Wunsch | Mein Jahr mit Mama und dem Jackpot | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Wunsch Mein Jahr mit Mama und dem Jackpot


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-30411-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-30411-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer träumt nicht davon, einmal 68 Millionen zu gewinnen? Und... dann? Was macht man eigentlich, wenn alles, was man sich erträumt hat, plötzlich aus der Portokasse bezahlbar ist... Eurojackpot-Gewinnerin Constanze Weber (50), mit pragmatisch gestrickten Naturell, hat darauf eine simple Antwort. Villa in St. Tropez, Porsche vor der Tür, eine Entourage von Dienstleistern, kurz: ein Leben im Jetset! Bevor es aber so richtig losgehen kann mit dem Geld ausgeben, gibt's eine Leiche im Keller und die Wildtier-Mafia steht vor der Haustür. Letzteres, weil ihre umtriebige Mutter, Schauspielerin Brenda (75), sich mit dem Geldsegen zum Schutz gefährdeter, vom Aussterben bedrohter Tiere in Asien und Afrika und im Kampf gegen Wilderei engagiert. Inspiriert von ihren Eindrücken entwickelt Brenda Buck schließlich eine grandiose Idee, um den Drahtziehern dieses Milliardengeschäfts eine Lektion zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen werden. JACKPOT ist sehr unterhaltsam, facettenreich und hochaktuell. Überbordende Dynamik und Tatkraft triumphieren in dieser Tragikomödie mit zum Teil rabenschwarzem Humor! Wie das Duo Mutter & Tochter mit dem Gewinn von 68 Millionen Euro im Rücken versucht, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen und sich 'Mama' dafür auch gerne mit der Mafia in Südostasien anlegt, ist mitreißend und faszinierend. Es ist ein Roman über zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und ein Roman über eine Frau, die weiß, was sie will: 'Niemand auf der Welt braucht einen Elefantenstoßzahn - außer ein Elefant.'

Die gebürtige Hamburgerin SHARON WUNSCH lebt seit 1980 in Berlin. Eine Stadt, die sie - wie sie selber gerne erzählt - den alten Heimathafen fast vergessen lässt, wenngleich das nordische Licht in ihr niemals ganz verlöschen wird. 2 Ehen, Kinderaufzucht und ein halbes Jahrhundert organisatorische Berufstätigkeit später, sah sie sich 2009 in der glücklichen Lage, ihrer Leidenschaft folgen zu dürfen und schrieb den ersten Roman. 2011 - "Pauls lange Heimreise" Cornelius-Verlag (Halle) Lesung Leipziger Buchmesse 2011 'on top off' ein begehrter Filmscout-Vertrag! 2014 - "Lila - der letzte Versuch" Cornelius-Verlag (Halle) 2019 - "Blinde Jahre - blind years" Verlag tredition (Hamburg) 2020 - "Pauls lange Heimreise" (2. überarbeitete Auflage) Verlag tredition 2021- "Mein Jahr mit Mama & dem Jackpot" Verlag tredition (geplant ist Veröffentlichung eines Hörbuchs) 2022 - "Lila - der letzte Versuch" (2. überarbeitete Auflage) Verlag tredition 2023 - Veröffentlichung des akt. Buchprojektes "Gott in der Wolke" Persönliche Motivation zum Schreiben: Die Gesellschaft bringt uns dazu, unsere Existenz aus einem recht begrenzten Menü zu wählen. Mich hat schon immer der Moment interessiert, in dem eine Person merkt, dass ihre alte Formation sie nicht mehr trägt und sie zwingt, sich zu verändern. Diesen 'point of no return' habe ich persönlich schon einige Male erreicht und verschiedene Leben ausprobieren müssen. Der Hauptgrund, warum ich Tragödien und Psychodramen schreibe: Wie kommt man aus einem schwierigen bis nahezu unerträglichen Lebensschicksal irgendwie positiv heraus? Meine Figuren entdecken ihren Mut und ihre Tatkraft. Sie wollen wieder das Licht sehen. Teilhaben am Lebensfluss und Freude empfinden. Sie wehren sich, geben nicht auf. Diesen Prozess in einer mitreißenden Erzählung zu beschreiben, ist mein Antrieb. Das wird nie langweilig. Schreiben ist Zauber, Magie, ein absolut kreativer Akt. Das Schöne daran: In jeder Tragödie steckt ein Anteil Komik. Sonst werden Tragödien zur Sackgasse. Die Ironie des Schicksals verlieh mir schon zu jeder Zeit Flügel. Das ist genau der Stoff, der meine Fantasie nährt! Passend zum schwarzen Humor, von dem jeder meiner Romane lebt. Irische Wurzeln sind da ganz hilfreich! Dazu gefällt mir ein Zitat von Woody Allen: DAS LEBEN MAG DIE HÖLLE SEIN, ABER KOMISCH IST ES TROTZDEM!
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1 „Na, Constanze, was macht die hohe Kunst? Du klingst abgehetzt.“ Mama hatte offensichtlich Langeweile, wenn sie mitten am Tag anrief. Ich überlegte, was ich ihr anbieten könnte. Bislang war so ziemlich alles schief gelaufen.

