Wood | Wen liebst du wirklich? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1670, 160 Seiten

Reihe: Julia

Wood Wen liebst du wirklich?


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-222-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1670, 160 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-86494-222-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Laura träumt vom großen Glück: Sie hat sich in den erfolgreichen Autor Cassian Baldwin verliebt. Er hat das Anwesen gekauft, auf dem sie wohnt. Glücklich merkt Laura, dass Cassian sie oft voller Bewunderung betrachtet und ihre Nähe sucht. Nach seinem erst



Sara Wood wurde in England geboren. An ihre Kindheit hat sie wundervolle Erinnerungen. Ihre Eltern waren zwar arm, gaben ihr jedoch das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Ihr Vater kannte seine Eltern nicht, deshalb war er so glücklich über seine eigene Familie. Die Geburtstagsfeiern, die er gestaltete, waren sensationell: Er trat als chinesischer Zauberer oder Clown auf, erfand lustige Spiele und Schatzsuchen. Von ihm lernte sie, dass harte Arbeit belohnt werden würde und sie einem vor allem Selbstachtung verschafft. Während ihrer Abschlusskurse lernte Sara ihren Mann kennen, einen nachdenklichen und aufmerksamen Menschen, der ihr Freund und Seelenverwandter wurde. Im Alter von 21 Jahren heiratete sie ihn und bekam mit 22 ihren ersten Sohn. Inzwischen hat sie noch drei weitere Kinder. Zwölf Jahre lang unterrichtete sie in der englischen Grafschaft Sussex, was ihr viel Freude bereitete. Ihr Wechsel zum Schreiben vollzog sich auf ungewöhnliche Art und Weise. Richie, ihr ältester Sohn war schon immer verrückt nach Naturkunde und besaß eine große Sammlung von Tierschädeln. Im Alter von 15 entschloss er sich, ein Buch über seine Sammlung zu schreiben. Ein angesehener Verlag veröffentlichte es, und er gewann sogar den begehrten Times Information Book Award. Ermutigt von seinem Erfolg, dachte Sara es ihm gleich tun zu können, und veröffentlichte verschiedene Wissensbücher für Kinder. Als sie die Mills & Boon-Autorin Charlotte Lamb im Fernsehen sah, glaubte sie, auch Liebesromane schreiben zu können! Allerdings hatte sie vorher nur selten Romane gelesen. Darum kaufte sie sich zahlreiche Bücher, las und analysierte sie akribisch, um danach selbst eine Romance zu schreiben. Erstaunlicherweise wurde ihr Buch angenommen und plötzlich war sie Romanautorin. Sara und ihr Ehemann zogen auf einen kleinen Landsitz in Cornwall, der zu ihrem ganz persönlichen Paradies wurde. Doch als ihr Mann ernsthaft krank wurde, mussten sie umziehen. Nach einem schrecklichen Jahr voller Sorge um ihn, in dem sie ihn pflegte und mit Adleraugen über ihn wachte, war sie erleichtert, als es wieder bergauf ging und sie zurück nach Sussex ziehen konnten. Ihr derzeitiges Haus ist groß und mit Reet gedeckt und liegt inmitten von schönen, sanften Hügeln und einem wundervollen Ausblick auf das Wandergebiet. Jetzt leben sie auch näher bei ihren Jungs (inzwischen Männer!) und können sie so öfter besuchen. Sie freut sich jedes Jahr wahnsinnig darauf, ihre ganze Familie am festlich ...
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1. Kapitel


Cassian Baldwin saß zufrieden auf der Dachterrasse seines großen, gemieteten Hauses, das er in typisch kosmopolitischer Art mit zwei englischen Stripperinnen, einem Buddhisten aus Florida und einem marokkanischen Kräuterkundler teilte. Es war schon spät. Am samtschwarzen Nachthimmel funkelten die Sterne.

Zusammen mit seinem Literaturagenten sah Cassian den Schlangenbeschwörern und Akrobaten auf dem Djemaa el Fna, dem bemerkenswerten Marktplatz von Marrakesch, zu. Seit sie die Dachterrasse betreten hatten, war der Agent aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, und Cassian beobachtete ihn amüsiert.

"Das ist schon etwas anderes als London", meinte sein Agent schließlich mit dem typisch britischen Hang zur Untertreibung, wobei sein Blick wie gebannt einer Gruppe von Nomaden aus der Sahara folgte, die majestätisch über den Platz schritten.

In Lumpen gekleidet, schreiten sie wie die Könige, dachte Cassian und fand wieder einmal seine Überzeugung bestätigt, dass das Äußere oftmals nichts über die wahre Person aussagte. "Die gleiche Welt, aber völlig andere Werte und Wünsche. Das Leben auf das absolut Notwendige reduziert: das Bedürfnis nach Essen, Unterkunft und Liebe", bemerkte er beiläufig, schenkte den Kaffee aus einer Kanne mit versilbertem Ausgießer ein und bot dann seinem Agenten süßes Gebäck an.

