Wolf | Lobarg | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 562 Seiten

Reihe: Lobarg

Wolf Lobarg

Verlust eines Wolfes
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-5293-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Verlust eines Wolfes

E-Book, Deutsch, Band 2, 562 Seiten

Reihe: Lobarg

ISBN: 978-3-6957-5293-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie ist es, seinen Geist mit dem eines wilden Tieres zu teilen? Wie ist es, zu wissen, dass man in ihm einen Feind sehen kann, der droht, dich zu vernichten? Nachdem er glaubt, seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, lebt Lloyd ein ruhiges Leben in einer kleinen, friedlichen Stadt im Saarland. Die Geschehnisse der vergangenen Jahre zehren an ihm, wie auch der Verlust seiner damaligen Weggefährten in der alten Heimat. Das Heimweh treibt Lloyd nach Salbrun zurück, wo er all das verliert, was er sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Aus Verzweiflung wendet er sich an die einzigen, die ihm Hilfe anbieten: die Pernoy. Von ihnen lernt er, wie dünn die Grenze zwischen Manipulation und Vertrauen ist. Die Erfahrung mit diesem Clan mündet im Verlust seines Wolfes und dem Gewinn eines neuen. Die Pernoy säen Misstrauen gegen seinen früheren Clan, der in Hass übergeht. Als er gegen einen alten Freund kämpfen soll, muss Lloyd sich zwischen der Freundschaft, seiner neuen Liebe zu einem Angehörigen der Pernoy und dem Überwinden seiner Vergangenheit entscheiden.

Dennis Wolf wurde 1993 geboren und lebt inzwischen in der Nähe Fulda in Hessen. Dieses Buch beschreibt die Zeit von 2019 bis 2021, in der er erst im Saarland und später wieder in Baden-Württemberg gelebt hat. Auch wenn er sich vom kaufmännischen Weg abgewendet hat und nun in der IT ein Zuhause gefunden hat, hat ihn das Schreiben von Romanen nie losgelassen. Er verarbeitet viel dessen, was er selbst erlebt hat, in den Kapiteln des Buches, um jedem Leser die Möglichkeit zu geben, selbst über das Erlebte zu reflektieren und sich zu fragen, ob man ähnlich entschieden hätte. Dass er Furry ist, floss in die Geschichte mit ein, spielt aber eine untergeordnete Rolle.
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I - Brüder


Der Mond schien auf meinen Körper herab, als meine Füße mich Schritt für Schritt vorwärts trugen. Ich wusste nicht, wie lange ich nun wirklich im Wald war und mich der beruhigenden Atmosphäre hingab, aber das war für diesen einen Augenblick auch nicht wichtig.

Der Wind rauschte in den Blättern der Bäume, das entfernte Tropfen von Wasser war zu hören. Vereinzelt konnte man das Knacken von Ästen wahrnehmen, als kleine Tiere vor mir flohen oder mich interessiert beobachteten.

Der Boden war feucht, jedoch nicht matschig, das Singen der Vögel schon lange verstummt und mich umgaben die grauen Schemen des Waldes. Die Nacht war zwar hereingebrochen, aber ich konnte dennoch einige Meter weit sehen. Der Mond schien hell und wies mir den Weg so weit, dass ich mich orientieren konnte.

Entgegen der Meinung vieler Menschen, dass nachts im Wald nichts zu erkennen war, fühlte ich mich in dieser Situation wohl. Es war einer der seltenen Momente, in denen ich so sein konnte, wie ich wollte. Keine Erwartungshaltung von anderen und kein Zwang, sich zu verstellen. Hier gab es das nicht. Niemand würde mich beobachten und darauf reduzieren, wie ich aussah, was ich sagte und tat.

Ein tiefer Atemzug. Ich sog den angenehmen Geruch des leicht feuchten Waldes ein, während ich zum Stehen kam. Es roch schwach nach einer Mischung aus Baumharz und Blumen. Ein angenehmer Geruch, den ich lange in meiner Nase behielt, ehe ich die Luft der Natur zurückgab.

Der Mond schien auf meinen Rücken und ich fühlte, wie seine kalten Strahlen mich wärmten. Es war ungewöhnlich hell, beinahe wie am Tag.

Womöglich hatten sich meine Augen lediglich an den Umstand der Dunkelheit gewöhnt, aber ich war sicher, dass ich keine Angst zu haben brauchte.

