Woodworth | Der Schrei der Seelen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 403 Seiten

Reihe: Violet Eyes

Woodworth Der Schrei der Seelen

- Roman: Violet Eyes 4 | Hochspannung mit einem faszinierenden übernatürlichen Element
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-341-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

- Roman: Violet Eyes 4 | Hochspannung mit einem faszinierenden übernatürlichen Element

E-Book, Deutsch, Band 4, 403 Seiten

Reihe: Violet Eyes

ISBN: 978-3-98690-341-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wer mit den Toten spricht, darf niemandem trauen: Der Mystery-Thriller »Der Schrei der Seelen« von Stephen Woodworth als eBook bei dotbooks. Wenn dein Verfolger jeden deiner Schritte erahnt, gibt es keinen Ort, an den du fliehen kannst ... Natalie Lindstrom weiß, dass ihre besondere Gabe alles andere ist als ein Geschenk: Sie kann mit den Seelen der Toten sprechen und gerät so immer wieder in Gefahr. Niemand, da ist sie sicher, würde sich diesem Fluch freiwillig unterwerfen - oder vielleicht doch? Als Natalie erfährt, dass ein Wissenschaftler kurz davor zu stehen scheint, sein verbotenes Experiment zu vollenden, weiß sie, dass sie handeln muss. Doch dieser Kampf entscheidet nicht nur, ob sie in Frieden leben darf - sondern auch über das Schicksal ihrer Tochter ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Der Schrei der Seelen« von Stephen Woodworth ist der abschließende Band der Urban-Fantasy-Tetralogie »Violet Eyes«. Wer liest, hat mehr vom Leben! dotbooks - der eBook-Verlag.

Stephen Woodworth, geboren 1967 in Kalifornien, veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Novellen, für die er unter anderem für den renommierten Locus-Award nominiert wurde, bevor er mit seinem übernatürlichen Thriller »Das Flüstern der Toten« international bekannt wurde. Bei dotbooks veröffentlichte Stephen Woodworth die vier Bände seiner Violet-Eyes-Tetralogie: »Das Flüstern der Toten«, »Die Stimme der Nacht«, »Die Sprache des Blutes« und »Der Schrei der Seelen«.
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Kapitel 1
Die Kinder des Dr. Wax


An dem Tag, den Dr. Bartholomew Wax gewählt hatte, sich umzubringen, meldete er sich bei seinem Arbeitgeber krank und verbrachte den ganzen Tag damit, sich von seinen Kindern zu verabschieden. Er würde ihre Gesellschaft genießen, während er seine letzte Mahlzeit zu sich nahm.

Zu den Klängen eines Violinkonzerts von Vivaldi, die aus den Boxen seines sämtliche Räume des Hauses beschallenden Hightech-Soundsystems drangen, entkorkte Wax seine beste Flasche Burgunder und richtete sich eine Platte mit Brie, Gänseleberpastete, geschroteten Weizenkörnern, Roggen-Crackern und frischen Weintrauben an. Nachdem er dem Wein ausreichend Zeit zum Atmen gegeben hatte, stellte er die Flasche zusammen mit dem Essen und einem Kelchglas aus geschliffenem Kristall auf ein Silbertablett und trug es aus der Küche zu einer Tür in der Diele. Er stellte das Tablett auf den Beistelltisch aus Mahagoni neben der Tür, tippte eine siebenstellige Zahlenkombination in das digitale Tastenfeld über dem Türschloss, und die Karbonstahlriegel glitten mit dem metallischen Klicken von Patronen, die in den Lauf einer Schrotflinte gehebelt werden, in die Türfassung.

Wax zog die Tür auf, und hinter dem hölzernen Türblatt wurde eine dreißig Zentimeter dicke, mit Metall verstärkte Isolierung sichtbar. Die Wände des Kellers waren auf ähnliche Weise befestigt. Unter dem Verputz der Trockenwand verbargen sich Tungsten-Karbid-Platten und mehrere Schichten von Zement, Stahl und Rigipsplatten, die die Wände des Schutzraums für Feuer, Bohrgeräte und Sprengstoffe undurchdringbar machten. Der Bau des Kellergewölbes hatte seine Arbeitgeber bei der Nordamerikanischen Gesellschaft für Jenseitskommunikation ein paar Millionen Dollar gekostet, doch für die Sicherheit seiner Kinder war kein Preis zu hoch.

