E-Book, Deutsch, 184 Seiten
Zak Erinnert euch an mich. Über Nestor Machno
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96054-086-1
Verlag: Edition Nautilus GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Porträt des ukrainischen Anarchisten
E-Book, Deutsch, 184 Seiten
ISBN: 978-3-96054-086-1
Verlag: Edition Nautilus GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mark Zak, Schauspieler und Autor, wurde 1959 in Lwiw (Lemberg) geboren, wuchs in Odessa auf und kam 1974 mit seiner Familie aus der UdSSR nach Westdeutschland. Er lebt heute in Köln. 2013 erschien sein Krimi 'Glaube Liebe Mafia', der im selben Jahr als Hörspiel im WDR gesendet wurde. 2017 schrieb er für den Deutschlandfunk das Feature 'Erinnert euch an mich. Machno und seine anarchistische Armee', aus dem dieses Buch entstand. Bini Adamczak lebt in Berlin und arbeitet als Autorin und Künstlerin zu politischer Theorie, queerfeministischer Politik und der vergangenen Zukunft von Revolutionen. Zuletzt erschien von ihr 'Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende' (Berlin 2017) und 'Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom womöglichen Gelingen der Russischen Revolution' (Münster 2017).
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1904–1910
Das war Anfang 1904. Ich arbeitete beim Kerner-Werk und war dort Mitglied in der Laientheatergruppe. Eines Tages kommt Nestor Machno zu mir und bittet darum, ihn als Schauspieler aufzunehmen. Na, was soll man da noch überlegen? Wenn schon das Publikum belustigen, dann richtig! Der ist wie ein Däumling, reicht mir gerade bis zum Gürtel. Wir haben ihn aufgenommen. Die ganze Laienspielgruppe wurde Teil der (anarchokommunistischen, A.d.Hg.) Organisation, mit ihr zusammen kam auch Nestor Machno zu uns.
Machno war ein geborener Rebell, der sich früh gegen die »Tyrannei der Umstände« aufbäumte, unter denen er zu leben gezwungen war. Doch erst nach dem Ausbruch der Revolution von 1905 bekam er erste Fühlung mit der äußeren Welt und schloss sich als Siebzehnjähriger den kommunistischen Anarchisten an. Von Natur aus wagemutig bis zur Verwegenheit, beteiligte er sich an einer ganzen Reihe revolutionärer und gefahrvoller Unternehmungen, bis er 1908 der zaristischen Polizei in die Hände fiel.
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Wir, die Erwachsenen, wenn wir nicht verrückt sind, könnten eigentlich verstehen, warum das Volk hungert. Der Hunger kommt – und das weiß jeder Bauer:
1) vom Landmangel, daher dass die Hälfte des Grund und Bodens den Großgrundbesitzern und den Kaufleuten gehört, die mit Land und mit Brot handeln
2) von den Fabriken mit jenen Gesetzen, bei denen der Kapitalist geschützt wird, aber der Arbeiter nicht
3) vom Wodka, der dem Staat die größten Einnahmen beschert und dem Volk seit Jahrhunderten angewöhnt worden ist
4) von der Wehrpflicht, die die besten Leute im besten Alter wegnimmt
5) von den Beamten, die das Volk unterdrücken
6) von den Abgaben
7) von der Unwissenheit, die von den staatlichen und kirchlichen Schulen bewusst aufrechterhalten wird.
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Mit jedem Jahr wird die russische Armee, was die körperliche Verfassung betrifft, immer unfähiger und kränker. Es ist schwer, von drei Burschen einen auszusuchen, der diensttauglich wäre. Die schlechte Ernährung im Dorf, das Wanderleben als Lohnarbeiter, frühzeitige Eheschließungen, die eine harte Arbeit fast noch im Jünglingsalter abverlangen – das sind die Gründe für die physische Erschöpfung. Rund 40 % der Rekruten haben beim Militärdienst zum ersten Mal in ihrem Leben Fleisch gegessen.
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Das Ziel der Regierung ist klar definiert: die Regierung möchte den bäuerlichen Landbesitz aufbauen. Sie möchte einen reichen, wohlhabenden Bauern, denn da, wo Wohlstand ist, ist auch Bildung und wahre Freiheit.
Um unser Zarenreich basierend auf seinen festen monarchistischen Grundsätzen umzugestalten, brauchen wir dringend einen starken Privateigentümer, der die Entwicklung der revolutionären Bewegung verhindern wird.
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Das Jahr 1905 brach an, mit Massenaufständen im ganzen Land. Zum ersten Mal in meinem Leben begann ich, verbotene politische Untergrund-Literatur zu lesen. Während der ersten Monate des Jahres, als die aufständische Bewegung auf dem Höhepunkt war, geriet ich unter den Einfluss der Sozialdemokraten. Ihre sozialistische Phraseologie, ihre vorgetäuschte revolutionäre Leidenschaft verführten und täuschten mich. Ohne jegliche Furcht verteilte ich große Mengen sozialdemokratischer Flugblätter, die zum Kampf gegen den Zaren und zur Errichtung einer Republik aufriefen.
Anfang 1906 lernte ich zufällig eine kleine...




