Woodworth | Die Sprache des Blutes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 347 Seiten

Reihe: Violet Eyes

Woodworth Die Sprache des Blutes

- Roman: Violet Eyes 3 | Hochspannung mit einem faszinierenden übernatürlichen Element
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-340-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

- Roman: Violet Eyes 3 | Hochspannung mit einem faszinierenden übernatürlichen Element

E-Book, Deutsch, Band 3, 347 Seiten

Reihe: Violet Eyes

ISBN: 978-3-98690-340-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wenn die Toten deine Begleiter sind: Der Mystery-Thriller »Die Sprache des Blutes« von Stephen Woodworth als eBook bei dotbooks. Sie will nicht davonlaufen müssen - doch ihre besondere Gabe bringt sie immer wieder in Gefahr ... Weil sie mit den Seelen der Toten sprechen kann, muss Natalie Lindstrom immer wieder um ihr Leben fürchten. Da die Polizei und die »Nordamerikanische Gesellschaft für Jenseitskommunikation« immer wieder versuchen, sie unter ihre Kontrolle zu bringen, nimmt Natalie ein ungewöhnliches Angebot an: Sie soll ein archäologisches Forschungsprojekt in Peru unterstützen. Zu spät erkennt sie, dass ihr Auftraggeber in Wahrheit düstere Pläne verfolgt - und Natalie für ihn nichts anderes ist als ein Werkzeug, das er nach Belieben einsetzen kann ... und zerstören kann! Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Die Sprache des Blutes« von Stephen Woodworth ist der dritte Band der Urban-Fantasy-Tetralogie »Violet Eyes«. Wer liest, hat mehr vom Leben! dotbooks - der eBook-Verlag.

Stephen Woodworth, geboren 1967 in Kalifornien, veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Novellen, für die er unter anderem für den renommierten Locus-Award nominiert wurde, bevor er mit seinem übernatürlichen Thriller »Das Flüstern der Toten« international bekannt wurde. Bei dotbooks veröffentlichte Stephen Woodworth die vier Bände seiner Violet-Eyes-Tetralogie: »Das Flüstern der Toten«, »Die Stimme der Nacht«, »Die Sprache des Blutes« und »Der Schrei der Seelen«.
Woodworth Die Sprache des Blutes jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1
Tod in den Anden


Wie jeden Tag stand Nathan Azure im ersten Morgengrauen auf, kleidete sich an und rasierte sich in der muffigen Enge seines Zelts. Als er damit fertig war, betrachtete er mit prüfenden Blicken sein aristokratisch strenges Gesicht in dem kleinen Reisespiegel, um sich zu vergewissern, dass keine einzige Bartstoppel stehen geblieben war und jede Strähne seines blonden Haars am richtigen Platz lag. Dann öffnete er die hölzerne Truhe neben dem Feldbett und wählte unter Dutzenden von Handschuhpaaren, die in der Truhe lagen, ein Paar lederne Autohandschuhe aus. Obwohl es ihm zur Gewohnheit geworden war, Handschuhe zu tragen, zog er sie heute mit der konzentrierten Sorgfalt eines Chirurgen an, der Infektionen vermeiden will.

Seit mehr als zehn Jahren hatte er nicht mehr die Haut eines anderen Menschen berührt oder zugelassen, dass jemand seine berührte.

Auf dem Rand des Feldbetts sitzend, verbrachte Azure eine halbe Stunde damit, Prescotts Geschichte der Eroberung Perus zu überfliegen, wobei er länger bei Passagen verweilte, die er sich schon vor langer Zeit ins Gedächtnis eingeprägt hatte – Abschnitte, welche die Unmengen von Gold beschrieben, die der spanische Entdecker Francisco Pizarro und seine Konquistadoren im sechzehnten Jahrhundert dem Volk der Inka abgepresst hatten, die damit vergeblich die Freilassung ihres Führers Atahualpa hatten erkaufen wollen. Ein wahrlich königliches Lösegeld.

Azures Handschuhe machten das Umblättern der Seiten jedoch schwierig, und bald warf er das Buch auf das Feldbett. Nachdem er die 45 er Automatik unter seinem Kopfkissen hervorgezogen hatte, lud er eine Patrone in die Kammer und schob die Pistole auf seinem Rücken mit dem Lauf nach unten zwischen den Bund seiner Hose und sein Oxford-Hemd. Er schlüpfte in ein cremefarbenes Leinenjackett, um den Griff der Pistole zu verbergen, und trat aus dem Zelt.

