Yep Star Trek: Herr der Schatten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11462-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11462-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf dem Planeten Angira herrscht rohe Gewalt in einer mittelalterlichen Gesellschaft. Prinz Vikram kehrt nach seiner Ausbildung auf der Erde mit der Enterprise zurück, um seine Welt in eine moderne Gesellschaft zu überführen. Captain Kirk stellt ihm zwei seiner fähigsten Männer an die Seite: Hikaru Sulu und Mr. Spock. Doch als sie ihre Arbeit auf Angira beginnen wollen, bricht eine Revolte aus. Ohne Unterstützung durch die Enterprise, der die Erste Direktive einzugreifen verbietet, müssen Spock und Sulu um ihr Leben kämpfen ...
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Prolog
McCoy zupfte am Kragen seiner Galauniform. »Ich glaube, an diese lächerliche Aufmachung gewöhne ich mich nie, Jim. Warum überlassen wir es nicht einfach Mr. Spock, Prinz Vikram zu begrüßen? Unbequemlichkeit gehört zu den von ihm besonders geschätzten Tugenden. Soll er doch den ganzen Tag in einem solchen Ding herumlaufen.«
Der Vulkanier hob gelassen eine Braue. »Bequemlichkeit und Komfort haben nichts mit Diplomatie zu tun.«
»Du verlangst doch immer wieder von mir, auf mein Gewicht zu achten, Pille.« Captain Kirk strich das Uniformhemd über dem Bauch glatt. »Vielleicht solltest du deinen eigenen Rat beherzigen und ein paar Pfund abnehmen.«
»Ich bin doch nur hier, weil es die Szene so verlangt.« McCoy vollführte eine Geste, die den ganzen Transporterraum umfasste. »Ebenso gut könnte ich mich von einem Mannequin vertreten lassen.«
»Das sicher zu einer ähnlich intelligenten Konversation in der Lage wäre«, kommentierte Spock.
McCoy lehnte sich an die Wand. »Sagen Sie mir eins, Mr. Spock: Wenn Ihnen die gewöhnliche Unterhaltung von Menschen so sehr gegen den Strich geht, warum bitten Sie dann nicht um Versetzung an Bord eines Schiffes, dessen Besatzung nur aus Vulkaniern besteht? Eine derart exklusive Umgebung ermöglichte es Ihnen sicher, höchst interessante Gespräche zu führen.«
Spocks Gesicht blieb eine ausdruckslose Maske. »Ich bin zur einen Hälfte Mensch, Doktor.«
McCoy straffte seine Gestalt. »Ein Umstand, den Sie ausgezeichnet verbergen.« Plötzlich fiel ihm etwas ein, und er deutete mit dem Zeigefinger auf Spock. »Oder bleiben Sie hier, weil Sie sich selbst hassen?« Der Arzt breitete die Arme aus. »Stimmt das? Handelt es sich bei Ihrem Verhalten um eine spezielle Form der Selbstbestrafung?«
Kirk musterte McCoy und runzelte die Stirn. Manchmal war McCoys Spott in Hinsicht auf den Vulkanier nicht ohne einen gewissen Ernst. »Was spielt es für eine Rolle, solange wir den besten wissenschaftlichen Offizier in der ganzen Flotte haben?«
Der Arzt schlug sich mit der Faust auf die flache Hand. »Himmel, jedes intelligente Wesen hat ein Recht darauf, glücklich und zufrieden zu sein. Das steht sogar in der Grundsatzerklärung der marsianischen Kolonien. Aber der Aufenthalt bei uns bietet Spock wohl kaum Anlass zu großer Freude.«
Der Vulkanier starrte geistesabwesend ins Leere – was darauf hindeutete, dass er ein recht schwieriges Problem zu analysieren versuchte. »Darüber habe ich noch nie richtig nachgedacht.«
McCoy beobachtete ihn argwöhnisch, glaubte offenbar, dass sich Spock auf seine eigene Art und Weise über ihn lustig machte. Als der wissenschaftliche Offizier weiterhin schwieg, schüttelte er den Kopf. »All das Wissen in Ihrem Computergehirn – und Sie behaupten allen Ernstes, bisher noch keinen Gedanken an diese offensichtliche Frage verschwendet zu haben?«
Kirk zog an seinem Ärmel. »Philosophie interessiert mich im Augenblick weitaus weniger als Mode. Ich fürchte, im Vergleich mit Seiner Hoheit sind wir viel zu banal gekleidet. Wisst ihr, wie viele Koffer er vom Passagierschiff hierher beamen ließ? Meine Güte, mit den Sachen ließe sich die ganze Bevölkerung von Angira neu ausstatten.«
»Zumindest genügte das Gepäck, um ein zusätzliches Zimmer zu füllen«, warf Scott ein. »Ich leide noch immer an Rückenschmerzen, weil ich dabei geholfen habe, das Zeug zu schleppen.«
»Sie hätten einen Ihrer Mitarbeiter damit beauftragen können«, sagte Kirk.
