Wolff | Mailverkehr - Fesselnde Lust | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 210 Seiten

Reihe: LYX.digital

Wolff Mailverkehr - Fesselnde Lust


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9370-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 210 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9370-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Story, die prickelnd und provokant ist und von der Entdeckung der eigenen Sinnlichkeit handelt: Die Autorin Hannah Zimmermann ist empört, als auf der Beerdigung ihrer Freundin Birgit das Lied Highway to Hell gespielt wird. In einer E-Mail teilt sie dem zuständigen Bestatter Mike Gruber mit, dass sie sich weigert, die Rechnung zu bezahlen. Doch Mike durchschaut schnell, dass sich hinter Hannahs stolzer Fassade eine Frau verbirgt, in deren Leben schon lange nichts mehr so läuft, wie es laufen soll. Und so schlägt er ihr einen verheißungsvollen Deal vor: Er lässt die Rechnung fallen, wenn Hannah den Rat ihrer Agentin befolgt, einen Erotikroman verfasst und ihn als Probeleser akzeptiert. Doch nie hätte Hannah geglaubt, dass die Welt, in die sie daraufhin eintaucht, so faszinierend, so fesselnd und so gefährlich sein könnte. Lust, Schmerz und Leidenschaft überwältigen sie - und in ihren E-Mails lässt sie Mike an ihren Erfahrungen teilhaben ... Nachdem Mela Wolffs Mailverkehr bereits in drei Einzelveröffentlichungen erschienen ist, gibt es nun für alle Fans die komplette Reihe in einem E-Book vereint.

Wolff Mailverkehr - Fesselnde Lust jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Hallo Mike,

heute war ich im Kino. Irgend so eine Hollywoodkomödie über einen dicken Zoowärter, dem sprechende Tiere helfen, seine Angebetete für sich zu gewinnen. Natürlich gibt es allerhand Katastrophen und sogar ein paar richtig gelungene, witzige Szenen. Eine ist mir jedoch besonders im Gedächtnis geblieben: Besagter Zoowärter verfolgt eine Gruppe Radfahrer, weil sein Rivale darunter ist. Der Zoowärter klaut einem Jungen sein Fahrrad, das hinten mit einem bunten Wimpel an einer langen Plastikstange geschmückt ist. Der Rivale reißt dem Dicken diese Plastikstange samt Wimpel vom Rad und drischt damit auf ihn ein (alles bei voller Fahrt, versteht sich). Und während sich das Publikum totlachte, hörte ich nur das Durch-die-Luft-Zischen der Plastikstange – und wurde sofort scharf … Dachte an die Reitpeitsche und rutschte unruhig auf meinem Kinosessel hin und her … nass, erregt … und konnte mir ein Grinsen im Dunkeln nicht verkneifen.:-)

Ich frage mich immer noch, wo das alles herkommt. Bisher hatte ich immer nur ganz normalen Sex. Und das war völlig in Ordnung, ich habe es gemocht. Sehr sogar. Keiner meiner Männer hat mich je geschlagen. Ich glaube, das wäre ihm auch nicht gut bekommen.

Meine Kindheit und Jugend war absolut durchschnittlich. Niemand hat mir je den Hintern versohlt, und ich habe mich nicht geprügelt. Was das Fesseln anbelangt … Nun ja. Ich erinnere mich an eine Sache. Da muss ich so ungefähr elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein. Die Jungs spielten Cowboy und Indianer im Garten, und ich, als einziges Mädchen, durfte die Squaw sein. Das stank mir gewaltig. Lieber hätte ich versucht, mit Pfeil und Bogen den hässlichen Schäferhund von nebenan zu ärgern, der ein ekelhafter Wadenbeißer war. Doch dann wurde ich von den Cowboys geraubt und an einen Baum gefesselt. Ab da wurde es richtig interessant. Denn dieses Gefesseltsein fand ich wirklich gut. So gut, dass ich dem Indianerhäuptling, der mich befreien kam, einen Tritt vor das Schienbein gab. Ich wollte nicht befreit werden. Ich wollte weiterhin gefesselt am Baum stehen. Ich bin mir ganz sicher, dass ich in diesem Moment zum ersten Mal ein merkwürdiges, heißes Gefühl zwischen den Beinen verspürte. Ein Kribbeln und Prickeln, von dem ich nicht wollte, dass es aufhörte. Leider erschien dann die Mutter des Indianerhäuptlings, missverstand die Situation gründlich, ohrfeigte ihren Sohn, entschuldigte sich und befreite mich. Ich glaube wirklich, dass diese kleine Episode meine erste SM-Erfahrung war. Und wenn Du jemals darüber lachen oder Scherze machen solltest, werde ich meine Reitpeitsche an Dir ausprobieren. Wer weiß, vielleicht bin ich ja auch ein Switcher, und es steckt noch eine echte Domina in mir.

