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E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: Werkausgabe

Zietsch Anderwelten

Anthologie Werkausgabe 2
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-946773-50-4
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Anthologie Werkausgabe 2

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: Werkausgabe

ISBN: 978-3-946773-50-4
Verlag: Fabylon
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Tor ist geöffnet. Tretet hindurch!

Was passiert, wenn ein Dämon seinen Auftrag nicht erfüllt? Wer steckte wirklich hinter dem Rattenfänger von Hameln?

Ist es möglich, dass ein Gott seine Gläubigen verlässt? Ist der Tod ewig?
Ein Bogin unternimmt seine erste Reise und gerät mitten in den Kampf zwischen zwei Dörfern, die ein Fluss trennt.

Zwei Helden sind aus unterschiedlichen Motiven auf der Suche nach Drachen, obwohl es heißt, dass es diese längst nicht mehr gibt. Oder nie gab.
Welches pikante Detail aus »Dornröschen« wurde uns vorenthalten – und warum können manche Menschen Dinge sehen, die anderen verwehrt sind?

12 Geschichten aus den uns umgebenden Welten.

Band 2 der Werkausgabe gesammelter Storys.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Der krumme Takt


He … Vorsicht, pass doch auf, wo du hintrittst! Was heißt hier: Hallo, Alva? Ist das eine Entschuldigung? Ach – bist das? Entschuldige, ich bin ganz durcheinander! Es ist so ein Chaos hier, sechzigtausend Leute, das macht mich ganz verrückt … und ausgerechnet du trittst auf meine Füße, ich fasse es nicht! Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Fast zwei Jahre, nicht wahr? Ja, du hast mir auch sehr gefehlt. Ich bin blass? Verändert? Ja, das kann sein. Die ganze Welt ist verändert, es hat nur noch keiner bemerkt. Ich spreche in Rätseln? Ich kann dir erzählen, was geschehen ist, wenn du versprichst, dass du mir zuhörst, als der gute Freund, der du immer gewesen bist. Die Hoffnung, dass du mir glauben wirst, hege ich nicht, denn meine Geschichte ist viel zu verrückt. Aber selbst wenn du mir glaubst, wird das uns beiden oder der Welt auch nicht mehr helfen, denn es ist zu spät.

Mach nicht so ein sorgenvolles Gesicht. Du wirst gleich erfahren, warum ich so merkwürdig bin. Du warst immer mein bester Freund, und wir haben über alles miteinander geredet. Ich habe sonst niemandem, mit dem ich darüber sprechen könnte.

Die Zeit seit unserem letzten Treffen ist mit fast unheimlicher Geschwindigkeit vergangen, es kommt mir vor, als wär's ein Jahrhundert gewesen. Vielleicht war es ja so lang?

Ich lernte damals einen Mann kennen, er heißt Conn, und er ist der Leader von den , deren Auftritt wir gerade sehnlichst erwarten. Da bist du platt, was? Ich kenne die größte Röhre der geilsten Rockgruppe der letzten Zeit, und nicht nur das, ich bin seine Geliebte, und, was das Schlimmste ist, ich bin ihm hörig. Du glaubst mir nicht? Hör einfach nur zu, ohne Fragen zu stellen. Bald wirst du verstehen.

*

Ich habe Conn kennengelernt, als die noch nichts weiter waren als ein Name, eine fixe Idee. Ich befand mich zu der Zeit in den Staaten, vielleicht erinnerst du dich noch daran, dass ich fortlaufen wollte aus der Enge Deutschlands und in den Staaten Karriere machen. Du meintest damals noch grinsend, dass das nur wieder einer meiner vielen Träume wäre, woraus ja doch nichts würde, aber ich habe kurzentschlossen einen Flug nach New York gebucht, den Koffer gepackt und mich ins Flugzeug gesetzt, noch ehe ich so richtig über meinen Entschluss nachdenken und ihn vielleicht bereuen konnte.

Halt, die Flasche ist für mich! Danke. Was soll ich mit einem Glas? Ich habe nur zwei Hände und keinen Platz zum Abstellen. Was willst du denn noch von mir? Geld? Vergiss es. Schreib’s auf Conns Rechnung. Ja, du dich auch.