Scott zuckte hilflos mit den Schultern. »Dauernd trafen neue Koffer und Kisten ein. Ich musste dafür sorgen, dass die Transferfelder frei blieben.«
»Ich untersuche Sie nach dem Empfang«, versprach McCoy. »Machen Sie sich keine Sorgen: Die Überstunden stelle ich Ihnen nicht in Rechnung.«
»Und in der Zwischenzeit, Doktor?« Scott presste sich die Hand auf den verlängerten Rücken.
»Genehmigen Sie sich zwei doppelte Scotch.« McCoy lächelte.
»Seien Sie froh, dass es nur normales Gepäck war«, wandte sich Spock an den Chefingenieur. »Als Sohn eines Alleinherrschers, der über einen ganzen Planeten regiert, frönt er sicher vielen außergewöhnlichen Launen. Stellen Sie sich einmal vor, er hätte eine Menagerie an Bord bringen lassen.«
»Herr im Himmel!«, entfuhr es McCoy alarmiert. »Mir kam gerade ein schrecklicher Gedanke. Wenn Prinz Vikram eine so umfangreiche Garderobe hat – erwartet er dann, dass wir uns jeden Abend für ihn in Schale werfen?«
Kirk betrachtete einen Teller mit sonderbar aussehenden Leckerbissen. Sie wirkten wie kandierte Miniaturbäume, doch in Wirklichkeit handelte es sich um exotische Krustentiere. »Die Föderation legt Wert darauf, dass es der Prinz während seiner Rückreise nach Angira so komfortabel wie möglich hat. Wenn das bedeutet, dass wir ständig unsere besten Sachen tragen müssen, bleibt uns nichts anderes übrig, als in den sprichwörtlichen sauren Apfel zu beißen.« Er griff nach einer der seltsam anmutenden Delikatessen, kostete sie, nahm eine zweite. »Kopf hoch, Pille. Wahrscheinlich bekommst du auf Jahre hinaus Gesprächsstoff und kannst später allen Leuten erzählen, wie du unseren Gast unterhalten hast.«
»Dann zeige ich auch die Narben von diesem blöden Kragen.«
»Wie wär's, wenn du dich selbst dienstuntauglich schreibst?«, meinte Kirk und bedeutete seinen Begleitern zu schweigen, als sich die Tür öffnete.
»Hallo, Leute.« Prinz Vikram, neunter Thronfolger Angiras, winkte lässig. Die Proportionen der Arme und des birnenförmigen Torsos entsprachen denen eines Menschen, doch die langen, muskulösen Beine beanspruchten den größten Teil der zweieinhalb Meter hohen Gestalt.
Auf den Gliedmaßen zeigte sich lichter, goldener Flaum, und im Gesicht bildeten die Haare hennafarbene Spitzen. Dadurch erweckten die mit Wimperntusche geschminkten Augen den Eindruck, als seien sie von einem orangebraunen Strahlenkranz umgeben. Der sich nach unten hin verjüngende Kopf endete in einem kantigen Kinn. Kirk musterte den Prinzen, verglich ihn mit einem recht leichtlebigen Lemur.
