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Wohlrab-Sahr | Kultursoziologie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 402 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Wohlrab-Sahr Kultursoziologie

Paradigmen - Methoden - Fragestellungen
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-531-92300-0
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Paradigmen - Methoden - Fragestellungen

E-Book, Deutsch, 402 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-92300-0
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



In dem Band führen namhafte Soziologinnen und Soziologen in ihre Art, Kultursoziologie zu betreiben, ein. Sie erläutern ihre theoretischen Prämissen, Untersuchungsfelder und Fragestellungen sowie die ihrem Ansatz entsprechenden Methoden.

Mit Beiträgen von Jürgen Gerhards, Andreas Reckwitz, Karl-Siegbert Rehberg, Johannes Weiß, Thomas Luckmann, Angela Keppler, Gabriele Rosenthal, Stefan Hirschauer, Andreas Hepp, Paula-Irene Villa, Wolfgang Ludwig Schneider, Andreas Göbel, Hartmut Esser und Armin Nassehi



Dr. Monika Wohlrab-Sahr ist Professorin für Kultursoziologie am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.

Wohlrab-Sahr Kultursoziologie jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhalt;5
2;Vorwort;7
3;Einleitung;9
3.1;Literatur;22
4;I. Klassiker der (Kultur-)Soziologie weiterdenken;23
5;Der Mensch als Kulturwesen. Perspektiven der Philosophischen Anthropologie;24
5.1;I. Kultursoziologische Voraussetzungen;24
5.2;II. Philosophische Anthropologie;25
5.2.1;1. Max Scheler (1874–1928);26
5.2.2;2. Helmuth Plessner (1892–1985);28
5.2.3;3. Arnold Gehlen (1904–1976);30
5.3;III. Anthropologische Grundlagen der Kultursoziologie;32
5.4;IV. Natur versus Gesellschaft heute;39
5.5;Literatur;47
6;„Der Begriff der Kultur ist ein Wertbegriff“ – Über einen problematischen Grundsatz Max Webers;51
6.1;1.;51
6.2;2.;51
6.3;3.;53
6.4;4.;55
6.5;5.;56
6.6;6.;58
6.7;7.;60
6.8;8.;60
6.9;9.;61
6.10;10.;63
6.11;11.;64
6.12;12.;66
6.13;Literatur;68
7;„Teilweise zufällig, teilweise, weil es doch Spaß macht“;70
8;II. Empirische Kultursoziologie in der Tradition derWissenssoziologie;96
9;Perspektiven einer kultursoziologischen Medienanalyse;97
9.1;1. Ein Zugang;97
9.2;2. Theoretische Grundlagen;100
9.3;3. Methodische Prinzipien;106
9.4;4. Zwei Beispiele;111
9.4.1;4.1 Eine Produktanalyse: Gewaltdarstellung im Fernsehen;111
9.4.2;4.2 Eine Rezeptionsanalyse: Familiäre Tischgespräche;115
9.5;4. Eine abschließende These;120
9.6;Literatur;121
10;Kommunikationskultur und Powerpoint Ein wissenssoziologischer Zugang;123
10.1;1. Einleitung: Wissenssoziologie und Kultur;123
10.2;2. Sinn, Wissen und Kommunikation;125
10.3;3. Die Kommunikationskultur von Powerpoint9;131
10.3.1;a) Performanz, Raum und Teilnahmestruktur;131
10.3.2;b) Kommunikative Gattungen, Medien und Milieus;136
10.3.3;c) Kommunikationskultur und geschwätzige Gesellschaft;138
10.4;4. Zurück zur Theorie: Wissenssoziologisches Erklären;140
10.5;Literatur;143
11;Zur Interdependenz von kollektivem Gedächtnis und Erinnerungspraxis. Kultursoziologie aus biographietheoretischer Perspektive;146
11.1;Einleitung;146
11.2;Erinnerungspraxis und kollektives Gedächtnis;151
11.3;Das homogenisierende kollektive Gedächtnis der Deutschenaus der Sowjetunion;161
11.4;Resümee;167
11.5;Literatur;168
12;III. Sinn, Praxis, Diskurs: Perspektiven nach demCultural Turn;171
13;Auf dem Weg zu einer kultursoziologischen Analytik zwischen Praxeologie und Poststrukturalismus;172
13.1;1. Die Faszination der Kultursoziologie;172
13.2;2. Vier französisch-amerikanische Impulse zugunsten der ‚neuen Kultursoziologie’;176
13.3;3. Das praxeologische Quadrat der Kulturanalyse: Praktiken, Diskurse, Artefakte, Subjektivierungen;182
