E-Book, Deutsch, Band 2268, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Wood Verführt in der Silvesternacht
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-0933-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2268, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-0933-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie konnte das nur passieren? Aus einem Kuss an Silvester wird eine heiße Nacht: Die schöne PR-Spezialistin Tinsley Ryder-White landet mit dem smarten Unternehmer Cody Gallant im Bett. Sie sollte sich nicht in den Bruder ihres Ex-Mannes verlieben! Doch genau das geschieht, denn Cody ist nicht nur ein fantastischer Lover, sondern auch außerhalb des Bettes aufmerksam und zugewandt. Zudem muss Tinsley für ein wichtiges Event mit ihm zusammenarbeiten! Nur was, wenn die Gallant-Brüder einfach nicht anders können, als eine Frau unglücklich zu machen?
Schon mit acht Jahren schrieb Joss Wood ihr erstes Buch und hat danach eigentlich nie mehr damit aufgehört. Der Leidenschaft, die sie verspürt, wenn sie ihre Geschichten schwarz auf weiß entstehen lässt, kommt nur ihre Liebe zum Lesen gleich. Und ihre Freude an Reisen, auf denen sie, mit dem Rucksack auf dem Rücken, abenteuerliche Ziele in Südafrika, Europa und Amerika besucht. Beim Schreiben taucht sie ganz in ihre Geschichte ein, verliebt sich auch heute noch in die Helden ihrer Romane und flirtet beim Schreiben mit ihnen.
Wenn Joss Wood nicht gerade schreibt, oder sich um ihre Kinder kümmert, nutzt sie ihre Erfahrungen in Business und Marketing, um mit Hilfe einer ehrenamtlichen Organisation, die Wirtschaft ihres Heimatstädtchens an der Ostküste Südafrikas anzukurbeln. Umgeben von Farmen und einer atemberaubenden Berglandschaft, gehört die Gesellschaft von wilden Steppentieren vor der Haustür genauso zu ihrem glücklichen und etwas chaotischen Leben, wie ihre Familie, Freunde und natürlich ihre Bücher.
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1. KAPITEL
Willkommen im neuen Jahr!
Tinsley Ryder stand auf der Empore der neuesten Ryder International Bar und beobachtete, wie unten auf der Tanzfläche ein dunkelhaariger Mann seine blonde Partnerin herumwirbelte und sie über seinen Arm nach hinten bog. Mit ihrem Lächeln versprach sie ihm eine süße Belohnung. Tinsley riss den Blick von den beiden los und fuhr sich über den Ringfinger ihrer linken Hand. Sie hatte den Ehering vor zwei Jahren abgelegt – sechs Monate nach der Scheidung –, aber auch wenn inzwischen viel Zeit vergangen war, vermisste sie JT noch.
Besser gesagt: Sie vermisste nicht ihren Ehemann, sie vermisste es, verheiratet zu sein. Teil eines Ganzen zu sein. Sie vermisste den Sex und vermisste es, am Abend jemanden zum Reden zu haben.
Fast ihr halbes Leben lang hatte sie das neue Jahr zusammen mit JT begrüßt, und die Erinnerungen kamen in diesem Moment zurück: Silvester auf dem Markusplatz in Venedig, am Times Square in New York oder in einem gemütlichen Blockhaus in Aspen. Dies war das zweite Silvester, an dem sie solo war, und es gefiel ihr ganz und gar nicht.
JT war wieder liiert, aber sie … sie litt noch unter dem Ende ihrer Ehe und dem aller Träume, die sie damit verbunden hatte. Sie erinnerte sich noch genau an alle Details des Hauses, das sie entworfen hatte. An die Namen der drei Kinder, die sie sich erhofft hatte. An gemeinsame Urlaubsreisen.
Alles geplant und perfekt.
Dieses perfekte Leben fiel mit einem Schlag in sich zusammen, als JT sie von einem Tag auf den anderen verließ und nach Hongkong ging – genau wie sein Bruder es am Vorabend der Hochzeit prophezeit hatte.
Obwohl das neue Jahr gerade einmal fünf Minuten alt war, schaute Tinsley schon wieder auf die Uhr. Am liebsten würde sie in ihr Hotel gehen, aber dies war die Eröffnung der neuesten Ryder-Bar, und es war ihr Job, hier zu sein, denn sie leitete zusammen mit ihrer Schwester die PR-Abteilung von Ryder International.
