E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Wolf Lobarg
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-8181-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer willst du sein?
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7543-8181-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lloyd ist ein Mensch, zumindest glaubt er das. Doch sein Leben ändert sich schlagartig. Als er merkt, dass er sich in einen Wolf verwandeln kann, kippt sein Leben komplett. Wem kann er noch vertrauen? Wer ist Freund, wer Feind? Und wer will er sein? Ein wilder Wolf, ein Mensch? Oder doch ein Leben zwischen diesen beiden Spezies führen? Gefangen in einem Konflikt zwischen 3 verschiedenen Wolfsclans muss er eine Lösung finden. Doch auf dem Weg dahin bricht das Chaos über ihm zusammen.
Dennis Wolf ist ein junger Autor, der sich nie zuvor Gedanken darüber machte, dieses Buch wirklich zu veröffentlichen. Er lebt im Süden Deutschlands, der ihn für diesen Roman stark inspiriert hat. In seiner Laufbahn hat er sich erst in einer Ausbildung und dann als Student kaufmännisches Wissen angeeignet, das ihn bis heute überall in seinem Leben begleitet. Trotz großen Hürden, die ihn durch das Leben begleiten, liebt er es, anderen zu helfen, besonders mit Texten wie diesem Roman. Außerdem ist er ein Furry.
Autoren/Hrsg.
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Schnee. Jedes Mal, wenn ich im Winter nach draußen sah, fragte ich mich, wieso so viele Leute diese Kälte mochten. Er sah zwar schön aus, aber selbst mit der dicksten Jacke war mir immer kalt, wenn ich zu dieser Jahreszeit das Haus verließ. Ich ließ den Blick über die Straße schweifen. Autos fuhren in Schrittgeschwindigkeit vorbei, während auf den Bürgersteigen einige Kinder Schneebälle formten und sich damit gegenseitig bewarfen. Einige Sekunden schloss ich meine Augen und ließ die Wärme, die vom Heizkörper unter dem Fensterbrett ausging, durch den Körper strömen. Ich griff zur Kaffeetasse und nahm einen Schluck. Heute war Samstag. Obwohl ich hätte ausschlafen können, wurde ich unerwartet früh wach. Manchmal spielte mein Körper mir solche Streiche und ich konnte nicht erklären, warum. Nach einigen Minuten wandte ich mich vom Fenster ab und ließ meinen Blick durch das Schlafzimmer schweifen. Mein Zimmer war relativ spartanisch eingerichtet. Ich hatte alles dort hingestellt, wo gerade Platz war. Auf dem Nachttisch lagen Papiere, Rechnungen und Briefe von einem Freund, der vor einigen Wochen nach England gezogen war und mir das Gefühl gab, hier in dieser viel zu großen Stadt allein zu sein. Wir hielten regelmäßigen Kontakt. Er hatte zwar versucht, mich zu überreden, zu ihm nach England zu ziehen, aber ich fühlte mich unwohl dabei, Deutschland zu verlassen und in ein Land zu ziehen, in dem ich bislang nicht einmal Urlaub gemacht hatte. Schlaftrunken rieb ich mir erneut die Augen. Die Anstrengung von gestern saß noch in den Knochen, aber das war nichts, was der Kaffee nicht wieder in den Griff bekommen würde. Nach einem lauten Gähnen beschloss ich, mir etwas Warmes anzuziehen. Im Schrank kramte ich ein T-Shirt, einen braunen Pullover und eine Jeans heraus und verließ das Schlafzimmer. »Vielleicht habe ich ja endlich Post von Eric.