E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Woods Gib mir deinen Ex, ich geb dir meinen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-17688-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-641-17688-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dating ist nicht einfach, vor allem, wenn du nur Lügner, komische Käuze, Männer, die Superman-Unterhosen tragen, oder noch bei ihrer Mutter leben, triffst. Warum also nicht mit jemandem ausgehen, der schon »getestet und für ok befunden« wurde? Nur weil der Typ nichts für deine Freundin war, heißt das ja nicht, dass er für dich nicht der Richtige sein kann. Marnies Plan: Zeig mir deinen Ex, ich zeig dir meinen, und sie denkt gleich für ihre drei besten Freundinnen Helen, Rosa und Ani mit, die alle auch auf der Suche nach dem perfekten Mann sind – und schon ist es geboren, das Projekt »Ex-Factor« …
Eva Woods wuchs in Nordirland auf, verließ ihre Heimat nach der Schule jedoch und ging zum Studieren nach Oxford. Nach ihrem Abschluss lebte sie einige Zeit in Frankreich und China, kehrte dann aber nach London zurück, wo sie nun schreibt und Creative Writing unterrichtet. Sie liebt Wein, Popmusik und Urlaub, und sie ist sich sicher, dass Onlinedating das schlechteste Spiel ist, das je erfunden wurde.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Gestörte Routine
Helen
Wie viele Nachrichten bekommt man an einem durchschnittlichen Tag? Wie viele E-Mails, Facebook-Benachrichtigungen, Tweets? Die meisten sind sofort vergessen – die Freundinnen, die wegen ihrem Gewicht durchdrehen oder weil ihr Boss sie auf Facebook entdeckt hat (wie ironisch), der Werbenewsletter, den man seit Ewigkeiten abbestellen wollte, Bilder von einem Promi-Frühstück auf Instagram.
Doch manchmal bekommt man auch eine Nachricht, die mehr ist als das. Diese Nachricht sagt zunächst womöglich nichts Besonderes aus. Zuerst ignoriert man sie vielleicht, dreht sich um und schläft weiter, lässt das Handy zurück in die Tasche fallen und vergisst sie. Aber obwohl man es zu jenem Zeitpunkt noch nicht wissen kann, ist diese Nachricht der Beginn von etwas, das das eigene Leben für immer verändern wird. Natürlich, mindestens 99,99999 Prozent aller digitalen Benachrichtigungen sind absoluter Müll, aber man kann sich nie sicher sein.
Helen wurde vom Summen ihres Handys geweckt. Sie setzte sich kerzengerade in ihrem Bett auf und tastete blind auf dem Nachttisch herum, zwischen der Fernbedienung für den Fernseher, der für die Jalousien, den Tempos, der Handcreme und dem gerahmten Foto ihres Katers. Die Dinge in ihrer Wohnung fügten sich zu einer Mischung, die irgendwo zwischen NASA-Kontrollraum und der Pinterest-Wand einer Ü-40-Jungfer lag.
Sie starrte blinzelnd auf das Handy. Las die Nachricht noch einmal. Stieß ein kleines »Huch« in Richtung der leeren Bettseite neben sich aus, dann sah sie auf die Digitalanzeige ihres Weckers. 7:45 Uhr. Nur eine zutiefst selbstsüchtige Person würde einer Freiberuflerin zu dieser unchristlichen Zeit eine SMS schicken. Doch die Nachricht leuchtete hartnäckig auf dem Display und brannte sich in ihre Netzhaut. Ihr erster Gedanke war: Sie ist zurück. Hallo, Marnie. Tschüss, gesunder Schlaf. Ihr zweiter Gedanke war: Heilige Scheiße! Sie ist zurück! Ein undefinierbares Gefühl flackerte in ihr auf und verflog wieder. Eine Mischung aus Aufregung, Nervosität und noch etwas anderem, das sie nicht richtig einordnen konnte. Dann löste sie sich aus ihrer Erstarrung und begann umgehend damit, Bars und Restaurants zu googeln – und Detoxbehandlungen.
