Yates | Bleib für eine Nacht und immer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

Yates Bleib für eine Nacht und immer


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-8025-9904-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9904-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit dem Tod seiner Frau widmet Connor Garrett seine ganze Aufmerksamkeit der Ranch seiner Familie in Copper Ridge, Oregon. Als die hübsche Felicity Foster Unterschlupf sucht, bietet er ihr an, vorübergehend bei ihm zu wohnen. Dafür sind Freunde schließlich da. Doch die Gefühle, die Felicitys Gegenwart in Connor auslöst, gehen weit über Freundschaft hinaus ...

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1


Connor Garrett war ein erwachsener Mann. Er wusste, dass man nichts zu befürchten hatte, wenn man schlief. Dass die Dunkelheit in seinem Zimmer nichts Gefährlicheres verbarg als ein Paar achtlos hingeworfener Cowboystiefel, an denen er sich den Zeh stoßen konnte, wenn er mitten in der Nacht verschlafen zur Toilette tappte.

Das wusste er so gut, wie er wusste, dass die Sonne zu dieser Jahreszeit um kurz vor sechs über den Bergen aufging, ob ihm das passte oder nicht. Dass von der Küste her ein Sturm heranzog, wenn der Wind frühmorgens nach Salz roch. Dass unfreiwillige Zusammenstöße mit Stacheldrahtzäunen höllisch wehtaten. Dass Holzscheunen irgendwann abbrannten und Menschen, die man liebte, irgendwann fort waren.

Ja, das alles wusste er.

Doch es hielt ihn nicht davon ab, in den meisten Nächten schweißgebadet aufzuwachen, während sein Herz lauter hämmerte als die Hufe eines scheuenden Pferdes auf dem Boden der Rodeo-Arena.

Denn auch wenn Connor Garrett genau Bescheid wusste, sein Unterbewusstsein hatte es noch nicht begriffen.

Er saß kerzengerade im Bett, Schweißtropfen auf der Stirn und der nackten Brust. Wenn sein Körper nicht ständig so reagieren würde, hätte er sich jetzt besorgt gefragt, ob er einen Herzinfarkt hatte. Leider wusste er inzwischen, dass dieses Herzrasen in Verbindung mit den Schmerzen in der Brust nur ein Zeichen von Stress war. Von Angst.

Von dieser verdammten hartnäckigen Trauer, die einfach nicht nachlassen wollte, auch wenn die Jahre vergingen.

Dass er allein im Bett aufwachte, überraschte ihn nicht mehr – immerhin war das jetzt seit drei Jahren so. Aber es war ihm bewusst. Jedes Mal aufs Neue merkte er deutlich, wie kalt die Laken auf ihrer Seite des Bettes waren. Dabei war dies nicht einmal mehr das Bett, in dem er mit Jessie geschlafen hatte. Vor etwa einem Jahr hatte er sich ein neues gekauft, weil er es einfach zu deprimierend fand, weiter in ihrem gemeinsamen Bett zu schlafen. Aber die Veränderung hatte nicht so gewirkt wie erhofft.

Denn egal was er versuchte, ob er sich am Abend mitten ins Bett legte oder sogar auf die Seite am Fenster, er landete doch stets auf seiner Seite.

Der Seite zur Tür hin. Von der aus er jederzeit Einbrecher und andere Gefahren abwehren konnte. Von der aus er die Person beschützen konnte, die neben ihm lag. Der Seite, auf der er während seiner achtjährigen Ehe stets geschlafen hatte. Man hätte fast glauben können, dass ihn der Geist seiner verstorbenen Frau jedes Mal auf diese Seite wälzte, während er schlief.

Und ihn dann aufweckte.

Leider besaß Jessie nicht einmal den Anstand, bei ihm zu spuken. Sie war einfach weg. Stattdessen herrschte Leere. In seinem Bett, in seinem Haus, in seiner Brust.

Und wenn sich seine Brust einmal nicht leer anfühlte, dann war sie erfüllt von Schmerz und einem überwältigenden Gefühl des Grauens, das seinen gesamten Körper beherrschte und ihm das Atmen unmöglich machte. So wie jetzt.

