E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Wood Curse of the Dark
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-61063-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Royaler Fantasy Liebesroman über eine willensstarke junge Frau und einen Kronprinzen im Kampf gegen die Dunkelheit
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-646-61063-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lilyan C. Wood wurde 1985 in Saarbrücken geboren und lebt nach einem Zwischenstopp in Baden-Württemberg wieder im beschaulichen Saarland. Hauptberuflich bringt sie als Grundschullehrerin Kindern u. a. das Rechnen, Lesen und Schreiben bei. Seit ihrer Kindheit denkt sie sich fantastische Geschichten und Figuren aus und traute sich 2015 endlich, ihre Fantasie auch zu Papier zu bringen. Seitdem geht sie in jeder freien Minute ihrer größten Leidenschaft, dem Schreiben, nach.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Aila
Mein Herz rast, Schweißperlen stehen mir auf der Stirn. Eine Hand auf die Brust gepresst starre ich in die Dunkelheit, die nur durch das entfernte Flackern von Flammen durchbrochen wird. Vereinzelt schimmern am Nachthimmel über uns Sterne. Der Mond ist so schmal, dass er die Finsternis kaum erhellt. Mein Atem geht schwer. Ich erinnere mich nicht, aus welchem Traum ich gerissen wurde, doch er muss mich zu dem Ort zurückgeführt haben, an dem mein Leidensweg begonnen hat – nach Hause. Das spüre ich an dem dumpfen Schmerz, der in mir schwelt. Es ist fast jede Nacht dasselbe.
Fahrig reibe ich mir über die Arme, um die hässlichen Erinnerungen abzuschütteln, und sehe zu Katriina hinüber, deren Umrisse ich in der Dunkelheit nur erahne. Ihre Atemgeräusche sind regelmäßig, ihr Körper rührt sich nicht. Ich beneide sie um den tiefen Schlaf. Ob sie von friedlicheren Zeiten träumt? Wir sind im Lager ständig von Soldaten umringt. Ihre Nähe macht es mir unmöglich, den Gedanken an den Krieg zu verdrängen. Ich denke beim Einschlafen daran ebenso wie beim Aufwachen. Daher wundert es mich nicht, dass er meine Träume beeinflusst.
Eine Weile sitze ich still auf der Schlafstätte, bis sich mein Herzschlag beruhigt hat. Vergeblich versuche ich, eine gemütliche Stellung zu finden, denn der harte Ackerboden macht es mir nicht leicht. Die Kälte des Untergrunds dringt durch die Matte und kriecht in meinen Körper. Fröstelnd schlinge ich die dünne Decke enger um meine Schultern und wälze mich auf die andere Seite. Was würde ich für ein wärmendes Feuer geben. Doch es könnte mich schlimmer treffen. Mit einem Kloß im Magen denke ich an die Tage, in denen ich im Wald geschlafen habe – mutterseelenallein und mit der ständigen Angst im Nacken, von den Kirottu, den verfluchten Soldaten des schwarzen Königs, entdeckt und ermordet zu werden. Zweifellos ziehe ich den Ackerboden den grausamen Kriegern vor und übe mich in Dankbarkeit, bei diesem Trupp der Armee Valokirkas’ Zuflucht gefunden zu haben.
Endlich liege ich halbwegs gemütlich und schließe müde die Augen, da nähern sich knirschende Schritte. Angespannt lausche ich. Jemand nähert sich! Blind taste ich nach dem Dolch meines Vaters, den ich unter der Matte verstecke. Mein Herz macht einen Satz, als die Fingerspitzen auf den kühlen Griff treffen. Langsam schließe ich die Hand darum und warte, bis das Geräusch der Schritte so nahe ist, dass sich meine Nackenhärchen aufstellen. Ich spanne die Muskeln an, bereit, die Waffe zu ziehen und um mein Leben zu kämpfen. Plötzlich herrscht Stille.
»Lass den Dolch stecken, Aila«, sagt jemand leise.
Erleichtert stoße ich beim Klang der bekannten Stimme den Atem aus und setze mich auf. Die Anspannung fällt von mir ab. Ich sehe zu dem Mann, der am Fuße von Katriinas Matte steht. Die Lagerfeuer sind so weit von uns entfernt, dass ihre Flammen die Gestalt des Ritters kaum von der Nacht abheben. Wie ein finsterer Schatten ragt er über uns auf.
»Sie schläft«, flüstere ich.
»Tue ich nicht. Nicht mehr …«, nuschelt Katriina verschlafen und richtet sich auf.
»Macht es dir etwas aus, wenn ich euch Gesellschaft leiste, Aila?«, fragt Otso. »Die Nacht kann sehr einsam sein.« Schmerz und Trauer schwingen in seiner sonst energischen Stimme mit.
Verhalten räuspere ich mich. »Solange ihr mich schlafen lasst«, entgegne ich. Zwar bezweifle ich, dass sich die Schrecken des Krieges in den Armen einer schönen Frau verscheuchen lassen, doch schwingt mehr als das Verlangen nach körperlicher Nähe in der Bitte des Ritters mit. Es ist der Wunsch nach Heilung. Nach Geborgenheit und Liebe. Zu gut sind mir diese Sehnsüchte bekannt. Es schmerzt, bloß an sie zu denken.