Im Licht erstrahlend, das durch die Türöffnung fiel, hießen sie ihn willkommen, als er mit dem Silbertablett in Händen die Kellertreppe hinabstieg. Sensoren registrierten seine Hitzesignatur und schalteten die Lampen an, die seine Familie in Licht tauchten. Warme, gelbe Lichtbahnen blühten in der Dunkelheit zwischen den schwarzgestrichenen Wänden des Raums auf. Sich in ihren jeweiligen Spotlights sonnend, lächelten ihm seine Kinder zu – jedes so kostbar für ihn, als hätte er sie selbst erschaffen. Wax hatte die Spotlights dergestalt positioniert, dass sie jedes der Gemälde optimal zur Geltung brachten, wobei er die Lichtintensität sorgfältig so bemessen hatte, dass die Farben nicht ausbleichten. Obwohl draußen die sengende Hitze New Mexicos über dem Haus brütete, sorgten die perfekt funktionierenden Klimatisierungssysteme dafür, dass im Keller konstante einundzwanzig Grad Celsius und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit herrschten, um zu verhindern, dass die Gemälde Risse bekamen.

Ein Bürostuhl und ein kleiner Tisch in der Mitte des Raums waren die einzigen Möbel in dem Kellergewölbe. Als sich die Tür automatisch hinter ihm schloss, stellte Wax das Tablett auf dem Tisch ab, zog das Gummiband aus seinem Haar, mit dem er es zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, und schüttelte die graue Mähne, die über seine Schultern herabfiel. Er steckte sich eine Weintraube in den Mund und ließ sich auf den Stuhl sinken, den er nach Belieben drehen konnte, um die Bilder, die an den Wänden des Kellers hingen, in Muße betrachten zu können. Dort verbrachte er, mit angestrengter Miene den getragenen Klängen von Vivaldis Violinen lauschend, seine letzten Stunden mit der einzigen wirklichen Familie, die er je gekannt hatte.

Da er ein Einzelkind war, hatte Bartholomew Wax einen Großteil seiner Kindheit im wahrsten Sinn des Wortes zwischen Gemälden verbracht. Seine geschiedene Mutter konnte sich während der Sommerferien keinen Babysitter leisten, und deshalb brachte sie ihn jeden Morgen auf dem Weg zu ihrer Arbeit in einem Dunkin‘ Donuts-Laden in Downtown Boston zum Isabella Stewart Gardner Museum. Damals in den Siebzigerjahren, als die Eltern, was Pädophilie anging, noch naiv waren und Kindertagesstätten als Luxus betrachtet wurden, tröstete sich Bartholomews Mutter damit, dass es für den Jungen nur gut sein konnte, seine Tage inmitten von erlesenen Kunstwerken zu verbringen, anstatt zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen.

Der kleine Barty, ein introvertierter und zarter Junge mit einer beinahe autistischen Liebe für den gewohnheitsmäßigen Gang der Dinge, fand bald Gefallen an den düsteren, kühlen Säulenhallen des im italienischen Stil errichteten Palazzos. Die Museumswärter kannten ihn alle beim Namen, und mittags aß er sein in einem Beutel mitgebrachtes Pausenbrot immer – von weißen Lilien und griechischen und römischen Statuen umgeben – im stillen, friedvollen Innenhof des Museums, allein mit seinen Gedanken. Doch am besten gefielen ihm die Gemälde, von denen jedes einzelne genau an dem Platz bleiben musste, den Mrs. Gardner dafür bestimmt hatte. An manchen Wänden hingen Meisterwerke unterschiedlicher Größe und Thematik so dicht aneinander, dass sich ihre Rahmen berührten, was so ähnlich aussah wie ein riesiges, mit bunten Briefmarken vollgepflastertes Briefkuvert. Jedes der Bilder erzählte flüsternd seine Geschichte, und wenn niemand sonst im Raum war, redete auch Bartholomew mit jedem der Bilder, vertraute ihnen seine Geheimnisse an und seine großen Pläne für die Zukunft. Sie waren schließlich seine Familie.

Mehrere Mitglieder dieser Familie hingen nun vor ihm in seinem Gewölbe. Während er einen mit Brie bestrichenen Cracker aß, erwärmte er sich an der zarten Glut, die Das Konzert – einer von nur fünfunddreißig existierenden Vermeers – verströmte. Die zurückhaltende Verwendung von Licht, die den Maler auszeichnete, erfüllte die dargestellte Szene – eine auf alten Instrumenten musizierende holländische Familie aus dem siebzehnten Jahrhundert – mit beinahe übernatürlicher Heiterkeit und ruhigem Ernst. Wax konnte die getragenen Harmonien des Klavichords und der Gitarre tatsächlich hören; sie beruhigten die durch seinen Kopf schwirrenden Gedanken.