Kann es aber gerade nicht ausprobieren, es ist merkwürdig ruhig geworden um mich herum. Meine Männer sind nicht mehr in Berlin, und im Internet gibt es nichts, was mich auch nur im Geringsten interessieren würde.

Ich bin unruhig. Ich bin neugierig. Was gibt es noch? Was könnte mir gefallen?

Ich werde mich am Donnerstag zum Schnupperabend ins wagen. Du hast es ja schließlich empfohlen. Mal sehen, was da los ist.

Hannah

Hannah,

als ich klein war, habe ich Soldat gespielt. Und Gefangene gemacht. Vor allem das kleine blonde Mädchen von nebenan.:-)

Die fand das jedoch alles andere als komisch. Und ruhig stehen geblieben ist sie auch nicht, als ich sie gefesselt habe. Doch ich erinnere mich immer noch an den Geruch ihrer Haare: Apfelshampoo. Zum Anbeißen.

Ansonsten stehe ich, was Filme anbelangt, eher auf solche Sachen wie »Fight Club«.

Meine Lieblingszitate daraus:

1. »Die Dinge, die Du besitzt, werden letztendlich Dich besitzen.«

2. »Du bist nicht Dein Job. Du bist nicht Dein Bankkonto. Du bist nicht Dein Auto. Du bist nicht der Inhalt Deiner Brieftasche.«

Erinnerst Du Dich an den sonnenstudiogebräunten Managertypen mit dem Herzinfarkt? Er fühlte sich betrogen. Keiner hatte ihm das gesagt.

Mach weiter, Hannah.

Aber denk dran: Du kannst alles tun, was Du willst, aber Du musst bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.

Auch die weniger lustigen.

Mike

PS: Das Lied des Abends kommt heute von den Nine Inch Nails: »I hurt myself today«

Hallo Mike,

immer noch bei der Arbeit? Und was soll das Gerede von Konsequenzen? Du hörst Dich irgendwie anders an. So nachdenklich. Man sollte fast meinen, Dir läge etwas an mir. Lächerlich, ich weiß. Schließlich bilde ich mir nicht ein, in Dein Jagdschema zu passen.

Deine bevorzugte Version von »I hurt myself today« ist leider grauenhaft. Der Sänger behauptet den Schmerz nur, er fühlt ihn nicht. Ich ziehe Johnny Cash vor. Nicht nur, dass der richtig singen kann. Nein, man merkt auch bei jedem Ton, dass er es mit Herzblut macht. Schau es Dir mal im Internet an. Hör gut zu, wenn er singt:

»Ich konzentriere mich auf die Schmerzen, das Einzige, das ist.«

Das ist es, was dann mit mir passiert: Wirklichkeit.

Schläge, Schmerzen, sie schalten mein Hirn aus. Nein, falsch. Nicht ganz aus. Es fokussiert sich. Auf einen Punkt. Kein Grübeln mehr, kein Bedauern, kein Hoffen, kein Wünschen. Nur noch brennende, gleißende, bissige Gegenwart.

Ausgeliefert. Einem Fremden. Nur noch Gefühl sein, nur noch Aufgabe. Hingabe.

Kein drängendes, peinigendes Ich, das mich nervt. Ich verliere mich und finde mich wieder.

Hört sich das merkwürdig an? Ich weiß. Kann es ja selbst kaum begreifen. Was ist es, was mich antreibt? Jetzt, nachdem ich angefangen habe und einfach nicht mehr aufhören kann? Was habe ich geweckt, das bisher in mir drin so unruhig geschlummert hat? Komme mir vor wie Frau Jekyll und Fräulein Hyde.

Gier nach Haut, nach Küssen, nach Schlägen. Aufhören zu denken und nur noch fühlen … sich verlieren, sich auflösen vor Lust. Sex, Eros, Libido?