« Der letzte Brief von ihm war vielversprechend gewesen. Er hatte geschrieben, dass er am folgenden Tag seinen ersten Arbeitstag hätte und mir alles darüber berichten wollte. Obwohl wir theoretisch über WhatsApp in Kontakt bleiben konnten, fanden wir Briefe immer persönlicher. Das war uns dann auch das Porto wert. Daher beschloss ich, zum Briefkasten zu gehen. Kaum öffnete ich die Tür, blickte meine Nachbarin mir von ihrer eigenen entgegen; eine ältere Frau, die für jeden Menschen ein Lächeln übrighatte, selbst für jemanden wie mich, der mit seinem Leben immer unzufrieden wirkte. »Morgen, Frau Morrison.« Sie lächelte mich herzerwärmend an. »Guten Morgen, Lloyd. Wie geht es dir denn?« Geistesabwesend suchte ich nach dem richtigen Schlüssel. »Gut. Ich konnte heute wenigstens ausschlafen. Wurde gestern einfach wieder zu spät.« »Ach du Armer. Du solltest dir mal ein paar Tage frei nehmen. Du hast sie wirklich nötig.« Ich wehrte ab und öffnete den Briefkasten. »Das geht leider nicht. Stattdessen verlangt mein Chef, dass alle Angestellten Überstunden machen. Es kommen viel zu viele neue Fälle herein. Und mehr Leute einzustellen, ist ihm zu teuer.« Ich zog zwei Umschläge heraus. Einer war von Eric, auf dem anderen konnte man keinen Absender erkennen. Frau Morrison nahm eine kleine Gießkanne und goss die Pflanzen vor ihrer Haustür. »Das ist nicht gerecht.« Ich zuckte mit den Schultern. »Was soll ich denn dagegen machen? Ich kann doch nicht einfach kündigen. So schnell finde ich nichts Neues.« »Du solltest dich wenigstens beschweren.« Mit einem kurzen Seufzen schloss ich den Briefkasten. »Es ist schon okay so. Wir bekommen eine Provision pro Fall. Irgendwie kommt man schon rum.« Frau Morrison stimmte zu und musterte aus der Distanz die Umschläge in meinen Händen. »Hast du wieder einen Brief von Eric bekommen?« Mir war heute wirklich nicht nach Reden, doch das konnte ich ihr nicht so direkt sagen. Eigentlich meinte sie es ja gut. Sie wohnte ganz allein und über die Jahre kamen wir immer wieder ins Gespräch. Frau Morrison konnte einem aber schon leidtun. Sie bekam nur selten Besuch von Freunden oder der Familie. Daher versuchte sie jedes Mal, wenn wir uns über den Weg liefen, ein Gespräch zu beginnen, egal, wie abwehrend ich darauf manchmal reagierte. Gelegentlich erzählte sie von den Spaziergängen im Wald, dem Bach, der im Winter oft gefror und im Frühling wieder auftaute. Das Leben hier am Rande der Stadt war friedlich, auch wenn es durch die Nähe zur französischen Grenze immer recht turbulent war. »Ja, einer ist von ihm«, antwortete ich viel zu spät. Es wunderte sie nicht, dass ich mir Zeit bei den Antworten ließ. Sie kannte mich und wusste, dass Gespräche nicht meine Stärke waren. »Wie geht es ihm denn in England?«, fragte sie weiter, obwohl ich das Gespräch lieber beenden wollte. Ehrlich gesagt wollte ich gar nicht mit ihr darüber sprechen, aber da sie sonst niemanden zum Reden hatte, antwortete ich. »Er meinte im letzten Brief, dass ihm die Gegend und seine neue Arbeit gefällt.« »Das ist doch schön.« »Mhmm.« Ich nickte. Eric hatte es wirklich schön. Er kam von hier weg, dieser Stadt, die mir trotz all der Jahre immer noch fremd schien. Außerdem arbeitete er in seiner Traumfirma, in die er schon immer kommen wollte. Mein Job war anstrengend und so, wie er schrieb, schien seiner ausnahmslos toll zu sein. Vielleicht wäre es ja eine gute Idee, ihn ein paar Tage zu besuchen, um sich eine Auszeit zu gönnen. Das hatte ja auch Frau Morrison schon vorgeschlagen. »Also. Ich muss dann auch wieder rein. Ich möchte noch frühstücken«, erklärte ich, um das Gespräch, das mir länger vorkam, als es war, zu beenden. Sie stellte die Gießkanne ab. »In Ordnung, Lloyd. Wir sehen uns.