Zeichner | Auf dunklen Schleichpfaden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Zeichner Auf dunklen Schleichpfaden

Ein Katzenkrimi
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-5802-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Katzenkrimi

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-7583-5802-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei junge Katzen aus Kater Robins Wohnhaus verschwinden. Robin und sein tierisches Team ermitteln: Immer wieder tauchen Haustiere in der Gegend um Butzbach nicht wieder auf. Welches Schicksal hat sie ereilt? Und wie hängt der gewaltsame Tod eines Tierschützers damit zusammen?

Petra Zeichner arbeitet als Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau. "Auf dunklen Schleichpfaden" ist ihr dritter Katzenkrimi. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Kater lebt sie im hessischen Butzbach in der Wetterau.
Zeichner Auf dunklen Schleichpfaden jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Er hieb die Krallen in das Gitter. Knurrte und fauchte.

Doch lange hielt seine verbliebene Kraft nicht vor. Er rollte sich in dem Käfig zusammen, ließ die Ohren permanent in alle Richtungen wandern, schloss die Augen, blieb wach. Streuner, du Alleskönner, dachte er. Das hast du davon. Was musstest du dir selbst beweisen? Dass du genauso weite Strecken zurücklegen kannst wie die anderen Kater, die vier gesunde Läufe haben? Oder wolltest du Sheila zeigen, dass du deinem Beinamen „Weitgereister“ nach wie vor gerecht wirst?

Bei dem Gedanken an die Britisch Kurzhaar hörte er auf, die Zähne zusammenzubeißen. Was hätte er ihr alles gerne erzählt! Dass er, der hagere Schwarz-Weiße, entlang des Flüsschens marschiert war, von einem Dorf zum nächsten. Dass er es sogar einmal, nein zweimal durchschwommen hatte. Nicht erzählt hätte er ihr, dass er einer Spur gefolgt war, und zwar der einer Katze. Und diese Spur hatte geradewegs in den Ort hineingeführt. Aber da es Nacht war, wagte er es. Die Fährte verlor sich in einem Hinterhof. Er streckte sich für kurze Zeit in einer dunklen Ecke des Hofes aus, zwischen einem Holzstapel und einer Stallwand. Obwohl er sich selbst mahnte, wachsam zu sein, schlief er ein. Als er aufgewacht war, waren da diese behandschuhten Hände gewesen, die ihn gepackt hatten.

Der Käfig mit ihm darin ruckelte hin und her, dann hielt das Auto an. Türen öffneten sich, die Heckklappe ebenfalls. Zwei Menschen standen draußen in der Nacht. Außerdem sah Streuner durch die Stäbe seines Gefängnisses ein großes Tor, ebenfalls Gitter, es schloss sich ein hoher Maschendrahtzaun an, dessen weiterer Verlauf sich seinem Blick entzog. Er lag bewegungslos. Wartete auf eine Chance, zu entkommen. So viel hatte er erlebt und gemeistert, das war zu schaffen.

„Wo genau haben Sie ihn gefunden?“, fragte eine Frau.

„Ich habe ihn irgendwo bei Steinfurth gesehen. Er humpelte über die Straße und sah mitgenommen aus, deshalb bin ich schnell nach Hause, habe unseren Katzenkorb und Handschuhe geholt, bin zurück. Ich dachte, er ist verletzt und ich bringe ihn besser ins Tierheim.“

Der zweite Mensch, ebenfalls eine Sie, griff nach dem Katzenkorb. Streuner fuhr seine Krallen aus, blieb ansonsten bewegungslos. Er schwebte aus dem Kofferraum hinunter auf den Boden.

„Mutig von Ihnen. Immerhin hätte er Sie verletzen können, trotz der Handschuhe.“ Frau Nummer eins beugte sich zu ihm herab.

„Ich dachte, er braucht Hilfe.“

Nie würde er die Menschen verstehen. Wieso sperrten sie ihn ein, wenn sie ihm helfen wollten? Sein Fauchen erstarb in der Kehle. Halt. Noch nicht. Warte auf den passenden Moment.

Die Häscherin verabschiedete sich. Er wurde einem flachen Gebäude entgegengetragen. Das Licht einer Lampe daran erhellte den Weg. Beiderseits von diesem war es umso dunkler. Eine Tür wurde geöffnet, Wände zogen an ihm vorbei, ein Raum, ein Gang, eine zweite Tür. Schon nach dem Öffnen der ersten Tür hatte Streuner ein Gemisch verschiedenster Kater und Katzen gerochen. Was hier durch seine Nase quoll, verwirrte ihn.

Ein Ruckeln. Die Gitterstäbe verschwanden aus seinem Sichtfeld, als die Käfigtür aufschwang. Er presste sich an den Boden. Als nichts passierte, lugte er aus der kleinen Öffnung. Ein Stückchen entfernt stand die Frau und beobachtete ihn.

„Der ganze Raum für dich, mein Freund. Du hast Glück, dass wir nicht ausgelastet sind. Sonst müsste ich dich in einen Quarantäne-Käfig stecken.“

„Komische Vorstellung von Glück“, knurrte Streuner beinahe, besann sich und miaute stattdessen. Natürlich verstanden weder diese Frau noch andere Menschen die Sprache der Tiere. Andersherum konnten er und seine Artgenossen den menschlichen Worten sehr wohl einen Sinn geben. Kein Wunder, die Zweibeiner nahmen ihn und seinesgleichen einfach nicht ernst. Dieser Gedanke beförderte einen erneuten Knurr-Impuls empor, doch war es jetzt wichtig, die Frau versöhnlich zu stimmen. Damit er den Plan, den er seit seiner Gefangennahme hegte, würde umsetzen können. Erneut miaute er.

Die Frau lächelte ihn an.

