Wright Star Trek - Voyager: Verletzungen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11560-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11560-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Captain Janeway sucht nach einem Wurmloch, das die Voyager zurück in den Alpha-Quadranten bringen könnte. Deswegen steuert sie die Nabe an, das Informationszentrum des Delta-Quadranten. Sie versucht ihr Glück zunächst auf dem Schwarzmarkt. Ein tutopanischer Frachter bietet ihr die gesuchten Informationen an, doch als dessen Shuttle im Hangar der Voyager landet, entpuppt sich das als Falle: Die Crew wird betäubt, das Prozessormodul des Hauptcomputers gestohlen. Manövrierunfähig und ohne Schilde ist die Voyager den herben Gesetzen der Nabe hilflos ausgeliefert ...
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Prolog
»Ich glaube, wir sind groß genug, um mit dem Kartell fertig zu werden«, sagte Captain Janeway zu Commander Chakotay.
Harry Kim saß an der Funktionsstation und beobachtete, wie die Kommandantin lächelte. Inzwischen kannte er diesen besonderen Gesichtsausdruck. Sie möchte einfach hinfliegen, frech wie Oskar. Er bewunderte ihre Verwegenheit, und gleichzeitig teilte er die Skepsis des Ersten Offiziers. Die Blicke aller Brückenoffiziere galten Janeway und Chakotay. Paris bildete die einzige Ausnahme. Er saß weiter vorn an der Navigationskonsole und verhielt sich so, als geschähe hinter ihm überhaupt nichts.
»Wenn Sie mir diesen Hinweis gestatten, Captain …« In Chakotays Stimme ließ sich eine gewisse warnende Schärfe vernehmen. »Sie sind es gewohnt, Situationsbewertungen aus der Perspektive eines Starfleet-Offiziers vorzunehmen. Doch unter den gegebenen Umständen halte ich die Guerillataktik für angemessen.«
»Haben Sie vergessen, dass wir alle Starfleet-Offiziere sind?«, fragte Janeway.
»Keineswegs. Allerdings berufe ich mich hier auf meine Erfahrungen als Maquisard.« Chakotay beugte sich weiter vor und fügte leise etwas hinzu, das Kim nicht verstand. Der junge Fähnrich platzte fast vor Neugier und beschloss, Paris später zu fragen, ob er die Worte des Ersten Offiziers verstanden hatte.
»Begleiten Sie mich in den Bereitschaftsraum«, sagte Janeway. »Sie haben das Kommando, Tuvok.«
Kim ließ den angehaltenen Atem langsam entweichen, als sich die Tür hinter der Kommandantin und ihrem Stellvertreter schloss. Er verabscheute es, wenn es zwischen Janeway und Chakotay zu Meinungsverschiedenheiten kam. Beiden brachte er uneingeschränktes Vertrauen entgegen, aber in diesem Fall musste sich einer von ihnen irren.
Auch Kims Kollegen steckten voller Unbehagen, seit die Voyager den Kurs geändert hatte – wegen eines Plasmasturms, der sich durch mehrere Sektoren erstreckte. Dies hatte einen Umweg von mehreren Wochen bedeutet, und nun näherten sie sich dem Doppelsternsystem Tutopa. Dort gab es die legendäre Nabe, die auf keiner Sternenkarte von diesem Teil der Galaxis fehlte. Neelix bezeichnete sie als »Informationszentrum« des Delta-Quadranten.
»Die Sensoren orten ein anderes Schiff, das nach Tutopa fliegt«, meldete Kim und las die Kursdaten auf dem Monitor ab.
Tuvok bestätigte den Flugvektor, und Paris drehte sich zu Kim um. »Dies ist schon das vierte Schiff, das an uns vorbeifliegt«, sagte er. »Bei der Nabe muss wirklich ziemlich viel los sein.«
»Darauf deutet alles hin«, entgegnete Kim vorsichtig. Aus den Augenwinkeln hielt er nach Tuvoks Reaktion Ausschau, denn er wusste: Der Vulkanier legte großen Wert aufs allgemeine Brückenprotokoll. Dies war Kims erste Mission, und deshalb musste er erst noch herausfinden, ob es sich dabei um eine charakteristische Eigenschaft aller Sicherheitsoffiziere handelte oder vielleicht um ein besonderes Merkmal aufgrund Tuvoks vulkanischer Abstammung.