« Bevor ich die Tür hinter mir schließen konnte, hörte ich schon die meiner Nachbarin. Im Vorbeigehen legte ich Erics Brief auf die Kommode im Flur, auf der ein Kalender, einige Papiere und Kugelschreiber lagen, und setzte mich ins Wohnzimmer. Ich hatte lange gespart, um mir wenigstens dort einen kleinen Luxus zu gönnen. Ein Flachbildfernseher, eine ausziehbare Couch, eine Play-station. Neben dem Fernseher standen Vitrinen mit Stützbalken aus Holz. Mehr als Bilderrahmen und Krimskrams stand aber nicht drin. Ich betrachtete die Fotos meiner Geschwister und Eltern. Meine zwei Brüder führten schon ihr eigenes Leben. Meine Eltern hatten sich getrennt, als ich dreizehn Jahre alt war. Mein Vater war irgendwann für eine Jüngere abgehauen. Das war das Beste, was uns passieren konnte, da seine Erziehung aus Schreien, lautem Pfeifen und Schlägen bestanden hatte. Ein Bild aber befand sich im Schrank, worauf er auch zu sehen war. Das war am Tag ihrer Hochzeit. Meine Mutter hatte jedem von uns ein eingerahmtes Bild geschenkt, da sie wollte, dass jeder in ihrer Familie eines besaß. Damals waren sie noch so glücklich gewesen. Sie hielten sich in den Armen und lächelten beide. Es war ein schöner Augenblick und manchmal wünschte ich mir, dabei gewesen zu sein. Jetzt nach all den Jahren fragte ich mich, wie es wohl wäre, wieder Kontakt zu ihm zu haben. Ihn mit der Vergangenheit zu konfrontieren. Würde er seine Fehler bereuen? Oder wäre ihm alles egal? Ich nahm das Foto aus dem Schrank und betrachtete es genauer. Meine Mutter sah in ihrem weißen Hochzeitskleid so glücklich aus. Als hätte sie den wahren Mann fürs Leben gefunden. Es musste für sie eine bittere Enttäuschung gewesen sein, dass sie sich für den Falschen entschieden hatte. Dann kam mir der Brief ohne Absender wieder in den Sinn. Ich setzte mich auf das Sofa und öffnete den unbekannten Brief vorsichtig mit einer Schere. Dass kein Absender auf dem Umschlag war, stimmte doch nicht ganz. Der Name war stark verwischt worden. Als hätte jemand mit einem Füller geschrieben und es dann absichtlich mit der Handkante verschmiert. Es war unmöglich, etwas darauf zu entziffern. Was man allerdings deutlich erkennen konnte, war der Empfänger: Lloyd Vargen. Ja, meine Eltern waren sehr kreativ bei der Namenswahl, auch wenn ich keine mir bekannten Wurzeln im Ausland hatte. Ich hasste den Namen nicht, er war mir eher egal. Ich klappte den Brief auf. Er war mit roter Tinte geschrieben worden. Die Worte verwirrten mich: Mein Name, ein Ort in der Nähe und ein Datum. Ich sollte jemanden treffen … in einem Monat im Park am Rand der Stadt. Was hatte das zu bedeuten? Wer wollte sich denn mit mir treffen und wieso? Ich überlegte lange hin und her, ob ich es jemandem erzählen sollte. Normalerweise bekam ich keine Briefe. Das hier erinnerte eher an Spam, den ich per E-Mail erhielt. Am besten mit einer Geldforderung nach einem kurzen Nachrichtenwechsel oder für einen Prinzen in Afrika. Ich beschloss, niemandem von diesem Termin zu erzählen. Dennoch interessierte mich, was diese Person von mir wollte, wenn das nicht doch ein Scherz war. Die Neugier in mir gewann schließlich die...




