E-Book, Deutsch, Band 2256, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Ziegler Perry Rhodan 2256: Bahnhof im Weltraum
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2255-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2256, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2255-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thomas Ziegler, geboren 1956, seit 1980 freier Autor und Übersetzer, lebte in Köln. Thomas Ziegler, bürgerlich Rainer Zubeil, schrieb bereits in den siebziger Jahren Science Fiction und Fantasy. Ende der Siebziger Jahre arbeitete er unter dem Pseudonym Robert Quint an der bei Bastei erscheinenden Heftserie 'Terranauten' mit, wo er auch an der Konzeption der Serie mitbeteiligt war. Von 1983 bis 1985 gehörte Thomas Ziegler dem Autorenteam von PERRY RHODAN an und veröffentlichte in dieser Zeit insgesamt 13 Heftromane und drei Taschenbücher. Mit seinem Faible für ausgefallene Charaktere und Situationen sowie seiner dynamischen Schreibe stieg er in dieser Zeit rasch zu einem der beliebtesten Autoren des Teams auf. Seine Mitarbeit gipfelte in der Übernahme (gemeinsam mit Ernst Vlcek) der Exposé-Factory der Serie nach dem Tod von William Voltz. Für seine Arbeiten im Bereich der Science Fiction wurde der Autor mehrfach mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet, unter anderem für seinen SF-Roman 'Stimmen der Nacht' und die Novelle 'Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten'. Er arbeitete später fürs Fernsehen, unter anderem als Dialogautor für die ARD-Soap 'Verbotene Liebe'. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war Thomas Ziegler auch als Übersetzer aktiv. So übertrug er u.a. Michael Jacksons 'Moonwalk', Frank Zappas 'I am the American Dream' und George Michaels 'Bare' ins Deutsche. Außerdem übersetzte er eine Reihe von STAR WARS-Romanen und Nachschlagewerken wie 'STAR WARS Episode I - Die Risszeichnungen' oder die 'STAR WARS Enzyklopädie'. Mit Heft 2235 'Todesspiele' kehrte Thomas Ziegler nach - viel zu langer - Abwesenheit zu PERRY RHODAN zurück. Thomas Ziegler verstarb völlig überraschend am 12. September 2004. Seine letzte Arbeit für die PERRY RHODAN-Erstauflage erschien mit Band 2256 am 12. November 2004. Mit 'Die letzten Tage Lemurias' wird sein Beitrag zur Heyne-Taschenbuchserie Lemuria im März 2005 veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
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1.
Der Hunger weckte ihn schließlich, die unermessliche Gier.
Er lag in der Sicherheit seines Verstecks, in wohltuender Dunkelheit, die ihn wie eine warme, flauschige Decke umhüllte, und spürte in sich das neue Leben wachsen, die Brut langsam heranreifen. Sie pochte und pulsierte, durchglühte ihn von Kopf bis Fuß, Fleisch von seinem Fleisch, das sich von ihm nährte, so, wie er sich von den Anderen nähren musste, die hier hausten, in der Mitte des Nichts, in der düsteren Leere zwischen den Galaxien, an dem Ort, den sie Weltraumbahnhof nannten.
Der Hunger schnitt wie ein Messer durch seinen Leib.
Er schlug die Augen auf, erschöpft und müde trotz des langen und tiefen Schlafes, und sah um sich herum, in den Schatten der Nacht, die Knochen der Anderen, die zuvor schon seinen Hunger gestillt hatten. Und er war dem Schicksal dankbar, dass es ihn hierher verschlagen hatte, zu den Anderen, die sich selbst als Menschen bezeichneten und so arglos waren, töricht in ihrer Gutmütigkeit und fügsam unter der Knute seines Willens.
Ein Seufzer durchlief seinen mächtigen, aufgeblähten Leib.
Der Hunger war stärker als je zuvor und verriet ihm, dass bald die Stunde schlagen würde, in der seine Brut schlüpfte, der große Moment, in dem er seine Bestimmung erfüllte und im Tode unsterblich wurde. Aber noch war es nicht so weit, noch musste er sich verbergen, an diesem stillen, abgeschiedenen Ort, in den tröstenden Armen der Dunkelheit.
Während er dalag und schnaufend atmete, dehnte er seinen Geist und durchmaß mit den Gedanken die Finsternis des Leerraums, in dem die Bewusstseine der Anderen wie Sterne leuchteten, durch die winzigen Lebensfunken der Relais miteinander und mit ihm verbunden. Er war der Herr, sie waren die Sklaven. Dies war das Gesetz der Natur, das seit Ewigkeiten galt. Aber noch standen nicht alle der Anderen unter seiner Kontrolle, noch musste er vorsichtig sein, um sich und die Brut zu schützen, das werdende Leben in ihm zu bewahren.
