Xander | Criminal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

Xander Criminal

Lucys nasses Schlamassel
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-944672-03-8
Verlag: X-Scandal Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lucys nasses Schlamassel

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

ISBN: 978-3-944672-03-8
Verlag: X-Scandal Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sexy, frech, unersättlich und süchtig nach Schuhen.Das Leben von Lucy Hoffmann könnte verrückter nicht sein.Sie ist gierig nach Sex und schafft es sogar, ihren besten Freund, der eigentlich auf Kerle steht, zu verführen. Um ihre Traumwohnung zu bekommen, wickelt sie obendrein den Makler Mikel um die Finger, der sich augenblicklich in sie verliebt. Doch Lucy will keine Beziehung führen, sie will sich lieber austoben und Männer glücklich machen.Nach reichlicher Überlegung, ob sie es ihrem besten Freund, der als Escort tätig ist, gleichtun soll, bewirbt sie sich erfolgreich in einem Bordell. Lucy lernt Frauen kennen, von denen eine verrückter zu sein scheint als die andere. Sie erlebt wilde Nächte mit zahlender Kundschaft und witzige Abenteuer mit ihren Freundinnen. Ihr Leben scheint perfekt, bis ihr unanständiger Lebensstil sie geradewegs in ein großes Schlamassel befördert. Plötzlich sieht sich Lucy mit Dingen konfrontiert, die sie niemals für möglich gehalten hat.

Alec Xander ist ein deutscher Schriftsteller, der seine Leser mit seinen Büchern gerne unterhält. Er möchte sie nachdenklich stimmen und auch an ihre Grenzen bringen. Alec ist vor allem bekannt für seine dramatischen Liebesromane. Im Jahre 2013 gründete er den Kleinverlag X-Scandal Books, der sich auf die Veröffentlichung von Büchern über homosexuelle Männer spezialisiert hat.
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2. KAPITEL


Ach ja … Für das Arbeitsamt wollte ich ganz besonders schön aussehen. Meine Lippen betonte ich mit einem Volumen verstärkenden Rouge Odyssee Lippenstift, ein wenig Make-up von Jade – nur, um noch ein bisschen frischer und gesünder auszuschauen –, ein heller Lidschatten und ein wenig Kajal. Heller Nagellack im French Style und schöne, breite Kreolen. Meine Haare stylte ich zu einer eleganten Hochsteckfrisur. Am Oberkopf hatte ich einzelne Strähnen toupiert und festgesteckt. Die Längen hatte ich offen gelassen und mit einem großen Wickler gestylt. Ein wenig Glanzspray und fertig war die glamouröse Frisur. Nun fehlte nur noch die Kleidung, denn ich war nackt. Ich entschied mich für eine eng anliegende Lederhose mit Reißverschluss und eine schwarze Bluse mit tiefem Ausschnitt. Dazu meine Stiletto-Langschaftstiefel in Schwarz und einen weißen Gürtel sowie ein paar silberne Ketten um den Hals und um die Handgelenke. Fertig war ich – und zwar mit den Nerven. Bis zwölf Uhr hatte das Arbeitsamt geöffnet, und es war bereits kurz vor Elf. Schnell packte ich das Nötigste in meine Ebony Canvas Tasche: Handy, Geldbörse, Sonnenbrille, Lippenstift …

Auf dem Weg zum Arbeitsamt spielte ich ständig an einer Locke herum. Dauernd stellte ich mir die Frage, was ich sagen sollte. Waren die Mitarbeiter bei der ARGE wirklich so schlimm, wie es Joe mir mal erzählt hatte? Ich hoffte nicht, denn wenn doch, dann war ich geradewegs auf dem Weg in die Hölle.

Kaum beim Arbeitsamt angelangt, kam mir so ein seltsamer Mann entgegen. Er hatte verfilztes, graues Haar und war, mit Verlaub, ziemlich asozial gekleidet. Abgesehen davon war er von einem unsichtbaren, nach Alkohol stinkendem Nebel umgeben, der sich rasch in meiner Nase einnistete und mich zum Niesen brachte. Ich schüttelte mich theatralisch und betrat das Gebäude. Es war wirklich riesig und vor allem eines: leer. Da war keine Menschenseele. Wo waren nur die ganzen Arbeitslosen, von denen man immer dermaßen viel hörte und im Fernsehen sah? Verwundert zuckte ich die Achseln und begab mich zum Empfangsschalter, an dem eine mollige Frau mit kurzem Haar saß. Ich stellte meine schicke Tasche ab und begrüßte sie freundlich: „Einen wunderschönen guten Morgen.“ Keine Reaktion. Hat sie mich nicht gehört? Erneut wünschte ich ihr einen guten Morgen und achtete darauf, dass ich dabei auch ja nicht zu leise klang. Wieder reagierte sie nicht. Stattdessen tat sie so, als ob sie mit zwei Papierblättern beschäftigt sei. Will die mich verarschen? „Hallo?!“, sagte ich nun etwas unfreundlicher. „Hey!“ Aus einem Reflex heraus schlug ich auf den Tresen. Langsam blickte sie zu mir auf und gaffte mich dabei dermaßen bescheuert an, dass ich ihr nur zu gern eine gedonnert hätte.