Es heißt, ein Freund, der einen als Menschen nicht verändert, ist kein echter Freund, sondern nur ein guter Bekannter. Helen hätte der Redensart noch eins hinzuzufügen gehabt: Eine Freundin, die einem nicht ständig das Gefühl gibt, man wäre gerade dabei, in eine Achterbahn zu steigen – aufgeregt, verängstigt und mit dem Hauch einer Chance, sich eine ernsthafte Verletzung zuzuziehen –, ist keine echte Freundin.
Sie stand um Punkt acht Uhr auf – noch bestand keine Notwendigkeit, an ihren Gewohnheiten zu rütteln – und begann mit ihrer morgendlichen Routine. Es war Dienstag, also wusch sie sich die Haare, benutzte Zahnseide und rasierte sich die Beine. Sie trug eine tief pflegende Gesichtsmaske auf, stellte den Wecker auf exakt vier Minuten und verbrachte die Einwirkzeit damit, ihr gerötetes Gesicht im Spiegel zu betrachten und einen meditativen Sprechgesang anzustimmen: »Ich bin erfolgreich. Ich bin glücklich. Mir geht es gut allein.« Nicht dass sie diese selbstbekräftigende Aussage sonderlich überzeugte – sie fühlte sich weder besonders erfolgreich noch wirklich glücklich, aber dafür definitiv ziemlich allein.
Sie putzte die Dusche und besprühte die Oberflächen mit Glanzspray, wischte rasch das Waschbecken aus und sammelte die Handtücher und Bettbezüge ein, um sie in die Waschmaschine zu werfen, so wie sie es jede Woche tat. Dann brühte sie einen Kaffee in ihrer Chambord-Kanne auf, die blitzeblank neben dem Spülbecken stand, wo sie sie am Vorabend zum Abtropfen stehen gelassen hatte, kochte sich ein Fünfminutenei, stellte den Toaster auf drei Minuten und schob zwei Brotscheiben hinein. Und die ganze Zeit über schaute sie kein einziges Mal auf ihr Handy. Disziplin. Das war der Schlüssel zu allem.
Um 8:46 Uhr befand Helen, dass nun ein guter Zeitpunkt sei, um auf die SMS zu antworten.
Hi! Tolle Neuigkeit. Soll ich einen Ausgehtrupp zusammentrommeln?
Als ihr Finger über dem Senden-Knopf schwebte, überlegte sie kurz, ob sie Marnie noch fragen sollte, wo sie in London unterkommen würde, entschied sich dann aber dagegen. Sie hatte bestimmt schon etwas aufgetan, ein besetztes Haus, ein Zimmer zur Zwischenmiete oder einen Lover, den sie bereits an der Victoria Coach Station aufgegabelt hatte.
Die Antwort-SMS kam sofort, was nur bedeuten konnte, dass Marnie gerade erst angekommen und noch nicht sicher war, was sie tun sollte. Ja! Gleich heute Abend, wenn möglich? Würde euch alle supergern sehen. xx
Helen öffnete die Facebook-Messenger-Gruppe, die sie jeden Tag nutzte, um mit Rosa und Ani zu chatten.
Ratet mal, was! M ist zurück.
Sie stellte sich vor, wie ihre Freundinnen die Nachricht anklickten: Rosa in ihrem Büro in der Zeitungsredaktion, Ani vielleicht auf dem Weg zum Gericht. Beide schick gekleidet, mit Schlüsselbändern, Kaffeebechern und strahlenden Businessgesichtern.
Ani meldete sich als Erste zurück: Waaaaas? Einfach so aus dem Nichts heraus? Hat sie irgendwas darüber gesagt, wo sie die ganze Zeit war?
Keine Ahnung. Ich schätze, wir werden es früh genug erfahren. Heute Abend essen gehen?
Heute-heute? So wie am heutigen Tag in ein paar Stunden?
Ach, komm schon. Leb mal ein bisschen! Du kannst doch bestimmt um acht Feierabend machen?
Ich sollte eigentlich bei meinen Eltern vorbeischauen. Dekoblumen für die Verlobung meiner Cousine basteln und dabei 10.000 Fragen beantworten, wann ich endlich an der Reihe bin.
Willst du stattdessen nicht lieber einen netten Abend mit uns verbringen?
Ich würde mir stattdessen sogar lieber die Augen zutackern. Also, ja, ich bin dabei. Was ist mit dir, Rosa?