Trotz des Hungers, der in ihm wühlte, der Gier, die ihn zur Maßlosigkeit verleiten wollte, musste er sich beherrschen.
Er betrachtete die Bewusstseine der Anderen, hörte das Raunen ihrer Gedanken und spürte die Flammen ihrer Gefühle, fremd und unverständlich, abstoßend in ihrer Intensität und Tiefe. Hoffnung, Liebe und Verdruss, Neid und Zorn, Hass und Schmerz, Reue und Verlangen, ein Panoptikum widerstreitender Emotionen, ein Cocktail aus übermächtigen Hormonen, von denen die Anderen in jeder Sekunde ihres erbärmlichen Lebens beherrscht wurden.
Voller Abscheu schreckte er zurück.
Im Vergleich zu den Anderen waren seine Gefühle kalt und klar wie Eiskristalle, kein aufgewühltes Meer, sondern eine spiegelglatte See, durchsichtig bis zum Grund. Die Anderen waren wie Tiere, trotz ihrer intellektuellen Triumphe und ihrer wunderbaren Wissenschaft und Technik, die ihnen den Vorstoß in den intergalaktischen Leerraum ermöglicht hatten. Er dagegen war reiner Geist, scharf und facettenreich wie geschliffener Diamant, nur in den Zeiten des Brütens und Gebärens von Emotionen erfüllt, die ihn sanft steuerten, aber nie kontrollierten.
Allein der Hunger forderte seinen Tribut, die heiße Gier, das urtümliche Verlangen nach Sättigung.
Er stöhnte auf, während sein Geist weiterwanderte, auf der Suche nach einem der Anderen, der seinen Hunger stillen und die Brut in ihm nähren konnte. Schließlich fand er einen unweit von seinem Versteck, allein durch die Korridore wandernd, ziellos und ohne Sinn, von unsichtbaren Ketten gefesselt, die von den Relais geschmiedet worden waren, ohne dass die Anderen in ihrer Einfalt etwas davon ahnten.
Sie waren wie Vieh, zum Schlachten bestimmt.
Seine Beißzangen klapperten in hungriger Erwartung, als er seinen Geist nach dem einsamen Wanderer ausstreckte und ihn lautlos zu sich rief. Gehorsam folgte der Andere seinem Ruf, und er schauderte voller Gier. Ungeduldig verharrte er in seinem Versteck, strich mit den Klauenhänden über seinen aufgeblähten Leib, in dem die Brut heranwuchs, und Geifer tropfte aus seinem Maul.
Der Hunger war jetzt übermächtig, nahezu unerträglich.
Einen Moment fürchtete er, dass der Andere aus seinem Dämmerzustand erwacht war, in den die Relais ihn versetzt hatten, dass er dem Ruf widerstand und nicht zu ihm kommen würde. Aber schon hörte er Schritte nahen, schon spürte er die Präsenz des Anderen deutlicher als zuvor, eine Sonne in der Finsternis, ein Leuchtfeuer in der Leere.
Komm her, lockte er ihn. Komm her zu mir. Hab keine Angst ...
Dann sah er seine Silhouette in der Dunkelheit, ein Humanoider mit zwei Beinen, zwei Armen und einem ovalen Kopf mit absurd kleinen Augen, stummelartiger Nase und rotlippigem Mund. Der Andere war hässlich wie alle seiner Art, ein Monstrum, von einer blinden Natur gezeugt, das Produkt einer pervertierten Evolution. Er trug einen grauen Overall, der sein Fleisch verhüllte, und sein Fleisch war köstlich trotz seiner abstoßenden Hässlichkeit.
Der Brüter stöhnte wieder, im Würgegriff des Hungers gefangen, eine Marionette der Gier, an deren Fäden er nun zappelte, als wäre er ein hormongesteuertes Tier wie die Anderen und keine wahre Intelligenz.
Komm her, lockte er wieder lautlos mit der Stimme seines Geistes. Fürchte dich nicht. Ich habe etwas Wunderschönes für dich ...
Der Andere blieb stehen. Irgendetwas schien ihn zu schrecken, zu warnen, trotz der Kontrolle, die die Relais über ihn ausübten, trotz des suggestiven Lockrufs, der seine Willenskraft lähmte. Es war, als wüsste er, was ihn erwartete, als ahnte er die schreckliche Wahrheit.
Vielleicht war es ein Instinkt.