»Die Nabe scheint gut dafür geeignet zu sein, ein wenig auszuspannen«, fuhr Paris fort. »Wenn wir hier im stellaren Territorium der Föderation wären, und wenn ich Anspruch auf Landurlaub hätte …«
»Lieutenant …«, warf Tuvok ein. »Ihre Logik ist fehlerhaft. Wenn wir uns in der Föderation befänden, so gehörten Sie nicht zur Besatzung dieses Schiffes und wären ein Häftling der Strafkolonie von Neuseeland.«
Ein Schatten huschte über das Gesicht des Navigators und erinnerte Kim an ein ganz bestimmtes Gespräch – Paris hatte dabei den Fehler zugegeben, dem drei Starfleet-Offiziere zum Opfer gefallen waren. Als er bei jener Gelegenheit von dummer Reue sprach, die ihn veranlasste, ein Geständnis abzulegen … Daraufhin wäre Kim fast empört aufgestanden und fortgegangen. Paris' seltsame Gleichgültigkeit schockierte ihn fast noch mehr als seine Schuld am Tod von drei Kameraden. Doch das seltsame Lächeln, das die Lippen des Piloten formten … Es veranlasste Kim, sich zu beherrschen und am Tisch zu verharren. Er starrte auf seine Konsole hinab und fühlte sich an Reggy erinnert, einen Schulkameraden, der immer wieder Probleme verursachte. Einmal durchnässte er den Pullover eines Mädchens mit einer Stasisblase Wasser, und nach diesem ›Streich‹ wirkte er so wie Paris jetzt: Er versuchte zu lächeln, weil er sich vor all den anderen nicht betroffen zeigen wollte, fühlte dabei den Blick des kleinen Mädchens, das, den Tränen nahe, zu ihm aufsah und sich fragte, warum er so etwas getan hatte …
»Schämen Sie sich, Tuvok«, sagte Paris über die Schulter hinweg. »Andere Leute zu belauschen … Halten Sie ein solches Verhalten für ›logisch‹?«
Tuvok bediente auch weiterhin die Kontrollen der taktischen Station. Er breitete die Verteidigungssysteme des Schiffes vor – offenbar rechnete er mit der Anweisung, ins tutopanische Sonnensystem zu fliegen. »Es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als Sie zu hören, wenn Sie Ihre Meinung der ganzen Brückencrew verkünden. Ich bitte Sie, das in Zukunft zu unterlassen, Lieutenant.«
Kurze Stille folgte, und die übrigen Offiziere gaben sich beschäftigt. Aber ihre unausgesprochenen Worte hingen verbalen Phantomen gleich in der Luft, flüsterten hinter Kims Stirn. Sie verstärkten die Anspannung im Kontrollraum der Voyager, und der junge Fähnrich spürte, wie sich das Unbehagen in ihm verdichtete. Gerade jetzt durften sie sich von solchen Dingen nicht ablenken lassen. Immerhin weilten sie in unmittelbarer Nähe eines Sonnensystems, das angeblich zu den mächtigsten im ganzen Quadranten zählte.
Paris wusste nie, wann man besser einen Schlussstrich zog. »Wir bekommen nichts anderes zu sehen als das Innere dieses Schiffes …«, grummelte er vor sich hin.
Die Tür des Bereitschaftsraums öffnete sich, und Captain Janeway kehrte mit Chakotay auf die Brücke zurück. Die Kommandantin nickte Tuvok zu, übernahm damit wieder das Kommando.