Das Unternehmen eröffnete jedes Jahr eine oder zwei neue Bars. Die Vorbereitungen dafür dauerten bis zu zwei Jahre. Ryder hatte mehrere Teams, die in die Arbeit einbezogen waren. Tinsleys Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass das neue Unternehmen ein Maximum an Publicity bekam. Zu diesem Zweck hatte sie Gallant Events engagiert. Die renommierte Agentur war darauf spezialisiert, Events so in Szene zu setzen, dass sie attraktiv für Promis und Influencer waren. So konnte eine Bar über Nacht zum Hotspot einer Stadt werden.
Ihr PR-Team hatte gemeinsam mit dem von Cody Gallant bisher vier Eröffnungen erfolgreich gemeistert. Tinsley erschien jedes Mal eine Woche vor der Eröffnung vor Ort. Sie wusste, dass beide Teams ihr Eintreffen fürchteten, weil sie eine Million Fragen und mindestens eine Million Forderungen mitbrachte. Sie sah, wie Augen gerollt wurden, und hörte den Frust in den Stimmen, aber es war nun einmal ihr Job, dass alles perfekt lief.
Dafür war Ryder International bekannt, und dabei sollte es bleiben.
Ihre Schwester Kinga war ebenso wie sie auf Perfektion aus, allerdings verantworteten sie klar getrennte Projekte. Tinsley war froh, dass sie nicht die exklusive Wohltätigkeitsgala am Valentinstag auf ihrem Schreibtisch hatte, mit der die Hundertjahrfeier von Ryders International eröffnet wurde. Zumal Callum, ihr unberechenbarer Großvater und Boss, bei der Weihnachtsfeier der Familie verkündet hatte, dass er ausgerechnet Griff O’Hare, den Bad Boy der Musikszene, als Star des Abends haben wollte.
Kinga war alles andere als glücklich mit Callums Wunsch, und Tinsley konnte es ihr gut nachempfinden. Sie hatte keine Ahnung, wie ihre Schwester das Problem lösen wollte, aber mit Sicherheit würde es ihr gelingen. Sie hatten beide Erfahrung darin, in letzter Sekunde eine geniale Notlösung aus dem Hut zu zaubern.
Der DJ drehte die Lautstärke auf, ein weiterer Barkeeper ergänzte das attraktive Team hinter der Bar, der Alkohol floss in Strömen. Tinsley ahnte, dass sie nicht vor dem Morgengrauen ins Bett kommen würde. Der Gedanke ließ sie stumm aufstöhnen. Sie hatte drei Achtzehn-Stunden-Tage hinter sich und war erschöpft. Sie sehnte sich nach ihrem Bett und nach Moose, ihrem großen Maine-Coon-Kater. Den ersten Tag des neuen Jahres hätte sie am liebsten ganz entspannt mit Kinga und ihrer besten Freundin Jules verbracht.
Tinsley drückte die Schultern durch und rollte ihren Kopf von einer Seite auf die andere, um die verspannten Muskeln zu lockern. Jetzt eine doppelte Infusion Koffein oder einen Energy-Drink, und sie wäre wieder so gut wie neu. Oder doch halbwegs. Genug, um zu funktionieren.
Niemand sollte sie je nicht glücklich und zufrieden erleben. Sie mochte noch so verzweifelt sein – niemals würde sie es sich anmerken lassen. Als ihr Ehemann nach zwölf gemeinsamen Jahren ging und die Scheidung ihre ganze Welt erschütterte, sah niemand außer Kinga ihre Tränen.
Nein, sie war eine Ryder-White, und die Ryder-Whites behielten ihre Gefühle für sich. Lieber wollte sie als kalt und gefühllos gelten denn als gefühlsselig und schwach.
Tinsley hörte ein Geräusch hinter sich und drehte sich um. Sie musste einen Seufzer unterdrücken. Ihr stand im Moment so gar nicht der Sinn nach Cody Gallant, ihrem Ex-Schwager …
Aber bei Licht betrachtet, stand ihr eigentlich nie der Sinn nach ihm.