Neben dem Vermeer schäumten die aufgewühlten Fluten des Sturms auf dem See Genezareth in einem immerwährenden, im Augenblick der Betrachtung erstarrten Orkan. Das einzige von Rembrandt gemalte Seestück, das die Jünger Jesu darstellt, die sich an ein Segelboot klammern, das in den weiß schäumenden Wellen zu kentern droht. Goldenes Sonnenlicht fällt auf das von den Wogen hin und her geworfene Boot, als sich in den rauchgrauen Wolken ein blaues Loch öffnet – die Verheißung Gottes auf Errettung der Gläubigen. Nun war es jedoch Bartholomew Wax, der Frieden und Erlösung mehr denn je ersehnte.

Als er seine Mahlzeit beendet hatte, stand er auf und schlenderte, hin und wieder an seinem Kelch nippend, an den übrigen Gemälden seiner Sammlung vorüber. Hier hingen die anderen Kinder aus dem Gardner Museum – ein winziges Selbstporträt von Rembrandt, Chez Tortoni von Manet, La Sortie de Pesage von Degas und andere mehr. Diese Barbaren von der NAGJK hatten die Bilder einfach aus den Rahmen geschnitten, und Wax selbst musste die Leinwände auf neue Keilrahmen spannen und passenden Ersatz für die Rahmen besorgen. Außerdem hatte er dafür gesorgt, dass die NAGJK mit mehr Sorgfalt vorging, wenn sie das nächste Mal Kinder herbeischaffte, die er adoptierten würde.

Er hatte immer davon geträumt, eine Familie wie diese zu haben. Reproduktionen waren nicht gut genug, denn selbst die besten Lithographien konnten das Spiel des Lichts auf den wirklichen Pinselstrichen, die Tiefe und die Struktur ihrer Wirbel und Streifen nicht wiedergeben. Als er noch ein Junge war, hatte er beschlossen, einmal sehr reich zu werden, damit auch er sich ein Haus voller Gemälde kaufen konnte wie Mrs. Gardner. Die Notwendigkeit, viel Geld, sehr viel Geld zu verdienen, ließ in ihm den Gedanken reifen, Medizin zu studieren, denn waren nicht alle Ärzte reich? Doch als er älter wurde und mehr über die exquisite Welt der Kunstauktionen lernte, entdeckte Wax, dass selbst die Werke, die von den Künstlern nach ihrem Tod gemalt wurden – die posthum »in Zusammenarbeit« mit den im Auftrag der Regierung arbeitenden violettäugigen Medien unter dem Namen dieser Toten entstanden –, für Millionen von Dollars pro Exemplar verkauft wurden. Doch das waren nicht die Bilder, die er wollte. Er spielte mit dem Gedanken, seine eigene Biotech-Firma zu gründen, um reich zu werden, doch sehr bald wurde ihm klar, dass ihm selbst der Reichtum von Bill Gates nicht die Bilder kaufen konnte, die er wirklich haben wollte – die unbezahlbaren Schätze, die im Gardner Museum und anderen Museen überall auf der Welt hingen. Als er das begriff, ließ er sich auf den Handel mit der Nordamerikanischen Gesellschaft für Jenseitskommunikation ein und bot ihr seine Dienste an, als Gegenleistung für deren Versprechen, die unerreichbare Sammlung zusammenzutragen, nach der er sich sehnte.

Vor jedem der Bilder in seiner Galerie blieb Wax auf seinem Rundgang durch das Gewölbe eine Weile stehen und versuchte, das Unvermeidliche hinauszuschieben. Nach mehr als fünfzehn Jahren Mühen und Anstrengungen näherte sich seine Arbeit für die Gesellschaft ihrem Ende, was bedeutete, dass auch er seinem Ende nah war. Ironischerweise hatte der Erfolg und nicht ein Misserfolg sein Schicksal besiegelt. Sobald die NAGJK erreicht hatte, was sie wollte, würde sie ihm seine Familie wegnehmen und ihn, um ihre Geheimnisse zu wahren, eliminieren.

Er blieb vor da Vincis Madonna mit der Spindel stehen, hob den Kelch an seine Lippen und stellte fest, dass nur noch ein Tropfen Wein im Glas war. Erneut spielte er mit dem Gedanken, sich wie ein Pharao mit seinen Schätzen in seinem Grab...



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