„Es regnet, …ich war draußen, um die Zeitung aus dem kaputten Briefkasten zu retten.“

Dass ich zu allem Überfluss dem Briefträger auf der Treppe äußerst peinlich entgegengestürzt bin, verschwieg ich.

„Du hättest dir ruhig Zeit lassen können, Kind! Es gab nur Meldungen zu irgendwelchen gestörten Popstars in Entzugskliniken und Kriege toben wie üblich auf der südlichen Halbkugel oder besser gesagt: Hemisphäre!“, war Mutters trockener Kommentar.

„Außerdem ist doch heut´ der Tag, an dem dieser olle Mann vor einem halben Jahrhundert den zerknüllten Zettel aus der Tasche gezogen hat, um sein verrottetes Land endlich sanieren zu lassen. Da schreiben die Gazetten eh´ immer das Gleiche und voneinander ab. Wie hieß er noch mal?“

„Günther Schabowski, Mama.“

„Ach ja, richtig! Hat er klug gemacht. Jetzt haben wir den Salat! Unser Theater ist weiterhin in einem jämmerlichen Zustand, und kein Geld in Sicht. Geht alles in den Osten!“

Die Geräuschkulisse veränderte sich. Es knackte in der Leitung. Ich hörte spitze Absätze auf dem Parkett. Brenda schien durchs Zimmer zu spazieren.

„Mama, bist du noch dran?“

„Na klar, Mienchen, hab´ nur eben mein Fernglas rausgeholt und beobachte nebenher, wie sich die Eltern auf der Kinderparty gegenüber beim Sackhüpfen blamieren!“

Ein schadenfrohes Lachen untermalte den Satz.

„Wenn du sehen könntest, wie fett die Bagage geworden ist, und die sind noch nicht mal im Schulalter. Seit zwei Stunden wird entweder gefressen oder gehüpft. Grausig! Solche Kinder möchte man spätestens, wenn sie in der Pubertät sind, vermutlich gerne irgendwo abgeben.

Aber dann sind sie zu groß und zu fett vom Eis-, Negerkuss- und Burger-Gefresse und passen in keine Babyklappe mehr, auch wenn man noch so kräftig drückt! Die da hinten muss übrigens die Großmutter sein…“

Sie sprach, als ob ich neben ihr stünde. Ich fühlte ihren langen dünnen Finger auf etwas zeigen.

„Gott nee, zwei dicke Kugeln aufeinandergepresst und oben drauf noch so‘ ne faltige Kugel. Ich würd´ mich erschießen…“

„Mutter, findest du nicht, dass du damit zu weit gehst und deine Betrachtungsweise ziemlich oberflächlich - um nicht zu sagen irrelevant - ist. Ich mein´, du kennst die doch gar nicht! Als Schauspielerin solltest du mehr Möglichkeiten haben als Polemik!“

Ihre Stimme drang leise und gepresst an mein Ohr, wahrscheinlich war sie mit Koordination von Fernglas und Telefon überfordert.

„Jaa, jaa, lenk´ nur ab, Constanze! Oder spricht da schon wieder dein Ehegatte - der moralisierende Harald - aus dir? Das verändert das Bild nur unwesentlich und erinnert mich umso mehr an das, was ich gerade hinter mir habe.“

„Und… das wäre?“, antwortete ich leicht genervt. Mama hatte demnach ebenfalls keinen besonders aparten Tag, wie sie gern zu sagen pflegte. „Ist kein gutes Timing für geschliffene Dialoge, Herzchen! Hab´ mir heut´ morgen das Script für ein Theaterstück angetan. Es ist zum Kotzen. Da bekommst du endlich mal ein Angebot, und dann geht´s um so was weltbewegendes wie die veränderten Geschlechter- und Generationsmodelle vor dem Hintergrund des digitalisierten Kapitalismus! Nicht besonders prickelnd, glaub´s mir…“

Polternd ließ sie das Fernglas in die Schublade plumpsen und schob diese geräuschvoll zu.

„Und was hast du für eine Rolle darin?“

„Ich soll eine uralte versiffte ehemalige Bürgermeisterin spielen, die allesamt Entscheidungen getroffen hat, für die es keine Rückfahrkarte gibt im Leben! Elendig einseitig, voller Klischees! Keine Chance für eine einzige gute Kritik! Was soll ich damit? Wenn du mich fragst: Das ist einfach nur gemein. Hat mit dem jungschen Schnösel von Regisseur zu tun. Du weißt schon… dem Dingsda… diesem Gideon von Trebel, den ich immer Nebel nenne!“

Sie stöhnte und spielte mit dem Telefonkabel. Ein weiteres Zeichen ihrer Gereiztheit.