Prost! Auch einen Schluck? Bester irischer Whiskey. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal an so ein Zeug gewöhnen würde. Jetzt kann ich’s nicht mehr lassen, wie so vieles andere. Warum schüttelst du jetzt schon wieder den Kopf? Ich habe doch noch gar nicht richtig angefangen zu erzählen. Ach, der Whiskey? Das ist ganz normal. Ich trinke regelmäßig. Um es korrekt auszudrücken: ich saufe. Schon zum Frühstück. Das hilft mir über alles hinweg und ist meine einzige Möglichkeit, mich zu schützen und vor der Realität zu fliehen. Nur wenn ich betrunken bin, kann ich alles vergessen und Conn ertragen.

*

Damals habe ich noch gedacht, man könnte fortlaufen, indem man einfach in ein anderes Land fährt, das möglichst weit weg von zu Hause ist. Ich glaubte, man könnte anderswo leichter einen neuen Anfang finden, wenn man daheim nichts auf die Reihe kriegt. Damals war ich noch rührend naiv.

New York erschien mir als der richtige Ort, um wieder zu mir selbst zu finden. Ein Hexenkessel, eine schreckliche, zugleich unglaublich faszinierende Stadt. Es war genau die richtige Therapie. Nie zuvor war ich so verloren, einsam, gefangen und hilflos gewesen. Ich war in einem mittelmäßigen Hotel untergekommen, das Zimmer war einigermaßen sauber. Schon nach vier Tagen weinte ich mich jeden Abend in den Schlaf, ich fühlte mich elender denn je. Was wollte ich hier? Wovor war ich davongelaufen? Warum war ich ausgerechnet in diese Stadt geflohen, statt mich, da ich nun schon allein sein wollte, irgendwo in den idyllischen Schweizer Bergen zu erholen? Natürlich meldete ich mich bei keinem von euch, das Handy hatte ich gekündigt. Was sollte ich mit einer deutschen Nummer in den Staaten? Und sollte ich öffentlich machen, dass ich schon wieder gescheitert war?

Ziellos lief ich tagsüber durch die Straßen, machte eine Besichtigungstour nach der anderen, rannte durch alle Museen. Und immer die Angst. Überfallen zu werden, unschuldig in irgendwelche Justiztretmühlen zu geraten, verfolgt zu werden. Nachts ließ ich das Licht brennen. Jeden Tag wollte ich heimfliegen, aber davor hatte ich noch mehr Angst: vor dem Flug, vor der vertrauten Umgebung. Vor euch. –

Entschuldige, darauf muss ich einen trinken. Willst du wirklich keinen? Doch, jetzt schon? Na also. Köstlich, was? Jaja, die Iren.

Und dann wurde ich tatsächlich überfallen. Ich hatte mich hoffnungslos verirrt und war irgendwie in eine jener Gegenden geraten, die man besser nicht besichtigt. Es war Nachmittag, aber dort wurde es bereits Nacht. Der Himmel war hier irgendwie noch dunstiger, die verfallenden Häuser standen bedrückend eng aneinander, überall Müll und Dreck. Ich hatte schreckliche Angst. Ich konnte nichts mehr hören oder sehen, das Blut rauschte in meinen Ohren, und mein Herz hämmerte so stark, dass mir die ganze Brust wehtat. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich dort umherirrte, bis ich einen Schlag auf den Kopf bekam und das Bewusstsein verlor.

Ich erwachte, als mich jemand an der Schulter rüttelte, und schlug erschrocken um mich.

»He, langsam«, hörte ich eine sanfte, ruhige Stimme über mir. Eine männliche Stimme. »Ich tue dir nichts.«

Ich rieb meine Augen, mein Kopf schmerzte fürchterlich. »Was ist denn passiert?«, krächzte ich.

»Du bist überfallen worden«, erklärte die Stimme.

Ich blinzelte, und endlich erkannte ich einen jungen Mann mit langen blonden Haaren und veilchenblauen Augen über mir. Einen ausnehmend hübschen jungen Mann. Bestimmt nur wenige Jahre älter als ich.