Er schwang die Beine aus dem Bett. Der Holzboden fühlte sich unter seinen nackten Füßen kalt an. Connor stand auf, trat ans Fenster und blickte hinaus in die Dunkelheit. Er sah die Kiefern als schwarze Schatten und dahinter, noch dunkler, die Silhouetten der Berge gegen einen etwas helleren Himmel. Links unten konnte er gerade noch die vordere Veranda erkennen. Und den goldenen Schein der Verandabeleuchtung, die er wohl angelassen hatte, als er schlafen gegangen war.

Seine Brust wurde eng. Wahrscheinlich war er deshalb aufgewacht.

Schlagartig fiel ihm sein Traum wieder ein. Eigentlich war es kein richtiger Traum gewesen, sondern eher eine Folge von Bildern.

Wie er spätnachts die Tür öffnete und sein Bruder Eli vor ihm stand, mit einer derart grimmigen und düsteren Miene, wie Connor es noch nie bei ihm erlebt hatte. Da das Licht auf der Veranda brannte, war Eli von einem Kranz aus goldenem Licht umgeben, was ihm das Aussehen eines Engels verlieh. Eines Todesengels, wie sich herausstellte.

So blöd das klang, Connor war halb davon überzeugt, dass er deshalb so intensiv geträumt hatte, weil draußen das Licht brannte.

Natürlich ergab das keinen Sinn. Doch wenn er eins im Laufe der letzten Jahre gelernt hatte, dann dass beim Trauern nichts irgendeinen Sinn ergab.

Er riss die Schlafzimmertür auf, stieg die Treppe hinab und ging zum Eingang. An der Haustür blieb er stehen und sah sich an, wie das Licht von der Veranda durch die Fenster hereinfiel. Eine Sekunde lang war er fest überzeugt, dass Eli vor ihm stehen würde, wenn er jetzt öffnete. Dass er in die Situation vor drei Jahren zurückversetzt werden würde. Dass er gleich eine Nachricht hören würde, die kein Mensch jemals hören sollte.

Denn es gab einen guten Grund, weshalb sein schlimmster Albtraum nur dieses eine Bild umfasste: wie sein jüngerer Bruder auf seiner Veranda stand.

Weil sich in jenem Moment sein gesamtes Leben in einen Albtraum verwandelt hatte. Etwas Beängstigerendes gab es nicht. Mit dem schwarzen Mann hätte er es notfalls aufnehmen können. Doch gegen den Tod kam er nicht an.

Letztendlich hatte er Jessie doch nicht beschützen können.

Und die verdammte Tür würde er nicht öffnen.

Er schaltete das Verandalicht aus, doch statt nach oben zurückzukehren, ging er wie ferngesteuert in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Er betrachtete das Bier, das sich momentan als Einziges darin befand, wenn man von der Ketchupflasche und dem Netz mit der einen Zwiebel absah, die wahrscheinlich schon seit Sommerbeginn dort lag.

Mit einem tiefen Seufzer schloss er den Kühlschrank wieder. Um drei Uhr morgens sollte er wirklich kein Bier trinken.

Drei Uhr morgens war eindeutig die Zeit für Jack Daniel’s.

Er ging zu dem Schrank, in dem er die härteren Sachen aufbewahrte, und nahm seine Jack-Flasche heraus. Sie war fast leer. Und niemand war bei ihm. Weil sein beschissenes Haus völlig leer war. Weil er allein war.

Angesichts all dieser Tatsachen beschloss er, auf ein Glas zu verzichten. Er nahm die Flasche und setzte sie an den Mund. Als ihm der Alkohol durch die Kehle lief, spürte er kaum noch ein Brennen.

Vielleicht würde er jetzt ein bisschen schlafen und ein paar Stunden lang alles vergessen können.

Den Wunsch nach Frieden hatte er schon vor Jahren aufgegeben. Jetzt begnügte er sich mit Vergessen.

Und dies war die schnellste Methode, es zu erreichen.

