Carty-Williams | People Person | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Carty-Williams People Person

Roman
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8412-3073-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-8412-3073-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der neue Roman der »Queenie«-Erfolgsautorin ist ein einzigartiges Familienporträt: gegenwärtig, rasant und unglaublich komisch!

Cyril Pennington ist das, was man als »People Person« bezeichnet: gesellig, umtriebig, extrovertiert. Was er vor allem nicht ist: ein Vater. Und das obwohl er fünf Kinder von vier verschiedenen Frauen hat. Seine Kinder wachsen ohne ihren Dad auf und ohne einander wirklich zu kennen. Bis ein dramatisches Ereignis die Halbgeschwister zusammenbringt und sie stärker aneinanderbindet, als ihnen lieb ist ... 

»Eine mitreißende Erzählerin, eine grandiose Entdeckung.« Deutschlandfunk Kultur.

»Ein Roman unserer Zeit, voller Witz, Weisheit und Dringlichkeit« SPIEGEL über »Queenie«.



Candice Carty-Williams ist Journalistin und Autorin. Ihre Texte erschienen u.a. im Guardian, in der Vogue und der Sunday Times. Ihr erster Roman »Queenie« war ein überragender Erfolg und wurde 2020 in England bei den »British Book Awards« als bester Roman des Jahres ausgezeichnet. Das gelang vor Carty-Williams keiner Schwarzen Autorin. »People Person« ist ihr zweiter Roman. Auf Twitter and Instagram findet man sie als: @CandiceC_W
Carty-Williams People Person jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Ihr Vater, Cyril Pennington, machte keine Unterschiede. Er war Vater von fünf Kindern. Fünf Kindern, die er anerkannte. Von vier verschiedenen Frauen. Wobei anerkennen nicht gleichbedeutend war mit Unterhalt zahlen oder mit physischer, mentaler oder emotionaler Präsenz. Cyril Pennington verstand unter anerkennen, dass es ihm im Allgemeinen bewusst war, fünf Kinder zu haben (vielleicht auch mehr, aber er würde sich nicht auf die Suche machen), dass er sich ihre Namen und gelegentlich auch ihre Geburtstage merkte sowie sich Geld von ihnen pumpte, wenn es hart auf hart kam. Er arbeitete als Busfahrer und verbrachte die Tage damit, neben seinem Job nicht viel zu machen, außer mit Passagierinnen flirten, Frauen nachstellen, die viel zu jung für ihn waren, und mit seinen Bekannten beim Barber Shop in der Nähe des Busdepots Domino spielen. Obwohl er, ohne es zu wissen, ein Meister der Bindungslosigkeit war, betrachtete Cyril sich weniger als Vater, sondern mehr als geselligen Typ. Als People Person, wie man so schön sagte. Leider erstreckte sich seine Geselligkeit nicht zum allseitigen Nutzen auf seine fünf Kinder.

Nikisha Pennington war Cyrils Älteste. Temperamentvoll, ehrgeizig und klug hatte sie schon vor langer Zeit beschlossen, dass ein Mann in ihrem Leben nie unentbehrlich war, sondern eher etwas, das sie gerne mal aufgriff, wenn es ihr nötig erschien, aber auch wieder ablegte, wenn es nicht so war. Sie hatte sehr wenig Zeit für daddy issues. Eigentlich fand sie schon den Ausdruck kränkend. Die Unterstellung, dass sie ein Problem hätte, weil man sie im Stich gelassen hatte, fand sie unglaublich. Nikishas Mutter war Bernice. Bernices Mutter wiederum hatte in der Zahnarztpraxis gearbeitet, die Cyrils Mutter Delores mit ihrem Ehemann führte. Cyril kannte Bernice bereits eine Weile, bevor er sie ins Bett kriegte und schwängerte.