„Ja, bitte?“, fragte sie völlig desinteressiert.

Ich lächelte, um nicht ganz so zornig zu wirken. „Hallo, ich bin die Lucy, die Lucy Hoffmann, und ich bin hier, weil ich einen Job suche.“ Sie erwiderte nichts. „Sie können mir da sicherlich weiterhelfen, nicht?“

„Wenn Sie Arbeit suchen, dann sind Sie hier auf jeden Fall richtig.“

„Freut mich! Und können Sie mir jetzt einen Job vermitteln?“ Plötzlich begann sie unverschämt zu kichern. Was sie mir damit sagen wollte, wusste ich nicht, doch es störte mich. „Wieso lachen Sie?“

„Neulinge!“, schmunzelte sie und schaute wieder auf ihre blöden Blätter.

Nun reichte es mir. „Hallo?!“

„Sie müssen ins zweite Obergeschoss“, meinte sie gelassen. „Gucken Sie einfach, wer für Sie zuständig ist.“ Sie winkte mich weg.

„Aber hier steht doch Anmeldung“, wies ich sie mit dem Blick auf das große Schild neben mir hin.

„Wenn Sie einen Job suchen …“

„Jaja“, plapperte ich ihr dazwischen und nahm meine Tasche. Einen schönen Tag wünschte ich dieser Nippeltante nicht mehr. Auf dem Weg in die zweite Etage wurde ich fast von einem jungen Mann mit blondem Haar überrannt. Mann, konnte der Fluchen! Schon jetzt war meine Laune ziemlich tief gesunken, doch das sollte mich nicht davon abhalten, nach einem Ansprechpartner zu suchen. Neben den Türen hingen jedes Mal Schilder mit den Namen der Sachbearbeiter und die Buchstaben, für die sie zuständig waren. A-De, Di-Fu und so weiter. Ich lief von einer Tür zur nächsten. Wo zum Henker war mein Buchstabe? Es war verwirrend. Dann endlich, nachdem ich schon fast aufgeben wollte, fand ich ihn. „Frau Kurz“, las ich leise und klopfte ein bisschen aufgeregt an. Durch die Milchglastür erkannte ich, dass sich jemand in dem Raum aufhielt, doch auf eine Antwort wartete ich vergebens. Anstatt erneut anzuklopfen, drückte ich die Klinke herunter und betrat den Raum. Wieder eine mollige Frau, dachte ich und lächelte sie an. „Guten Morgen.“

Fragend gaffte die Rothaarige mit dem kurzen Haar zur Wanduhr und meinte allen Ernstes: „Guten Morgen? Früh aufstehen kennen Sie wohl nicht?“ Sie lachte und klang dabei wie ein kleines Mädchen, das sich gerade erst einen Joint reingezogen hatte.

„Ähm, wie auch immer“, nuschelte ich. „Ich bin die Lucy. Lucy Hoffmann“, stellte ich mich vor und blinzelte auf dieses greisenhafte Oberteil, das die Frau trug. So viele Blumen und Röschen, das mir fast schlecht wurde. Geschmack besaß diese Person wirklich nicht.

„Schön!“ Gleichgültig verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Haben Sie denn einen Termin?“ Sie musterte mich mit einem Blick, den nur Weiber können: voller Neid.

„Nein, den habe ich nicht, aber …“

„Dann habe ich auch keine Zeit.“ Rasch wandte sie sich ihrem Rechner zu.

Ein „Oh“ flog mir aus dem Mund, während ich ihren so gut wie leeren Schreibtisch betrachtete. „Aber Sie haben doch jetzt sicherlich nichts zu tun.“

„Wie kommen Sie auf die Idee, dass ich nichts zu tun hätte?“, stutzte sie.

