Ziegler | Berenike – Liebe schenkt Freiheit | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Liebe im Alten Rom

Ziegler Berenike – Liebe schenkt Freiheit


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7751-7438-1
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Liebe im Alten Rom

ISBN: 978-3-7751-7438-1
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rom 92 n. Chr. - Nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters wird die junge Berenike als Sklavin nach Rom verschleppt. Sie landet im Haushalt des gefühlskalten Prätors Marcus Dequinius und soll sich um seinen Sohn Claudius kümmern. Berenike erkennt schnell, dass Marcus hinter seiner kalten Fassade nur die Angst vor Kontrollverlust verbirgt. Sie verliebt sich in den Witwer. Als er jedoch in gefährliche Machtkämpfe verwickelt wird, muss Berenike die wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Wird die beginnende Christenverfolgung alles verändern?

Renate Ziegler, Jahrgang 1965, arbeitet als Pfarramtssekretärin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Mann Frank in Rottenburg am Neckar. Schon seit früher Jugend ist sie fasziniert von Kultur, Leben und Geschichte des Römischen Reiches.
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3. Marcus Dequinius


Es war noch sehr früh am Morgen. Die Sonne war gerade erst aufgegangen. Der Prätor Marcus Dequinius war in Begleitung zweier Sklaven auf dem Weg zum Forum Romanum, dem wichtigsten Platz Roms. Hier war die Kurie, der Sitz des Senats. Hier waren die Tempel für die wichtigsten Götter. Hier wurden sie verehrt. Hier wurde ihnen geopfert. Und hier war der Platz, auf dem die Senatoren ihre Reden an das Volk hielten, auf dem diskutiert und debattiert und öffentliche Wahlen abgehalten wurden.

Hier stand auch das Gerichtsgebäude, aber heute wurde der Prätor in der Kurie erwartet. Marcus war schlecht gelaunt. Es war das elfte Jahr der Regierung des Domitian, der Senat verlor immer mehr von seiner Macht. Der Weg in die Kurie war daher ohne Bedeutung, das Erscheinen des Prätors dort diente hauptsächlich dazu, den Schein zu wahren. Aber als einer der obersten Richter Roms hatte er keine Wahl.

Es ärgerte ihn, dass er den Senat brauchte, denn dieser unterstützte seine Ernennung zum Prätor. Auch wenn der Kaiser letztendlich bestimmte, wer dieses Amt bekam, und dem Senat ungern Zugeständnisse machte, so hatte er doch nichts in der Hand, um Marcus dieses Amt zu verweigern. Der Prätor wusste, dass Domitian nach Gründen suchte, um ihn loszuwerden, aber er vermied alles, was ihn angreifbar machen konnte. Sein Ansehen in den vornehmsten Kreisen und bei den einfachen Bürgern Roms war hoch. Man fürchtete ihn, da er die Menschen durchschaute, aber man schätzte ihn auch, denn er war von großem Wissen in Recht und Tradition, unbestechlich und zuverlässig.

Der Weg zum Forum Romanum führte durch die Straßen und Gassen der Stadt. Marcus Dequinius und seine beiden Sklaven kamen zu einem der Marktplätze, auf denen die Händler und Handwerker ihre Waren lautstark anpriesen. Sklaven drängten an ihm vorbei, ebneten den Weg für ihre Herren, andere feilschten mit den Bäckern und Gemüsehändlern um die Preise. Lärm und Geschrei bestimmten das Bild des Platzes.

Marcus ließ die Händler hinter sich und überquerte den Sklavenmarkt. Die Sklavenhändler hatten Podeste aufgestellt, auf denen sie die Männer und Frauen, die sie verkaufen wollten, zur Schau stellten.

Marcus hatte gerade die Mitte des Platzes erreicht, als er angesprochen wurde.

»Brauchst du einen Sklaven, Herr?«

Marcus wandte unwillig den Kopf, er kannte diese Stimme. »Was willst du, Clivius?«

Der Prätor war ein großer, stattlicher Mann. Aber es waren nicht allein seine Größe und seine breiten Schultern, die ihm Autorität verliehen, es waren vielmehr die stolze, aufrechte Haltung und die Art, wie er alles mit scharfen Augen genau und distanziert zugleich betrachtete.

