Menschen und in seinem ganz eigenen Tempo, half ihm dabei, seine Gedanken zu sortieren. Er verlor sich in inneren Gesprächen, beobachtete und beurteilte sich plötzlich ganz ehrlich und genau. Er hatte unendlich Zeit, über seine kleinen und großen Probleme nachzudenken. Was ihm am Anfang noch erbaulich erschien, wurde mit jedem Tag schmerzhafter, denn all die Verletzungen der zurückliegenden Jahre machten sich bemerkbar, all das Verpasste und Verpatzte.

Der schwierigste Weg war der vom Kopf zum Herz.

In den ganz schlimmen Momenten dachte er an seinen Psychotherapeuten, der ihm erklärt hatte: „In der christlichen Tradition ist das Pilgern oft keine Seelenwellness, sondern der Beginn der Buße, die mit Ehrlichkeit beginnt. Gelingt es Ihnen, können Sie Ihr Leben ändern.“

Sein innerer Horizont wuchs mit jedem Schritt.

Nach einem Monat seiner Wanderung spürte er, wie er mehr und mehr loslassen konnte. Das Innehalten blieb mühsam, denn erst im Vergegenwärtigen, im Aushalten unwillkommener Erinnerungen und Bilder klärte sich manches, und die Gedanken in seinem Kopf wurden leiser. Und ihm wurde bewusst, dass sein Pilgern die Zeit in Anspruch nehmen würde, die es eben brauchte. Sein Weg schien im Gehen zu entstehen, auch wenn er bisher eher auf schmalen, gewundenen Pfaden durch das Dickicht seines Lebens gestolpert war.

*

Es ist ein erster Sonnentag in einem September, dessen Himmel bisher voller Wolken war. Der Himmel ist klar und die Temperatur eher mild. Er geht durch eine unwirtliche Landschaft, karg und felsig und von dichtem Gestrüpp bewachsen, als er plötzlich ein Rascheln im Gebüsch am Wegrand vernimmt. Bei genauerem Hinschauen erkennt er eine Hündin, deren Fell vielleicht einmal weiß gewesen war. Ihre Blicke begegnen sich.

Chris wandert weiter. Er beschleunigt seine Schritte und versucht, die Hündin abzuschütteln, die in einem respektvollen Abstand hinter ihm herläuft. Ein...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.