Wohlgemuth | Weihnachtsherz | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Wohlgemuth Weihnachtsherz


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7407-6075-5
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

ISBN: 978-3-7407-6075-5
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Wunder der Weihnachtszeit Weihnachten ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Gemütliches Beisammensein, Lichterglanz, Weihnachtsmarkt, der Duft nach Tannen und Gebäck, traditionelle Gerichte und Glühwein. Sechs Geschichten erzählen auf unterschiedlichste Weise von der magischen Weihnachtzeit, die wir im Herzen tragen.

Die Autorin Sigrid Wohlgemuth wurde in Brühl, bei Köln geboren. 1996 erfüllte sich die selbstständige Kauffrau ihren Traum, zog nach Kreta und machte die Insel zu ihrer Wahlheimat. Die Mittelmeerinsel, ihre Bewohner, die kretische Küche und das Schreiben wurden zu ihrem Lebensmittelpunkt. Es entstanden Geschichten und Romane, die überwiegend auf Kreta spielen. Nach fünf Romanen, drei weihnachtlichen Kurzgeschichten Anthologien ist der Roman, Freundschaft Plus Realität vs. Scheinwelt, der erste, der nicht auf Kreta spielt. All ihre Romane beinhalten ein spezielles Thema. Auch wenn es oft schwere oder Tabuthemen sind, reist der Leser, die Leserin bei vielen der Bücher über die Insel Kreta, lernt Land und Leute sowie die kretische Küche kennen. Drei ihrer Bücher beinhalten Rezepte. Es gibt viel zu lachen, zu träumen, zu lieben, zum Nachdenken und der Leser, die Leserin spürt die Sonne, das Meer zwischen den Zeilen. Midlife Crisis, Trauerbewältigung, Panikanfälle, Phobien, Traumerfüllung und in diesem Roman die Selbstbestimmung, sind einige der Themen, die die Autorin mit Vorsicht an den Leser, die Leserin heranbringt. Mit ihren Weihnachtsgeschichten möchte sie besinnliche Lesestunden und weihnachtliche Freude bereiten. Sigrid Wohlgemuth lektoriert Bücher in allen Genres, Sachbücher und Ratgeber für andere Autoren und Autorinnen. Sie geht diesem Job mit Freude nach, die Vielfalt der Geschichten begeistert sie jedes Mal aufs Neue. Sigrid Wohlgemuth bietet Schreib-Work-Shops auf der Insel Kreta und online an. Bei dem Coaching zeigt sie, wie jeder mit wenig Schreibhandwerk eine Kurzgeschichte und einen Roman schreiben kann. Sie begleitet den Autor, die Autorin bis hin zur Veröffentlichung. Veröffentlichungen Weihnachtsherz, Anthologie Weihnachtsgeschichten, 2023 Twentysix Verlag Freundschaft Plus, Realität vs. Scheinwelt, 2023 Twentysix Verlag Schrei in der Brandung, Roman, 2020 Twentysix Verlag Weihnachtskind, Anthologie Weihnachtsgeschichten, 2019 Amazon Ein Stück Süden für Dich, Kreta-Roman, 2019 Franzius Verlag Und tschüss ... Auf nach Kreta, Kreta-Roman, 2017 Franzius Verlag Der Duft von Oliven, Kreta-Roman, 2015 Der kleine Buchverlag, Lauinger Verlag Drei Stühle, Köstliche Kretische Geschichten mit Rezepten, 2013 Stories & Friends Verlag Bis am Baum die Lichter brennen, Anthologie Weihnachtsgeschichten, 2012 HS Verlag Österreich
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VERTRAUE DER STIMME DEINES HERZENS


So einfach ist das nicht«, sagte Ella Klaus und schob sich energisch eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie saß auf ihrer gemütlichen Couch, das Handy auf laut gestellt und verfolgte unfreiwillig die Worte ihres Bruders Linus.

»Ella, wir brauchen dich. Vater ist in einem … nun ja, wie soll ich es vorsichtig ausdrücken, desolaten Zustand. Du bist die Ältere von uns beiden und musst in seine Fußstapfen treten.« Ella vernahm das hastige Atmen ihres Bruders. »Das werde ich nie und nimmer machen! Was glaubst du denn, warum ich das irdische Leben gewählt habe? Du bist Papas Nachfolger, denn du, mein lieber Bruder, bist mit deinem gesamten Herzen in der Tradition gefangen. Nicht ich. War es nie, werde es nie! Punkt!« Sie setzte sich gerade, drückte den Rücken durch, obwohl Linus es nicht sehen konnte. Für sie selbst als Bestätigung half es ihr Mut zu behalten, nicht auf die Forderung des Bruders einzugehen. Zum Nordpol, ins Land des Weihnachtsmannes, ihrem Geburtsort sollte sie auf der Stelle kommen.