Cody hielt zwei Champagnergläser in der einen Hand und eine Flasche Moët in der anderen. Nachdem er eingeschenkt hatte, reichte er ihr ein Glas und stellte die Flasche auf dem runden Tisch ab. Er ließ den Blick über die Tanzfläche hin zur VIP-Lounge gleiten. Dort hatte Tinsley ihn zuvor beobachtet, wie er sich mit den Männern unterhielt und die Frauen mit seinem Charme für sich einnahm. Er schien sich in den ersten Kreisen Torontos wohlzufühlen. Das überraschte sie nicht. Cody konnte mit Bauern und Prinzen reden, mit Promis und Nobodys. Als Inhaber einer Agentur, die auf spektakuläre Events spezialisiert war, wusste er mit Menschen umzugehen. Die Gallants und die Ryders verkehrten in Portland in denselben Kreisen, aber dennoch musste er schon wirklich etwas zu bieten haben, um einen Auftrag von Ryder International zu bekommen. Damit hatte Cody kein Problem.
Tinsley verstand nicht, wieso er an diesem Abend hier war. Seine Agentur gab zum Jahresende große Partys in New York und Los Angeles. Dort hätte er jetzt sein sollen. Sie bemühte sich, Cody möglichst aus dem Weg zu gehen. Während sie an ihrem Champagner nippte, dachte sie daran, wie unterschiedlich ihr Ex-Mann und sein Bruder waren. Cody war vier Jahre älter als JT und hatte kaum Ähnlichkeit mit ihm – weder vom Äußeren noch von der Persönlichkeit her.
Während JT blond und schlaksig war, war Cody gut einen Meter achtzig groß, und unter dem maßgeschneiderten Smoking verbarg sich ein harter, durchtrainierter Körper. Mit seinem kantigen Kinn, der geraden Nase und dem Lächeln in den Augen und auf den Lippen hätte er das Cover jedes Fitness-Magazins geziert. JT war ein Hipster gewesen, noch bevor Hipster in Mode kamen – er trug einen Bart und hatte das schulterlange blonde Haar im Nacken zu einem Pferdeschwanz gebunden. Cody hingegen hielt das leicht gewellte dunkle Haar kurz geschnitten. Beide Brüder hatten dunkelgrüne Augen, die Tinsley an frisch geschlagene Weihnachtstannen erinnerten. In JTs Augen hatte sie alles ablesen können, aber Cody schien seine Gefühle hinter einem grünen Samtvorhang zu verbergen.
Allgemein galt Cody als der attraktivere der beiden Brüder. JT war eher der Nerd. Wenn die Menschen ihn mit Cody verglichen, erschien er immer als eine blassere Version seines Bruders.
Es war eine Wahrheit, die sie jetzt eingestehen konnte. Gleichzeitig war es ein weiterer Punkt auf der Liste der Dinge, die sie an Cody störten. Andere waren, dass er sich nie bemüht hatte, sie besser kennenzulernen. Wenn er mit ihr sprach, war er angespannt und manchmal schon fast unhöflich. Sie war nie in den Genuss seines legendären Charmes gekommen. Nicht, dass sie es gewollt hätte …
Tinsley atmete tief durch. Ihr größtes Problem mit Cody bestand eigentlich darin, dass er ihre Beziehung zu JT nie gebilligt hatte. Er hatte es sogar fertiggebracht, sie am Abend vor der Hochzeit – einer Hochzeit, die sie mit viel Liebe zum Detail geplant hatte – anzuflehen, die Trauung platzen zu lassen. Er war überzeugt, dass ihre Ehe nicht von Dauer sein würde. Letztlich hatte er recht behalten, und irgendwie machte Tinsley es ihm zum Vorwurf, dass er alles so genau vorhergesehen hatte.
Sie hätte gern gewusst, was er im Gegensatz zu ihr damals gesehen hatte, aber der Stolz verbot es ihr, zu fragen.
Was spielte es auch für eine Rolle? JT und sie waren geschieden, und er hatte eine neue Frau und ein neues Leben. Sie hatte ihren Job bei Ryder International.
„Wieso bist du hier?“, fragte sie unvermittelt.
Cody sah sie fragend an. „Wie meinst du das?“
„Ich weiß, dass deine Agentur heute Abend Events in New York und L.A. hat.“
„Und in New Orleans“, ergänzte er.
Was war das für eine Antwort? Tinsley seufzte gereizt. „Diese Events sollten dir doch wichtiger sein als die Eröffnung unserer Bar.“
„Ich entscheide allein, was mir wichtig ist und was nicht. Ich habe gute Leute, die sich um alles kümmern.“
„Das beantwortet nicht meine Frage.“
Er sah sie an, und Tinsley fühlte sich wie ein Käfer unter dem Mikroskop. Sie kannte ihn, seit sie fünfzehn war, und obwohl seither mehr als fünfzehn weitere Jahre vergangen waren, fühlte sie...