„Siehst du, geht doch.“

Er brachte sogar ein Schnurren heraus. Wenn es dem Zweck diente ...

Seine Aufpasserin postierte sich in der Nähe der Tür und widmete sich ihrem Handy. Da Streuner keine weiteren Lebewesen wahrnahm, wagte er sich hinaus, zumindest zur Hälfte. Zusammengekauert auf der Schwelle zwischen kleinem und großem Gefängnis, betrachtete er sich mit bebenden Schnurrhaaren Letzteres genau. Die Regale an den Wänden, auf denen ausgefranste Handtücher und verblichene Kissen lagen, den Fußboden mit den kalten Fliesen, die zerkratzten Plastikmäuse darauf. Als ob er sich mit solchem lächerlichen Spielzeug abgeben würde.

Zwischen den Geruch nach anderen Katzen mischte sich der von Trockenfutter und Sisal. Bilder blitzten in seinem Kopf auf. So rochen die Stämme von Kratzbäumen. Wieder versuchte er, sich dahinter zu verstecken, wie als sechs Monate alter Welpe, damals im Butzbacher Tierheim. Sein Bruder war bei der Geburt gestorben, und wenn Robin nicht gewesen wäre, wäre es ihm genauso ergangen. Einige der Katzen dort drangsalierten ihn, ließen ihn nicht fressen. Doch wenn Robin, der große grau-schwarz Getigerte mit dem weißen Bauch auftrat, wagte sich keine mehr an ihn, den schmächtigen Schwarz-Weißen, heran. Dass er damals aus dem Heim geflohen war, ohne seinem Ersatzvater zuvor davon zu berichten, hatte er sich lange nicht verziehen. Doch es war notwendig gewesen.

Es klingelte. Streuner legte die Ohren an, verharrte auf der Stelle, schob die Bilder von früher zur Seite. Obacht.

Offenbar würde die Polizei gleich einen großen, sich wild gebärdenden Hund bringen, worüber die Tierpflegerin nicht erfreut war. Mitten in der Nacht, sie sei alleine, sie müsse einen Mitarbeiter aus dem Bett klingeln.

Während sie das Gespräch beendete und jemand anderen anrief, näherte sie sich der Tür des Katzenraums. Streuner spannte die Muskeln an. Trat mit den Hinterbeinen auf der Stelle. Knurrte, weil ein stechender Schmerz in seinen linken Hinterlauf fuhr. Die alte Verletzung machte sich bemerkbar. Dort, wo ihn einst ein Auto angefahren hatte.

Die Tür öffnete sich einen Spalt, die Frau schob sich dazwischen. Er schoss aus dem Korb hervor, war mit wenigen Sätzen bei ihr, sie schob ihn mit dem Bein zurück, er biss zu, sie schrie, und er war draußen.

„Verflucht!“, hörte er sie rufen.

Er flitzte durch den Gang in den Vorraum. Die Tür war geschlossen. Seine Verfolgerin nahte. Er stürzte unter ein Sofa, das dort stand. Zerrissener Stoff hing von der Unterseite herunter, zwischen diesem und dem Möbelstück war Platz. Reichte das aus? Er krabbelte hinein und erstarrte.

„Gut, dass du Zeit hast“, hörte er ihre Stimme.

Es klingelte.

„Heute kommt alles zusammen“, schimpfte die Frau.

Schritte, dann fiel die Außentür ins Schloss.

Streuner verharrte. Erst als er von draußen das Tor hörte, das geöffnet wurde und Motorengeräusch, das näher kam, zwängte er sich wieder hervor. Er wischte sich mit der Pfote Staubflusen von der Nase und sprang auf den Fenstersims. Durch das Gitter vor der Scheibe sah er einen Polizeiwagen auf den Hof fahren.

Lautes Gebell drang zu ihm herein. Es tönte nicht nur vom Polizeiauto her, sondern auch aus anderen Teilen der Außenanlage. Die Hunde aus den Gehegen, die Streuner schon auf seinem luftigen Herweg genervt hatten, stimmten ein.

Das war die Chance. Er rannte zur Außentür und visierte die Türklinke an. Es musste sein. Zuerst auf den Tisch vor dem Sofa, von dort auf das niedrigste Regal an der Wand. Mit zusammengepressten Zähnen hopste er die Stufen bis auf das höchste hinauf und schaute hinunter. Ziemlich weit oben. Oder tief unten, wie man es nahm.

Mit allen vier Pfoten voran landete er auf der Klinke, rutschte mit den Hinterbeinen ab, klammerte sich mit den Vorderpfoten fest und glitt unaufhaltsam von dem kalten Metallgriff. Da klickte es.

Ob des Schmerzes, der ihn in den linken Hinterlauf fuhr, als er auf dem Fußboden auftraf, jaulte er. Doch die Anstrengung hatte sich gelohnt. Die Tür war angelehnt. Mit der Pfote angelte er so lange in den Spalt hinein, bis der breit genug für seinen Kopf war. Geschafft! Er huschte hinter den nächstbesten Busch auf einer Wiese zwischen den Gehegen. Schnaufte. Hörte von der Einfahrt her Stimmen und Gebell.

Nach einer Weile setzte er sich wieder in Bewegung, diesmal mit dem eigentümlich schaukelnden Gang, den er sich angewöhnt hatte, um sein Hinterbein zu schonen. Über die Monate hatte er ihn optimiert, sodass er in seinem Wiegeschritt flott vorankam.

Und so erreichte er die äußere Umgrenzung des Tierheims. Ein hoher Maschendrahtzaun. Dahinter Felder, die sich im Dunkel der Nacht verloren. Er schaute nach oben. Und wusste, dass das hier aussichtslos war. Da hinauf würde er es nicht mehr schaffen. Eine Weile folgte er dem Zaun, hielt immer...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.