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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 302 Seiten
Wolff Küsse und andere Missgeschicke
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69076-044-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Zwei Romane in einem eBook
E-Book, Deutsch, 302 Seiten
ISBN: 978-3-69076-044-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Steffi von Wolff, geboren 1966 in Hessen, war Reporterin, Redakteurin und Moderatorin bei verschiedenen Radiosendern. Heute arbeitet sie freiberuflich für die ARD, als Roman- und Sachbuchautorin für diverse Verlage, hat eine Kolumne im Segelmagazin YACHT und wird von vielen Fans als »Comedyqueen« gefeiert. Steffi von Wolff lebt mit ihrem Mann in Hamburg. Die Autorin im Internet: steffivonwolff.de und facebook.com/steffivonwolff.autorin Steffi von Wolff veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Bestseller »Glitzerbarbie«, »Gruppen-Ex«, »ReeperWahn« und »Rostfrei«, »Fräulein Cosima erlebt ein Wunder«, »Das kleine Segelboot des Glücks«, »Der kleine Buchclub der Träume«, »Das kleine Hotel an der Nordsee«, »Das kleine Haus am Ende der Welt«, »Kein Mann ist auch (k)eine Lösung«, »Für Rache ist es nie zu spät«, »Die Spätsommerfrauen«, »Taxifahrt mit einem Vampir« und »Das kleine Appartement des Glücks« sowie die Kurzgeschichten-Anthologien »Das kleine Liebeschaos für Glückssucher«, »Das kleine Glück im Weihnachtstrubel« und »Das kleine Handbuch des Liebesglücks«. Außerdem erschienen sind ihre Sammelbände »Liebe ist nichts für Anfänger« und »Küsse und andere Missgeschicke«. Eine andere Seite ihres Könnens zeigt Steffi von Wolff unter ihrem Pseudonym Rebecca Stephan im ebenso einfühlsamen wie bewegenden Roman »Zwei halbe Leben«.
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Kapitel 1
Nora schaute sich in der Suite um. Alles war perfekt. Die dunkelgrüne Samtdecke lag faltenfrei über dem ausladenden, übergroßen Himmelbett, über den gedrechselten Mahagonipfosten befand sich der frisch gereinigte, brokatbesetzte Baldachin. Orientalische antike Läufer mit dezenten, aber farbenprächtigen Mustern bedeckten einen Teil der jahrhundertealten Dielen. Der wunderschöne Barockschrank mit Intarsien stand präsent, aber nicht protzig an der linken Wand, schräg gegenüber von der filigranen Frisiertoilette aus edlem Kirschholz. Die hellbeigefarbenen Vorhänge fielen weich und üppig und bis weit auf den Boden. Trat man ans Fenster, hatte man einen wundervollen Blick auf Wälder und Felder. Jetzt im Juli war es hier besonders schön.
Das Prunkstück der Suite aber war der wunderschöne Kronleuchter, ein Geschenk eines hessischen Prinzen an die ehemaligen Schlossbesitzer. Er befand sich in dem angrenzenden Wohnraum mit der Chaiselongue und weiteren Sitzgelegenheiten im Empirestil und den zierlichen Tischchen, auf denen silberne Kerzenleuchter und Blumen standen. Insgeheim hatte Nora diese schönste Suite des Hotels »die Märchensuite« getauft. Schon oft hatte sie sich vorgestellt, hier einmal selbst zu übernachten, zusammen mit einem Mann, den sie liebte. Aber diesen Gedanken verwarf sie immer schnell wieder, denn derzeit war der Begriff »Liebe« gar nichts für sie. Seit fast zwei Jahren war sie nun schon Single, und sie hatte ganz sicher nicht vor, das in naher Zukunft zu ändern.