»Wir lassen die nötige Vorsicht walten«, sagte Janeway und warf Chakotay einen kurzen Blick zu – ein Hinweis darauf, dass sie seinen Rat beherzigte. »Programmieren Sie einen Kurs zum sekundären System von Tutopa.«
Paris seufzte, zögerte jedoch nicht, die Anweisung zu befolgen. »Kurs berechnet und eingegeben.«
Janeway nahm seine Reaktion zur Kenntnis; ihrer Aufmerksamkeit schien nie etwas zu entgehen. »Es geht uns darum, Informationen über Wurmlöcher zu bekommen, Mr. Paris. Wir stoßen nicht ins Raumgebiet des Kartells vor, damit Sie sich in irgendwelchen Spelunken herumtreiben können.« Sie wandte sich an Chakotay. »Wo ist Neelix?«
Äußerlich wirkte der Indianer völlig ruhig und gelassen, aber Kim zweifelte kaum daran, dass dieser Eindruck täuschte. »Anscheinend hat er Schwierigkeiten mit einem Boiler. Er müsste gleich hier sein.«
»Das sekundäre System von Tutopa ist jetzt in Sensorreichweite.« Kim konzentrierte sich auf die Anzeigen seiner Instrumente. »Es werden keine Planeten der Klasse M geortet, dafür aber mindestens vierzig Schiffe und mehrere Raumstationen.«
»Wir brauchen Neelix«, betonte Janeway.
Chakotay klopfte auf seinen Insignienkommunikator. »Brücke an Neelix. Bitte kommen Sie …«
Das Schott des Turbolifts zischte, noch bevor der Erste Offizier den Satz beenden konnte. Neelix eilte herbei. Er ruderte mit den Armen, und seine dünnen Haarbüschel zitterten wie im Wind. Irgendwie gelang es ihm, durch sein nervöses Gebaren größer zu wirken.
»Bitte entschuldigen Sie die Verspätung. Kes brauchte mich.«
»Freut mich, dass Sie doch noch kommen konnten.«
Die Ironie prallte wirkungslos an Neelix ab. Er klatschte in die Hände und rieb sie. »Nun, was liegt an?«
Die Kommandantin musterte ihn streng. »Wir fliegen gerade ins sekundäre System von Tutopa.«
Jähe Sorge zeigte sich im Gesicht des Talaxianers. »Halten Sie das für klug? Ich habe Tutopa nie besucht, trotz der vielen Möglichkeiten, die sich dort bieten.«
»Warum sind Sie nie dort gewesen?«
Neelix stützte sich lässig an der Rückenlehne des Kommandosessels ab und beugte sich weiter vor, als es Kim gewagt hätte. »Wissen Sie … Die Tutopaner neigen dazu, sich Schiffe anzueignen. Was nicht heißen soll, dass sie aggressiv sind. Aber für gewöhnlich verlassen Besucher das Doppelsternsystem erst, nachdem sie für eins der Kartellhäuser gearbeitet haben. Mit ›Kartell‹ ist jenes Konglomerat gemeint, das die Nabe verwaltet und als Sicherheitstruppe für die Häuser fungiert.«
»Wir wollen uns von der Nabe fernhalten«, sagte Janeway und rutschte ein wenig zur Seite. »Gibt es im sekundären System jemanden, mit dem wir verhandeln können?«
In Neelix' Augen funkelte es. »Sie könnten praktisch alles bekommen, wenn Sie als Gegenleistung dafür Ihren Trick mit dem Beamen anbieten.«
»Wir dürfen keine technologischen Kenntnisse vermitteln«, erwiderte Janeway. »Es wäre ein direkter Verstoß gegen die Erste Direktive.«
»Ach, das schon wieder.« Neelix musterte die Kommandantin ernst. »Sie sollten sich ab und zu gestatten, die Sache mit der Direktive zu vergessen. Gelegentlich stellt sie ein erhebliches Hindernis dar.«
Janeway winkte sofort ab. »Ich habe versucht, es Ihnen zu erklären, Neelix. Wir dürfen anderen Völkern keine technischen Dinge überlassen, weil es dadurch zu Veränderungen der natürlichen Entwicklung käme. Bestimmt lässt sich unser Ziel auch anders erreichen.«
»O ja, natürlich«, pflichtete ihr Neelix bei. »Es hängt ganz davon ab, wie viel Sie zahlen wollen.«
Chakotay sah zum Hauptschirm, der die beiden Sonnen des Tutopa-Systems zeigte. Sie wurden...