13.4;4. Makrokulturelle Entitäten und ihre Destabilisierungen: Felder, Lebensformen, Genealogie, Hybridisierung;189
13.5;Literatur;196
14;Die Exotisierung des Eigenen. Kultursoziologie in ethnografischer Einstellung;199
14.1;1. Soziologie als Kulturwissenschaft;200
14.2;2. Das Problem der Soziologie: Ein Mangel an Fremdheit;202
14.3;3. Das ethnografische Register;204
14.3.1;3.1. Ethnologische Kulturanalyse: Verstehen des Fremden;204
14.3.2;3.2. Chicago School: Exploration von Sonderwelten;206
14.3.3;3.3. Soziologie des Alltäglichen: Befremdung des Vertrauten;208
14.4;4. Ethnografisch Arbeiten: Explikation impliziten Wissens;213
14.5;5. Schluss;215
14.6;Literatur;216
15;Medienkultur kritisch erforschen: Cultural Studies und Medienanalyse;218
15.1;1. Einleitung: Cultural Studies als kritische Medienanalyse;218
15.2;2. Kreislauf der Medienkultur: Mediatisierte Kultur als komplexe Artikulation;221
15.3;3. Methodischer Rahmen: Implikationen des Kreislaufs der Medienkultur;229
15.4;4. Praktisches Vorgehen: Drei Schritte der Medienkulturanalyse;233
15.4.1;4.1 Kulturelle Muster analysieren;233
15.4.2;4.2 Vielfach vergleichen;235
15.4.3;4.3 Multiperspektivisch kritisieren;236
15.5;5. Fazit: Medienkultur kritisch erforschen;237
15.6;Literatur;238
16;Subjekte und ihre Körper. Kultursoziologische Überlegungen;241
16.1;Programmatische Vorbemerkungen: Eigensinn statt Verkörperung;241
16.2;1. Subjekt – Individuum: Die soziologischen Traditionslinien;244
16.3;2. Who is Who? Subjektivationsprozesse zwischen Diskurs und Praxis;247
16.4;Exkurs: „Könnte der Tango-Tanz mit Worten beschrieben werden... bräuchteman ihn nicht mehr tanzen“;252
16.5;3. Subjektivation und Normen;255
16.6;4. Performative Mimesis;258
16.7;5. Programmatischer Ausblick;261
16.8;Literatur;262
17;IV. Diesseits des Cultural Turn: Die Perspektiveerklärender Soziologie;265
18;Kultursoziologie diesseits des „Cultural Turn“;266
18.1;1. Kritik der Prämissen des cultural turn;267
18.2;2. Vornamen als Indikator zur Analyse kultureller Prozesse;278
18.2.1;2.1 Transnationalisierung der Alltagskultur;279
18.2.1.1;2.1.1 Transnationalisierung als „Verwestlichung“;279
18.2.1.2;2.1.2 Ursachen für den Prozess der Transnationalisierung;281
18.2.1.3;2.1.3 Die Erklärung des Erfolgs bestimmter ausländischer Vornamen;283
18.2.2;2.2 Akkulturation von Migranten am Beispiel der Vornamen;286
18.2.2.1;2.2.1 Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen;286
18.2.2.2;2.2.2 Erklärung der Unterschiede;288
18.3;3. Zusammenfassung;293
18.4;Literatur;295
19;Sinn, Kultur, Verstehen und das Modell der soziologischen Erklärung;298
19.1;Das Modell der Soziologischen Erklärung;299
19.2;Sinn, Kultur und Verstehen;301
19.3;„Gute Gründe“;305
19.4;Deutungsmuster;309
19.5;„Objektive Hermeneutik“;313
19.6;Was also?;321
19.7;Literatur;323
20;V. Beobachtungen kultureller undkultursoziologischer Beobachtung;325
21;Kultur als Beobachtungsform;326
21.1;I. „Kultur“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften;326
21.2;II. „Kultur“ als operativ fungierendes Gedächtnis der Kommunikation;329
21.3;III. „Kultur“ im Modus der Beobachtung zweiter Ordnung;333
21.4;IV. Kulturreflexion;341
21.5;V. Offenheit des Kontextes, Unsicherheit der Interpretation und Pluralitätder Bedeutungszuweisungen;348
21.6;VI. Resümee;357
21.7;Literatur;359
22;Kultur im System Einige programmatische Bemerkungen zu einer systemtheoretisch informierten Kultursoziologie;362
22.1;1. Kultur als Reflexionsbegriff;365
22.2;2. Kultur als Generator von Sprechern;368
22.2.1;Postkoloniale Migranten;368
22.2.2;Transsexuelle;370
22.3;3. Dialog der Kulturen;375
22.4;Finis;380
22.5;Literatur;381
23;Die Kultur und ihre Soziologie – wissenschaftssoziologische Überlegungen;383
23.1;1.;383
23.2;2.;386
23.3;3.;387
23.4;4.;390
23.5;5.;392
23.6;6.;393
23.7;7.;396
23.8;Literatur;399
24;Autorinnen und Autoren;401


