E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Yoga / Yolo / Laika Stark war's!
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95971-109-8
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Unsere Mission in Deutschland - eine Parodie
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-95971-109-8
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bernd Pohlenz, (geb. 1956), Star Wars-Fan der ersten Stunde, lebt auf dem Wolkenplaneten Berlin. Als Cartoon-Künstler hat er über viele Jahre tagtäglich führende deutsche Zeitungen, Magazine und TV-Sender mit seinen satirischen Einfällen bedient - mit 'Momentaufnahmen und Reportagen aus einem offenbar komplett wahnsinnigen Alltag' (Der Spiegel). Dabei sorgte der Vater von sechs Kindern in der Medien-Szene 'mit seinem bissigen Humor für frischen Wind' (Stern). Als Dozent der Berliner Technischen Kunstschule hat er über Jahre hinweg Heerscharen junger Studenten in den Disziplinen Kreativitätstraining und Ideenfindung gecoacht und schließlich 2008 das inzwischen größte Cartoon-Portal der Welt, www.toonpool.com, gegründet, wo er 3.000 Künstlerinnen und Künstler aus mehr als 120 Nationen betreut. Bernd Pohlenz zeichnet als Autor und Ghostwriter für eine Vielzahl von Büchern verantwortlich. Er erzählt Geschichten, und die halten nur dann seinen strengen Ansprüchen stand, wenn sie dem Publikum den Zugang in eine Gegenwelt eröffnen: Einige seltsame Gestalten landen auf der Erde...
Autoren/Hrsg.
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Eintrag 069 – Dude Skytalker:
Ich sehe den Kerl auch. Er gibt sich ganz freundlich und gefällig gegenüber den bunt zusammengewürfelten Gästen aus den fernen Reichen, so wie ein Gutmensch. Er lacht sehr viel.
Aber verhält sich so ein Krieger? Natürlich, manchmal schon: So charmant treten nämlich Anwerber auf, die neue Rekruten für ein Heer einfangen wollen, Mitstreiter für einen großen Feldzug, für ein Himmelsfahrtkommando gar.
Die Heimleiterin macht uns klar, dass es sich um eine Art Berater handelt. Um uns seine Arbeit etwas genauer zu erklären, hält sie uns plötzlich einen Vortrag über die Sozialversicherungspflicht, über die Krankenversicherung und das Solidaritätsprinzip, über die Altersvorsorge, die Riester-Rente und vieles andere dieser Art.
Es bleibt uns alles komplett unverständlich.
Eintrag 070 – Commander Yolo:
Der Krieger mit dem Stoffschwert am Hals kommt plötzlich mit großen Schritten direkt auf mich zu. Er ist weiterhin übertrieben freundlich. Dennoch kann das bedeuten, dass er abgrundtief grausame Absichten hat. Und tatsächlich: Der Gegner geht sofort zum erbarmungslosen Angriff über, indem er einen kleinen schwarzen Koffer öffnet, einen Haufen Dokumente, einen arithmetischen Kleinkalkulator und einen Schreibstift hervorzieht und mich fragt: »Riestern Sie schon?«
Eintrag 071 – Prinzessin Laika:
Herr Kaiser heißt der Söldner der hiesigen Airgo-Streitkräfte, wie er uns mitteilt.
Der Elitekämpfer erzählt uns, er sei gerade von einer rauschenden Siegesfeier zurück, einer Orgie in den Katakomben der Erdsiedlung Budapest. Für seine ruhmreichen Triumphe habe man ihn und seine Kameraden dort großzügig mit willigen Konkubinen belohnt. Sein Heer scheint also überaus erfolgreich zu sein. Aber Themenwechsel: Auf jeden Fall mache einer der legendären Vorkämpfer, der sagenumwobene Anführer Riester nämlich, die Armen im späteren Greisenalter unermesslich reich – sofern sie nur frühzeitig einen guten Teil ihrer alltäglich erhaltenen Almosen an ihn, Herrn Kaiser, abtreten würden.
Was er verkauft, nennt er ein »Produkt«. Nicht nur fürs Alter könne man übrigens vorsorgen, sondern sich auch gegen alle möglichen Eventualitäten versichern.
