E-Book, Deutsch, Band 3, 120 Seiten
Woods Die Schwestern von Rose Cottage: Ashley
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86278-891-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 120 Seiten
Reihe: Die Schwestern von Rose Cottage
ISBN: 978-3-86278-891-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bloß weg von diesem Presserummel, denkt Anwältin Ashley D'Angelo. Und wo könnte man besser entspannen als in Rose Cottage? Doch schon auf dem Weg dorthin begegnet sie dem geheimnisvollen Josh...
Über 110 Romane wurden seit 1982 von Sherryl Woods veröffentlicht. Ihre ersten Liebesromane kamen unter den Pseudonymen Alexandra Kirk und Suzanne Sherrill auf den Markt, erst seit 1985 schreibt sie unter ihrem richtigen Namen Sherryl Woods. Neben Liebesromanen gibt es auch zwei Krimiserien über die fiktiven Personen Molly DeWitt sowie Amanda Roberts. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Liebesromans lasen ihre ehemaligen Kollegen, es waren Journalisten, vorwiegend die Liebessszenen. Einer ihrer Kollegen meinte daraufhin kopfschüttelnd zum Artdirector: 'Und du bist mit ihr zum Kegeln gewesen.' Sherryl Woods sieht aber die heißen Liebesszenen nicht als Mittelpunkt ihrer Liebesromane an. Für sie geht es in den Romanen um Familie, Seelenverwandtschaft, ein gemeinsames Leben sowie auch um ausgelassenen, befriedigenden Sex. An der Ohio State University studierte Sherryl Woods Journalismus. Danach arbeitete sie für diverse Zeitungsverlage und spezialisierte sich auf das Fernsehen. In Ohio sowie in Florida war sie als Fernsehredakteurin tätig. Damit sie hauptberuflich schreiben konnte, kündigte sie im Jahr 1980 ihren Job, allerdings war sie zwei Jahre später wieder in einer leitenden Position tätig. Erst 1986 wurde sie selbstständig und arbeitet seitdem als Autorin. Sherryl Woods selbst ist der Auffassung, dass sie durch ihren Beruf als Journalistin gelernt hat, packend zu schreiben und Menschen zu beobachten.
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Die Schlagzeile verriet alles: „Schuldiger freigesprochen!“ Albert „Tiny“ Slocum war ein durchtriebener Schurke, der seine Anwältin sowie die gesamte Jury mit seinem Charme dazu gebracht hatte, an seine Unschuld zu glauben. Da es nicht genug Beweise für seine Tat gab, verließ er dank Ashley D’Angelo, die in Boston als Retterin der Unschuldigen bekannt war, das Gericht als freier Mann.
Er besudelte seine weiße Weste allerdings selbst, als er beim Verlassen des Gerichtssaals – zudem noch in Anwesenheit des Richters – die Jury lautstark als Langweiler und Idioten bezeichnete. Dieser unverschämte Auftritt bewies, dass Tiny doch nicht ganz normal war, und sein Verhalten handelte ihm das Versprechen des Staatsanwaltes ein, er würde Tiny auf jeden Fall hinter Gitter bringen. Vielleicht nicht für den Mord an Letitia, von dem man ihn gerade freigesprochen hatte, aber es würden andere Straftaten aufgedeckt werden, dessen war sich der Staatsanwalt sicher.
So eine Szene war genau das, was jeder gewissenhafte Strafverteidiger mehr fürchtete als alles andere auf der Welt. Und Ashley D’Angelo war da keine Ausnahme.
Ashley hatte Tiny nicht besonders gemocht, aber sie hatte ihm geglaubt. Er hatte seine Unschuld absolut überzeugend beteuert. Seinen scharfen Verstand hatte er redegewandt und clever eingesetzt, um sie letztlich davon zu überzeugen, dass er unmöglich ein derart barbarisches Verbrechen begangen haben konnte.
Das Opfer, Letitia Baldwin, war von einem Handtaschendieb fast zu Tode geprügelt worden, weil sie nur wenige Dollars in ihrer Brieftasche gehabt hatte. In der Notaufnahme der Klinik war sie dann ihren Verletzungen erlegen. Tiny hatte behauptet, Frauen zu lieben und zu respektieren. Seine eigene Mutter hatte ihn geschützt und dem Gericht versichert, dass Tiny der beste Sohn wäre, den man sich vorstellen könne. Ashley, die sich den Ruf erworben hatte, Unschuldige zu verteidigen, nahm sich des Falles an.