»Du solltest einfach einen Abfluss mitten im Haus installieren. Dann könntest du alles mit dem Wasserschlauch abspritzen und den ganzen Schmutz rausspülen. So wie draußen im Stall.«

»Was zum Teufel machst du hier, Liss?«

Felicity Foster dachte nicht daran, sich von dieser extrem unfreundlichen Begrüßung ihres besten Freunds einschüchtern zu lassen. Schließlich handelte es sich um Connor. Sie war es gewohnt, dass er nicht eben fröhlich wirkte. Sie war es auch gewohnt, ihn morgens als Alkoholleiche auf dem Sofa vorzufinden.

Natürlich wäre es schön gewesen, wenn das nicht ganz so oft passieren würde, aber es schien eher schlimmer zu werden.

Allerdings war das nicht seine Schuld. Es lag daran, dass seine Scheune abgebrannt war. Was den Verlust von Jessie betraf, hätte sich Connors Zustand vielleicht weiter gebessert, wenn der Brand nicht dazugekommen wäre. Der hatte Connor zwar nur ein Gebäude aus Holz und Ziegelsteinen gekostet, doch diese Scheune hatte seine Lebensgrundlage gebildet. Mit ihr war ein weiteres Stück seines Lebenstraums niedergebrannt. Es war einfach zu viel gewesen. Viel zu viel.

Wegen Connor war auch Liss nicht mehr gut auf das Leben zu sprechen. Wie viel sollte dieser eine Mensch denn noch ertragen?

»Und um deine liebreizende Frage zu beantworten, Connor«, sagte sie und näherte sich dem Sofa, »ich habe für dich eingekauft.«

Er setzte sich auf und verzog das Gesicht, als hätte er ein Stachelschwein verschluckt. »Eingekauft? Warum das denn?«

»Ich weiß, es ist ein Weilchen her, seit du mit richtigen Menschen Umgang hattest statt nur mit Kühen, deshalb sollte ich dich vielleicht daran erinnern, dass die zivilisierte Antwort ›Danke‹ gelautet hätte.«

Er schwang die Beine vom Sofa und rieb sich das Gesicht. Liss hätte jetzt gern etwas getan. Ihm tröstend die Hand auf den Rücken gelegt etwa. In Connors Gegenwart war sie solche Anwandlungen gewohnt. Sie kämpfte schon fast ihr ganzes Erwachsenenleben damit. Doch letztlich kam sie stets zu dem Schluss, dass es keine gute Idee wäre, ihn zu berühren. Deshalb blieb sie, wo sie war. Bot keinen Trost an, sondern hielt Abstand.

Denn so benahm man sich, wenn man einfach eine gute Freundin war. Auf jeden Fall trug es dazu bei, dass sie und Connor gute Freunde blieben.

»Danke«, sagte er barsch. »Aber warum zum Teufel bringst du mir Lebensmittel? Und warum kommst du heute früh vor der Arbeit damit?«

»Ich bringe dir Lebensmittel, weil kein Mensch von Alkohol allein leben kann. Und ich komme heute früh vorbei, weil ich gestern Abend zu müde war, um nach dem Einkaufen noch alles herzuschleppen. Deshalb bin ich jetzt hier. Aus Fürsorglichkeit und wegen der Frühstücksflocken.«

»Frühstücksflocken esse ich durchaus gern. Aber was die Fürsorge angeht, da habe ich gemischte Gefühle.« Leicht schwankend stand er auf. »Was die Schwerkraft angeht offenbar auch.«

»Ich staune ja, dass du überhaupt Appetit hast. Wie viel hast du getrunken?«

Er wich ihrem Blick aus und zuckte auf seine typische Art mit den...


Yates, Maisey
Mit dreiundzwanzig Jahren veröffentlichte Maisey Yates ihr erstes Buch. Seither schreibt sie mit großem Erfolg Liebesromane. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Oregon.

Mit dreiundzwanzig Jahren veröffentlichte Maisey Yates ihr erstes Buch. Seither schreibt sie mit großem Erfolg Liebesromane. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Oregon.



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