Bernhard. Nora musste unwillkürlich den Kopf schütteln, als sie an Bernhard dachte. Mit ihm hätte sie sich vorstellen können eine Familie zu gründen. Damals. Nicht dass Bernhard sie wegen einer anderen verlassen hatte. Das wäre ja noch einigermaßen nachvollziehbar gewesen. Nein, er war die ganze Zeit über verheiratet gewesen. Als selbstständiger Unternehmensberater war er in ganz Deutschland unterwegs, und eines Tages war er im Hotel »Weißes Schloss« abgestiegen. Nora war sofort von ihm fasziniert, er hatte diese gewisse Art an sich, die eine Frau glauben ließ, sie sei einzigartig auf der Welt. Bernhard war groß, aber nicht zu groß, durchtrainiert, aber nicht zu durchtrainiert, hatte unglaublich schöne, gepflegte Hände, eine angenehme, liebevolle Stimme, und dass sich in seinen dunklen Haaren einzelne graue befanden, machte ihn für Nora noch attraktiver. Natürlich hatte Bernhard ihr nichts von seiner Frau und seinen zwei Kindern erzählt, sondern sie im Glauben gelassen, es würde nur sie für ihn geben. Es war eine wundervolle Zeit gewesen. Immer wenn es ging, hatten sie sich getroffen, Wochenenden zusammen verbracht und Zukunftspläne geschmiedet. Bis eines Tages Bernhards Handy klingelte, während er gerade unter der Dusche stand. In Bayreuth waren sie da gewesen, er hatte von einem Geschäftspartner Karten für die Festspiele bekommen, und Nora freute sich auf die drei Tage, die vor ihnen lagen. Auf dem Handydisplay stand Zuhause, und kurze Zeit später ertönte der Kurzmitteilungston für neue Nachrichten. Weil Bernhard immer noch unter der Dusche stand und Nora neugierig war, hatte sie die Nachricht abgehört.
»Hallo, mein Schatz, hier ist Silvia«, hörte sie eine weibliche Stimme. »Ich wollte nur fragen, ob du gut angekommen bist. Larissa hat immer noch Fieber, aber es ist schon besser geworden. Mark hat am Sonntag ein Fußballspiel. Er würde sich so freuen, wenn du es schaffst, rechtzeitig da zu sein. Er vermisst seinen Papa ganz doll.«
Pause.
»Und ich dich natürlich auch.«
Pause.
»Der Ring ist so schön. Ich wollte mich noch mal dafür bedanken. Ist es nicht unglaublich, dass wir jetzt schon zwölf Jahre verheiratet sind? Ich liebe dich, Berni. Rufst du später mal an? Und arbeite nicht so viel. Und vergiss deine Blutdrucktabletten nicht.«
Berni …
Nora hatte sich damals gesetzt und versuchte, ganz normal weiterzuatmen. Als Bernhard aus dem Badezimmer kam, gut gelaunt und voller Vorfreude auf das Wochenende, sagte sie nur: »Du hast mir gar nicht erzählt, dass du Probleme mit dem Blutdruck hast.«
Sie hielt Bernhard das Handy hin, und der hörte die Nachricht ab. Nora saß die ganze Zeit still da und wartete. Auf eine Erklärung, auf eine Entschuldigung, auf was auch immer. Doch Bernhard schwieg. Als sie aufblickte, sah sie, dass er knallrot war. Die ganze Sache schien ihm äußerst unangenehm zu sein.
»Bitte sag etwas. Irgendetwas.« Noras Stimme war leise, und sie konnte auch nicht weitersprechen, weil sie immer noch nicht verarbeitet hatte, was sie da gerade gehört hatte.
Schließlich meinte Bernhard knapp: »Verschwinde.«
Nora war damals aufgestanden und hatte sich an der Kante des Schreibtischs festgehalten.
»Du wagst es, mir hinterherzuspionieren!«, hatte Bernhard gebrüllt und mit dem Handy vor ihrer Nase herumgefuchtelt. »So etwas kann ich überhaupt nicht gebrauchen. Glaubst du, dass du die Einzige bist? Glaubst du, ich verschwende mein Leben, um nur eine einzige Frau zu haben? Nein, ich habe in jeder Stadt eine, meine Liebe. Aber das braucht Silvia nicht zu wissen. Warum auch? Schließlich ist sie versorgt. Sie kann sich nicht beklagen!«
Wütend war er im Hotelzimmer umhergestapft, um sich währenddessen immer mehr in Rage zu reden.
Nora war blass geworden. Ihre Finger krallten sich in die Tischkante, bis die Knöchel weiß wurden. »Das heißt, du hast noch mehr … Freundinnen?«, brachte sie schließlich heraus.