Sofort hatte sie die Schwächen in der Anklageschrift des Staatsanwaltes erkannt und dann Monate damit verbracht, die Verteidigung minutiös aufzubauen. Bereits an den ersten Verhandlungstagen waren ihr schon leise Zweifel gekommen, aber das Ende des Prozesses brachte ihr dann tatsächlich die schreckliche Gewissheit, verhindert zu haben, dass ein Mörder seine gerechte Strafe erhielt.
Nicht mal ein sehr gutes Glas Cabernet Sauvignon konnte Ashley jetzt über diesen Kummer hinweghelfen. Die Polizeifotos des Opfers stiegen immer wieder vor ihrem geistigen Auge auf und ließen sie nicht zur Ruhe kommen.
Am Abend, nachdem das Urteil verkündet worden war, saß Ashley in ihrem eleganten Penthouse und musste sich eingestehen, schon lange geahnt zu haben, dass sie einen Mörder verteidigte. Und sie hatte es mit derselben offensiven Taktik getan, die ihr bisher immer den Erfolg gesichert hatte. Gerade weil sie so viel Erfolg hatte, suchte sie sich ihre Klienten immer besonders gut aus, doch dieses Mal hatte ihre Intuition versagt.
Jetzt, da sie die Wahrheit kannte, schrumpfte ihre Selbstachtung auf null. Ihr wurde geradezu übel bei dem Gedanken, dass das Gesetz versagt hatte und ein Mörder freigesprochen worden war. Ein Mann, der brutal und ohne Gewissen gehandelt hatte. Wie hatte das nur passieren können? Diese moralische Niederlage relativierte alle anderen Erfolge, die sie im Namen der Gerechtigkeit erkämpft hatte. Erfolge, auf die sie stolz gewesen war und die ihr in kurzer Zeit eine Partnerschaft in der hoch angesehenen Kanzlei beschert hatte, in der sie jetzt tätig war.
Krank vor Selbstvorwürfen hatte sie sich inzwischen vierundzwanzig Stunden allein in ihrem Apartment aufgehalten und sich hartnäckig geweigert, das Telefon abzunehmen oder die Tür zu öffnen. Sie hatte eine kurze Pressekonferenz abgehalten, in der sie erklärte, wie bestürzt sie über den Ausgang des Prozesses war. Dann hatte sie sich sofort zurückgezogen, um weiteren Fragen der Journalisten aus dem Wege zu gehen.
Im Moment konnte sie sich nicht vorstellen, überhaupt noch mal in der Öffentlichkeit aufzutreten, gleichzeitig war ihr jedoch klar, dass sie irgendwann wieder die Kraft haben musste, sich der Realität zu stellen. Im Grunde war sie eine geborene Streiterin, nur war sie momentan noch nicht wieder kampfbereit. Es brauchte ein wenig Zeit, um die Wunden zu heilen.
Unglücklicherweise besaßen alle ihre Schwestern Schlüssel zu ihrem Apartment, und vor fünf Minuten waren sie zusammen erschienen, um sie aufzumuntern. Ashley wusste diese Geste zu schätzen, doch die Bemühungen ihrer Schwestern waren nutzlos. Sie hatte einen Mörder freigesprochen, und sie würde für den Rest ihrer Tage mit dieser Schuld leben müssen. Ihre Karriere hatte einen Knick bekommen, der Stolz auf ihre bisherigen Erfolge war erheblich gemindert.
„Es ist doch nicht deine Schuld“, tröstete Jo, nachdem sie sich mit einer Tasse Kaffee zu ihr gesetzt hatte. „Du hast doch nur deinen Job getan.“
„Ja, ich habe großartige Arbeit geleistet“, erwiderte Ashley mit bitterem Spott und hob ihre Tasse.
„Hör sofort damit auf!“, befahl Maggie verärgert.
Maggie und Melanie, die in Virginia lebten, waren sofort nach Boston gekommen, als sie erfahren hatten, was im Gerichtssaal passiert war. Auf dem Weg zu Ashley hatten sie dann noch Jo abgeholt.
Jetzt saßen sie in Ashleys Penthouse, an dessen Wänden teure moderne Kunst hing und von dem man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Boston hatte. Im Moment bedeutete das alles Ashley jedoch nichts – nicht mal die liebevolle Unterstützung ihrer Schwestern. Loyalität war Familientradition. Ashley wusste, dass ihre Schwestern und ihre Eltern immer für sie da sein würden, ganz egal was auch passieren mochte.