„Nun ja“, sinnierte ich, als ich auf die Kaffeetasse spähte, aus der Dampf entwich. „Es ist niemand hier.“

„Aber vielleicht habe ich gleich Termine“, gab sie etwas patzig zurück.

„Gleich ist aber nicht jetzt“, stellte ich klar und schloss die Tür hinter mir. „Also, es geht auch ganz schnell.“

Verdutzt sah sie mich an. „Um was geht es denn?“

„Wie ich schon sagte, bin ich die Lucy, die Lucy Hoffmann, und ich bin hier, weil ich einen Job suche.“

„Das ist mir klar.“ Ständig nickte sie. „Und wie kann ich Ihnen dabei helfen?“

Vielleicht hat sie ja einen dieser Ticks? „Ähm“, überlegte ich, „Sie sind doch für die Joblosen verantwortlich oder bin ich im falschen Zimmer?“

„Sie sind bei mir schon richtig, aber inwiefern kann ich Ihnen dabei helfen?“

„Wie meinen Sie das?“ Ich wusste es wirklich nicht.

„Sie suchen einen Job?“

„Ja, das tue ich.“

„Haben Sie es schon mal mit Eigeninitiative versucht?“

Eigen … was? Ein Wort, das mich durcheinanderbrachte. Sicherlich kannte ich es, aber ich benutzte es so selten, dass ich es kaum aussprechen konnte. „Mit was?“

Genervt rollte sie die Augen. „Waren Sie schon mal bei mir?“

„Nein, ich bin neu hier. Ich suche einen Job, oh, und eine Wohnung.“

„Ach!“, stieß sie plötzlich so laut aus, dass ich erschrak. „Eine Wohnung suchen Sie also auch noch?“ Warum sie die Behausung so komisch betonen musste, wollte mir nicht dämmern.

„Deswegen bin ich hier.“

„Na“, schmunzelte Frau Kurz, „dann setzen Sie sich mal.“

„Gerne.“ Stehen wollte ich wirklich nicht mehr. Nachdenklich betrachtete sie mich. Nach einigen wortlosen Sekunden fragte ich: „Wollen Sie mich nur anglotzen oder auch etwas sagen?“ Meine Worte schienen ihr nicht zu passen, denn ihr Gesicht formte sich zu einer grimmigen Fratze. Unartige Lucy! Warum war ich auch immer so ungeduldig?

„Um überhaupt erst mal zu wissen, ob Sie wirklich diese Lucy sind, benötige ich Ihren Ausweis.“

„Aber gerne“, lächelte ich und kramte in meiner Tasche nach meiner Geldbörse, und während ich es tat, löcherte Frau Kurz mich mit Fragen.

„Wie alt sind Sie?“

„24.“

„Wo leben Sie gerade?“

„Zuhause.“

„Das ist mir schon klar. Wo ist dieses Zuhause?“

„Bei meiner Mutter.“ Warum sie jetzt genervt stöhnte, verstand ich nicht. Hatte wohl einen schlechten Tag die Alte.

„Haben Sie eine Ausbildung?“

„Nein.“

„Aber Sie haben einen Schulabschluss, ja?“ Sie klang fast schon verzweifelt.

„Nein.“ Ich überreichte ihr meinen Ausweis.

„Sie haben keinen Schulabschluss?“, fragte sie und sah sich mit einem skeptischen Blick meinen Ausweis an. Wahrscheinlich war sie total neidisch auf mein Passfoto, denn anders, als die meisten Bürger, lächelte ich auf dem Bild.

„Nein, aber das sagte ich ja schon.“

„Sie sind 24“, erwähnte die Sachbearbeiterin.

„Ja, und verdammt gut aussehend, finden Sie nicht?“ Warum ich das von mir gab, wusste ich selbst nicht. Es war einfach so aus mir herausgekommen.

Frau Kurz zog spöttisch eine Augenbraue nach oben und hüstelte zweimal. „Als was haben Sie denn bisher gearbeitet?“, erkundigte sie sich und tippte dabei meine Daten in den Rechner. Sah schon ulkig aus, wie sie die Buchstaben nacheinander suchte.

„Nichts.“

„Wie nichts?“, fuhr sie mich unerwartet an. „Sie werden ja doch wohl schon mal gearbeitet haben?“

„Nein, bisher habe ich nicht gearbeitet. Warum sollte ich auch?“

„Na, um vielleicht nicht vom Staat...



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