E-Book, Deutsch, 184 Seiten
Wrobel Im Auge des Leguans
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-2824-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 184 Seiten
ISBN: 978-3-6951-2824-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christian Wrobel - ein aufstrebender Autor vereint mit seinem Thriller Debüt «Im Auge des Leguans» mitreißenden Nervenkitzel und moralische Ambiguität auf besondere Art und Weise. Aus einer Idee wurde eine einzigartige Geschichte, die sich immer weiter entfaltete und unverwechselbar mit dem Titel spielt. Seine Handschrift erkennt man durch den stilistisch besonderen Erzählstil. Zudem spielt der Thriller in der Nähe der Stadt Weiden in der Oberpfalz, in der er auch aufgewachsen ist. Geboren wurde der Autor im Jahr 1994.
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Kapitel 1
06.07.2025
Er war komplett schwarz gekleidet. Hose, Schuhe und Hoodie – alles war schwarz. Seine Kapuze hatte er über den Kopf gezogen, obwohl sich eine dunkle Mütze darunter befand. Sein Gesicht war mit einer ovalen Maske verdeckt. Diese war orangefarben und hatte schwarze Querstriche, welche leicht nach oben gebogen waren. Seine dunklen Augen blitzten durch zwei kleine Löcher in der Maske hindurch. Er trug Lederhandschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. An der Unterseite seiner Schuhe klebten außerdem quadratische Holzplatten, damit auch keine Fußabdrücke von ihm gefunden werden konnten.
Mit dem Rücken lehnte er an einem alten Eichenbaum. Auf der gegenüberliegenden Seite des Baumes verlief ein schmaler Waldweg, der wegen seiner versteckten Lage anscheinend von nur wenigen Menschen genutzt wurde. Der Weg führte von ihm aus in hundert Meter südlicher Richtung zu einer Straße, die man überqueren musste, um noch weiter in das Waldstück zu gelangen. Allerdings machte der Weg vor der Straße noch eine steile Linkskurve, in der er das Mietauto versteckt hatte. Den Kofferraum des Wagens hatte er bereits lückenlos mit Plastikfolie ausgelegt.
In nördlicher Richtung des Weges befand sich etwa drei Kilometer entfernt ein kleiner Vorort der Stadt Weiden in der Oberpfalz.
Es war ein angenehmer, lauwarmer Sommertag, weshalb ihm seine Kleidung bereits jetzt zu schaffen machte. Eine Schweißperle lief ihm über die Narbe unter seinem rechten Auge. Sein Blick wanderte zum wiederholten Mal Richtung Norden, doch er konnte sie noch nicht entdecken. Sie joggte diese Strecke jeden Sonntag zur selben Zeit, das wusste er genau. Also würde sie auch heute auftauchen.
In seiner rechten Hand hielt er eine dünne Schnur. Er hatte sie an einem Baum auf der gegenüberliegenden Seite des Weges etwa vierzig Zentimeter über dem Waldboden befestigt. Unscheinbar lag sie auf dem Waldboden und war wegen ihrer Farbe kaum zu erkennen. In seiner linken Hand hielt er einen mit Chloroform getränkten Lappen. Er schloss noch einmal seine Augen und atmete die frische Waldluft ein. Es fühlte sich an, als ob die Kraft jedes einzelnen Jahresrings von der alten Eiche auf ihn überging.
Er dachte daran, was diese Frau seinem Ben alles angetan hatte. Sie hatte ihm alles genommen, was er liebte. Langsam baute sich der Hass in seinem Körper wieder auf und nahm ihm jeden Zweifel für sein Vorhaben. Entschlossen öffnete er seine Augen, sie waren noch starrer und dunkler als zuvor. Sein Blick ging nun wieder nach links. Endlich - nun konnte er die Umrisse der kleinen, zierlichen Person bereits erspähen. Ihre sportliche Figur. Auf ihren Backen konnte man ein paar kleine Sommersprossen sehen. Diese perfekte aufrechte Körperhaltung spiegelte ihre arrogante Art exakt wider, genau wie der überhebliche Unterton in ihrer Stimme. Sie war 165 cm klein. Ihr orange gefärbtes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihr Name war Irina.
Er visierte sie aus dem Augenwinkel an und beobachtete, wie sie Schritt für Schritt näherkam. Bei der großen Birke würde sie zum Sprint ansetzen, welcher ungefähr 75 Meter ging. Dies hatte er in den letzten Monaten genau lokalisiert und deshalb die Schnur exakt dazwischen ausgelegt. Nun war sie bei der Birke angekommen und blieb unerwartet stehen und dehnte sich. Damit hatte er nicht gerechnet.
Der Schweiß lief ihm nun mehr und mehr über sein Gesicht, da seine innerliche Anspannung unerträglich wurde. Etliche Male hatte er sie beobachtet und noch nie war sie an dieser Stelle stehen geblieben. Hatte sie ihn bemerkt? Unmöglich, dachte er sich. Irina drehte sich jetzt auch noch um 180 Grad, als ob sie zurücklaufen wollte. Panik machte sich plötzlich in ihm breit und sein Gehirn arbeitete auf Hochdruck an einer Lösung. Alles war für heute vorbereitet, so durfte es einfach nicht zu Ende gehen. Er fragte sich, ob er einfach hervorstürmen sollte, um das Überraschungsmoment auszunutzen, oder ob er dafür nicht doch viel zu langsam war. Bevor er seine Überlegungen fortsetzen konnte, drehte Irina sich wieder um und begann mit ihrem Sprint so, wie er es ursprünglich vorhergesagt hatte. In diesem Augenblick fielen ihm tausend Steine vom Herzen. Sofort ging er in die Hocke und wickelte die Schnur noch einmal fest um seine Hand. Die Aufregung spürte er in jeder Zelle seines Körpers, er durfte jetzt keinesfalls die Nerven verlieren. Irinas Schritte wurden für ihn von Sekunde zu Sekunde länger, aber er musste den richtigen Zeitpunkt abwarten, damit sein Vorhaben aufging. Sie war noch circa vier Schritte von seiner Falle entfernt. Konzentriert atmete er noch einmal kräftig ein und wieder aus, fokussierte jeden Schritt von Irina haargenau, bis er die Strippe in der perfekten Sekunde straffzog.