„Sie hat recht“, pflichtete Maggie ihrer Schwester bei. „Du hast nur deine Arbeit getan. Nicht jeder, der vorgibt, unschuldig zu sein, ist es auch. Und nicht jeder, der angeklagt ist, ist schuldig. Aber jeder hat ein Recht auf eine faire Gerichtsverhandlung und eine gute Verteidigung.“
Wie oft habe ich genau das gesagt? dachte Ashley. Sie hatte fest an dieses Prinzip geglaubt, aber das Wissen, dass sie einem brutalen Mörder zur Freiheit verholfen hatte, machte sie regelrecht krank.
„Dieser Mann hat mich zum Narren gehalten“, erklärte Ashley ihren Schwestern. „Wie soll ich jemals wieder meinem Urteil trauen? Wie soll es irgendjemand noch tun können? Und was soll ich von den Klienten erwarten? Die werden mich jetzt bestimmt voller Skepsis betrachten. Wahrscheinlich nehmen sie mich überhaupt nicht mehr für voll.“
„Jetzt hör doch auf. Das hier war ein Fall wie viele andere“, verteidigte Maggie ihre Schwester und sah sie besorgt an. „Hör auf, dich selbst fertigzumachen. Du hast schon so viele Erfolge gehabt, Ashley. Die Zeitungen haben dich immer in den höchsten Tönen gelobt.“
„Aber nicht heute“, erwiderte Ashley und wies auf den Stapel Zeitungen, die auf ihrem Tisch lagen. Sie hatte sie alle gelesen, ebenso wie sie sich die Nachrichten von verschiedenen Fernsehsendern angeschaut hatte. „Heute dagegen fragen sie sich, wie vielen anderen Kriminellen ich in den letzten Jahren wohl zur Freiheit verholfen habe. Ich muss zugeben, dass ich mich das selbst auch gefragt habe.“
Jo schaute sie entrüstet an. „Glaubst du denn tatsächlich auch nur eine Minute, dass du bewusst einem Kriminellen geholfen hast?“, fragte sie. „Wenn das so wäre, dann hättest du nämlich recht. Dann solltest du schleunigst deinen Beruf aufgeben und mit etwas anderem dein Geld verdienen. Etwas, wo die Fehler, die du machst, nicht so schwerwiegend sind.“
„Ich weiß wirklich nicht, wie es weitergehen und was ich jetzt machen soll“, erwiderte Ashley. Unsicherheit war ein völlig neues Gefühl für sie, und es gefiel ihr absolut nicht. Sie war immer die ältere, selbstbewusste Schwester gewesen, die ihre jüngeren Geschwister beschützt hatte. Jetzt selbst Hilfe annehmen zu müssen, das behagte ihr gar nicht.
„Noch gestern habe ich gedacht, dass ich die Wahrheit gepachtet hätte“, fügte sie hinzu. „Jetzt frage ich mich, ob ich vielleicht nur eine clevere Anwältin bin, die sich leichtfertig von einem gerissenen Kriminellen hat blenden lassen. Von einem Mörder, der ein bisschen Charme und ein großes schauspielerisches Talent hat.“ Sie schaute sich im Raum um. „Guckt euch doch mal um, was ich alles gekauft habe, nur weil ich einen gut bezahlten Job habe. Als ich dem Sohn und der Tochter des Opfers in die Augen schaute und ihnen sagte, wie leid mir das Ganze tut, kam ich mir vor wie eine Betrügerin.“
Ihre Schwestern wechselten Blicke untereinander und schienen gemeinsam zu einer Entscheidung zu kommen.
„So, jetzt reicht es aber mit dem Selbstmitleid, Ashley. Das Büßerhemd steht dir nicht. Du wirst mit uns nach Virginia kommen“, erklärte Melanie entschlossen. „Was dir fehlt, ist ein Monat Ruhe und Entspannung im Rose Cottage. Du hast Maggie sowieso versprochen, dass du uns nach dem Abschluss dieses Falls besuchen würdest. Jetzt wirst du einfach ein wenig länger bleiben, damit du wieder Boden unter die Füße bekommst.“
Ashley sah ihre Schwester fassungslos an. Schon eine Woche ohne Arbeit war für sie absolut unvorstellbar, ganz zu schweigen von einem Monat. Arbeit war ihr Leben. Sie definierte sich über ihren Beruf. Allerdings hatte diese Definition einen argen Knacks bekommen.
„Das kommt gar nicht infrage“, erwiderte sie schroff. „Ich weiß zwar, wie ihr beide im Rose Cottage aufgeblüht seid. Aber ich bin anders als ihr. Ich brauche meine Arbeit. Ein Wochenende zum Ausruhen reicht...