V. Beobachtungen kultureller und kultursoziologischer Beobachtung (S. 339-340)

Kultur als Beobachtungsform

Wolfgang Ludwig Schneider

I. „Kultur“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Wenn von „Kultur“ die Rede ist, fällt es zunächst schwer zu sagen, was nicht darunter fällt. Archäologen etwa zählen dazu nicht nur schriftliche Dokumente, Monumente oder Kunstwerke, sondern auch Werkzeuge und alle möglichen Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs. Will man wissen, wie der Begriff „Kultur“ eingegrenzt werden kann, dann muss man danach fragen, was er ausschließt, d.h. wovon denn jemand, der von „Kultur“ spricht, das dadurch Bezeichnete zu unterscheiden wünscht. Je nach dem, was als Gegenbegriff verwendet wird, verändert sich die Abgrenzung und damit die Bedeutung des Ausdrucks „Kultur“. Die hier wohl prominentesten Gegensatzpaare sind „Kultur“ versus „Natur“ sowie „Kultur“ versus „Gesellschaft“.

„Kultur“ versus „Natur“ – diese Unterscheidung findet sich etwa in der philosophischen Anthropologie (Gehlen, Plessner), der daran anknüpfenden Wissenssoziologie (Berger/Luckmann) und im Strukturalismus (Lévi-Strauss). Von „Kultur“ ist dabei die Rede, wenn es um Verhaltensweisen und Interaktionsmuster geht, die nicht durch Instinkte gesteuert oder auf dem Wege der Konditionierung erworben werden, sondern durch sinnhafte Orientierung und Symbole reguliert sind.

„Kultur“ erstreckt sich hier auf den gesamten Bereich subjektiv bzw. objektiv sinnstrukturierten Verhaltens. Wo immer vom Erleben oder Handeln einzelner Akteure, von sozialen Beziehungen oder von gesellschaftlichen Zusammenhängen geredet wird, ist dann auch notwendig „Kultur“ im Spiel.2 Der Kulturbegriff erscheint insofern als zentrales Element einer allgemeinen Theorie des Sozialen. „Kultur“ versus „Gesellschaft“ – diese Distinktion nimmt bereits in der älteren geisteswissenschaftlichen und soziologischen Thematisierung von Kultur eine zentrale Position ein (vgl. Rehberg 1986), so u.a. bei Dilthey, Scheler, Mannheim und Weber.

Auch in der weiteren Entwicklung der Soziologie setzt sich dieser Trend fort: So unterscheidet Mertons Anomietheorie (1949) zwischen Sozialstruktur und kultureller Struktur, Habermas (1976) unternimmt eine „Rekonstruktion des historischen Materialismus“, die mit Weber, Parsons u.a. gegen Marx den Einfluss kultureller (und hier besonders: normativer) Strukturen auf die evolutionäre Herausbildung komplexerer Gesellschaftsformationen bis hin zur modernen Gesellschaft betont. Luhmann (1980–1995) konfrontiert die Transformation der gesellschaftlichen Differenzierungsform mit der Ideenevolution unter dem Titel „Gesellschaftsstruktur und Semantik“. Bei allen Unterschieden in der genaueren Bestimmung der Begriffe und ihrer Beziehung zueinander wird Kultur hier jeweils im Kontext von Gesellschaftstheorie thematisiert und die Frage nach Beziehungen der Determination bzw. der Kovariation von Kultur und Sozialstruktur aufgeworfen.



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