Die Szenerie unten auf dem Markt regte seine Fantasie an, brachte ihn aber nicht mehr aus der Fassung. Nachdem er ein Jahr hier lebte, war ihm das alles wunderbar vertraut geworden: die Geschichtenerzähler, die Schlangenmenschen, die Gaukler und das Berbervolk, bunt durchmischt von staunenden Touristen. Inzwischen hatten sich seine Ohren an den Lärm gewöhnt. Trommeln, Becken und westliche Musik übertönten das Stimmengewirr … und dankenswerterweise auch die Schmerzenslaute vom Stand des Dentisten, der mit Feuereifer von seinen Zangen Gebrauch machte.

Cassian, der sich gern starken Gefühlen und sinnlichen Erfahrungen verschrieb, sog dieses unverwechselbare menschliche Flair förmlich in sich auf, zusammen mit dem Duft exotischer Gewürze und Gerichte von den Kohlenfeuern, die ringsum auf dem Platz glühten. Und dabei fragte er sich neugierig, wohin ihn seine Leidenschaft, das Leben in vollen Zügen zu genießen, als Nächstes tragen würde.

"So." Sein Agent lehnte sich zufrieden zurück. "Nachdem Sie jetzt Ihr Buch fertig haben, werden Sie und Ihr Sohn sicher eine Weile nach Hause zurückkehren, oder?"

Cassian trank einen Schluck türkischen Kaffee und genoss das starke Aroma. "Jai und ich, wir haben kein Zuhause."

Andererseits … Wie zum Widerspruch tauchte plötzlich ein Bild vor seinem geistigen Auge auf. Statt der nächtlichen Marktszene unten mit ihren exotischen Gauklern und lodernden Fackeln sah er plötzlich smaragdgrüne Hügel, gesäumt von grauen Steinmauern, uralte Wälder und kleine Dörfer an den Ufern eines klaren, wirbelnden Flusses. Die Yorkshire Dales … und vor allem: Thrushton.

Überrascht atmete er tief ein. Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er eine schmerzliche Sehnsucht nach einem Ort, den er einmal gekannt und geliebt hatte. Das erstaunte ihn zutiefst. Bis dahin hatte er jeden Ort voller Neugier und Lebensfreude angenommen, ihm stets auch seine dunkleren Seiten entlockt, um daraus die Stoffe für seine beliebten Krimis zu schaffen, die er unter dem Pseudonym Alan Blake veröffentlichte … und war dann zu neuen Horizonten aufgebrochen.

"Aber zumindest haben Sie erst einmal Ihre Freiheit wieder", fuhr sein Agent leutselig fort, "und müssen nicht mehr stundenlang am PC sitzen."

"Ich habe meine Freiheit noch nie verloren. Und wenn ich das je befürchten müsste", antwortete Cassian ruhig, "würde ich sofort mit dem Schreiben aufhören."

"Um Himmels willen, bloß nicht! Wir haben wieder ein lukratives Angebot von einem Filmproduzenten für Ihr nächstes Buch." Die Vorstellung, seine zwölf Prozent Provision verlieren zu können, versetzte den Agenten in Panik.

Doch Cassian hörte ihm schon gar nicht mehr zu. Seine scharfen Ohren hatten in der kleinen Gasse neben dem Haus ein ungewöhnliches Geräusch registriert. Er trat an die niedrige Brüstung und sah da unten einen Mann, der sich zusammengekrümmt und stöhnend am Boden wälzte. Eine dunkle Gestalt lief davon und verschwand in der Nacht. Cassian entschuldigte sich bei seinem Agenten und ging hinunter, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Wenige Minuten später entdeckte er, dass der Mann, den er in sein Haus geschleppt hatte, Tony Morris war, sein alter Feind aus genau der Gegend von England, an die er bei dem Wort "Zuhause" so unerwartet gedacht hatte. Während Tony stöhnte und jammerte und er, Cassian, ihm schweigend das Blut aus dem zerschundenen Gesicht wusch, stellte er fest, dass seine Sehnsucht nach Yorkshire beunruhigend wuchs und die Erinnerungen ihn beharrlich bedrängten.

Er war es gewöhnt, seinen Instinkten zu folgen. Vielleicht war es ja an der Zeit, zurückzukehren und in eine Landschaft einzutauchen, die ihm liebevollen Trost und Seelenfrieden gespendet hatte. Zeit auch, sich den alten Dämonen zu stellen, die ihn in seinen Träumen verfolgten.

Und dann bot Tony ihm die Gelegenheit, genau das zu tun.

Laura stellte zwei Kaffeebecher auf den Tisch und löffelte nachdenklich den letzten Instantkaffee aus der Dose. Kaffee war nicht das Einzige, das sie in Zukunft von ihrer Einkaufsliste würde streichen müssen. Die Armut starrte ihr förmlich ins Angesicht.