Nein!

»Hör zu, Ella. Wir beenden das Gespräch und wenn du dich beruhigt hast, dann meldest du dich bitte bei mir«, bat Linus.

»Es gibt nichts zu überdenken, ich bleibe, wo ich bin. Ihr müsst allein zurechtkommen. Ich habe mich für ein Leben auf der Erde entschieden.«

»Das wissen und respektieren wir, das heißt aber noch lange nicht, dass du die Familie im Stich lassen kannst, wenn es brenzlig wird. Glaubst du, ich hätte dich angerufen, wenn es nicht ernst wäre?« Er hielt kurz inne. Ella blieb stumm.

»Melde dich bitte.« Linus beendete das Gespräch. Ella legte das Handy auf den Tisch, atmete tief durch, stand auf und holte sich in der Küche ein Glas Wasser. Trank es in großen Zügen leer. Dann stellte sie sich ans Wohnzimmerfenster, schaute hinaus in die langsam aufkommende Dunkelheit.

Seit einigen Jahre lebte sie in dem Haus, am Rande der Stadt. Ella hatte sich damals bewusst für ein Leben auf der Erde entschieden. Ihr Vater, der Weihnachtsmann, das Nordpolleben war für sie irgendwann nicht mehr real, keine Zukunft gewesen. In jungen Jahren war es ihr größter Traum, einmal in Vaters Fußstapfen zu treten. Als sie ins Teenageralter kam, beobachtete sie vermehrt die Kinder und die Erwachsenen auf der Erde. Niemand glaubte wirklich an den Weihnachtsmann, die Elfen und die Spielzeugfabrik am Nordpol. Und schon gar nicht an die sprechenden Rentiere. Ella zog sich immer mehr zurück aus dem Weihnachtsunternehmen, bis sie im Alter von dreiundzwanzig Jahren endlich den Absprung von der Familie vollzog. Die härteste Entscheidung in ihrem Leben, weit weg von den Eltern und dem Bruder sich eine neue Zukunft aufzubauen. Ella erdrückte das Weihnachtsland, sie wollte mehr sehen, mehr erleben. In Vaters Land hatte sie Privatlehrer, erlernte Marketing, Design, erfand neue Spielzeuge und kümmerte sich um die Buchhaltung. In ihrem Inneren jedoch schlummerte eine Grafikerin für Kinderbücher. Heimlich hatte sie nach dem Tageswerk an einer Mappe gearbeitet, diese an einen irdischen Verlag gesendet und wurde zu einem Vorstellungsgespräch gebeten. Das war der Anfang, von Ellas Abschied aus dem Land des Weihnachtsmannes. Sie erzählte den Eltern, dass sie die Enge nicht mehr ertragen könnte, sie wollte Neues sehen, Neues erleben. Nach langen Diskussionen ließen die Eltern die Tochter schweren Herzens ziehen. Ins Ungewisse, in ein fernes Land. Sie gaben Ella eine Nordsternschneekugel mit, dort konnte die Tochter, wenn sie wollte hineinschauen und bekam mit, was in der Heimat vor sich ging und es bestand zusätzlich die Möglichkeit miteinander zu telefonieren. Ella versprach sich zu melden.

Vor ihrer Abreise aus der Heimat hatte sie sich informiert, wie sie eine Wohnung finden könnte. Und falls es mit dem Vorstellungsgespräch nicht gut ausging, eine Anstellung und was für sie von großem Vorteil war, es gab ein Amt, auf dem sie Gelder beantragen konnte. Dieses suchte Ella bereits einen Tag nach dem unerfreulichen Vorstellungsgespräch auf und bat um Bewilligung für Wohngeldzuschuss und dem Bürgergeld. Die Mitarbeiterin war freundlich und da sie damals selbst aus dem Ausland bekommen war, hegte sie Sympathie für Ella und beschleunigte deren Anträge. Zu Anfang kam sie in einer Wohngemeinschaft unter. Ella ließ die Schneekugel stets im Koffer, damit kein Mensch per Zufall herausfinden würde, woher sie stammte. Wurde Ella gefragt, antwortete sie getreu aus dem Norden. Niemand fragte nach dem Ort.

Sie lebte sich schnell ein, bewarb sich bei verschiedenen Verlagen als Zeichnerin und fand eine Anstellung. Sie lernte den Umgang mit ihr nicht bekannten Computerprogrammen und nahm privat Aufträge von Autoren an. Nach einem Jahr zog sie in eine eigene Wohnung, kaufte sich Möbel und genoss es endlich allein zu wohnen. Von Jahr zu Jahr wurde Ella erfolgreicher und konnte sich kaum vor Aufträgen retten. Sie hatte Freundschaften geschlossen und seit drei Monaten beschlich sie das Gefühl von Verliebtheit zu Henrik. Ella konnte sich ein glücklicheres Leben nicht vorstellen und bereute nicht einen Tag, dass sie das Weihnachtsland verlassen hatte. Seitdem war sie nicht ein einziges Mal bei den Eltern gewesen. Bis auf die Telefonate hegten sie keinen Kontakt. Das war damals so besprochen worden und im Notfall war die Schneekugel da.

