E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Wolf Bildungsfinanzierung in Deutschland
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-91207-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-91207-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Über wenige Aspekte der Bildungspolitik besteht in der öffentlichen Diskussion so große Einigkeit wie über die schlichte Notwendigkeit zusätzlicher finanzieller Mittel für die Schulen und Hochschulen.
Während mannigfaltige Vorschläge zu ihrer Herkunft und Verwendung existieren - man streitet leidenschaftlich über die Verteilung der Felle verschiedener Bären, die noch lange nicht erlegt oder auch nur gesichtet worden sind - hat man sich bislang jedoch kaum systematisch mit den Ursachen der bislang so offenbar unzureichenden Bildungsausgaben beschäftigt. Aber warum stehen wir eigentlich, wo wir stehen? Welche Rolle spielen die Wirtschaftskraft und der Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Bevölkerung, wie wirken sich unser Institutionensystem und die Sozialpolitik aus, und welchen Einfluss haben Parteien und Verbände? Die Antworten auf diese Fragen sollten Grundlage für alle weiteren bildungspolitischen Reformdiskussionen sein, und zu ihnen beizutragen ist der Hauptzweck dieses Buches. Darauf aufbauend skizziert es zudem Szenarien, wie höhere Bildungsinvestitionen in Deutschland realistischerweise zu erreichen sind.
Dr. Frieder Wolf ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;4
2;Abkürzungsverzeichnis;5
3;1 Einleitung;6
4;2 Die Logik der öffentlichen Bildungsfinanzierung (oder: Warum der Staat hierzulande so wenig in die Bildung investiert);13
4.1;2.1 Die Rolle des Politikerbes und die relative Langsamkeit von Veränderungen;14
4.2;2.2 Der Einfluss der wirtschaftlichen Leistungskraft;16
4.3;2.3 Demographie und Bildungsnachfrage;20
4.4;2.4 Religiös-kulturelle Prägungen;23
4.5;2.5 Gesellschaftliche Machtressourcen;26
4.6;2.6 Machen Parteien einen Unterschied?;29
4.7;2.7 Politisches Institutionensystem;36
4.8;2.8 Finanzierungsbedingungen und Programmkonkurrenz;38
4.9;2.9 Beachtenswerte Besonderheiten;44
4.10;2.10 Zusammenfassung;47
5;3 Wie die private Bildungsfinanzierung tickt (oder: Warum die privaten Bildungsausgaben in Deutschland recht hoch sind);49
5.1;3.1 Gibt es einen Substitutionseffekt zwischen öffentlichen und privaten Bildungsausgaben?;50
5.2;3.2 Sozioökonomie und Demographie;51
5.3;3.3 Parteien und Interessenverbände;52
5.4;3.4 Religiös-kulturelle Faktoren;54
5.5;3.5 Institutionenordnung und öffentliche Finanzen;57
5.6;3.6 Beachtenswerte Besonderheiten;61
5.7;3.7 Zusammenfassung;64
6;4 Der Tertiärsektor unter der Lupe;66
7;5 Prognose: Wie es weiter geht, wenn sich nichts ändert;73
8;6 Strategien zur Steigerung der Bildungsausgaben in Deutschland;76
9;7 Fazit;95
10;Anhang;98
10.1;Anhang 1: Daten;98
10.2;Anhang 2: Methoden;103
10.3;Anhang 3: Ausgewählte Regressionsanalysen;105
11;Literatur;129
4 Der Tertiärsektor unter der Lupe (S. 67-68)
"If there was ever a time when higher education needed sustained scholarly reflection on finance, it is now." (Michael/Kretovics 2005: 1) Der internationale Trend der Hochschulfinanzierung läuft auf höhere private Kostenbeteiligungen – vor allem in Form von Studiengebühren – zu (vgl. GUNI 2006: 9, Heller/Rogers 2006 u. OECD 2006: 212). Über die Bewertung von Studiengebühren an sich und ihrer konkreten Ausgestaltung besteht jedoch weder in der Literatur noch in der öffentlichen Diskussion Einigkeit.
Im vorliegenden Buch wird hierzu keine normative Positionierung angestrebt, steht doch die empirische Frage nach den Ursachen der Variation der öffentlichen und privaten Bildungsausgaben in seinem Zentrum. Die verschiedenen Aspekte und Positionen in dieser normativen Debatte sollen aber, etwas vereinfacht, an dieser Stelle zusammengefasst werden, weil sie für die Willensbildungsprozesse in den einzelnen Ländern relevant sind und für die später zu entwickelnden Strategien zur Steigerung der Bildungsausgaben in Deutschland natürlich starke Implikationen haben.
Es geht im Kern um die Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems, um eine möglichst gerechte Lastenverteilung und um die Rolle des Staates bzw. den Charakter von Bildung als privatem oder sozialem Gut. Einerseits werden Gebühreneinführungen bzw. -erhöhungen und der damit einhergehenden Intensivierung des Wettbewerbs positive Effekte auf die Effizienz und Performanz der Hochschulen zugeschrieben (Aktionsrat Bildung 2007: 62, Leszczensky 2004: 25 u. Wolter 2001: 125), werden sie angesichts der regressiv umverteilenden Effekte kostenfreier Hochschulbildung als sozial gerechter angesehen (Biffl/Issac 2002 u. Foders 2001: 52f.), und es wird dem Staat die Fähigkeit (oder auch der Wille) abgesprochen, die aus demographischen und ökonomischen Gründen für notwendig erachteten zusätzlichen Ressourcen aufzubringen (Leuner/Woolf 2004: 193 u. Tanzi/Schuknecht 2000: 190).
Andererseits wird die positive Wirkung von mehr Wettbewerb und Konsumentensouveränität auf dem Bildungssektor unter anderem mit dem Verweis auf die eingeschränkte Kompetenz der Nachfra ger zur Qualitätsbeurteilung in Zweifel gezogen (Leibenstein 1998: 547, Rhoden 1991: 228 u. Ruch 2001: 142) und die drohende Segregation zwischen unterschiedlich zahlungskräftigen Studierenden sowie die Abschreckung von Schulabgängern aus (bildungs-)ärmeren Elternhäusern vom Studium (vgl. Bräuninger/ Vidal 2000: 388, Dewatripont 2001: 131 u. Esping-Andersen 1985: 34) als gerechtigkeitstheoretisch bedeutsamer angesehen als ein Abschöpfen der Bildungsdividenden. Des Weiteren sind Stimmen zu vernehmen, denen zufolge Bildung nicht nur ein ‚irreduzibel soziales Gut’ (Taylor 1990) darstellt, sondern seine schrittweise Privatisierung auf Dauer auch die soziale Kohäsion und das Funktionieren von Demokratie wie Marktwirtschaft gefährdet (Crouch 2004: 79, Michael/Kretovics 2005: 68, Olssen/Codd/O’Neill 2004: 275 u. Whitty 2002: 97).
Diese Vielfalt der Haltungen zur Finanzierung der hochschulischen Bildung spiegelt sich auch in den stark unterschiedlichen nationalen Profilen der Hochschulausgaben in den OECD-Ländern wider, die Abbildung 31 darstellt. Zunächst fällt auf, dass in den USA, Südkorea und Japan die privaten Akteure mehr zu den Hochschulfinanzen beisteuern als die öffentlichen Haushalte80, und auch in Australien ist bei Parität zwischen beiden Seiten der private Beitrag weitaus bedeutsamer, als wir das bei der Betrachtung der gesamten Bildungsausgaben überhaupt irgendwo gesehen hatten.