"Sue", wandte sie sich eindringlich an ihre beste Freundin. "Ich muss unbedingt einen neuen Job auftreiben!"

Sue Collins sah sie mitfühlend an. "Du hast also immer noch nichts gefunden?"

"Nein, und dabei habe ich die ganze Woche sogar in Harrogate gesucht!"

"Wow!" Sue war ehrlich beeindruckt, denn sie war vermutlich der einzige Mensch, der ermessen konnte, was für ein Schritt das für Laura gewesen war.

Es war jetzt einen Monat her, dass Laura ihren Job verloren hatte. Nacht für Nacht hatte sie wach gelegen und sich um die Zukunft ihres Kindes gesorgt, um seine labile Gesundheit und seine empfindsame Psyche. Adam zuliebe musste sie unbedingt Arbeit finden! Die Tage verrannen, und ihre Panik wuchs. Weder in Thrushton, wo sie lebten, noch in den benachbarten Gemeinden Grassington und Skipton war ein Job zu bekommen. Lauras Existenz war aber bis dahin ausschließlich auf die sanften Täler und malerischen Dörfer entlang des River Wharfe beschränkt gewesen. Das übrige Yorkshire kannte sie nicht, geschweige denn England oder die Welt. Und die Vorstellung, über ihre engen Grenzen hinaus zu reisen, ließ sie vor Angst erzittern.

Ihr war klar, dass das dumm war, aber sie konnte nichts dafür. Eine restriktive Erziehung hatte jeden Funken Selbstbewusstsein in ihr erstickt. Und wenn sie je so etwas wie Ehrgeiz besessen haben mochte, dann war es verkümmert dank der scharfen Zunge von Tante Enid, der Schwester ihres Adoptivvaters, und dank des Hohns und der Grausamkeit ihres Halbbruders Tony.

Doch bei aller Unterwürfigkeit und Zurückhaltung, die Bedürfnisse ihres Sohnes veranlassten sie, ihr Leben neu zu überdenken. Ihr persönlich machte es nichts aus, Kleider vom Flohmarkt zu tragen, aber sie musste genug Geld verdienen, um Adam vernünftige Sachen kaufen zu können, sonst würde er in der Schule weiterhin gnadenlos schikaniert werden.

"Ich würde alles tun, damit wir hier bleiben können", sagte sie nun aus ganzem Herzen. "Dieses Haus ist mein … mein …"

"Deine Kuscheldecke", ergänzte Sue lächelnd. "Sei ehrlich, Laura, du verkriechst dich doch hier."

Laura erwiderte das Lächeln ihrer Freundin zerknirscht. "Du hast Recht. Aber ich brauche einfach eine stabile, vertraute Umgebung. Und Adam geht es genauso. Anderswo würden wir zerbrechen."

"Ich weiß, Darling. Deshalb denke ich auch, du hast richtig Mut bewiesen, in Harrogate nach einem Job zu suchen." Die rundliche Sue tätschelte bewundernd Lauras schlanke, schmale Hand. "Aber … es wäre schon eine anstrengende Anfahrt ohne Auto, meinst du nicht?"

Laura seufzte. "Was habe ich für eine Wahl? Ein neunjähriger Junge braucht vernünftiges Essen und anständige Kleidung. Und hier in der Gegend hat sich wahrhaftig niemand darum gerissen, mich einzustellen. Ich bin es so leid!"

"Es muss doch einen Job für dich geben!" versuchte Sue ihr Mut zu machen.

Laura verdrehte die Augen. "Aber natürlich. Als Erotiktänzerin zum Beispiel." Sie stimmte in das Kichern ihrer Freundin ein, sprang auf und vollführte aus reinem Trotz einige laszive Posen an einer imaginären Stange, wobei sie aufreizend mit den Wimpern klimperte und sich mit natürlicher Anmut bewegte.

"Wow! Ich würde dir auf der Stelle fünf Pfund dafür geben", versicherte Sue anerkennend. "Sehr erotisch. Aber du hast auch wundervolle Beine und eine tolle Figur."

Hastig strich sich Laura durch das zerzauste Haar, sank wieder auf den Küchenstuhl und zog sich befangen den Saum ihres Rockes herunter. Er stammte wie das meiste ihrer Garderobe vom örtlichen Flohmarkt und war eine Spur zu eng.

Ihre kleine Tanzeinlage hatte Laura ein wenig aus der Fassung gebracht. Allem Anschein nach besaß sie ein natürliches Talent in diesen Dingen … Von ihrer Mutter geerbt? Immerhin war sie ein "Bastard", was man sie nie hatte vergessen lassen. Wenn sie nur gewusst hätte, wie ihre Mutter wirklich gewesen war! Tante Enid hatte immer behauptet, sie sei ein Flittchen gewesen.

"Sie ist mit jedem ins Bett gegangen", hatte Tante Enid gewettert. "Obwohl sie mit deinem Vater, einem respektablen Anwalt,...



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