E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten
Reihe: Die Black-Reihe
Wood Die Black-Reihe 2: Black Souls
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-646-60543-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Düsterer Fantasy-Liebesroman über eine Todesfee und ihren dämonischen Bodyguard
E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten
Reihe: Die Black-Reihe
ISBN: 978-3-646-60543-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jenna Wood wurde in Frankfurt am Main geboren. Sie hat ein Händchen dafür, in unangebrachten Situationen zu lachen, und eine Vorliebe für Katzen und Serien. 2014 fing sie an unter dem Namen »Silberschnee« ihren ersten Fantasy-Roman auf einer Schreibplattform zu posten, während sie parallel die Schule abschloss. Sie lebt momentan noch mit ihrer fetten Katze Malaysia in Frankfurt und strebt einen kreativen Beruf an. PS: Diese Katze ist wirklich fett.
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KAPITEL 8
Als wir das Wohnzimmer betraten, hatte sich die Aufregung ein wenig gelegt. Die Männer unterhielten sich und meine Mom machte irgendwas in der Küche. Mit ein wenig Abstand setzte sich Kassy neben Mike, der sie nur kurz aus den Augenwinkeln ansah. Sie nickte kaum merklich und Mike führte lächelnd sein Gespräch fort.
»Ezra, Schatz, kannst du mir bitte kurz helfen?«, hörte ich meine Mutter rufen und ich verdrehte die Augen. Hätte ich gewusst, dass ich helfen musste, wäre ich gar nicht erst wieder nach unten gekommen.
Gegen sieben bereiteten wir unsere Betten vor. Kassy schlief bei mir im Zimmer, Zero und Felis auf der Couch im Wohnzimmer und Eamonn und Mr Harries bekamen das Gästezimmer.
Nach einiger Zeit wurde es still im Haus und die meisten schienen zu schlafen. Doch Kassy und ich saßen auf meinem Bett, starrten aus dem Fenster in die kalte Nacht und schlürften Tee. Wir hatten das Fenster geöffnet und uns in zwei dicke Decken eingekuschelt.
»Warst du vor Conan schon einmal in jemanden verliebt?«, fragte sie mich von der anderen Seite der Matratze aus und blickte auf die Straße.
»Ich weiß es nicht«, seufzte ich. »Ich bin Jungs immer ziemlich aus dem Weg gegangen. Ich meine, da waren ein paar, die ich süß fand, aber die beachteten mich nie wirklich.«
»Warum nicht? Du bist hübsch, süß, sympathisch!«
Ich sah sie nur aus dem Augenwinkel an und grinste. Plötzlich musste sie laut lachen und ich tat es ihr nach. »Tut mir leid, das klang komisch. Ich meine damit, dass Jungs doch meistens sowieso erst einmal auf das Äußere achten.«
»Ja, aber ich schätze, Kälte stößt ab.«
Sie sah mich fragend an.
»Ich hatte Angst, dass jemand etwas über meine Fähigkeiten herausfindet, oder noch schlimmer, dass ich jemanden verletzte. Also hab ich mich von allem ferngehalten. Jeder Party, jedem Jungen, jedem Date. Irgendwann hatte keiner mehr Lust auf eine Abfuhr und ich wurde als arrogant abgestempelt.«
»Uhh, nicht gut«, erwiderte meine Schwester.
Ich nickte. »Und was ist mit dir?«
Bei meiner Frage fing sie an zu lachen.
»Lacey hat mich so gut wie nie ausgehen lassen. Ich wurde zu Hause unterrichtet, die Forest High war also meine erste und hoffentlich auch letzte Schule. Ich war genauso ein Opfer wie du.«
»Wow, danke, da fühle ich mich gleich besser.« Wir kicherten kurz, verstummten dann aber wieder.
»Wusstest du es?«, hakte ich schließlich nach und Kassy sah mich an.
»Was?«
»Dass sie nicht deine richtige Mutter war.«
Sie seufzte und stellte ihre Tasse auf meinem überfüllten Nachttisch ab.