Geräuschvoll klopft Katriina auf ihre Matte. Obwohl es finster ist, wende ich taktvoll den Blick ab, als sich Otso niederlässt und die beiden zu einem Schatten verschmelzen. Leise seufzt meine Freundin. Es ist nicht nur Ablenkung, die sie in seinen Armen sucht, sondern die Vorstellung, glücklich zu sein und Geborgenheit zu finden. Der Gedanke berührt etwas in mir. Alte Gefühle kochen hoch und reißen mich in einen Strudel, der mich ins Verderben zerrt, wenn ich sie nicht schleunigst unterdrücke. Angestrengt kämpfe ich dagegen an und dränge die Erinnerungen an eine glücklichere Zeit in die Tiefen zurück, aus denen sie gekrochen sind. In dem Versuch, Halt zu finden, klammere ich die Finger um die dünne Decke, ziehe die Beine an und stütze die Stirn auf meine Knie. Diese verdammten Empfindungen frischen die seelischen Wunden immer wieder auf, die mir dieser Krieg zugefügt hat.
In der Ferne ertönen plötzlich Schreie. Erschrocken richte ich mich auf und zucke zusammen, als jemand unweit von uns schrill kreischt.
»Kirottu!«, rufen die Ersten. Laut hallen die Warnungen über den Acker, doch sie werden rasch vom Lärm der Soldaten übertönt, die trampelnd umherrennen und Befehle brüllen.
Eine Gänsehaut jagt mir über Arme und Nacken. Mein Puls schießt in die Höhe, pocht an meinem Hals.
Sie sind hier!
Hölzernes Rattern und Knarzen übertönen die Rufe, gefolgt von einem lauten Surren. Kurz darauf springt Otso fluchend auf und sieht nach oben. Ich folge seinem Blick und versteife mich. Am Nachthimmel tauchen Feuerkugeln auf, die die Dunkelheit erhellen und auf das Lager niedersausen. Krachend schlagen sie verstreut auf dem Acker ein und lassen die Erde erzittern. Es geht so schnell, dass ich nur zusehen kann. Flammen fressen sich in die Kleidung der Soldaten, die schreiend durch das erwachte Chaos rennen. Wie lebende Fackeln brechen manche zusammen und wälzen sich verzweifelt auf dem Boden.
Im Schein der Brände beugt sich Otso zu Katriina hinab und zerrt sie auf die Beine. Zeitgleich schüttle ich die Starre ab, greife Vaters Dolch und rapple mich auf.
Der Ritter packt meine Freundin und sieht sie eindringlich an, während sie mit aufgerissenen Augen erstarrt ist. »Verlasst das Lager und lauft in die Berge! Bleibt nicht stehen, schaut nicht zurück! Los!« Ohne ein weiteres Wort rennt er fort und verschwindet im Getümmel.
Katriina presst sich mit einem Aufschrei die Hand vor den Mund und starrt ihm hinterher. Dann wirbelt sie zu mir herum und klammert sich an meinen Arm. Sie zittert am ganzen Leib. »Aila …«, schluchzt sie.
»Warte, ich muss mich orientieren!« Gehetzt sehe ich mich um und versuche, mir in dem Durcheinander einen Überblick zu verschaffen. Die Feuerbälle, die im Lager eingeschlagen haben, tauchen die Umgebung in flackerndes Licht. Die Kirottu müssen unbemerkt mit Katapulten herangerückt sein. Es stinkt nach Pech, mit dem die Geschosse getränkt sind. Soldaten rennen an uns vorbei, doch ich erkenne kaum mehr als flüchtige Schemen. Düstere Schatten stürzen sich auf die Männer und bringen sie zu Fall.
Hektisch zerre ich Katriina am Arm mit mir, als zwei Gestalten rangelnd auf uns zu halten. Wenige Schritte vor uns gehen sie zu Boden – eine Klinge blitzt auf. In einer flüssigen Bewegung schneidet der Kirottu dem Soldaten die Kehle durch. Scharf ziehe ich den Atem ein, während sich die Angst vor den Verfluchten in meine Eingeweide gräbt.
»Scheiße!«, stößt Katriina aus und klammert sich enger an mich.
Wir stolpern von dem Mann zurück, der sich über seinem Opfer aufrichtet. Selbst im Licht der Feuer erkenne ich den schwarzen Nebel, der sich wie eine Schlange um die Klinge seines Schwertes windet. Mit einem schiefen Grinsen sieht der Kirottu zu uns. Sein Anblick lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Schwarze, filigrane Linien ziehen sich in einem rankenartigen Muster über sein Gesicht und den Hals hinab, bis sie unter der dunklen Uniform verschwinden. Die Augen sind so finster wie eine sternenlose Nacht.
»Er ist verflucht«, bringt Katriina mit bebender Stimme hervor, als sähe sie einen Kirottu zum ersten Mal aus dieser Nähe.
»Das sind sie alle«, entgegne ich gepresst und umklammere den Griff meines Dolches, bis die Hand schmerzt. Jeder Muskel ist angespannt.
Der Kirottu marschiert auf uns zu und ich wappne mich gegen seinen Angriff, doch da stellt sich ihm einer der Soldaten von Valokirkas in den Weg. Mit einem Klirren und Schleifen, das mich schüttelt, treffen die Schwerter der beiden aufeinander. Glühende Funken streben von den Klingen auf.
Beherzt ziehe ich Katriina von den Kämpfenden fort. Die Geräusche im Lager sind ohrenbetäubend. Es poltert und kracht bei jedem Einschlag einer Feuerkugel, Holz berstet, Menschen rufen panisch durcheinander. Der Gestank von verbranntem Fleisch und versengten Haaren steigt mir in die Nase und dreht mir den Magen um. Über all den Lärm hinweg höre ich die Schlachtrufe der Kirottu, die uns einkesseln. Die Geräuschkulisse facht die Panik an, die wie eine...