»Was heißt Freundinnen!«, schrie Bernhard sie an. »Nenn es Freundinnen, nenn es Geliebte, nenn es einfach Abwechslung. Aber keine hat es je gewagt, hinter mir herzuschnüffeln. Danke, das brauche ich ganz sicher nicht.« Und dann sagte er: »Mach, dass du wegkommst. Scher dich zum Teufel.«
Wie in Trance hatte Nora damals ihren Koffer gepackt, das schöne rote Abendkleid, das schon ausgebreitet auf dem Bett lag, wieder zusammengelegt und hatte das Zimmer verlassen. Das war das letzte Mal, dass sie Bernhard gesehen oder etwas von ihm gehört hatte. Von ihm kam gar nichts mehr, nichts. Mit der Zeit hatte sie ihn vergessen, was allerdings nicht immer einfach gewesen war. Eines hatte sie sich damals geschworen: Niemals wieder würde sie sich mit einem Mann einlassen, den sie nicht durch und durch kannte. Und wenn sie einen Detektiv auf ihn ansetzen müsste.
Aber das musste sie momentan gar nicht. Sie hatte überhaupt keine Lust auf irgendeine Beziehung und auch nicht auf ein Abenteuer. Das Thema Mann war so weit weg wie sonst nichts. Das war auch ganz gut so. Noras Leben verlief in relativ ruhigen, beschaulichen Bahnen – warum sollte sie etwas daran ändern?
Die Tür ging auf und Luzie kam rein.
»Ach, da bist du. Na, hab ich das nicht schön gemacht?« Sie deutete auf einen der Tische. »Sogar an frische Lilien hab ich gedacht. Damit die olle Zicke nicht wieder was zu meckern hat.«
Nora lächelte. »Du meinst wohl Frau Oberstaatsanwältin Dennenburger«, sagte sie in näselndem Ton und strich sich eine Strähne ihres hellblonden Haares zurück. »Aber das Obst hast du vergessen.« Sie zeigte auf eine weiße Porzellanschale.
Luzie sah Nora grinsend an. »Die Dennenburger hat eine Kernobstallergie. Das solltest du eigentlich wissen. Aber ich lege nachher noch ein paar Äpfel unters Bett. Vielleicht kriegt sie ja davon wenigstens einen kleinen Ausschlag.« Prustend ließ sich Luzie in einen der Sessel fallen. »Bin ich fertig. Putz du mal zwölf Zimmer bei dieser schrecklichen Hitze.«
Luzie studierte Betriebswirtschaft und Marketing und war eine der Besten ihres Jahrgangs. Immer in den Semesterferien jobbte sie im »Weißen Schloss«, wo sie alle Abteilungen durchlief. »Ich möchte irgendwann ein Tagungshotel eröffnen«, hatte sie Nora erklärt. »Und ich möchte alles von der Pike auf lernen.« Also schnippelte Luzie in der Küche bergeweise Gemüse, polierte Messingklinken, organisierte Veranstaltungen, mangelte Bettwäsche und putzte nun seit ein paar Wochen Zimmer. Sie war mit ihren vierundzwanzig Jahren vier Jahre jünger als Nora, hatte schon eine Ausbildung auf einer Hotelfachschule in der Schweiz hinter sich und war unglaublich ehrgeizig.
»Warum gehst du nicht in ein größeres Hotel?«, fragte sie Nora in regelmäßigen Abständen. »Ins Ausland oder so? Du mit deinen Fähigkeiten könntest doch überall Karriere machen. Im ‚Carlton‘ in Cannes oder im ‚Ritz‘ in Paris. Hier oben wirst du noch irgendwann versauern.«
Aber Nora hatte gar keine Lust, woanders hinzugehen. Sie hatte auch schon genug gesehen von der Welt. Sechs anstrengende Monate hatte sie in einem italienischen Grandhotel verbracht, ein Jahr in Stockholm gearbeitet, sogar in China war sie gewesen, um dort beim Aufbau einer neuen Hotelkette mitzuwirken. Wenn man alles zusammenzählte, war sie quasi schon in der ganzen Welt gewesen, sprach fließend Englisch, Französisch, Schwedisch, Chinesisch, Finnisch und auch Suaheli. Doch hier im »Weißen Schloss« fühlte sie sich wohl. Das jahrelange rastlose Leben war nichts für sie gewesen. Nora brauchte eine gewisse Sicherheit. Sie wollte sich zu Hause fühlen. Hier war sie zuständig für die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und für die Gästebetreuung. Da das »Weiße Schloss« ausschließlich von gut betuchten, um nicht zu sagen steinreichen Leuten besucht wurde und auch ab und zu Prominente hier abstiegen, gab es eine Menge zu tun. Da...