Ich habe irgendwie ein mieses Gefühl, das könnte eine Falle sein. Ich frage ihn daher, ob man sich dagegen versichern kann, solche Produkte angeboten zu bekommen.
Ich sehe, wie Hun zum Cluster greift. Mit einem Blick gebe ich ihm zu verstehen, es bleiben zu lassen. Wir sollten besser keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen.
Eintrag 072 – Commander Yolo:
Ich gehe intuitiv zu einem überraschenden Gegenangriff über und frage den Krieger mit dem weißen Hemd und dem Schwertsymbol: »Riester-Rente? Das heißt also, dass ich exakt die gleiche Rente bekomme wie Herr Riester?«
Der Angreifer nickt lächelnd und beteuert: »Nicht ganz genau die gleiche, aber schon so in der Richtung.«
O.k., die Zahlen, die er in das für mich bestimmte Papier eingetragen hat, sehen auch wirklich verlockend aus.
»Bin dabei!«, sage ich und unterschreibe, indem mir Herr Kaiser seinen Stift zwischen die Finger klemmt und meine Hand mit sanftem Druck zu der Stelle schiebt, die er mit einem Kreuz markiert hat.
Er gratuliert mir.
Eintrag 073 – C-3GO:
Ich habe das Kleingedruckte neben den Zahlen des Erdkriegers, die er für Commander Yolo erstellt hat, rasch in der galaktischen Währung Credits nachgerechnet und teile ihm mit, was er unterschrieben hat.
Wenn der Commander in acht Jahren 13 400 Credits einzahlt, kann er 1800 Credits durch Anlage-Erträge hinzubekommen – und obendrauf noch den funklenden Riester-Schatz von 2000 Credits! Macht alles zusammen 17 200 Credits! Prima!
Ach du meine Güte: Ich stelle fest, dass von diesem Betrag allerdings 5000 Credits an die Airgo-Streitkräfte von Herrn Kaiser abzuführen sind, und es bleiben ihm nur noch 12 200 Credits. Ist es ein Skandal? Wenn Commander Yolo also 13 400 Credits beisteuert, hat er am Ende nur 12 200 Credits übrig! Das bedeutet: 1200 Credits haben sich dann ganz einfach verdünnisiert. Die Riester-Ritter bekommen 5000 Credits – und mein Herr einen herben Verlust! Was hat man eigentlich von solch einem »Vorsorge-Modell«?
Eintrag 074 – Commander Yolo:
3GO hat wohl recht. Ich bin nun ziemlich angeschlagen und schmerzhaft verletzt von der Attacke des Gegners.
Aber der scheint ehrenhaft zu sein, ein Soldat wie ich.
Er tritt nicht nach, während ich am Boden liege, sondern spendet mir Trost: Selbst wenn ich komplett ruiniert wäre, versucht er mich zu beruhigen, so würde mich der sagenhafte Schutzpatron Peter aus der IV. Hartz-Dynastie des hiesigen Reichs auf jeden Fall retten.
Eintrag 075 – Prinzessin Laika:
Na gut, was Hun da leichtfertig unterzeichnet hat, gilt wohl nur auf diesem Planeten. Der Kämpfer des Airgo-Heers hat außerdem einfach die Kontaktdaten des Begegnungscafés in die Papiere eingetragen und die Identität von Hun gar nicht näher geprüft. Kein Wunder, meint Sanny, der Typ sei nur scharf auf seine »Provision«.
Aber haben wir nicht gerade schon wieder ein Duell verloren? Ich bin ziemlich wütend, es reicht mir, ich will nur noch weg von diesem aggressiven, kriegerischen Planeten. Hun soll die neue Satellitenschüssel auf der fliegenden Flunder anbauen, vielleicht bekommen wir Kontakt zu unserer Heimatgalaxie.
Eintrag 076 – General Brando Caribbean:
Hun hat also eine schwere Niederlage erfahren in einem knallharten Kampf gegen einen unbarmherzigen Gegner. Mir wird allmählich klar, wie kriegerische Auseinandersetzungen ablaufen in diesem Reich. Sie kämpfen mit stapelweise Papier und Formularen, mit Vorschriften, Regeln und Verträgen, mit endlosen Klauseln und viel Kleingedrucktem – und mit Unterschriften.