Irina stolperte im vollen Tempo darüber und schlug ungebremst mit ihrem Kopf auf den harten Waldboden auf. Irina, die noch nicht realisiert hatte, was gerade geschehen war und versuchte, sich unmittelbar nach dem Aufprall mit ihren Armen vom Boden nach oben wegzudrücken.
»Ah, Fuck!«, fluchte sie, während das Blut bereits von ihrer Stirn tropfte.
Er stand bereits hinter ihr und drückte ihr im nächsten Moment den Lappen ins Gesicht, sodass Irina sofort das Bewusstsein verlor. Die Schnur schnitt er danach wieder ab und fesselte damit ihre Hände und Beine. Als Nächstes wischte er ihr mit einem Taschentuch das Blut von ihrer Stirn. Danach trug er sie in Richtung Auto, was mit den präparierten Schuhen zur Spurenvermeidung allerdings alles andere als leicht für ihn war. Er überprüfte nochmals beide Richtungen, da ihm im Vorfeld bewusst war, dass dies die riskanteste Phase seines Vorhabens sein würde. Sollte ihn ein Fußgänger oder Jogger dabei bemerken, wie er eine gefesselte leblose Frau in sein Auto schleppte, würde ihn die Polizei vermutlich schneller suchen, als er einkalkuliert hatte. Doch das Glück schien an diesem Tag auf seiner Seite zu stehen, da weit und breit niemand zu sehen war.
Endlich beim Auto angekommen, legte er die Frau in den mit Folien ausgelegten Kofferraum des SUVs. Nirgends Spuren zu hinterlassen – das war die Basis für seine Mission.
Als er zur Fahrertür ging, machte sich so etwas wie Erleichterung bei ihm bemerkbar. Sein Plan, den er monatelang geschmiedet hatte, war tatsächlich aufgegangen. Langsam fing auch sein Puls an, sich wieder einzupendeln. Er setzte sich auf den Fahrersitz und sagte zu sich selbst: »Ich werde ihr alles heimzahlen, was sie dir angetan hat, mein Bruder.« Dann zog er die Maske von seinem verschwitzten Gesicht und warf sie in die Plastikbox im Fußraum des Beifahrersitzes, in dem sich bereits seine Mütze sowie seine Schuhe mit Holzplatten befanden, und verschloss diese. Danach holte er den Autoschlüssel aus seiner Jackentasche, steckte ihn in das Zündschloss und drehte ihn herum. Die Zündung gab daraufhin nur ein immer schwächer werdendes, klackerndes Geräusch von sich, welches den Motor des Mietwagens aber nicht zum Laufen brachte. Sein Puls jagte wieder nach oben. Mit jedem weiteren erfolglosen Versuch, den Wagen zu starten, spürte er, wie die Panik in ihm zurückkehrte.
»Scheiße! So eine verdammte Scheiße!«, schrie er und schlug mit voller Wucht gegen das Armaturenbrett. Jedes noch so kleine Detail, was passieren könnte, hatte er im Vorfeld bedacht. Doch mit der Variante, dass der verdammte Mietwagen nicht anspringen könnte, hatte er nicht gerechnet. Verzweifelt legte er seinen Kopf auf das Lenkrad und schloss kurz die Augen, um eine Lösung zu finden. Der Motor wollte einfach nicht anspringen und in seinem Kofferraum lag eine gefesselte, mit Chloroform betäubte Frau.
Im nächsten Augenblick öffnete er seine Augen wieder und zog den Hebel links neben sich, damit die Motorhaube aufsprang. Erneut schlüpfte er in die Schuhe mit Holzplatten und ging selbstbewusst zur Vorderseite des Wagens, um einen Blick unter die Motorhaube zu werfen, was ihm nicht wirklich weiterhalf. Anschließend beugte er sich darüber, um etwas besser hineinsehen zu können, als plötzlich Hundebellen von der anderen Richtung ertönte. Sofort machte er ein paar Schritte um die Kurve, damit er erkennen konnte, woher es kam. Weit und breit konnte er keinen Menschen oder Hund erspähen, weshalb er davon ausging, dass es ein Hund war, der seinem Besitzer entlaufen war und nun durch den Wald streifte. Dies verbesserte seine Situation allerdings nicht sonderlich viel, denn der Besitzer würde bestimmt schon auf der Suche nach seinem Tier sein und früher oder später im Wald auftauchen.
Nach dem Kontrollblick eilte er wieder zum Auto zurück. Er klopfte ein paar Mal mit seiner Faust gegen sämtliche Teile des Motors und drückte jeden Schlauch, den er fand, noch einmal fest. Als er fertig war, schloss er die Haube wieder. Das Auto musste jetzt einfach anspringen. Alternativen fielen ihm keine ein. Er konnte ja schlecht den ADAC oder ein Taxi rufen und fragen, ob eine leblose Frau im Kofferraum extra kosten würde. Für einen kurzen Moment überlegte er, ob es vielleicht besser wäre, Irina einfach auf dem Waldweg zurückzulassen. Ihre Geschichte würde ihr vermutlich sowieso niemand glauben.
Aber nein, das war...