Draußen stach die Andenluft, dünn und kalt, in Azures Lungen, als hätte er eine Handvoll Asbest eingeatmet. Die Sonne versteckte sich noch hinter einem Gipfel im Osten und tauchte die Berge in graues Dämmerlicht. Dennoch herrschte bereits hektisches Treiben im Lager. Peruanische Arbeiter hasteten mit Spaten und Sieben durcheinander, auf behelfsmäßig zusammengezimmerten Tischen bürsteten Männer Staub von Steinen und verbogenem Metall. Azure hatte diese Grabung bis ins letzte Detail geplant und inszeniert. Exakt genug, um jeden Experten zu täuschen. Einen Experten, um genau zu sein.

Es war alles nur ein einziger Schwindel. Azure hatte die Artefakte bei verschiedenen Auktionen erstanden und sie dann an diesem Berghang in den Anden vergraben. Die Peruaner, die er engagiert hatte, um als seine Assistenten zu figurieren, waren in Wirklichkeit Söldner – einige von ihnen ehemalige Mitglieder der Terrororganisation Leuchtender Pfad, andere waren Drogenschmuggler in Diensten der Kokainmafia aus dem Huallagatal gewesen. Männer, deren Loyalität Azure kaufen und auf deren Schweigen er sich verlassen konnte. Männer, für die jede Arbeit – ob Tagelöhnerjob oder Mord – dasselbe war, solange sie gut bezahlt wurde. Ganz ähnlich wie die echten Konquistadoren.

Die Vorstellung lief wie geplant, doch das Publikum – der Experte, für den Azure diese ganze Scheinexpedition veranstaltete – fehlte. Wie es schien, hatte Dr. Wilcox, der einzige echte Archäologe am Grabungsort, beschlossen, heute etwas länger zu schlafen.

Je näher Azure seiner Beute kam, umso ungeduldiger machte ihn jede Verzögerung. Entschlossen, die Dramaturgie des heutigen Tages ohne Umschweife ihrem Höhepunkt entgegenzutreiben, stapfte er den steilen Pfad hinab, den seine Arbeiter in das dornige Gestrüpp geschlagen hatten, das den Berghang bedeckte. Überall, wo der Hang ein paar Schritte annähernd ebenes Terrain bot, klammerten sich Zelte an die steile, staubtrockene Bergflanke, während Azures Unterkunft auf dem Kamm des Hügels stand. Das Ganze sah aus wie ein provisorisches Terrassendorf aus Zeltplanen und Plastik. Am Fuß des Abhangs stand ein Zelt mittlerer Größe dicht am Rand einer jäh abstürzenden Klippe, über die die Bergflanke senkrecht in das Tal darunter abfiel. Wolken verdeckten den Talgrund tief unten, verbargen tröstlich den gähnenden Abgrund.

Ein bärtiger Mann in den Dreißigern in einem zerknitterten weißen Hemd und Drillichhosen saß in einem Regisseur-Stuhl vor diesem letzten Zelt, den Kopf über ein Buch gebeugt, die Beine übereinandergeschlagen, als säße er in einem Straßencafé in Paris. Er musste Azures Kommen gespürt haben, denn er schlug das Buch zu und sprang auf die Beine, noch bevor der Engländer am Eingang des Zelts auftauchte. Auch er war ein Gringo wie sein Boss, doch davon abgesehen, gab es zwischen ihm und Azure nicht viele Ähnlichkeiten: sein Haar und der Teint seiner Haut waren dunkel, nicht blond und hell, sein Gesicht eher breit als schmal, und die Art, wie er sich gab, war überschwänglich, nicht kalkuliert.

»Sieht so aus, als wäre ich heute vor Ihnen aus den Federn gekommen.« Mit einem Lächeln drehte er das Buch in seiner Hand so, dass Azure den Titel sehen konnte. Er lächelte viel und oft – ein Affe, der ein Alpha-Männchen beschwichtigt. »Hab meine Rolle studiert. Sehen Sie?«

Eroberer und Eroberte: Pizarro und Peru lautete der Titel des Buchs. Darunter, von einem Maler kunstvoll gestaltet, ein aus zwei Hälften zusammengesetztes Gesicht – die eine Hälfte Pizarro, die andere Atahualpa, der Inkaherrscher, den er besiegt und hingerichtet hatte. Unter dem doppelgesichtigen Porträt stand der Name des Verfassers: Dr. Abel Wilcox.

