E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Wolf Herzpflaster oder die Frage, ob ich meinen Mann noch einmal heiraten würde
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-5708-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-7597-5708-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabine Wolf kam nach Konsum unzähliger Bücher mal der Gedanke, auch mal einen Versuch zu wagen, sie verwarf diesen aber gleich wieder. Wer war sie schon, einen Roman zu schreiben? Doch die Idee hatte sich festgesetzt und die Worte wollten getippt werden. Nun gibt es schon zwei Romane, einen Erfahrungsbericht, einige satirische Texte und drei Gedichte, die alle nach und nach erscheinen werden. Sabine Wolf lebt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet. Sowohl über gelesene als auch die eigenen Bücher spricht sie bei Instagram und Threads unter @hobbyautorinsabinewolf
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«War es schön?», nuschelte Dennis' sonore Stimme aus den Tiefen seines Kopfkissens.
Schön? Na, ja, es hatte schön angefangen ... Bis ich die tolle Idee zu meinem Geständnis hatte. Danach war der Abend für mich unangenehm, schwierig, belastend und anstrengend geworden.
«Na klar, wie immer», antwortete ich.
Ach kommen Sie, man kann es mit der Wahrheit auch zu genau nehmen! Wenn der Zahnarzt fragt, ob Sie Schmerzen haben, sagen Sie ja auch nicht, dass Sie kein Eis mehr essen können, weil es links unten sonst immer so zieht. Sie warten doch auch, ob er von alleine etwas merkt und ziehen munter von dannen, wenn er seinen Stempel in das kleine Bonusheftchen gemacht hat. Natürlich bereuen Sie es vor der nächsten Eisdiele und geloben für den nächsten Besuch Besserung, obwohl Sie genau wissen, dass sich an Ihrem Verhalten nichts ändern wird.
Und nein, ich hatte nicht das Gefühl, gelogen zu haben. Ich ... hatte ihm einen Gefallen getan. Ja, das war's!
Also ließ ich Dennis mit meiner falschen, aber beruhigenden Antwort wieder zurück in den Schlaf gleiten und legte mich ebenfalls hin.
Ohne Aussicht auf Schlaf natürlich.
Würde ich Dennis noch einmal heiraten? Die Frage ging mir nicht aus dem Kopf. Sie drehte Kurve um Kurve in meinem Hirn und ich wurde sie genau so schlecht los wie einen Ohrwurm, dessen Melodie oder Text man eigentlich total nervig findet, an den man aber trotzdem alle zehn Minuten denken muss.
Waren Sie mal Mitte Oktober, wenn die Außentemperaturen noch bei etwa 19 °C liegen und die Sonne scheint, in der Stadt und haben sich gewundert, warum Sie gerade ‹Last Christmas› summen? Sie haben vorher die Weihnachtsabteilung passiert, den Kopf geschüttelt über den alljährlichen Wettbewerb Wer-startet-zuerst-mit-der-Weihnachtsauslage und das Lied unbewusst mitgenommen! Dasselbe kann Ihnen Anfang Januar mit ‹Hände zum Himmel› passieren. Und dann können Sie noch vom Glück sagen, dass Sie nicht ‹Pferd auf dem Flur› erwischt haben. Meinen großen Respekt an dieser Stelle an die armen Menschen, die dort arbeiten und über Stunden mit immer der gleichen Musik beschallt werden, zumal wahrscheinlich nur fünf Lieder in Dauerschleife laufen. Eine Art Schmerzensgeldzulage wäre da wirklich angebracht!
01:47 zeigte mein Wecker inzwischen. Würde ich Dennis noch einmal heiraten? Mangels Aussicht auf meine wohlverdiente Nachtruhe begann ich, im Kopf eine Positiv-negativListe meiner Ehe mit Dennis aufzustellen.
Ich würde mit den negativen Dingen anfangen. So viele konnten es ja nicht sein.