Ungewöhnlicherweise schien mich der hinter mir leuchtende Himmelskörper mit Selbstsicherheit und Zuversicht zu erfüllen.

Als ich nach oben sah, erblickte ich die Sterne. Jede Nacht, wenn ich sie betrachtete, konnte ich den Kleinen Wagen erkennen, der das Sternbild zu sein schien, das sich mir am häufigsten offenbarte. Für mich hatte es keine große Bedeutung, aber ich genoss es, überhaupt Sterne sehen zu können. Diese weit entfernten Himmelskörper, die man nie erreichen und lediglich bewundern konnte. Orte, die so weit weg waren von dieser von Krieg und Unglück erfüllten Welt.

Langsam setzte ich meine Reise auf dem kleinen Weg, der tagsüber für Hunde zum Gassigehen genutzt wurde, fort. Er war schmal und teilweise mit Ästen übersäht, sodass man genau darauf achten musste, wohin man trat.

Je weiter ich voranschritt, desto eher erinnerte ich mich an das, was geschehen war: Fast drei Jahre waren die Ereignisse in Salbrun schon her. Es war ein Abschied gewesen, der sich nach wie vor seltsam anfühlte, wenn man bedachte, dass mich von dieser Stadt nun mehrere Hundert Kilometer trennten. Mein Weg hatte mich ins Saarland geführt, an einen Ort, den ich vorher nie in Betracht gezogen, der sich aber als eine Möglichkeit eröffnet hatte, neu anzufangen. Und genau das war mein Ziel gewesen.

Hier kannte mich niemand oder erwartete, dass ich mich für meine Persönlichkeit rechtfertigte. Selbst dieser Wald – so ruhig er auch war – hatte keine Erwartungshaltung. Er war einfach da und ich spürte, wie er mich als Teil von sich willkommen hieß. Das Gefühl und die Atmosphäre, die er ausstrahlte, luden förmlich dazu ein, tiefer hineinzuwandern. Und dabei war ich gerade nicht einmal in der Gestalt eines Wolfs. Niemand war physisch bei mir. Allein durchstreifte ich die Bäume, Büsche und Gräser. Es gab kein Gefühl der Angst oder des Unbehagens.

‘Worüber denkst du nach?‘, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf fragen.

Für einen Augenblick zuckte ich kaum merklich zusammen, als ich wieder stehen blieb und mich zum Mond umdrehte. Obwohl mein Wolf wissen sollte – oder könnte –, was in meinem Kopf vor sich ging, fragte er nach. Er wusste anscheinend nicht alles über mich und wollte meine Gedanken nicht erforschen. Das war die Art von Zurückhaltung und Respekt, die ich an ihm bewunderte. Jede Person hätte vermutlich der Neugier nachgegeben, in meinen Gedanken und Erinnerungen zu wühlen wie ein Maulwurf.

»Ach weißt du – « setzte ich an, unterbrach dann aber und strich mit der Handfläche über einen nahestehenden Baum. Seine Rinde fühlte sich hart und feucht an. »Ich hätte einfach nicht gedacht, hier zu landen. Im Saarland, so ganz woanders.«

‘Bereust du es?‘

»Nicht eine Sekunde. Salbrun war kein Ort, an dem ich bleiben konnte.«

Langsam lief ich weiter. Nach all dem, was passiert war, hatte ich das wirklich nicht können. So schwer mir der Abschied von Frau Morrison und meiner Mutter gefallen war; ich hatte gehen müssen. Nicht nur, weil die Polizei diese Stadt förmlich auf den Kopf gestellt hatte, sondern auch, weil mich alles an Daniel und die Erlebnisse der Vergangenheit erinnert hatte. Seine Präsenz war nach wie vor in meinem Kopf. Es gab Momente, da vermutete ich ihn direkt neben mir, als Teufelchen auf meiner Schulter, das mir einreden wollte, welche Entscheidung die richtige war und wohin ich gehen sollte. Bevor ich Edward, Sylvio und Becca kennengelernt hatte, war es auch so gewesen. Doch je mehr ich mich von ihm abgewendet und meine eigenen Entscheidungen getroffen hatte, desto eher entfremdeten wir uns voneinander. Nicht zu vergessen, dass er mich hatte töten wollen.

