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E-Book, Deutsch, 198 Seiten
Zeckendorf Der Mann mit der Pranke
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-3732-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bereicherte Ausgabe. Thriller
E-Book, Deutsch, 198 Seiten
ISBN: 978-80-272-3732-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In 'Der Mann mit der Pranke' von Fritz Zeckendorf, wird die Geschichte von einem mysteriösen Mann erzählt, der sich in einer kleinen Stadt niederlässt und die Bewohner mit seinem außergewöhnlichen Talent fasziniert. Der Autor verwendet einen eleganten und beschreibenden Stil, der es dem Leser ermöglicht, in die Welt des Protagonisten einzutauchen und seine Gedanken und Handlungen zu verstehen. Mit subtilen Andeutungen und überraschenden Wendungen schafft Zeckendorf eine fesselnde Atmosphäre, die den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. Das Buch lässt sich in den Bereich der modernen Literatur einordnen und zeigt Zeckendorfs Talent, komplexe Charaktere und Handlungsstränge zu entwickeln. Fritz Zeckendorf, ein bekannter Schriftsteller mit einem Hintergrund in der Psychologie, interessiert sich für die menschliche Natur und die unergründlichen Abgründe der Psyche. Seine tiefe Beobachtungsgabe und sein einfühlsamer Schreibstil ermöglichen es ihm, fesselnde Geschichten zu kreieren, die den Leser zum Nachdenken anregen und emotional berühren. 'Der Mann mit der Pranke' spiegelt Zeckendorfs Interesse an der Darstellung der menschlichen Seele und seiner Fähigkeit wider, komplexe Charaktere und emotionale Konflikte auf eindringliche Weise darzustellen. Für Leser, die von raffinierten Erzählungen und psychologisch tiefgründigen Charakterstudien fasziniert sind, ist 'Der Mann mit der Pranke' von Fritz Zeckendorf ein absolutes Muss. Mit seiner meisterhaften Erzählkunst und seinem tiefen Verständnis für die menschliche Natur entführt uns der Autor in eine Welt voller Geheimnisse und unerwarteter Enthüllungen, die noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben.
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Die Ehe der Krönings war eine Liebesheirat gewesen. Zumindest von Lenas Seite. Sie hatte um Mann und Ehe gekämpft, Opfer über Opfer gebracht, ihr bescheidenes Vermögen hingegeben, die Jahre ihrer umworbenen Jugend bedenkenlos hinstreichen lassen und nahm jetzt alle Sorgen, Enge der Verhältnisse und Launen des erfolglosen Mannes ohne Klage auf sich. Auch ohne viel Nachdenken eigentlich. So selbstverständlich war es, daß man alles gemeinsam trug, Leid und Freud teilte, daß es ihr nie beifiel, zu vergleichen, Schuld des Mannes zu suchen oder sich im felsenfesten Vertrauen, daß er ja doch tüchtig sei und es allmählich schon schaffen werde, beirren zu lassen.
Auch bei Hugo war es durchaus Liebe, die ihn diese Verbindung hatte eingehen lassen. Nur mischte sich in dieses Gefühl bei ihm noch Dankbarkeit, die bei selbstloseren Naturen der festeste Kitt ist. Aber Selbstlosigkeit war nicht die stärkste Seite seines Wesens. Von Kindesbeinen verzärtelt, als junger Mann von den Frauen verwöhnt, wurde in ihm eine natürliche Anlage zur Selbstsucht großgezogen, die seine Dankbarkeit, uneingestanden zwar, doch immerhin als Last empfinden ließ. Als junger Anwalt, gut aussehend, gesellschaftlich begabt – man hätte Chancen, wenn man frei wäre – es gab so viel reiche Mädchen – aber selbstverständlich – Ehrenpflicht – natürlich auch Liebe – immerhin – nicht jeder heiratet gleich deshalb. Nie wurde derartiges ausgesprochen. War vielleicht auch nur undeutlich gefühlt, aber ein so empfindsames Instrument, wie Lena es war, reagierte auf die leiseste Schwingung. Es fehlte jetzt zuweilen ihrer Verknüpftheit jene vollkommene Sicherheit, die für eine Frau ihres Schlages das festeste Band war. Sie tröstete sich, wenn erst die Verhältnisse besser würden, Hugo richtig zu tun bekäme. Doch dieser Trost war nicht ganz echt. Tiefer, unter der Decke des Bewußtseins, regten sich dunkle Flügel der Angst, daß er ihr dann noch eher entgleiten könnte. Es gab Frauen, die seinen weltmännischen Neigungen, seinem Bedürfnis nach gesellschaftlicher Geltung mehr entsprechen mochten. Susis, die ein großes Haus machen konnten, Gesellschaften geben, denen das alles im Blut lag. Nicht Eifersucht war das, sondern eine leise, wie von einem fernen Beben hervorgerufene Unruhe, jene nicht faßbare Mißstimmung, die aus nichts und wegen nichts entsteht. Die der Tod der zärtlichen Innigkeit ist und das Herz einer Frau leichter fremdem Einfluß öffnet.