Bernice war eine schlanke und faszinierende, ausgesprochen kokette Jamaikanerin mit extrovertiertem, sonnigem Gemüt. Aber vor allem besaß sie eine scharfe Zunge, die einen tatsächlich vernichten konnte. Nikisha hatte sich das bei Bernice abgeschaut, als sie heranwuchs, und manchmal zunutze gemacht, allerdings nur, wenn es nötig war.

Als Nächstes kam Danny Smith-Pennington. Seine Mutter, Tracy Smith, war eine freundliche, mehr als hilfsbereite, zierliche weiße Frau mit dunkelblondem Bob, die in dem Häuserblock nahe dem Busdepot wohnte, wo Cyril arbeitete. Er half Tracy hin und wieder, ihre Einkäufe die düstere Steintreppe zur Wohnung hinaufzutragen, bis sie ihn eines Tages einlud, auf eine Tasse Tee mit reinzukommen. Als sie schwanger war, gab Cyril getreu seiner optimistischen Art sich selbst das Versprechen, im Leben dieses Kindes präsent zu sein. Und auch im Leben seiner damals bereits zweijährigen Tochter Nikisha. Es war das erste Mal, dass Cyril sich offensichtlich selbst belog.

Drei Jahre später wurde Cyril Vater von Dimple Pennington und Elizabeth Adesina. Die beiden waren keine Zwillinge, wurden aber im Abstand von nur drei Wochen geboren. Dimple kam drei Wochen zu früh zur Welt und weinte dabei so zaghaft, wie ein Baby nur konnte. Elizabeth hingegen, die später von ihrem engsten Kreis Lizzie genannt würde, gab keinen Laut von sich bei ihrer Geburt, exakt zum errechneten Termin, und schien von der Welt, in die sie hineingeboren wurde, bereits unbeeindruckt.

Cyril hatte Dimples Mutter Janet in einem Nachtclub an der Old Kent Road kennengelernt, wo er auflegte. Sein DJ-Name war Fireshot. Das war zugleich der Name des Soundsystems, das er zu Hause in Jamaika gebaut hatte, bevor London ihn lockte. Janet gefiel Cyril, weil sie groß und kräftig war. Eigentlich stand er auf kleinere, schlankere Frauen, aber als er vom DJ-Pult aus Janets üppige Brüste und ihren großen, rundlichen Hintern erblickte, da war er so abgelenkt, dass er eine Flasche Red Stripe auf die Plattenteller fallen ließ. Ihr fülliger Körper reizte ihn dermaßen, dass er weder physisch noch mental davon loskam. Cyril hatte ihr die Welt versprochen und sie dann – passenderweise – mit einem Kind sitzengelassen. Janet, eine Frau indisch-jamaikanischer Herkunft, wollte Anwaltsgehilfin werden und wusste nichts von Cyrils anderen Kindern. Als sie von ihnen erfuhr, war sie gleichermaßen wütend und am Boden zerstört, doch sie verbarg ihre Enttäuschung. Sie wünschte sich ein Kind, das sie lieben konnte, ja, aber sie glaubte auch, dass sie in Cyril einen Mann gefunden hätte, der sie beide finanziell unterstützen würde. Nicht einen Kerl, dem aus dem Stand fünfundsiebzig Gründe einfielen, warum er diese Woche keinen Unterhalt zahlen konnte, der aber »vielleicht in ein paar Wochen imstande wäre, auszuhelfen«.

Lizzies Mutter war Kemi Adesina, eine junge Krankenschwester, die Cyril kennengelernt hatte, als er seine Mutter Delores im Krankenhaus besuchte. Kemi, der Inbegriff einer würdevollen Erscheinung, besaß eine sportliche Figur, einen langen, schlanken Hals und war eine stolze, entschlossene Yoruba, die sich ganz einer echten und funktionierenden Beziehung mit dem werdenden Vater ihres Kindes verschrieb. Als sie herausfand, dass daraus nichts würde, hakte sie die Begegnung mit Cyril als Aussetzer ihres Urteilsvermögens ab und sprach kein Wort mehr mit ihm bis zu dem Tag, als Lizzie fragte, wo eigentlich ihr Dad sei. Das war ungefähr neun Jahre nach ihrer Zeugung. Kemi rief Cyril kurzerhand an, tauschte ein paar Höflichkeitsfloskeln mit ihm aus und reichte dann das Telefon an ihre Tochter weiter.