Nach dem Tod seiner Frau vor mehr als acht Jahren hatte er sich seinen Kopf kahl rasiert. Dadurch wirkten die Linien seines Gesichtes noch schärfer gezeichnet, sein Blick noch stechender. Er war kein schöner Mann, hatte nicht die klassische Nase und die fein geschwungenen Lippen, die vielen Römern eigen waren. Aber sein Gesicht war ausdrucksstark, und seine dunklen Augen schienen alles zu durchdringen.

Er war ein Mann mit einem starken Willen und festen Prinzipien, bekannt sowohl für seine Gerechtigkeit als auch für seine Härte gegen sich und gegen andere.

Neben ihm wirkte der Sklavenhändler noch kleiner, noch abstoßender.

Clivius wies auf die Männer und Frauen, die hinter ihm standen. Alle trugen den Reif um den Oberarm, der sie als Sklaven kennzeichnete.

»Sieh sie dir an. Es ist gute Ware.« Clivius zog einen jungen Mann zu sich heran. »Der hier ist stark. Und er ist harte Arbeit gewohnt. Er ist zwar ein Jude, aber er kennt sich gut mit Pferden aus. Und er ist …«

»Lass mich mit deinen Sklaven in Frieden, Clivius«, unterbrach ihn Marcus. »Und wage es nicht noch einmal, mich aufzuhalten.« Er wollte sich abwenden, sah dann aber, wie sich ein junges Mädchen hastig hinter den Vorhang zurückzog, den der Sklavenhändler aufgehängt hatte.

Marcus wusste um die schmutzigen Geschäfte des Clivius, er kannte den Handel, den er mit jungen Mädchen trieb.

»Was ist mit ihr? Warum enthältst du sie mir vor?«

Clivius hob abwehrend die Hände. »Sie ist nichts für dich, Herr. Sie ist schwach, kränklich. Nichts für einen so bekannten und geschätzten Mann, wie du es bist«, fügte er schmeichlerisch hinzu, wobei er sich vor dem Prätor leicht verbeugte, die rechte Hand auf die Brust gelegt.

Verächtlich sah Marcus auf diesen Mann hinab, der sich vor den Großen und Reichen duckte und die, die weniger waren als er, mit Füßen trat.

»Du glaubst, du kannst beurteilen, was gut oder schlecht für mich ist?«

»Nein, Herr, nein. Das würde ich mir nie anmaßen.«

»Gut, dann bring sie her.«

Widerwillig und nur mühsam seine Wut verbergend zog Clivius das Mädchen hinter dem Vorhang hervor. Marcus musterte sie lange. Ihr langes dunkles Haar schimmerte in der Sonne rötlich, es war zu einem losen Zopf gebunden. Das schmale Gesicht war blass. Sie hielt den Blick gesenkt. Marcus fasste sie am Kinn. Erschrocken sah sie ihn an, wich aber seinem Blick nicht aus. Ihre Augen waren von einem warmen dunklen Braun. Die Nase war schmal und zeigte leicht nach oben. Sie stand in einem angenehmen Gegensatz zu ihren vollen Lippen. Das Mädchen war schlank, fast mager. Ihr Körper war in ein einfaches Kleid gehüllt, das die schmalen Schultern nur notdürftig bedeckte. Als Gürtel diente ein altes Seil.

»Wie heißt du?«

»Ihr Name ist Berenike, Herr. Sie stammt aus Griechenland«, antwortete Clivius hastig, nur mühsam seine Wut beherrschend.

Für einen Moment zeigte sich Unmut in Marcus' Gesicht. Doch Clivius bemerkte es nicht.

»Wie alt bist du?«

»Sie ist 19 Jahre alt, Herr.«

Mit einer heftigen Bewegung drehte sich Marcus dem Sklavenhändler zu. »Ist sie taub, stumm oder versteht sie unsere Sprache nicht, dass du für sie antwortest?«, herrschte er ihn an.

Clivius wich erschrocken zurück. »Nein, Herr, nein.«

»Gut, dann schweige, wenn ich mit ihr rede.« Marcus wandte sich wieder dem Mädchen zu. Er nahm ihre Hände, sah sie sich genau an. »Du bist harte Arbeit nicht gewohnt. Aber kränklich scheinst du nicht zu sein«, fügte er mit einem Seitenblick auf Clivius hinzu. »Was kannst du, wenn nicht arbeiten? Singen? Tanzen?«

Berenike schüttelte den Kopf. »Nein, Herr.«

»Sie ist gebildet, Herr«, wagte Clivius einzuwerfen.

