Ziegler | Der Regional-Krimi 01: Überdosis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 180 Seiten

Reihe: Regional Krimi

Ziegler Der Regional-Krimi 01: Überdosis


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-990-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 180 Seiten

Reihe: Regional Krimi

ISBN: 978-3-95719-990-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Michael Maaßen hat alles, was das Leben lebenswert macht: Er ist jung, gutaussehend, intelligent und reich. Doch dann stirbt er auf der Toilette des Kölner Hauptbahnhofs an einer Überdosis Heroin. Seine Mutter glaubt an Mord und engagiert den Kölner Privatdetektiv Markesch. Der entdeckt sehr rasch merkwürdige Zusammenhänge. Die Kölner Altstadt im Rausch der Achtzigerjahre

Thomas Ziegler wuchs in Wuppertal auf und lebte seit 1981 in Köln. Er arbeitete zunächst als Nachtwächter in einer Brauerei und dann als Standesbeamter bis er 1975 'während einer Taxifahrt von Remscheid nach Wuppertal einen Literaturagenten kennenlernte und zu schreiben begann'. Seit 1980 war er freier Schriftsteller. Thomas Ziegler veröffentlichte seine ersten SF-Stories in den Jahren 1976 - 78 bei den Verlagen Weltkreis und Damnitz, es folgten SF-Romane (teilweise gemeinsam mit Uwe Anton) für die SF-Taschenbuchreihen der Verlage Heyne, Ullstein und Bastei, aber auch unter verschiedenen Pseudonymen eine Reihe von SF-Romanheften. Von 1983 bis 1985 arbeitete Thomas Ziegler als Autor und schließlich als Exposé-Redakteur an der 'Perry Rhodan'-Serie mit, während dieser Zeit schrieb er 13 Hefte und drei Taschenbücher der Serie. Daneben war er auch als Exposé-Autor und unter 'Robert Quint' als Autor für die Heftroman-Serie 'Die Terranauten' tätig 1980 und 1984 wurde Thomas Ziegler mit dem KURD LASSWITZ PREIS für Phantastische Literatur ausgezeichnet, 1994 wurde er für die neubearbeitete Neuauflage seines Romans STIMMEN DER NACHT mit dem 1. Platz des KURD LASSWITZ-PREISES in der Kategorie 'Bester Roman' ausgezeichnet. 1987 verließ er in seinem Werk die reine Science Fiction und wandte sich Polit-Satiren (BEKENNTNISSE EINES ÖKO-TERRORISTEN) und dem Kriminalgenre zu. Er veröffentlichte zunächst verschiedene Kriminalerzählungen und schließlich 1988 seinen ersten Kriminalroman ÜBERDOSIS, dem rasch weitere Titel folgten, in denen sich Ziegler ebenso wie in seinen Science-Fiction-Romanen als flotter, nievauvoller Erzähler mit sehr viel Sinn für (Kölner) Lokalkolorit auszeichnete. Hauptfigur der Krimis ist der exzentrische Kölner Privatdetektiv Markesch. Später arbeitete Thomas Ziegler als Dialogautor für die Soap 'Verbotene Liebe'. Zieglers Romane erschienen auch in Frankreich, den Niederlanden und den USA, außerdem übersetzte Ziegler zahlreiche SF-Romane und die Autobiographien der Popstars Michael Jackson, Frank Zappa und George Michael.
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1.

Es war ein schlechter Tag gewesen, eine Ansammlung banaler Katastrophen. Und als Alfred Laschke am Kölner Hauptbahnhof aus dem Taxi stieg und durch den strömenden Regen zur verglasten Bahnhofshalle eilte, sah es nicht so aus, als hätte er den Tiefpunkt bereits erreicht.

Der Platzregen durchweichte seinen hellen Sommermantel, die schmutzigen Pfützen durchtränkten seine Lederschuhe, und kurz vor den beschlagenen Glastüren stieß er mit einer Frau zusammen, die ihren Regenschirm wie einen Schild vor sich hielt. Laschke stolperte, und sein Aktenkoffer mit den Finanzierungsunterlagen für das Multi-Millionen-Projekt Villenpark Zukunft landete in einer großen Wasserlache. Er stöhnte auf. Hoffentlich war der Koffer wasserdicht. Aber er wusste, dass seine Hoffnung ihn trog. Dies war ein Tag der Enttäuschungen, ein Tag voller Tücken und Fallstricke. Murphys Gesetz, dachte Laschke. So hieß er doch, dieser Amerikaner, dieser Ingenieur Murphy, der das Gesetz von der Unabwendbarkeit jeder theoretisch denkbaren Katastrophe formuliert hat. Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief.