Als Nikisha zehn war, besuchte Cyril seine älteste Tochter nach sechs Jahren das erste Mal wieder. Er hatte sich von all seinen falschen Ambitionen, ihr ein Vater zu sein, verabschiedet, aber da Nikisha ein paar Wochen zuvor Geburtstag gehabt hatte, hielt er es für eine gute Idee, ihr eine Karte vorbeizubringen. Nikisha sah erst ihren Vater, dann die Karte verächtlich an, bevor sie nach draußen ging, um weiter mit ihren Freundinnen zu spielen. Cyril blieb und machte sich erneut mit ihrer Mutter Bernice vertraut. Die sah in seinen Augen noch genauso gut aus wie damals, als Nikisha noch nicht einmal unterwegs war.

Ungefähr neun Monate später, an einem frostigen Dezembertag, wurde Prynce Pennington geboren. Nikisha, die sich wohl besser als Einzelkind geeignet hätte, nahm es eigentlich ganz gut auf, große Schwester zu sein. Hauptsächlich weil ihr klar wurde, dass es keinen Zweck hatte, dagegen aufzubegehren. Als Prynce ihr zum ersten Mal etwas zu essen aus dem Mund nahm, um es selbst zu futtern, wusste sie, dass es nicht bei diesem einen Bissen bleiben würde. Alles, was sie hatte, bekam irgendwann ihr kleiner Bruder. Sogar ihre Zeit. Prynce wuchs zu einem Pläneschmied und Träumer heran. Wahlweise vergesslich, aber gerissen, charmant und begeisterungsfähig, doch überwiegend halbherzig, bei welcher Sache auch immer.

Eines Tages, als all seine Kinder (bis auf Prynce, der erst neun war), wie er fand, das Alter für erste Dates erreicht hatten, beschloss Cyril, dass dieser Tag, ein Samstag, der Tag sein sollte, an dem sie sich alle treffen würden. Er sprang aus dem Bett in der Ecke seiner kleinen Einzimmerwohnung, tappte ans Fenster und schob das Laken beiseite, das ihm seit mindestens drei Jahren als Vorhang diente. Die Sonne schien und der Himmel war so blau wie das Meer, das er von zu Hause erinnerte. Er liebte solche Tage. Seine Laune hing ganz vom Wetter ab, obwohl er nicht wusste, warum. Wenn er seinen Gedanken je erlaubte, sich nach möglichen Gründen dafür umzusehen, dann schrieb er es der Tatsache zu, dass er die Sonne vermisste, die ihm während seiner Kindheit in Jamaika tagtäglich auf die Haut geschienen hatte. Cyril sah die Dinge immer ganz einfach. Und wenn man ihm mit Begriffen wie »affektive Störung« und »Winterdepression« gekommen wäre, dann hätte er Streit angefangen und einem unterstellt, man wolle ihn mit einem Fluch belegen.

Er ging ins Bad und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, danach putzte er sich die Zähne. Er hatte bloß einen kompletten mittleren Schneidezahn, der mit Gold überzogen war. Von dem zweiten war nur noch die Hälfte übrig. Frauen erzählte er immer, die andere Hälfte hätte er bei einem Kampf verloren. Dabei war er in Wirklichkeit betrunken nach Hause gekommen, auf der Treppe zu seiner Wohnung gestürzt und mit dem Gesicht auf eine Stufe geknallt. Jetzt spülte er seinen Mund gründlich aus, spuckte ins Waschbecken und...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.