Vielleicht lag es an den weißen, abgenagten Knochen, die sich ringsum hell in der Dunkelheit abzeichneten.
Vielleicht war es der massige, geblähte Leib des Brüters selbst, der ihm Furcht einflößte.
Komm zu mir, rief er dem Anderen zu und intensivierte die Kraft seines Gedankenimpulses, um dem Zaudern ein Ende zu machen. Ich bin die Antwort deiner Träume, ich bin die Erfüllung deiner Wünsche, ich bin die Vollkommenheit, nach der du dich sehnst. Ich bin alles, wonach du je gestrebt hast. Also zögere nicht, sondern komm her zu mir ...
Der Andere machte einen unsicheren Schritt. Sein Gesicht war leer und ausdruckslos, doch in seinen Augen flackerte eine Qual, die der Brüter bereits bei seinen Vorgängern gesehen hatte, ein Schmerz, der der Ahnung des nahenden Endes entsprang. Ein weiterer Schritt folgte und noch einer.
Die Beißzangen des Brüters waren nass vom klebrigen Geifer. Sie mahlten und klapperten in kaum zu bezähmender Gier, stählern hart und scharf wie Rasierklingen. Sein Maul klaffte auf, finster und abgrundtief wie der Weltraum. Sein aufgequollener Leib erbebte.
Der Andere war jetzt nur noch wenige Meter von ihm entfernt. Er konnte sein aromatisches Fleisch riechen, die verführerische Süße seines Blutes, vom Angstschweiß pikant gewürzt. Ein Gurgeln drang aus dem Mund des Anderen, und er hob in einer sinnlosen abwehrenden Geste die Hand, als könnte er so die Nemesis vertreiben, die vor ihm in der Dunkelheit lauerte und sich hungrig nach ihm verzehrte.
Komm zu mir ... Komm her, komm her ...!
Mit steifen Bewegungen trat der Andere einen weiteren Schritt näher, wie eine Puppe, von unsichtbarer Hand gelenkt, obwohl sich alles in ihm davor fürchtete und seine Angst mit jedem Moment wuchs, sich ins Unermessliche steigerte. An seiner Stirn war eine bläuliche Ader hervorgetreten und pochte in schneller Folge, im Rhythmus seines rasenden Herzens.
An seinem Overall prangte ein Namensschild. Hätte der Brüter lesen können, hätte er die Buchstaben erkannt: Kortez Melander.
Der Brüter hatte keine Augen für das Schild, kein Gefühl für die Individualität seines Opfers, kein Gespür für seine Angst. Er hatte sich ganz dem Hunger ergeben, der fiebrigen, unstillbaren Gier. Um zu leben und Leben zu schenken, musste er Leben nehmen. So war es immer gewesen, und so würde es immer sein. Dies war der unveränderliche Zyklus des Daseins, und in ihm war kein Platz für Mitgefühl oder Bedauern.
Der Andere gurgelte erneut. Seine Augen waren jetzt weit aufgerissen, Schweiß perlte in seine Brauen. Sein Gesicht war weiß wie die Knochen, die unter seinen Schuhen knackten und knirschten.
Fürchte dich nicht, lockte der Brüter wieder. Ich habe ein Geschenk für dich, das Wertvollste, was ich zu vergeben habe, und es wird allein dir gehören ...
Der Andere machte einen weiteren Schritt. Er war jetzt so nah, dass der Brüter ihn fast berühren konnte, und der köstliche Duft, der von ihm ausging, ließ den Geifer weiter strömen. Die rasiermesserscharfen Beißzangen klappten weit auf, das hungrige Maul klaffte.
Die Lippen des Anderen bebten und entblößten hässliche kleine Zähne. Wieder drang ein Gurgeln aus seinem Mund, gefolgt von einem Wort:
»Nein ...!«
Aber obwohl er sich mit jeder Faser seines Körpers dagegen wehrte, obwohl sich alles in ihm sträubte, bewegte er die Beine und machte den entscheidenden letzten Schritt.
Die Klauenhände des Brüters packten ihn und ließen ihn nicht mehr los. Der Andere strampelte in dem eisernen Griff, das Gesicht in Todesangst verzerrt, in plötzlichem Begreifen, das viel zu spät kam, um ihm noch helfen zu können, und ein letztes Wort entrang sich seiner Kehle.
»Bitte ...!«
Die scharfen Beißzangen des Brüters legten sich um den Hals des Anderen. Einen Moment lang zögerte er und gab sich dem Aroma des warmen Fleisches hin, dem Duft des Blutes, dem betörenden...