Er fischte den Aktenkoffer aus der Pfütze und trocknete ihn notdürftig mit seinem Taschentuch ab. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass Murphys Gesetz richtig ist, dachte er deprimiert. Nicht nur, weil heute Morgen der Wagen nicht ansprang und er mit der Bahn nach Köln fahren musste. Und natürlich zu spät zu der entscheidenden Besprechung mit den Leuten vom Investmentfonds kam, sondern vor allem, weil sein sorgfältig ausgearbeitetes Finanzierungskonzept einen winzigen, aber katastrophalen Fehler hatte. Es gab keinen Geldgeber, der sich dafür interessierte. Ade, Villenpark Zukunft! Ade, Zukunft! Statt ein Multi-Millionen-Projekt für Millionäre abzuwickeln, würde er wieder heruntergekommene Altbauwohnungen an Studenten und Sozialhilfeempfänger vermitteln, während vor seinem Büro die Schwebebahn im Fünfminutentakt vorbeiquietscht und ihn langsam, aber sicher in den Wahnsinn treibt.

Er wollte sich abwenden, aber jemand hielt ihn am Arm fest. Er drehte sich um. Es war die Frau.

„Das ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit!“, fauchte sie. „Zuerst mich anrempeln, und sich dann klammheimlich aus dem Staub machen! Wollen Sie sich nicht entschuldigen? Wissen Sie nicht, was sich gehört? Haben Sie denn überhaupt keinen Funken Anstand?“

Er starrte sie an. Sie war klein, gedrungen, eher muskulös als dick. Hatte wohl ihr Leben lang Sport getrieben, Gewichtheben oder Hammerwerfen. Und ihr Gesicht besaß harte, männliche Züge. Anabolika, dachte Laschke. Das ist es doch, was diese Sportlerinnen zur Leistungssteigerung nehmen. Muskeln bildende Präparate, die Frauen in Männer verwandeln.

Die Frau fuchtelte mit ihrem Regenschirm. „Ich verlange eine Entschuldigung, junger Mann. Sofort!“

Junger Mann? Er war achtundvierzig. Und von diesen achtundvierzig Jahren hatte er fast dreißig mit dem Versuch verbracht, in der Immobilienbranche reich zu werden. Aber sein Kontostand war noch immer nicht der Rede wert.

„Ich warte nicht mehr lange, junger Mann!“

Laschke riss sich los. „Scheren Sie sich zum Teufel!“, sagte er grob und stieß die Glastür zur Bahnhofshalle auf. Dort war es feucht und kalt; durch das Stimmengewirr der Reisenden und das hohle Plärren der Lautsprecherdurchsagen hörte er, wie die Frau ihm wütend nachschrie. Er drehte sich nicht um. Den Blick starr nach vorn gerichtet, drängte er sich an einer Gruppe junger, müde wirkender Rucksacktouristen vorbei und blieb vor den Kästen mit dem Fahrplanaushang stehen, die in Nähe der Fahrkartenautomaten den Weg versperrten.

Er sah auf die Uhr. Kurz nach fünf. Der Intercity Hellweg nach Wuppertal war eingetroffen. Er musste sich beeilen. Nein. Für heute hatte er genug Hektik gehabt. Es spielte keine Rolle, ob er eine Stunde früher oder später nach Wuppertal zurückkehrte. Nichts spielt eine Rolle. Sein Projekt war geplatzt. Endgültig. Kosten, das war alles, was ihm die Sache eingebracht hatte. Er hatte nicht einmal genug Geld, um seinen verdammten Wagen reparieren zu lassen. Er brauchte ein neues Auto, aber woher das Geld nehmen?

Laschke wandte sich ab und ging am Blumengeschäft und der zur U-Bahn führenden Treppe vorbei zum hoch gelegenen Intercity-Restaurant an der Domseite der Bahnhofshalle. Mit schleppenden Schritten erreichte er den Aufzug und drückte auf den Rufknopf. Er ignorierte die Treppe. Er war zu müde. Nicht körperlich, sondern seelisch. Geplatzte Träume. Das war sein Leben. Ein Sammelsurium geplatzter Träume. Kein Wunder, dass mich Iris verlassen hat. Welche Frau will schon einen Mann, der ihr nichts weiter als eine Million geplatzte Träume zu bieten hat?

Der Aufzug kam, und Laschke ließ sich nach oben tragen. Im Intercity-Restaurant war es angenehm warm, der grünbraune, rhombisch gemusterte Teppichboden dämpfte seine Schritte. Laschke sah sich um. Rechts vom Eingang, an der breiten Fensterfront mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz, die Domplatte und den Dom, war noch ein Tisch frei. Erleichtert seufzend zog er den durchweichten Mantel aus und nahm Platz. Einen Moment lang zögerte er, dann öffnete er den Aktenkoffer und sah hinein. Das helle Innenfutter war dunkel vor Feuchtigkeit, die Villenpark-Unterlagen wiesen große, hässliche Wasserflecke auf. Er seufzte, klappte den Koffer wieder zu und stellte ihn unter den Tisch. Ein Blick hinaus in den grauen, regnerischen Tag ließ ihn frösteln.