»Hallo«, stieß ich hervor.

»Hi«, sagte der Mann. »Ich bin Conn.«

»Ich bin Alva.«

»Welch ein passender Name.«

»Flirtest du gerade mit mir? Schlechter Zeitpunkt. Sehr schlechter Zeitpunkt.«

Ich stand langsam auf, mir war schwindlig, und vor meinen Augen verschwamm alles. Ich tastete meine Taschen ab und fluchte stöhnend.

»Alles weg?«, fragte Conn mitfühlend.

Ich nickte.

»Na, komm erst mal mit.« Er umfasste meinen Arm, aber ich riss mich los.

»Ich kann allein gehen. Beschreib mir nur den Weg zu meinem Hotel, dann finde ich mich schon zurecht.«

Er lächelte. »Ich bin kein verkleideter Unhold.«

»Kannst du das beweisen?«

»Nein. Aber du kommst jetzt mit.« Er nahm meine Hand, und es war, als erhielte ich einen elektrischen Schlag. Ich fühlte mich plötzlich ganz ruhig und geborgen, so merkwürdig leicht, und ließ mich einfach von ihm in ein abbruchreifes Haus führen. »Im Keller haben wir unseren Übungsraum«, erklärte er unterwegs.

»Wer – wir?«, fragte ich erschrocken, doch er öffnete bereits die Tür und deutete breit grinsend auf seine Freunde, die ihre Musikinstrumente traktierten. »Armagh, Borach und Buinne. Meine Kumpel.« Er stellte mich ihnen vor, drückte mich auf einen Stuhl und gab mir einen Kaffee.

»Wir sind eigentlich aus Irland«, fuhr er fort. »Unsere Familien sind nach Amerika ausgewandert, als wir noch ganz klein waren, und wir wollen jetzt zurück. Aber nicht als arme Bittsteller, sondern reich und berühmt, um unsere Landsleute zu unterstützen. Wir haben eine Band gegründet, und nicht die Schlechteste, kann ich dir sagen. Übermorgen haben wir einen Vorspieltermin, und sobald wir unser erstes Album aufgenommen haben, geht’s auf Tournee. Zuerst Amerika, dann Asien und Europa. Irland kommt zuletzt dran, weil wir dort dann auch bleiben.«

Ich lachte über seine Naivität. Jaja, solche Träume hatte ich auch gehabt und die hatten mich in diese Lage gebracht. »Glaubst du im Ernst, dass ihr gleich einen Albumvertrag bekommt?« Er nickte heftig. »Nichts gegen deinen Idealismus, aber ich halte ihn für etwas zu blauäugig.«

»Hör dir das doch erst mal an«, meinte Armagh. »Wir werden dir was vorspielen, dann wirst du schon sehen, was wir meinen.«

Und dann spielten sie mir ein Stück vor, das mich vom Stuhl riss. Es war , ihre nur wenige Wochen später erscheinende erste Single-Auskopplung, die gleich die Nummer 1 wurde. Du kennst sie, wie jeder um den Globus.

Aber ich war die erste, der sie das Stück vorgespielt hatten, noch vor dem Termin.

Nie zuvor hatte ich so eine unbeschreibliche, mitreißende und aufwühlende Musik gehört, und von meinem Gesicht war sicherlich deutlich abzulesen, was ich dachte.

Die vier grinsten, nachdem sie geendet hatten.

»Naaa?«, machte Conn gedehnt und triumphierend.

»Das ist irre!«, schrie ich. »So etwas hat die Welt noch nie gehört!«

»Doch, das hat sie schon mal gehört«, platzte Armagh heraus. Borach trat ihm rasch auf den Fuß.

»Eine Urform davon gab’s schon im Mittelalter«, erklärte Buinne.

Conn lächelte. »Die Menschen im Mittelalter wussten, was ist. Wie ist’s? Willst du nicht teilhaben an unserem Erfolg?«

»Ich kann kein Instrument spielen, ich verstehe überhaupt nichts von Musik,...



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