»Am Anfang nicht, nein. Aber dann kam Mike und er hat es mir irgendwann gesagt. Das war der Zeitpunkt, in dem ich beschlossen habe dich zu suchen. Ich hatte schließlich keine Erinnerungen an dich, aber Eamonn hat sie mir wiedergegeben.«
Ich erstarrte. Sie hatte Eamonn schon vor heute wiedergetroffen? Und er hat ihr ihre Erinnerungen wiedergegeben?
»Du hast Eamonn heute nicht zum ersten Mal wiedergesehen?« Kassy schüttelte den Kopf. »Ich kenne Mike schon sehr lange und seinen Sohn habe ich kennengelernt, bevor ich dich in der Schule getroffen habe.«
»Warum hat er dir deine Erinnerungen wiedergegeben?«, fragte ich fassungslos. Ich konnte es nicht glauben, dass er mir nichts gesagt hatte.
»Weil das seine Fähigkeiten sind. Er kann Erinnerungen geben und Erinnerungen nehmen. Wusstest du das nicht?«
Ich starrte sie nur mit offenem Mund an. Ich war so dumm. So dumm. Wie konnte man nur so hirnlos sein?
Dieser Junge hatte mich mit nur einer Berührung in die Vergangenheit gebracht und mir gezeigt, dass wir früher mal »beste Freunde« gewesen waren, und ich habe nicht einmal infrage gestellt, warum ich diese Erinnerung überhaupt verloren hatte und warum er sie besaß! Ich schlug mir innerlich gegen die Stirn und verfluchte mich selbst.
»Alles okay?«, fragte Kassy und legte mir eine Hand auf die Schulter.
»Nein. Meine Dummheit schmerzt. Sag mir eins: Mr Harries ist ein Freund unserer Eltern. Und sie haben dich zu Lacey geschickt, anscheinend zu deiner Sicherheit. Eamonn hat dir deine Erinnerungen genommen, damit du dich an all das nicht erinnerst, wahrscheinlich damit du uns nicht suchst, aber warum kommt Mike dann einfach zu dir und plaudert alles aus?«
»Na ja«, Kassy schaute an die Decke, überlegte kurz und antwortete schließlich: »Als ich älter wurde und Mike und ich uns von Besuch zu Besuch besser verstanden, begann ich ihm als Freund zu vertrauen und er merkte das. Deswegen fand er es nur fair, dass ich es wusste.«
»Und Lacey? Hat die davon denn gar nichts mitbekommen? Schließlich war sie doch mit Mom und Dad befreundet.«
»Nun, das mit der Schule war nicht gelogen. Sie hat mich wirklich dahin geschickt, weil ich ihr zu anstrengend wurde. Und Mike hat ein wenig mitgeholfen. Ich habe sie letztens angerufen und ihr alles erklärt. Sie war erst ziemlich wütend, aber als ich ihr gesagt habe, dass ich sie völlig aus dem Spiel lasse, war es ihr egal. Daran merkt man mal, wie wichtig ich ihr war, hm. Lacey war schon immer oberflächlich.«
»Sie hat dich einfach mit zu Mike auf die Schule geschickt? Wusste sie denn nicht von euch?«
Sie lächelte kurz und schüttelte den Kopf. »Das mit Mike und mir hat sich erst in der Schule entwickelt«, kicherte sie leise.
»Aber wie? Welcher erwachsene Mann lässt sich auf eine Schülerin ein?«
Sie grinste immer noch. »Na ja, er kannte mich schließlich schon, seit ich klein war. Wir hatten anfangs nicht viel miteinander zu tun, er kam in den ersten Jahren immer im Dezember vorbei, sah nach, ob alles mit rechten Dingen zugeht, und verschwand wieder. Nicht dass ich ihn oft gesehen hätte. Ich erkannte Mike nicht einmal von meiner Zeit vor Lacey. Ich schätze, die früheren Erinnerungen an ihn sind mir auch genommen worden.«
»Aber wie?«, unterbrach ich sie.
»Ich weiß es nicht. Das fragst du besser Eamonn.«
Ich rollte mit den Augen. »Da kann ich auch gleich den Schrank fragen. Eamonn will mir nichts erzählen.«
»Vielleicht stellst du einfach nur die falschen Fragen«, antwortete sie.