Ella hatte die letzten Jahre an sich Revue passieren lassen. Sie gab zu, Sehnsucht nach den Eltern beschlich sie das ein oder andere Mal, doch sie musste sich an so viel Neues gewöhnen, sich ein Leben einrichten und war ständig auf der Hut, dass niemand ihre wahre Identität herausfinden würde. Seitdem Henrik in ihrem Leben eine Rolle spielte, war sie übervorsichtig geworden. Sie wich ständig seinen Fragen nach ihrer Herkunft aus. Obwohl sie liebevolle Gefühle für ihn verspürte und sich wünschte viele Jahre mit ihm gemeinsam verbringen zu können, setzten sie seine Fragen hin und wieder unter Druck. Und jetzt der Anruf von Linus. Der Bruder war mit Herzblut mit dem Weihnachtsland verbunden, er wäre der passende Nachfolger des Vaters oder für ihn in diesem Jahr der Ersatz, bis es dem Weihnachtsmann besser gehen würde. Doch die Elfen nahmen von keinem, außer dem Weihnachtsmann, Anweisungen an und daher bestanden die Eltern auf der Tradition, die oder der Erstgeborene müsste in schwierigen Situationen aushelfen. Dabei waren die Geschwister Zwillinge. Ella war gerade mal fünf Minuten vor dem Bruder geboren und somit auch das erste Mädchen, das als Nachkomme in der althergerührten Überlieferung zur Welt gekommen war. Ella schüttelte den Kopf. Wäre der Bruder zuerst … dann hätten sie nun keine Sorgen zu bewältigen gehabt.

»Nein, und nochmals nein«, sagte sie laut vor sich selbst hin. »Das geht nicht, ich habe mir ein Erdenleben aufgebaut und ich kann doch nicht von jetzt auf gleich verschwinden. Wie soll ich das dem Arbeitgeber, den privaten Kunden, den Freunden und Henrik erklären? Ich bin dann gerade mal weg zum Nordpol, mein Vater der Weihnachtsmann braucht Hilfe.« Sie lachte auf. Dann kamen die Gewissensbisse. Der Bruder hatte sich ernst angehört. Besaß sie das Recht die Familie im Stich zu lassen? Ja. Denn es war damals lange besprochen worden, dass sie sich für das irdische Leben entschieden hatte. Es kam nicht aus einer Laune heraus, denn Ella wusste, welche Konsequenzen es mit sich bringen würde. Wie viele Jahre waren es? Sie rechnete nach. Sechs. Und es war nicht immer eine einfache Zeit gewesen, doch sie hatte es geschafft und sich durchgekämpft. Und gerade jetzt, wo die Schmetterlinge langsam anfingen im Bauch zu kribbeln, wenn sie an Henrik dachte, sollte sie alles aufgeben und zurück gehen? Henrik, der sie zum Lachen brachte, der sie auf Händen trug, immer für eine Überraschung gut war, der einem hervorragenden Job als Manager in einem Investmentkonzern nachging. Noch hatten sie keinen körperlichen Kontakt, doch sie fühlten sich auch ohne Sex gut miteinander. Ella wollte es langsam angehen lassen, zu ängstlich, ob sie sich mit einem Erdenmenschen einlassen durfte. Henrik schien mit ihrer Zurückhaltung in Sachen körperlicher Liebe klar zu kommen und obwohl sie erst drei Monate miteinander verbrachten, überlegten sie bereits zusammenzuwohnen. Henrik hatte vorgeschlagen, dass er in Ellas Haus mit einziehen könnte. Es war größer als seine Junggesellenwohnung, lag in einer ruhigen Gegend und zentral genug, um mit der Bahn oder dem Auto schnell in die Großstadt zu gelangen. Anfang des neuen Jahres wollten sie den Umzug in Angriff nehmen.

Ella stand von der Couch auf, ging zum Fenster. Ein Glück war Henrik gemeinsam mit einem Freund aus gegangen, sodass sie Zeit hatte, in Ruhe über alles nachzudenken. Könnte sie sich für kurze Zeit aus dem Staub machen? Der Familie helfen und zack schnell wieder zurück sein? Der Bruder hatte von Nachfolge gesprochen. Dabei war der Vater längst nicht in die Jahre gekommen, um sich zur Ruhe zu setzen, dafür liebte er seine Lebensaufgabe zu sehr. Das Telefon klingelte.

»Klaus«, meldete sie sich.

»Ich bin es noch mal«, hörte...



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