Nathan Azure lächelte nicht. Er lächelte nie. »Dafür ist im Flugzeug noch Zeit genug, Trent«, bemerkte er mit seinem knappen, abgehackt klingenden Cambridge-Akzent. »Haben Sie den Brustharnisch?«

Mit einem aufgesetzt weltmännisch wirkenden Schnippen der Finger rief Trent einen der Arbeiter zu sich, der mit einem lehmverkrusteten, von Rost bedeckten Brustpanzer in den Händen herbeieilte. Die Männer hatten eine erstaunliche Arbeit geleistet, und der Harnisch sah jetzt ganz so aus, als sei er jahrhundertelang den Elementen ausgesetzt gewesen. Der Brustpanzer war museumsfertig auf Hochglanz poliert gewesen, als Azure ihn in Lima von einem »Antiquitätenhändler« gekauft hatte – eine beschönigende Bezeichnung für einen Hehler, der seine Waren von Grabräubern und Artefaktdieben erhielt.

Azure registrierte, dass in der Mitte des Brustharnischs, wo der festgebackene Schmutz abgeschabt worden war, die schnörkelige Gravur eines Familienwappens zu erkennen war. Der Umstand, dass er keine Kritik äußerte, verriet, dass er zufrieden war. »Was ist mit Wilcox?«

Trent streifte das Zelt hinter ihm mit einem Blick und zuckte mit den Achseln. »Schläft noch.«

»Wecken Sie ihn.«

Trent lächelte erneut und fischte aus der Gesäßtasche seiner Hose sein eigenes Paar Lederhandschuhe. Er zog sie an und duckte sich unter der schwarzen Plastikplane hindurch, die als Zelttür diente. Ein schläfriges Brummen war von drinnen zu hören, gefolgt von schlurfenden Schritten und Geräuschen hastiger Aktivität.

Ein paar Minuten später tauchte Trent mit einem Mann aus dem Zelt auf, der ohne Weiteres sein Bruder hätte sein können. Der Mann war etwa zwei Fingerbreit größer als Trent, besaß aber nicht dessen muskulösen Körperbau, doch davon abgesehen hatten sie die gleichen mandelförmigen Augen, die gleiche hohe Stirn und den gleichen dunklen, spitz zulaufenden Haaransatz in der Stirnmitte. Trent hatte sich den schwarzen Vollbart wachsen lassen, um die Ähnlichkeit zu kaschieren, doch sie war alles andere als ein Zufall. Azure hatte Trent wegen seiner schauspielerischen Fähigkeiten und wegen seines Aussehens ausgewählt und hatte sogar auf bestimmten … Korrekturen der Physiognomie des Schwindlers bestanden. Trent hatte eine außergewöhnliche Hingabe an seine Kunst an den Tag gelegt und sich in den Monaten, die es dauerte, bis sein Gesicht von den Eingriffen des plastischen Chirurgen geheilt war, verbissen in seine Rolle vertieft. Selbst jetzt beobachtete er den Professor mit begieriger Aufmerksamkeit und nutzte seine letzte Gelegenheit, sein Sujet zu studieren.

»Guten Morgen, Dr. Wilcox«, begrüßte Azure den Mann an Trents Seite. »Ich nehme an, Sie haben gut geschlafen.«

»Bis gerade eben schon.« Der dunkle Schatten eines Zweitagebarts bedeckte das Gesicht des Archäologen, der Schlitz seiner Jeans war nur halb zugeknöpft und seine offenen Schuhbänder schleiften im Staub. Er setzte seine ovale Brille auf und bedachte Azure mit einem mürrischen Blick. »Ich hoffe, Sie haben einen triftigen Grund, so früh aufzustehen.«

»Vielleicht.« Azure dachte an die lange Reihe wertloser Dolche, Schwerter, Münzen und anderer »Ausgrabungsfunde«, die er Wilcox während der letzten Monate wie eine Spur aus Brotkrümeln vorgeworfen und mit denen er ihn nach und nach zu diesem entlegenen Berg in den Anden gelockt hatte. »Wir haben soeben dieses Teil hier gefunden, und es sieht vielversprechend – sehr vielversprechend aus. Ich konnte es natürlich nicht abwarten, Ihre fachliche Meinung zu hören.«

Er deutete mit einer behandschuhten Hand auf den Brustpanzer, den der reglos dastehende Arbeiter noch immer in Händen hielt. Wilcox schniefte skeptisch und ließ den Blick über den Brustharnisch wandern, als überfliege er die Schlagzeilen der Morgenzeitung. Als er sich näher beugte und das eingravierte Wappen sah, flackerte unterdrückte Erregung über sein Gesicht – wie bei einem Goldsucher, der Angst hat, die Goldader, die er gerade entdeckt hat, könnte nur Narrengold sein. Sein Blick huschte zu Azure. »Wo haben Sie das...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.