„Biochemisch mag es ein Hirnschaden sein. Aber sozial und ökonomisch funktioniert Arroganz prächtig. Selbstherrlichkeit ist mal wieder verblüffend aktuell unter den Theaterleuten, mein Kind. Leider…!“

Ihr Ausatmen war mehr ein Schnaufen. Wenn das ´ne wehleidige Nummer werden sollte, hätte ich keine Chance und wäre ihren Monologen hilflos ausgeliefert. Da gab´s für Brenda kein Pardon.

„Klugscheißer sind zwar unerträglich, aber immer noch erträglicher als Dummschwätzer, Constanze, - glaub´ s mir!“

Um Mama abzulenken fragte ich, was sie beim diesjährigen Faschingsball des Theaters auf die Beine gestellt habe. Sie liebte Partys und Verkleidungen.

„Ach, das war sehr schön diesmal, wenn auch extrem warm. Ich ging als Froschkönigin, hatte so ein Ganzkörperkondom in Knallgrün an und eine Maske aus Pappmaschee. Es roch darunter nach Kleber, sag ich dir. Mir ist richtig übel geworden. Aber dafür habe ich nichts gegessen, ein Pfündchen weniger auf den Hüften und den zweiten Platz belegt: klasse, nicht wahr?

Tilly Rasmussen ist übrigens Erste geworden, die ging als Rauchmelder. Das sah vielleicht putzig aus! Ich fand meins zwar schicker, aber was soll´s: Originalität gehört belohnt. Stell dir vor, Kind, den ganzen Abend konnte sie nur durch klitzekleine Schlitze sehen. An der Seite hing eine Perlenschnur, wenn man an der zog, gab´s ein Mordsgetöse. Dazu blinkte das Kostüm und an der Hüfte stiegen Rauchwölkchen auf.

Alles per Hand gesteuert. Erinnerte schon irgendwie an einen Rauchmelder und das war´s wert…“

Mama gluckste leise und schien nach weiteren Highlights zu suchen.

„Weißt du noch, was du als kleines Mädchen mal gesagt hast, Mienchen? Das war auch nach ´ner Faschingsfeier. Du bist mitten in der Nacht zu mir ins Bett gekrochen und hast allen Ernstes erklärt, dass du das nächste Mal als Nudel gehen möchtest! Süß, nicht?“

Sie lachte und schien tatsächlich versöhnter mit diesem Tag. Eigentlich war´s relativ einfach mit ihr, wenngleich für mich oftmals schikanös: Ich hatte weder Fantasie für Sperenzchen, noch Geduld für ihre zahlreichen Spielchen. Schließt du eine Baustelle, kommt durchs Schlüsselloch eine neue daher.

Das war Brenda Buck, 74 Jahre jung, wie sie gern erklärte, und immer auf der Überholspur…, wenn man sie denn ließ. Heute war mir nicht danach.

Außerdem fiel mir zu dem Beispiel mit der Nudel noch ein, dass sie sich zum damaligen Event verabschiedete, ohne mir etwas zum Essen dazulassen. Ich ersehnte mich nicht nur kostümmäßig als Nudel, ich hätte auch gern welche gehabt. Es gab lediglich Corned Beef aus der Dose, ohne alles wohlbemerkt. Und ich traf meine Mutter erst weit nach Mitternacht vorm Kühlschrank wieder, nachdem ich ihr die Haustür aufschließen musste, an der sie eine geschlagene Viertelstunde das Schlüsselloch gesucht und dabei einen Höllenlärm verursacht hatte. Das Licht im Treppenhaus brannte zwar nicht, aber ihr Fluchen war unverkennbar. Als ich öffnete, wankte sie ganz in pinkes Tüll gehüllt an mir vorbei.

„Na endlich… wurde ja auch Zeit!“

Grummelnd ließ sie den Nerzmantel achtlos neben der Garderobe fallen, entledigte sich ihrer hochhackigen Pumps, indem sie einen nach dem anderen durch den langen schmalen Flur schleuderte und Richtung Küche schlich.

„Ich sag´s Dir, Mienchen, auf solchen Events wird nur stundenlang geschwatzt und rumcharmiert und nix gibt´s zu fressen! Schrecklich, warum tue ich mir das nur an?“

Sie hickste leise, starrte in unseren fast leeren Kühlschrank und griff sich seufzend ein halbes Glas Gurken. Die toupierten Haare standen zu allen Seiten ab, nachdem sie die rote Pracht vom runden Tüll-Hütchen befreit hatte, der nun auf dem Wasserkessel thronte.

„Wie kommt denn der Hut da hin?“, sinnierte sie Minuten später, nachdem sie die angebissene Gurke im Aschenbecher abgelegt hatte. „Na ja… issaauchegal!“

Ihr übernächtigter Blick erinnerte mich an eine Eule. Mimisch eingeschränkt, aber auch - wie selten bei Tage - freundlich über den Dingen stehend und in sich ruhend, starrte sie mit riesengroßen dunklen Augen auf die Wanduhr gegenüber. Ein hässliches Teil von ihrer letzten Italy-Reise.

Das Zifferblatt zeigte eine Pizza,...



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