Selbstverständlich die zusätzliche Arbeit, die das Leben mit einem Mann (zumindest mit meinem) mit sich brachte: zusätzliche Wäsche, die leider nie von alleine den Weg in den Wäschekorb fand, sondern die ich von seinem Bett, aus und neben seiner Sporttasche, im Bad oder von dem alten Sessel, der neben seinem Bett stand und auf dem er die Sachen ablegte, die er noch einmal anziehen wollte einsammeln musste. Ich finde nun einmal, dass man einen Pullover, den man schon vier- bis fünfmal anhatte, waschen sollte, auch wenn er noch nicht riecht.
Negativ auch, dass er das Fernsehprogramm mitbestimmen durfte. Ich weiß, dass das jetzt kleinlich ist, aber die Menge an Sportsendungen, ‹die man unbedingt sehen muss›, erschließt sich mir nicht. Es wäre ja okay, wenn er entweder Formel Eins, Fußball, Boxen, Handball oder Tennis schauen müsste. Aber alles? Ich bitte Sie! Außerdem können wir samstags nie vor 20.00 Uhr etwas unternehmen, damit der Herr die Sportschau gesehen hat.
Sollten Sie also jemals zu Günter Jauch eingeladen werden und einen Telefonjoker für den Themenbereich Sport suchen, wenden Sie sich vertrauensvoll an meinen Mann. Mit ein wenig Motorrad-Technik, Modellen, Baujahren und Fahrverhalten kann er auch dienen.
Wehe hingegen, ich wollte die neueste Rosamunde-PilcherVerfilmung sehen (das müssen Sie nun wirklich nicht weitererzählen!), dann hatte ich Diskussionen ohne Ende! Komischerweise schlief ich bei etlichen Krimis oder Thrillern ein, aber so ein schöner, gefühlvoller, durchschnittlich gespielter, völlig vorhersehbarer Pilcher? Da war ich wach bis zum Schluss und freute mich wie Bolle aufs Happy End!
Drittens die Unmengen an Nahrungsmitteln, die man rankarren und zubereiten musste. Als Single hatte ich kaum gekocht, lieber überbrückte ich mittags mit einer Kleinigkeit vom Bäcker um die Ecke und schob abends wahlweise eine Tiefkühl-Lasagne in den Ofen (was ich mir spätestens nach dem Pferdefleisch-Skandal eh abgewöhnt hätte) oder machte eine Dose Ravioli warm. Als ich mit Dennis zusammenkam, lud er mich häufig abends zum Essen ein und am Wochenende waren wir wenigstens einmal bei seinen Eltern zu Cast und genossen Hausmannskost.
Mit den Kindern kam dann die Verpflichtung, Essen zu kochen. Regelmäßig! Täglich!
Kam ich mir anfangs noch vor wie die Bilderbuch-Mutti und stampfte glücklich Kartoffeln und pürierte das Fleisch, wurden die Mengen dank zweier Heranwachsender und Dennis riesig. Ich schälte mich durch Mount Everests von Kartoffeln und schnippelte anfangs Gemüse wie manch Koch einer Kantine. Beim Gemüse war ich mittlerweile allerdings wieder im Tiefkühlbereich angekommen. Und wenn ich mal extra viel kochte, damit für den nächsten Tag noch etwas übrig blieb, machte Dennis sich garantiert abends noch ‹eine kleine Portion davon› warm, sodass am nächsten Tag nicht mehr genug für alle da war und ich mit einem Spiegelei auf Brot vorlieb nehmen musste.