Und dieser Einfluß ging von dem merkwürdigen Mann aus, von dem Mann mit der Pranke, wie sie ihn in Gedanken nannte, und der tagelang wie ein Schreckbild durch ihre Gedanken huschte.
Der Mann mit der Pranke war eines Tages wieder da. Nach knapp einer Woche. Lena verließ gerade ein Geschäft, in dem sie Einkäufe besorgt hatte, da stand er auf der anderen Straßenseite, breit, dunkel, den runden, steifen Hut auf dem mächtigen Kopf und wartete. Lena zuckte zusammen, als sie seiner ansichtig wurde. Wegrennen, dachte sie und blieb wie angewurzelt stehen. Der Mann grüßte höflich, sie erwiderte den Gruß nicht. Nach Hause rennen! Nein, dann erfuhr er ihre Adresse und konnte ihr zu jeder Stunde auflauern. Aber wenn er jetzt herüberkommt und sie anspricht! Sie begann wieder zu laufen, die Straßen kreuz und quer, ganz sinnlos denselben Weg wieder zurückgehend oder unvermutet die Richtung ändernd, auch plötzlich an irgendeiner Ecke stehenbleibend. Er folgte unentwegt, blieb indes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Blieb sie stehen, blieb er auch stehen. Manchmal hatte es den Anschein, als wollte er herüberkommen. Jetzt, jetzt! Lena schlug das Herz bis zum Hals hinauf. Er besann sich, und kam doch nicht. Machte keinen Versuch, sich ihr zu nähern. Hatte er Angst? Was bezweckte er? Eine gute Viertelstunde, die Stunden zu währen schien, ging die Jagd durch die Straßen. Dann war der Verfolger plötzlich verschwunden. Wie vom Erdboden weggewischt. Wird ihm vielleicht zu dumm oder zu langweilig geworden sein. Um so besser. Lena atmete auf. War doch eine Dummheit gewesen, sich so zu fürchten.
Zwei Tage später traf sie ihn wieder. Sie hatte in der Motzstraße bei Möllenhoffs einen kurzen Besuch gemacht, weil Susi krank zu Bett lag. Wie sie in der Dämmerung aus dem Haus trat, erkannte sie den breitschultrigen, eckigen Umriß des Verfolgers ein Haus weiter vor einem Schaufenster. Als ob er auf sie gewartet hätte. Lena rannte auf die andere Seite. Ein Autobus hielt gerade, sie sprang hinauf, obwohl er in die entgegengesetzte Richtung fuhr, als sie sie nehmen mußte. Sie warf einen Blick zurück. Ob er sie überhaupt beachtet hatte?
Der Mann stand still, sah dem davonfahrenden Wagen nach und zog den Hut. Also hatte er sie doch bemerkt. War das Zufall? Natürlich. Nichts als Zufall. Das geschah einem in Berlin fortwährend, daß man jemandem monatelang nicht begegnete und dann an einem Tage dreimal. Weshalb sollte der Mann in der Motzstraße nicht etwas zu tun gehabt haben? Das war doch nicht so etwas Ungewöhnliches. Ob er sich jetzt einen Wagen nimmt und nachfährt? Lena spähte in jedes Auto, das hinter dem Autobus kam, suchte mit den Augen nach dem großen, schwarzen Auto, das genau so düster aussah wie sein Herr.