Er trug eine Weste aus schwarzem, an einigen Stellen abgewetztem Leder, und die bunt gemusterten Shorts zeigten Schmutzflecken und mehrere fransige Risse. Außerdem fehlte ihm ein Stiefel. »Bitte entschuldigen Sie meine Kleidung, aber ich komme gerade aus der Bar eines Linienschiffes, in der es recht ausgelassen zuging.«
Kirk hatte zwar schon erstaunlichere Aufmachungen gesehen, doch es überraschte ihn, dass der Prinz auf diese Weise an Bord kam. Er brauchte einige Sekunden, um sich von seiner Verblüffung zu erholen. »Wenn … sich Euer Hoheit nun ein wenig erfrischen möchte …«
»Unsinn. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, neue Erfahrungen zu sammeln, und bestimmten Versuchungen kann ich einfach nicht widerstehen.« Er bückte sich, trat durch die Tür und hielt direkt auf den Büfetttisch zu.
»Nehmen Sie einen Teller, Euer Hoheit.« Ein Angiraner in mittleren Jahren folgte dem Prinzen, hielt sich so steif und gerade wie ein Soldat. Im Gegensatz zu Vikram war er nicht geschminkt und trug einen schlichten roten Overall.
»Meine Hände sind groß genug, Bibil.« Der Prinz griff nach einigen Spezialitäten und deponierte sie auf der linken Handfläche.
Bibil nahm ihm die Hors d'œuvres ab und legte sie auf einen Teller. »Sie wollen doch nicht, dass uns diese Leute für Wilde halten, oder?«
Der Prinz zuckte so heftig zusammen, als habe er gerade einen Schlag erhalten. Offenbar erinnerten ihn Bibils Worte an eine alte Auseinandersetzung. »Im Vergleich mit ihnen sind wir Wilde.«
»Dennoch wissen wir, wie man mit Besteck und Geschirr umgeht.« Er drückte dem Prinzen den Teller in die Hand. »Beweisen Sie Ihre guten Manieren.«
Vikram leckte sich die Fingerspitzen und lächelte nachsichtig, wandte sich zu den Offizieren der Enterprise um. »Ich möchte Ihnen Bibil vorstellen – Diener, Kindermädchen und manchmal auch Aufpasser.«
»Und Trainer«, fügte Bibil hinzu. »Hoffentlich haben Sie Einrichtungen an Bord, die es dem Prinzen ermöglichen, seine Fechtkenntnisse aufzufrischen.« Er sah sich um, schien bereits mit dem Gedanken zu spielen, das Zimmer in eine Übungskammer zu verwandeln.
»Ja, man kann nie wissen, wen ich zu Hause beleidige.« Vikram schob sich einige Hors d'œuvres in den Mund und kaute genüsslich.
McCoy verschränkte die Arme und bedachte den Prinzen mit einem skeptischen Blick. »Nun, unser Steuermann Sulu kennt sich mit solchen Sachen aus.«
»Zumindest mit dem Florett«, sagte Sulu.
»Das genügt«, brummte Bibil. »Vikrams Reflexe lassen zu wünschen übrig, und der Umgang mit einem Stechdegen ist genau richtig, um Auge und Hand zu schulen.«
»Tja …« Kirk rieb sich die Hände. »Ich bin sicher, dass wir alles zu Ihrer Zufriedenheit vorbereiten können. Falls Sie besondere Waffen benötigen … Wir stellen sie nach Ihren Angaben her.« Er trat ebenfalls an den Büfetttisch heran und griff nach einem Teller. »Genügt das?«
Der Prinz sah kritisch auf die verschiedenen Speisen herab. »Ich persönlich zöge politisches Asyl vor.«
Kirk lächelte schief, wusste nicht genau, ob er Vikrams Antwort als Scherz interpretieren sollte. Der adlige Angiraner wirkte sehr ernst. »Ich dachte eigentlich, Euer Hoheit kehrt nach all den Jahren gern in die Heimat zurück.«
Der Prinz schüttelte bekümmert den Kopf. »Es ist keine Gnade, einen Jungen aus dem Gefängnis der Ignoranz zu befreien und ihn die Freuden des Paradieses zu lehren, um ihn anschließend wieder der Hölle auszuliefern.«
»Aber dadurch ergeben sich große Chancen für Sie.« Spock kam...




