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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 270 Seiten
Wolf Berg Hütte ich
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-6098-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
(M)eine Berggeschichte
E-Book, Deutsch, 270 Seiten
ISBN: 978-3-7693-6098-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Annette Wolf wurde 1964 in Freudenstadt geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Goldschmiedin und legte später die Meisterprüfung ab. Als Goldschmiedin war sie vier Jahre lang in Neapel tätig, danach als Meisterin im süddeutschen Raum. Im Alter von 36 Jahren studierte sie Betriebswirtschaftslehre und hatte danach als Diplom-Betriebswirtin zunächst leitende, später geschäftsführende Positionen in sozialen Organisationen inne. Annette Wolf lebt im Landkreis Schwäbisch Hall.
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Hütte
Um diesen wunderbaren Kraftort nicht der Öffentlichkeit preiszugeben, werden genaue Lage und Name der Hütte, des Dorfes und der Gebirgsketten nicht genannt.
Die Hütte wurde im Jahr 1909 in ihrer heutigen Größe fertiggestellt. Davon zeugt eine alte, in Holz geschnitzte Inschrift an der Stalltür.
Vermutlich bezieht sich diese Jahreszahl auf eine bauliche Erweiterung, denn Aufbau und Bearbeitung der Holzbalken deuten darauf hin, dass die Hütte zuvor kleiner und deutlich älter gewesen sein muss und ausschließlich der Almwirtschaft gedient hatte.
Im Winter stand sie leer. Währen der Sommermonate, in denen das Vieh auf den Bergwiesen weidete, wurde sie von Sennern bewohnt, die sich um die Tiere kümmerten und die täglich gewonnene Milch zu Käse und Butter verarbeiteten.
In den späten 1880er-Jahren begann in den Alpen der Tourismus zu florieren und zusätzlich zu den Hotels in den Bergdörfern entstanden auf den Bergen Unterkünfte für Wanderer.
Es wird vermutet, dass die damaligen Almbesitzer die bauliche Erweiterung vornahmen, um Fremdenzimmer für Übernachtungsgäste anzubieten und auf diese Weise das karge Bergbauernauskommen aufzufrischen. Drei, vom Heuboden abgetrennte Gästezimmer zeugen hiervon.
Der kürzeste Weg vom Tal zur Hütte führt über den Wanderweg, der zu einem türkisblauen Bergsee und in die Welt der Dreitausender führt.
Knapp hundert Meter vom Chalet entfernt zweigt ein schmaler Pfad von ihm ab und führt über eine steile Bergwiese direkt auf den Hüttenvorplatz. Er ist mit großen, unregelmäßigen Natursteinplatten belegt, sodass sich in der feuchten Jahreszeit kein Schlamm bildet.
Dort steht der mächtige, aus einem massiven Tannenstamm herausgearbeitete Holzbrunnen, der Vieh und Mensch als Tränke diente.
Der ausgehöhlte Ast, aus dem sich das kühle Nass ergießt, befindet sich unterhalb des Dachüberstandes.
So kann man sich trockenen Fußes mit Wasser versorgen.
An den Vorplatz schließt sich ein überdachter Vorraum an. Er erstreckt sich weiträumig unter dem Heuboden und erweist sich dadurch zu jeder Jahreszeit als äußerst praktisch.
Bei Regen bietet er Schutz vor Nässe, im Winter vor Schnee und im Sommer vor der intensiven Gebirgssonne.
Von hier aus hatte das Vieh über eine breite, zweiflüglige Tür Zugang zum Stall. Links daneben führt eine Treppe mit abschließbarer Falltür hinauf zum Heuboden.
Mit einem Grundriss von rund zwölf auf vierzehn Meter ist die Hütte recht groß.
Ihr Grundsockel wurde als Natursteinmauer, also ohne Mörtel, auf den felsigen Untergrund gesetzt.
Sie ist, wie könnte es im Gebirge anders sein, in den Hang gebaut, sodass im talwärts zeigenden Sockel, zwei frostsichere Kellerräume entstanden sind. Im Laufe der Zeit konnten die Mauern den Naturgewalten und Bergbewegungen nicht mehr standhalten. Sie mussten mit viel Engagement, Idealismus und hohem finanziellen Aufwand nach und nach neu gemauert und mit Beton verstärkt werden.
Ab dem Sockel ist die Hütte aus Holz gebaut. Lediglich die bergseitige Rückwand des Stalls wurde aus Natursteinen gesetzt, da sie direkt ans Erdreich des Bergs angrenzt und dadurch der Feuchtigkeit ausgesetzt ist.
Bestünde sie aus Holz, würde sie zu schnell verrotten.
Vor der massiven Holztür, die vom überdachten Vorraum in die geräumige Wohn-Ess-Küche führt, stehen ein schwerer Holztisch und Bänke. Das ist sozusagen das wettergeschützte Freiluft-Esszimmer.
Die Küche war und ist noch immer der zentrale Raum der Alm. Von ihr aus erreicht man alle Räume im Erdgeschoss und hat direkten Zutritt zum Stall.
Früher wurde auf einem großen Steinsockel auf offenem Feuer gekocht und gekäst.
Die Kochtöpfe stellte man auf ein Dreibein. Zur Käseherstellung wurde ein voluminöser Kupferkessel mit einem stabilen, in der Mauer verankerten Schwenkarm über das Feuer gehängt.
Antike Käseutensilien, die heute als Dekoration die Küche zieren, zeugen noch von dieser Zeit.