Leute, ich tippe von unter meinem Schreibtisch. Schon wieder. Ich habe hier unten mittlerweile einen Tempovorrat gebunkert.
In Rosas Großraumbüro war der Platz unter ihrem Schreibtisch einer der wenigen Orte, an den sie sich zum Heulen verkriechen konnte. Was man anscheinend recht oft tun musste, wenn man sich gerade von seinem Ehemann getrennt hatte und besagter Ex nur ein paar Meter entfernt am anderen Ende des Raumes arbeitete.
Würde ein Drink deine Stimmung vielleicht heben?, tippte Helen rasch. Verstehe aber total, wenn nicht.
Warum denn nicht?, erwiderte Rosa. Karriere und Ehe im Eimer, da kann ich genauso gut an meinem Sozialleben feilen. Rosa, der frischgebackene Single, hatte einen Hang zu derlei dramatischen Verlautbarungen entwickelt. Muss los. Make-up auffrischen, bevor David vorbeikommt.
Pass auf dich auf, Süße, schrieb Helen. Denk dran, du bist toll, wir lieben dich, und du brauchst ihn nicht.
Muss auch los, der Richter wartet, schrieb Ani. Bitterböse Anhörung in einem Scheidungsfall. Wenigstens hat dein Mann nicht mit deiner Schwester geschlafen, Rosa.
Wahrscheinlich nur, weil ich keine Schwester habe.
Helen verabschiedete sich mit ein paar weiteren Mitleidsbekundungen und wünschte viel Glück. Auf wundersame Weise hatte sie es geschafft, sie alle vier zu einem Abendessen zu versammeln, und das an einem Wochentag, in London, im Januar, mit nur ein paar Stunden Vorlaufzeit. Das schien Leistung genug für einen Tag, aber die Arbeit rief.
Sie klickte ihren E-Mail-Posteingang an und holte tief Luft. Sie liebte es, von zu Hause aus zu arbeiten und konnte sich gar nicht mehr vorstellen, in ein Büro zurückzukehren, aber dennoch brauchte sie gewisse Regeln. Sich anzuziehen war eine davon, selbst wenn es sich nur um einen Pyjama handelte. Eine andere Regel lautete, dass ihre Arbeit keinen Einfluss auf ihr Privatleben nehmen durfte. Allerdings war das leichter gesagt als getan.
Die erste E-Mail in ihrem Posteingang lautete: Ich glaube, mein Ehemann trifft sich mit einer Frau von ihrer Seite. Können Sie mir seinen Nutzernamen nennen? Das ist einfach nur widerwärtig. Ich verstehe nicht, wie Sie mit so was Ihr Geld verdienen können.
Helen wurde schwer ums Herz. Herauszufinden, dass sich der Mann, den man liebte, mit einer anderen traf, sie küsste, sie hielt, ihr flirtende Nachrichten schickte – es war nicht so, als könnte sie die Wut nicht nachvollziehen. Aber das hier war ihr Job.
Sie tippte die Standard-Antwort: Es tut uns leid, aber wir sind nicht befugt, Informationen über unsere Mitglieder nach draußen zu geben. Wir möchten Ihnen jedoch nahelegen, mit Ihrem Mann zu reden – es könnte sich um reine Neugierde handeln oder einen Hilferuf. Womöglich hilft es auch, wenn Sie versuchen, Ihre Beziehung wieder ein bisschen aufzupeppen – versuchen Sie es! Sie holte noch einmal tief Luft und fügte den Rest hinzu. Sie hasste es, aber ihr Boss bestand darauf. PS: Selbstverständlich können Sie sich jederzeit selbst bei uns anmelden! Helen drückte auf Senden.
An manchen Tagen – eigentlich an den meisten – hasste sie, was sie tat, hasste sich dafür, dass sie es tat. Es war ganz sicher nicht das, was sie erwartet hatte, als sie sich vor zwei Jahren für den Im-Nachhinein-zu-gut-um-wahr-zu-sein-Heimarbeits-Job beworben hatte, aber als sie das herausfand, war es schon zu spät gewesen. Und hier saß sie nun und hing fest. Sie blickte auf den Titelkopf der Website,...