Ich stöhnte. »Nicht du auch noch. Weißt du etwa mehr als ich? Nicht dass mich das wundern würde, denn schließlich bin ich hier die Einzige, die im Dunkeln tappt.«
»Ich weiß nicht viel mehr, glaub mir. Ich weiß nur, dass Eamonn dich nicht verletzen möchte und ich dich erst recht nicht. Aber das könnte passieren, wenn er dir alles auf einmal erzählt«, sagte Kassy.
»Aha, genau. Was auch immer«, erwiderte ich genervt. Da hier schließlich keiner Klartext reden wollte, beschloss ich einfach es sein zu lassen, bis sich ein besserer Zeitpunkt ergab.
»Also, wie ging es weiter mit dir und Mike?«
»Es gibt nicht viel mehr zu erzählen. Mit vierzehn fing ich leicht an für ihn zu schwärmen, aber er bemerkte es nicht. Warum auch, ich war ein Kind. Ich versuchte ihn öfter zu umarmen oder in seiner Nähe zu sein und am Anfang schien er es nicht zu bemerken, aber je älter ich wurde, umso mehr zog er sich plötzlich von mir zurück.«
»Warum?«
»Ich schätze, er fühlte sich schlecht wegen mir. Nicht jeder wird von einer 15-jährigen Göre angemacht und jetzt im Nachhinein betrachtet schien er langsam Gefühle für mich zu entwickeln. Als ich gemerkt habe, wie zurückhaltend er war, zog ich mich auch zurück, so sehr es mich auch schmerzte. Ich sah ihn manchmal, aber nicht mehr so regelmäßig wie früher. Schließlich ging ich dann auf die Forest High, um dich zu finden, und da war er wieder. Keine Ahnung, wie es passiert ist. Ich hab ihn geküsst und er ließ es zu. Und von da an …«
»Bitte«, unterbrach ich sie. »Keine Details.«
Kassy warf mir einen ihrer Willst-du-mich-verarschen-Blicke zu und fuhr fort: »Und von da an war ich sein Geheimnis, wollte ich sagen. Aber ja, wir haben auch mehr gemacht als nur geknutscht, danke, dass du mich daran erinnerst.« Sie grinste schelmisch.
Ich guckte sie angewidert an, dann musste ich doch lachen.
»Also, wenn es dir nichts ausmacht, gehe ich schlafen. Gute Nacht, Ez.« Gähnend ließ Kassy sich in ihr Kissen fallen und kuschelte sich in die große Decke ein.
Ich hatte noch nie eines dieser typischen Mädchengespräche geführt und ich merkte, was ich verpasst hatte. Freundschaft. Geschwisterliebe. Ich legte mich neben sie, starrte an die Umrisse der Zimmerlampe und deckte mich ebenfalls zu. »Gute Nacht, Kassy.«
Als ich merkte, dass sie schlief, schlug ich vorsichtig die Bettdecke beiseite. Der Teppichboden fühlte sich angenehm weich an unter meinen nackten Füßen und ich tastete mich in Richtung Tür. Geräuschlos öffnete und schloss ich diese. Leise schlich ich mich an dem Schlafzimmer meiner Eltern vorbei ins Arbeitszimmer meines Dads. Ich schloss die Tür, schaltete die kleine grüne Tischlampe an und fing an sein Regal zu durchwühlen. Ich mochte den Geruch der Bücher in seinem Arbeitszimmer. Sie rochen vertraut und zauberten einige Erinnerungen hervor. Ein paar Bücher waren schon eingestaubt, auch wenn mein Dad regelmäßig abstaubte (zumindest behauptete er das immer meiner Mom gegenüber, wenn sie sich wieder einmal beschwerte, dass sie immer alles alleine machen musste). Nach ein paar Minuten wurde ich endlich fündig und zog das richtige Buch aus dem Regal. Es war an den Kanten schon ganz abgenutzt, der einst glänzende Umschlag wirkte matt und der goldene Titel war etwas verblasst. Die Geschichten der Unglaubwürdigen hatte mein Dad mir unzählige Male vorlesen müssen. Es waren verschiedene Sagen, ob man an sie glaubte oder nicht, war einem selbst...