Oberhalb der Feuerstelle befindet sich die Esse, die sich zum Kamin verjüngt.
Mit Erweiterung der Hütte und Einrichtung von Fremdenzimmern ist die offene Feuerstelle einem großen, aus Eisen hergestellten Küchenherd gewichen. Er wird mit Holz befeuert und verfügt über zwei Kochfelder.
Gespült wird in einer Spülschüssel oder im antiken, metallbeschichteten Holzbecken, an das sich ein hölzernes Abtropfgestell anschließt.
Das Abflussrohr führt durch die Küchenwand hinaus ins Freie und an der Mauer entlang zum Boden, wo es in einem Loch versickert. Warmes Wasser holt man sich vom Küchenherd, kaltes draußen am Brunnen.
Der ausladende, im Zentrum der Küche stehende Tisch samt Besteckschublade, dient als Arbeitsfläche beim Zubereiten der Speisen und bietet mit einer Sitzbank und Stühlen Platz für bis zu acht Personen.
Alle Einrichtungsgegenstände sind antik, aus massivem Holz gefertigt und haben eine, über mehr als hundert Jahre hinweg entstandene Patina angenommen.
Manch ein Senner hat sich mit Zeichen und Symbolen in ihrem Holz für die Ewigkeit eingekerbt.
Ein Gebet, mit dem man Schutz über Alm, Senner und Vieh herbeizubeten versuchte, hängt neben der Kochstelle.
Zusammen mit den, in Holz gerahmten und in allen Räumen verteilten Schutzheiligen, muss es wohl gelungen sein, schwerwiegende Schäden fernzuhalten.
Gelegentlich stehe ich gedankenversunken in der Küche, fühle mich regelrecht der Zeit entrückt und frage mich, was diese Wände und Möbel alles über ihre Bewohner zu erzählen hätten.
Zusätzlich zur Eingangstür verfügt die Küche über vier weitere Türen. Eine von ihnen führt ins Schlafzimmer.
Dass es nicht beheizbar ist, stört uns nicht, da wir daheim das ganze Jahr über bei geöffnetem Fenster schlafen.
In Zeiten kalter Gebirgsnächte werden vor dem Zubettgehen heiße Bettflaschen unter die Bettdecke gelegt.
Durch die Tür gegenüber dem Eingang gelangt man in das geräumige Wohnzimmer.
Dank dreier Fenster ist es sehr hell und bietet traumhafte Aussichten. Da dies der einzige beheizbare Raum der Hütte ist, wird er multifunktional genutzt und stellt neben der Küche den wichtigsten Wohnbereich dar.
An der Steinwand zur Küche hin steht ein kleiner Kachelofen, der eine ausgesprochen wohlige Wärme verbreitet.
Er ist etwas ganz Besonderes, denn er stammt aus der Zeit des Jugendstils und zaubert dadurch einen Hauch von Luxus in den Raum. Mit ihm hatten sich die früheren Besitzer der Hütte ein echtes Schmuckstück geleistet, das für eine Alm eher untypisch ist. Sein Korpus, der auf vier tatzenförmigen Füßen ruht, ist ringsherum mit grünen, floral verzierten Reliefkacheln versehen. Das Rauchrohr führt durch die verputzte Steinwand direkt in die Esse. Obwohl der Ofen sehr zierlich ist, gelingt es ihm, das Zimmer auch bei empfindlichen Minustemperaturen behaglich warm zu halten.
Ist er erst einmal angefeuert, dauert es zwar mehrere Stunden bis die Kacheln Wärme abgeben, aber dafür speichern sie die Temperatur sehr gut und geben auch nach Erlöschen des Feuers noch für zwei bis drei Stunden Wärme ab.
Ich liebe diesen wunderschönen und einzigartigen Ofen.
Lausche ich dem Lodern und Knistern des Feuers in seinem Bauch, kommt er mir bisweilen wie ein Lebewesen vor, das mir mit seiner Wärme Freude bereiten möchte.
Wenn es im Winter über längere Zeiträume hinweg klirrend kalt ist und die Temperatur im Schlafzimmer selbst tagsüber nicht über minus zehn Grad klettert, empfiehlt es sich selbst erprobten Kaltschläfern, im Wohnzimmer zu nächtigen.
Hier in der Hütte denkt und lebt man eben pragmatisch.
Aus der Küche heraus führt eine weitere Tür zum schmalen, lang gezogenen Balkon.
Dort sitzt es sich hervorragend auf der Holzbank, den Rücken an die Hauswand gelehnt und den herrlichen Ausblick aufs Tal und das Dorf genießend.
Deshalb nenne ich diesen Platz liebevoll den „Ausguck“. Er ist sozusagen mein Fernsehzimmer.
An der Ostseite der Küche gelangt man durch eine schwere Holztür direkt in den weiträumigen Stall, der mehr als die Hälfte der Grundfläche des Gebäudes einnimmt.
Heute dient er als Abstellraum für Vorräte, Brennholz, Baumaterialien, eine Werkbank mit Werkzeugen und anderen nützlichen Dingen, die man in einer Berghütte gebrauchen kann.
Eine breite, zweiflüglige Tür führt vom Stall über den Vorraum ins Freie.
Der Mist wurde durch eine schmale Tür an der Südseite des Stalls ins Freie geschoben, wo sich früher der Misthaufen befand.
Vier kleine Fenster beleuchteten den Stall spärlich. Mehr...