Von jetzt ab wiederholte sich auf sonderbare Weise immer das gleiche Spiel. Jeden zweiten Tag, zuweilen auch mehrere Tage hintereinander, tauchte unerwartet und überraschend die massige Gestalt des geheimnisvollen Fremden auf, immer an einer anderen Stelle. Einmal bei einem Spaziergang, den Lena irgendwo im Tiergarten oder im Grunewald unternahm, einmal mitten in ihren Besorgungen, geduldig wartend, bis sie das Geschäft verließ, ein andermal vor einem Theater, das sie mit Bekannten besuchte. Der Mann ließ kein Auge von ihr, folgte ihr in gemessener Entfernung und grüßte unauffällig bei geeigneter Gelegenheit, ohne je wieder den Versuch einer Annäherung zu wiederholen. Verschwand wieder ebenso plötzlich, wie er erschienen war. Anfangs glaubte noch Lena an die Zufälligkeit dieser Begegnungen und ihre Angst schwand. Es schien doch alles harmlos. Vielleicht gefiel sie diesem finsteren Menschen, dessen Gesicht nie von einem Lächeln, nie von einem verbindlichen Ausdruck erhellt und verschönt wurde. Ein wenig schmeichelte ihr sogar die Hartnäckigkeit dieses stummen, fernen Verehrers, dessen Gruß sie nie erwiderte und dem sie nie einen Blick der Aufmunterung schenkte. Aber nach dem vierten, fünften, sechsten Male setzte sich in ihr die Überzeugung fest, daß ihm aus irgendwelchen verborgenen Quellen Nachrichten über ihr Tun und Lassen zufließen mußten. Es fiel ihr auf, daß sie ihn niemals traf, wenn sie sich in Begleitung Hugos befand, und daß sie ihn niemals in ihrer Straße oder vor ihrem Hause erblickte. Die Angst kehrte wieder. Sie fühlte sich beobachtet. Aber wo waren die Augen, die jeden ihrer Schritte überwachten? Sie begann ohne jeden Grund mehrmals am Tage zum Fenster zu rennen und hinter den Fenstern die Straße mit ihren Augen auf und ab zu streifen. Wenn sie das Haus verließ, sah sie sich jedesmal sorgfältig um, ob nicht irgend jemand da sei, um sich an ihre Fersen zu heften. Mitten in jedem Gang, den sie unternahm, blieb sie hin und wieder stehen, und achtete scharf auf die Vorübergehenden, ob nicht ein auffallendes Gesicht dazwischen sei. Kriminalromane fielen ihr ein, in denen Detektive oder Verbrecher in immer wechselnden Masken und Verkleidungen hinter ihrem Opfer her waren. Drohte ihr eine Gefahr? Bei ihr war nichts zu rauben. Entführung? Kinder, junge Mädchen wurden manchmal entführt. Das las man in der Zeitung. Aber eine Frau von siebenundzwanzig Jahren – –
Man muß es Hugo sagen. Er lachte nur.
»Gar nichts, Kind. Der Mann wird hier irgendwo in der Nähe wohnen. So etwas passiert jedem Menschen, jeden Tag. Man achtet nur nicht darauf. Wenn du übrigens den Kerl wieder triffst und Angst hast, daß er dich belästigt, läßt du ihn einfach vom nächsten Schutzmann feststellen. Dann wird das große Geheimnis gleich gelöst sein. Erledigt.«
Der Mann belästigt doch gar nicht. Was tut er eigentlich? Gar nichts. Er geht auf der anderen Seite der Straße in derselben Richtung wie sie.
Ein einziges Mal geschah es, daß Hugo dabei war, als sie die unverkennbaren, breiten Schultern wieder im Gewühl der Straße auftauchen sah. Sie preßte krampfhaft die Finger in Hugos Arm.
»Da – da ist er.«
Hugo wandte sich blitzschnell um.
»Wo?«
»Da, da! Dort hinten – jetzt –«
»Wo denn?«
»Er ist fort.«
War er überhaupt dagewesen? Oder litt sie schon an Wahnvorstellungen.
Und das Sonderbare war, daß ihre Angst ganz anderer Art war, als man sie vor einem Verbrecher empfindet. Ihr Instinkt sagte ihr, daß nur die Bewunderung dieses Mannes, die magische Anziehung, die sie aus irgendeinem Grunde auf ihn ausübte, ihn auf ihre Spuren hetzte. Wie man etwas, das man nicht sehen will, immer wieder wie unter einem Zwang betrachten muß, so suchte sie bald schon ihren Verfolger, wenn sie vermeinte, ihm begegnen zu müssen. Und wenn ihn eine Reihe von Tagen nicht über ihren Weg führte, so erfüllte es sie mit etwas wie Enttäuschung. Die Gefahr, von der sie sich umschwebt glaubte, begann ihren unerklärlichen Zauber zu üben. Zu Hugo sprach sie nie wieder über den Menschen. Dieses Abenteuer wurde ihr Geheimnis. Und sie mußte sich eingestehen, daß sie zuweilen neugierig war und um ihr Leben gern gewußt hätte, wer und wie dieser Mann war. Nur nicht so im Dunkeln tappen. Etwas erfahren durch ihn oder durch andere, dann hätte man Ruhe gehabt. So häßlich und furchterregend sie ihn fand, spielte sie in Gedanken mit der Vorstellung, seine Bekanntschaft zu machen. Sie...