Ich war wieder in der Bibliothek und habe ein paar Sachen zusammengetragen. Die Bibliothekarin hat mir zugezwinkert. Vielleicht doch eine alte Kollegin von Birgit?

Diesmal hat es mich in die Psychologie-Abteilung verschlagen, und natürlich habe ich mir Sigmund, den Altmeister und seine Schüler vorgenommen.

Für Freud war alles Libido, alles Sex, was uns antreibt. Auch die Kultur.

C.G. Jung dagegen hat Libido als psychische Energie gesehen. Ein kontinuierlicher Lebenstrieb, ein »Streben nach Etwas«, das sich sowohl auf Affekt, Liebe, Sexualität, Hunger als auch auf Religion und geistige Vorstellungen beziehen kann.

Hunger. Lebenshunger. Damit kann ich schon eher was anfangen.

Wonach also strebe ich, was suche ich? Meine Grenzen? Immer mehr, immer härter, bis es nicht mehr geht? Und wo bin ich dann? Habe ich mich dann verloren im Wald des Bösen? Bin gestolpert über Ketten – und jetzt gefangen?

Was passiert mit meiner Seele, während mein Po blaue Flecken bekommt? In letzter Zeit fühle ich mich so merkwürdig … leer. Befriedigt, ja. Erschöpft. Heiser von meinen eigenen Schreien. Doch, während ich meine Striemen am Hintern mit Melkfett bestreiche (die Variante mit Ringelblumen ist besonders gut), ist mir die ganze Zeit, als könnte ich irgendwo ein Kind leise weinen hören. Sonntagabend und ich werde sentimental. Der Tag in der Woche, an dem ich mich besonders einsam fühle. Da hilft auch Kater kraulen nicht weiter.

Jung hat übrigens auch von »Persona« und »Schatten« gesprochen. Persona, das ist die Maske, die Du aufsetzt, mit der Du jeden Tag Deiner Umwelt gegenübertrittst, mit der Du funktionierst. Und der Schatten, das ist all das Wilde, Dunkle in Dir, das Du annehmen musst, wenn Du ganz sein willst. Dieses Annehmen ist ein vorwiegend moralisches Problem, das von jedem Menschen beträchtliche seelische Anpassungsleistungen erfordert …

Oha.

Ich versuche es. Ich will »ganz« sein. Nicht, dass ich viele Wahlmöglichkeiten hätte. Etwas treibt mich vorwärts, unerbittlich.

Ich will Schmerzen, um mich zu verlieren. Die Männer im »Fight Club« müssen sich beweisen, dass sie lebendig sind. Ja, ich kenne den Film. Sie halten sich für Revolutionäre, die gegen den Konsum kämpfen, und dabei sind sie doch nur ihren eigenen Trugbildern aufgesessen. Glauben, ein Kerl wäre nur dann ein Kerl, wenn er sich regelmäßig prügelt.

Und ich? Was glaube ich? Was will ich?

Am Ende alles: body and soul.

Kennst Du das Lied »The man in the long black coat« von Bob Dylan? Stell Dir vor: eine kleine Stadt, ein schweigsamer Fremder im langen schwarzen Mantel. Eine Frau, die alles hinschmeißt und einfach mit ihm geht. Ohne sich zu verabschieden. Wer ist er? Der Teufel? Das Abenteuer? Die Liebe? Der Tod? Alles, wirklich alles, scheint besser für diese Frau gewesen zu sein, als das langsame Verrotten in dem kleinen Kaff.

Der verflixte Mythos vom schweigsamen, attraktiven Fremden. Der Mythos vom Mann, der die einsame Frau rettet. Vor sich selbst?

Früher war ich mal in Zorro verliebt, den coolen Mann mit der schwarzen Maske. Fand ich toll. Meine Liebesromane quellen...


Wolff, Mela
Mela Wolff war lange als Buchhändlerin tätig, bis sie beschloss, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu schreiben. Sie lebt in Berlin und hat unter ihrem bürgerlichen Namen bereits mehrere Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. Mit Mailverkehr gibt sie ihr Debüt im Erotikgenre.

Mela Wolff war lange als Buchhändlerin tätig, bis sie beschloss, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu schreiben. Sie lebt in Berlin und hat unter ihrem bürgerlichen Namen bereits mehrere Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. Mit Mailverkehr gibt sie ihr Debüt im Erotikgenre.



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