»Gebildet?« Marcus lachte. »Sie ist nur eine Frau. Und darum hebt es den Preis nicht.« Prüfend musterte er ihr Gesicht. »Du kannst lesen und schreiben?«

»Ja, Herr.«

»Du hast eine Schule besucht?«

»Mein Vater hat mich unterrichtet, Herr.«

»Dein Vater? War er denn ein Lehrer?«, fragte er belustigt.

»Ja, Herr.«

»Und was hat er dir noch beigebracht?«

»Alles, was er wusste.«

Wieder lachte Marcus. »Das besagt nichts«, meinte er spöttisch. »Vielleicht wusste er ja nicht viel. Dann konnte er dich auch nicht viel lehren. Aber es ist sowieso nicht wichtig.« Langsam drehte er sich zu Clivius um. »Ich gebe dir zweihundert Denare.«

Clivius sog hörbar die Luft ein. »Ich kann das Zehnfache für sie bekommen, Herr.«

»Sie ist nicht mehr wert.«

»Sie ist gebildet.«

»Wäre sie ein Mann, wäre das etwas anderes, aber so spielt es keine Rolle.«

»Herr, für zweihundert werde ich sie dir nicht geben. Sie ist mehr wert«, betonte Clivius noch einmal.

Marcus nickte bedächtig. »Du vergisst eines, Clivius. Der Wert, den du ihr beimisst, ist für mich ohne Bedeutung. Dich aber kann er die Freiheit kosten.«

Clivius wollte aufbrausen, besann sich dann aber. Marcus war Prätor, er war bekannt, was er sagte, galt etwas. Die Warnung war deutlich genug gewesen. Es war besser, auf dieses Geschäft einzugehen, als alles zu riskieren. Darum nickte er nur ergeben.

»Dann zahle diesen Mann aus«, befahl Marcus einem seiner Sklaven. »Nimm das Mädchen und bring sie zu Camilla. Badet sie, kämmt sie und zieht ihr ein anderes Kleid an. Ich will sie heute Abend sehen.«

Damit wandte er sich um und ging Richtung Forum Romanum davon, ohne Clivius noch eines Blickes zu würdigen.

Dieser überließ laut fluchend das Mädchen dem Sklaven.

O nein, er würde es sicher nie mehr wagen, den Prätor Marcus Dequinius aufzuhalten.

Der Prätor war noch schlechter gelaunt als zuvor von der Kurie im Gerichtsgebäude angelangt. Er war sich wie in einer unwürdigen Komödie vorgekommen, als er dem Senat seinen Bericht gab. Oh, wie er es hasste, wie ein Spielstein hin und her geschoben zu werden, nur um einen Glanz vorzutäuschen, der schon lange nicht mehr bestand. Aber er wollte auf keinen Fall, dass der Schreiber und die Rechtsgelehrten, die sich außer den streitenden Parteien im Gerichtssaal aufhielten, bemerkten, in welcher Stimmung er war, und es durfte nicht sein, dass die Parteien oder das Verfahren unter seiner Wut litten. Mit einer heftigen Handbewegung schob er seinen Unmut zur Seite und betrat den Gerichtssaal, um sich den Menschen zu widmen, die sich von ihm eine Entscheidung erhofften.

Wie immer war das Verfahren öffentlich. Viele Zuhörer waren zugegen, bereit, ihre Meinung zu den Aussagen durch lautes Rufen, Lachen oder Klatschen zu kommentieren.

Als Prätor würde Marcus heute noch kein Urteil fällen. Seine Aufgabe war es, die Parteien anzuhören, abzuwägen, ob die Klage, die erhoben wurde, berechtigt war und in einem Gerichtsverfahren geklärt werden sollte. Er hatte heute nur darüber zu entscheiden, ob der Fall auf die Prozessliste...


Ziegler, Renate
Renate Ziegler, Jahrgang 1965, arbeitet als Pfarramtssekretärin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Mann Frank in Rottenburg am Neckar. Schon seit früher Jugend ist sie fasziniert von Kultur, Leben und Geschichte des Römischen Reiches.

Renate Ziegler, Jahrgang 1965, arbeitet als Pfarramtssekretärin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Mann Frank in Rottenburg am Neckar. Schon seit früher Jugend ist sie fasziniert von Kultur, Leben und Geschichte des Römischen Reiches.



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