Aber hierher nach Veilheim zu gehen, hatte nicht er herbeigeführt, sondern ich ganz allein.

Plötzlich kam mir meine Mutter in den Sinn. Ich hatte beinahe vergessen, dass ich Geschwister hatte, um die sie sich kümmern wollte. Die letzten Tage in Salbrun war sie oft bei mir geblieben, vermutlich aber auch, um Edward zu sehen. Das bedeutete jedoch ebenfalls, dass ich sie nach meinem Wegzug nicht mehr so oft besuchen konnte.

Einige Meter trennten mich noch von meinem Ziel, das ich ansteuerte: ein Aussichtspunkt, von dem aus man einen großen Teil der Stadt überblicken konnte. Drei Bänke luden dazu ein, sich hinzusetzen, um über sich selbst und das Leben zu sinnieren.

Die vergangenen Jahre hatten mich erneut zum Nachdenken gebracht und ich nutzte vor allem die Abende, um rauszukommen und dem menschlichen Irrsinn um mich herum für eine kurze Zeit zu entfliehen. Das waren die Momente, die mir halfen, ein wenig Druck abzulassen. Dabei waren meine Gedanken nicht so destruktiv, wie noch zu meiner Zeit vor den Ereignissen in Salbrun. Zu sehen, wie sich das Leben, die Welt, einfach alles, entwickelte, ließ mir keine Ruhe.

Als die Bänke in Reichweite waren, zögerte ich erst, nahm dann aber Platz.

»Dass du da bist, hat viel verändert, Selvan.«

‘Wäre ich nicht da, hättest du nicht die Person sein können, die du jetzt bist.‘

War dem wirklich so? Hätte ich ohne ihn nicht der Mensch werden können, der jetzt auf dieser Bank saß? Wenn man für einen Moment vergaß, was in der Vergangenheit geschehen war, war ich doch sehr unglücklich mit meinem Leben gewesen. Aber ob ich es nicht auch aus eigenem Antrieb hätte schaffen können, etwas zu ändern? Wer wusste das schon?

»Es hat einen Preis. Wenn ich mir all die Menschen dort unten ansehe ... Daran denke, wie ich mit ihnen im Bus sitze, im Laden arbeite, sie im Vorlesungssaal neben mir sitzen; ich bin keiner mehr von ihnen. Vielleicht war ich das auch nie.«

Selvan antwortete nicht, aber das war nicht notwendig. Ich wusste gut genug, dass ich keine der Personen mehr sein konnte, die teilweise blind durch das Leben gingen und sich in den sozialen Medien über Nichtigkeiten aufregten. Selvan und ich hatten aus mir den Menschen gemacht, der ich immer sein sollte. Vielleicht stimmte es wirklich.

So nachdenklich ich gerade auch war: Mein Leben war schön. Ich hatte das Gefühl, in einer neuen Umgebung angekommen zu sein, weg von allem in Salbrun, was mich verfolgen konnte – außer Daniel.

Plötzlich raschelte es neben mir. Ich sah zur Seite, aber es war nichts zu erkennen.

Selvan signalisierte, dass es nichts Gefährliches war, also blieb ich unbesorgt. Im Hintergrund konnte man den Ruf eines Fuchses hören. Obwohl es die meisten Menschen beunruhigt hätte, klang es eher so, als ob dieses kleine Wesen mir zuversichtlich zurief und mich ermutigte, im Wald zu bleiben.

»Ich will nicht sagen, dass ich nicht glücklich bin. Es ist nur ... Ich werde nie wieder einer von ihnen sein. Teil ihrer Welt sein, weil ich Dinge gesehen und erlebt habe, die andere Menschen nicht verstehen. Und selbst wenn ich dich gehen ließe, würde sich das nicht ändern. Mein altes Leben bekäme ich nicht zurück.«

Ein Windzug kam auf, während ich das Flackern der Lichter in den Häusern im Hintergrund betrachtete, das sich unendlich oft zu wiederholen schien und sich in meinen Augen spiegelte.

Auch wenn diese Situation sich anfühlte, als wäre alles gut, war das erst seit Kurzem so. Selvan hatte sich mir nach dem Weggang aus Salbrun kaum noch gezeigt und ich wollte mich nicht verwandeln, solange ich keinen Kontakt zu ihm hatte. Das wäre irgendwie … falsch...



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