Es sind gnadenlose Gemetzel, die in unerbittlicher Härte ausgefochten werden. Wir müssen uns auf völlig neue Waffen und Kampftechniken einstellen. Ein Riesenhaufen Geld ist im globalen Umlauf, eine fette Torte rotiert, umringt von den Menschen, von denen sich jeder einzelne hier das größte Stück aus ihr herausnagen will. Jeder aus der unendlich vielköpfigen Dynastie der Abbeißer versuch jedem Bruder, jeder Schwester ganz alltäglich das Geld aus der Tasche zu leiern.
Es ist der Urkampf der Welten, der um Nahrung und Besitz.
Und Besitz ist Macht.
Eintrag 077 – Prinzessin Laika:
Mein Bruder Dude nimmt uns beiseite und informiert uns alle über seinen hochinteressanten Erkenntnisgewinn. Eine Bombe ist hier auf dem Planeten deponiert.
Unsere Alternativen sind also:
- Wir nehmen Kontakt mit der Heimat auf, ob uns jemand abholen kann.
- Wir finden die Ersatzteile für die Centennium-Flunder und fliegen nach Hause.
- Wir finden, falls die anderen Möglichkeiten nicht klappen, schleunigst die versteckte Bombe und neutralisieren sie, damit wir (und die Erdbewohner) überleben können!
Eintrag 078 – General Brando Caribbean:
»Was passiert eigentlich, wenn wir nicht abgeholt werden und die Ersatzteile nicht finden – aber die Bombe deaktivieren können?«
»Dann müssten wir für immer hierbleiben!«, erfasst Laika sofort, worauf ich hinauswill.
Hierbleiben?
Ein fast undenkbarer Gedanke!
»Dann wären wir tatsächlich Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylanten zugleich, wie man die ganzen Kasten hier nennt!«, fällt Dude dazu ein. Und er ist sicherlich nicht der Einzige, der sich voll Schauder an die Sarrazinen und Pegiden erinnert, die sich über Leute wie uns so gar nicht freuen.
»Aber Sanny würde uns sofort in ihr Heim aufnehmen«, erinnert uns Laika.
Wäre das ein Trost für uns? Natürlich – eine kleine Oase. Aber wären wir da tatsächlich sicher?
Eintrag 079 – Prinzessin Laika:
Wir holen Smoothie von dem Hof hinter dem Nachbarschaftsheim ab. Der kleine Truppentransporter hat nach seinem Fahrtraining jetzt noch ein paar Beulen mehr als zuvor. Aber die immer entspannte Heimleiterin nimmt uns das nicht krumm. Sie bringt uns zu unserem Landeplatz im Wald zurück und macht gleich wieder kehrt, um weiter mit ihren Freunden zu brunchen.
Es dauert ein bisschen, aber mit einigen Tricks gelingt es Hun und Smoothie am Ende fast problemlos, die Satellitenschüssel von »OBI« auf der Flunder zu installieren.
Eintrag 080 – Commander Yolo:
Ich versuche, über die neue Schüssel Kontakt zu den uns bekannten galaktischen Frequenzen herzustellen, Smoothie hilft mir dabei.
Natürlich umringen die Freunde Smoothie und mich in höchster nervöser Anspannung. Leider werden die elektromagnetischen Wellenbereiche aber immer wieder von lauter Musik überlagert, wir müssen uns »Von hier bis unendlich« von einer Erdsängerin namens Helene Fischer anhören.
Gar nicht mal so schlecht, ich würde gern noch ein bisschen zuhören und mitsingen, wir haben aber nun mal weit Wichtigeres auf der Agenda.
Es kostet unendlich viel Feintuning, bis ich es endlich schaffe, den Notruf-Code 112 rauszujagen. Zwei Minuten können einem wie eine doppelte Ewigkeit vorkommen!
Wir brechen aber plötzlich alle in riesigen Jubel aus, als wir ganz leise ein uns sehr bekanntes Knistern hören. Und dann – zerhackt in winzige Wortfetzen – eine Stimme, es könnte die von Wayne Antibes sein.
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