Zusätzlich die Belastung, dass der Herr sich Abend um Abend Chips, Schokolade oder Weingummi zu Gemüte führte, während ich versuchte, mein Gewicht zu halten. Wie oft schon war es in der Vergangenheit passiert, dass ich mich den ganzen Nachmittag mit der Nascherei zurückgehalten hatte, also höchstens sechs Plätzchen oder zwei Riegel Schokolade oder natürlich sechs Plätzchen und zwei Riegel Schokolade zu mir genommen hatte, um dann abends nach 21.00 Uhr, wenn man bekanntermaßen eigentlich gar nicht mehr essen sollte, noch einzuknicken und den Rest der Tüte ungarischer Chips aufzuessen, die Dennis angefangen hatte. Ich würde nie begreifen, wie er es fertig brachte, eine halbe Tüte zu essen. Ich war grundsätzlich erst fertig, wenn die Tüte leer war. Von wegen: eine Portion = ca. 25 g!! Das hieße, Sie müssten sich die klassische 175-Gramm-Tüte zu siebt (zu SIEBT!!!!) teilen!! Ich betrachtete es schon als Diät, wenn ich von den neuen 50-Gramm-Tüten nur zwei aß! Schließlich sparte ich so 75 g Chips gegenüber der gängigen 175-g-Tüte!!
Und dann sein Kumpel Matthias!! Zwar konnte man mit Matthias wahnsinnig viel Spaß haben, ich würde ihn trotzdem auf die Negativ-Seite packen. Wenn er gut drauf war, konnte er wunderbar dummes Zeug reden und wäre er nicht Lehrer geworden, hätte er bestimmt auch das Zeug für eine Comedybühne gehabt.
Oder hatte er es gerade deshalb? Ehrlich: Witze über den ‹Verstand› so manchen Schülers waren schon heftig, besonders, wenn man wusste, dass das Ganze auf Tatsachen beruhte: Matthias: Wie schreibt man ein Drittel als Dezimalzahl? Schüler: Eins Komma, ähm, bin mir gerade nicht sicher ... Matthias: Mensch, Kevin, das ist doch das Einmaleins! Wenn ein Brötchen 35 Cent kostet, was kosten denn dann vier Stück? Kevin: Ja, ich weiß nicht mehr ganz, wie man das mit dem Komma aufschreibt, sonst könnte ich das ja ausrechnen. Matthias: So, jetzt wenden wir uns dem Dreisatz zu. Schülerin: Ich denk, wir machen Mathe?!?
Aber er war nun einmal überzeugter Single und wurde es nicht leid, Dennis von seiner ungeheuren Freiheit, seinen vielen, tollen Abenden mit Sportkameraden, Arbeitskollegen oder sonstwem zu erzählen und in mir nagte dann immer das Gefühl, ich wäre ein Hemmschuh, ohne den Dennis viel mehr Spaß im Leben hätte. Ich hatte durchaus schon Wortschnipsel mitbekommen, wenn die beiden dachten, ich würde sie nicht hören. Und das waren Schnipsel wie ‹Spaß›, ‹ohne Kinder› oder ‹nur wir Männer›.
Und dann die Motorrad-Ausflüge!! Lief kein Sport im Fernsehen, wurde wahlweise an dem Motorrad herumgeschraubt oder es wurde gefahren. Klar, früher saß ich hinten drauf und wir haben gemeinsam Ausflüge gemacht. Ich fand es auch immer richtig gut. Die irre Beschleunigung (Schnell fahren an sich war eher anstrengend als schön, aber auf die A 3 zu fahren und immer, immer schneller zu werden war einfach toll.), die schöne Landschaft, die man viel direkter wahrnahm, die guten Parkmöglichkeiten für das Motorrad ... Ja, wir haben so echt viele schöne Ausflüge gemacht.
Lange Zeit hatte ich mit dem Gedanken gespielt, selbst einen Motorrad-Führerschein zu machen, es aber immer wieder hinausgeschoben. Nachdem Lennart dann auf der Welt war, wollte ich nicht mehr mitfahren. Dennis war geradezu geschockt. Aber ich hatte von jetzt auf gleich einfach keinen Spaß mehr daran. In jeder Kurve hatte ich Angst, das Bike würde...