Was ich jetzt brauche, sagte er sich grimmig, ist ein Cognac. Mindestens. Ich sollte mich betrinken. Vielleicht ist es das Beste. Cognac trinken und alles vergessen, mein Projekt, Iris, das Auto, das besenschrankgroße Büro in der Vohwinkler Kaiserstraße mit Blick auf die Schwebebahn, und vor allem die Schwebebahn selbst mit diesen plattnasigen Gesichtern an den Fensterscheiben. Das nervenaufreibende Quietschen der Schwebebahnzüge ist schon schlimm genug, aber diese Gesichter ... Sie sind furchtbar, einfach nur furchtbar.

„Sie wünschen?“

Laschke schrak auf. Lautlos war eine Kellnerin an seinen Tisch getreten, eine hagere Frau Ende Vierzig, früh ergraut, mit scharfgeschnittenen Gesichtszügen und vielen Fältchen um Mund und Augen. Sie hätte müde und verbittert gewirkt, wären diese Augen nicht gewesen, leuchtend blau und heiter wie ein wolkenloser Frühlingshimmel. Sie trug eine weiße Bluse und ein dunkelgrünes Schürzenkleid. Der heitere Ausdruck ihrer Augen gefiel Laschke. Gott, das war es, was er brauchte. Heiterkeit. Und natürlich einen Cognac, einen doppelten.

Er bestellte. Die Kellnerin ging davon, stieg die kurze Treppe zu der zweiten, höher gelegenen Tischebene hinauf, die von dem runden pavillonähnlichen Büfett aus Glas und Aluminium beherrscht wurde. Laschke sah ihr nach, bis sie hinter einer der großen Palmen verschwunden war, die dem Restaurant einen Hauch südländischen Charmes verliehen.

Er starrte wieder aus dem Fenster. Der Regen war stärker geworden und hatte die letzten Touristen von der Domplatte getrieben. Der Dom selbst war ein schiefergrauer Berg im Herbstgrau des verdämmernden Tages. Das Grau, der Regen, die menschenleere Domplatte, alles deprimierte ihn. Er war froh, als die Kellnerin mit den heiteren Augen den doppelten Cognac servierte. Er stürzte ihn in einem Zug hinunter und signalisierte ihr, ihm einen neuen zu bringen. Sie hob leicht die Brauen, missbilligend, wie er glaubte, aber ihre Missbilligung kümmerte ihn nicht. Er dachte wieder an die fruchtlosen Verhandlungen mit Jung und den anderen Vertretern vom Investmentfonds, an ihre ironischen Kommentare über seinen Finanzierungsplan und über das Villenpark-Projekt an sich. Verhandlungen, wie er sie schon so oft geführt hatte, und wie so oft ohne Erfolg.

Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür, sagte sich Laschke. Vielleicht kommt das Projekt fünf oder sechs Jahre zu früh. Exklusive Wohnobjekte in vorzüglicher Lage, mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet. Streng von der Außenwelt abgeschirmt. Von privaten Sicherheitskräften rund um die Uhr bewacht, durch Videokameras und modernste Elektronik vor kriminellen Elementen geschützt. Eine Oase der Sicherheit für die Leute mit dem großen Geld und der großen Angst vor Terroristen, Kidnappern, Dieben und sonstigen Verbrechern. In Amerika sind diese security estates ein Riesenerfolg, aber in Amerika ist die Kriminalitätsrate auch höher. Noch. Wir hier in Europa, in Deutschland, hinken der Entwicklung immer ein paar Jahre hinterher, fünf oder sechs Jahre.

Der zweite Cognac kam, und Laschke trank. Aber ich kann keine fünf oder sechs Jahre mehr warten. Ich bin achtundvierzig. Wenn ich es mit achtundvierzig noch nicht geschafft habe, dann schaffe ich es nie.

Draußen rauschte der Regen. Laschke stand auf und ging an den Tischen und Pflanzenkübeln vorbei zur Toilette. Als er die Toilettentür öffnete, prallte er mit einem bulligen, südländisch wirkenden Mann zusammen. Der Mann knurrte etwas Unverständliches, und für einen Moment sah Laschke einen Goldzahn zwischen den schmalen Lippen des anderen aufblitzen. Dann war der Mann auch schon an ihm vorbei und hinter der Biegung verschwunden.

„Idiot!“, rief ihm Laschke nach. „Verdammter Kanake!“ Leise vor sich hin fluchend, betrat er den Waschraum und blieb kurz stehen, um sich im Spiegel zu betrachten. Sein Haar war schwarz, ohne eine einzige graue Strähne, und man musste schon ein sehr scharfer Beobachter sein, um zu erkennen,...



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