E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Zimmermann 10 Tage Angst
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-4301-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-7494-4301-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich, Angela Zimmermann, wurde 1966 geboren, bin Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebe heute mit meinem Mann in Dippoldiswalde / Deutschland. Nach mehrjähriger Tätigkeit in dem Beruf als Uhrmacherin, widme ich mich nun dem Schreiben. Das Interesse dazu, war schon lange da, und 2011 fand ich endlich die Zeit und Ruhe dazu, alles niederzuschreiben. Mit dem Erscheinen meines ersten Romans 2014 begann eine Wende in meinem Leben. Insgesamt fünf weitere Romane sind im Telegonos-Verlag erschienen. Ich lote mit den Geschichten die Grenzen der menschlichen Existenz aus und befasse mich mit Erscheinungen, die über das normale Fassbare für uns hinausgehen. Mit einem Thriller für starke Nerven möchte ich nun meine Leser begeistern.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Ella
Ella ist noch nicht richtig wach und bekommt das Klingeln an der Tür nur wie durch einen Schleier mit. Sie zieht sich die Decke über den Kopf, aber es nützt nichts. Es hört nicht auf, und so kommt sie nicht drumherum aufzustehen.
Wer ist denn heute früh so zeitig an ihrer Tür? Ein Blick auf den Wecker zeigt ihr jedoch, dass es bereits nach zehn Uhr ist. So spät ist sie schon lange nicht mehr aufgestanden. Wäre ihr Schlafzimmerfenster zur anderen Seite des Hauses hinaus, hätte sie wohl die Sonne längst wach gekitzelt. Das hat sie aber noch nie gestört, ganz im Gegenteil. Der kleine Balkon am Schlafzimmer zeigt in den Innenhof, wo abends kein Straßenlärm ist und man die untergehende Sonne genießen kann.
Langsam schiebt sie die Beine aus dem Bett und steht auf. Sie zieht sich den Morgenmantel über und fährt in ihre Hauspantoffeln. In den viel zu großen Schuhen, die sie aber unbedingt haben wollte, auch wenn es sie nicht in ihrer Größe gab, schlürft sie durch das Wohnzimmer in den Flur. Immer noch vollkommen verschlafen zieht sie ihre Beine schlurfend über das Laminat.
Ein kurzer Blick durch den Spion in der Tür und sie öffnet diese.
„Wo hast du deinen Schlüssel?“, fragt sie schläfrig und geht mit gesenktem Kopf einfach in die Küche.
Hinter ihr betritt Sten die Wohnung und er ist es gewohnt nicht gleich begrüßt zu werden. Er übergeht die Frage, weil er ihn wieder einmal vergessen hat, und folgt Ella. Gelassen beobachtet er sie, an dem Türrahmen gelehnt, wie sie die Kaffeemaschine mit Pulver und Wasser befüllt und dann anmacht.
„Bekomme ich auch einen?“, fragt er und erhascht jetzt doch ein zartes Lächeln von Ella.
„Na klar, hast ja auch Brötchen mitgebracht“, antwortet Ella, nachdem sie den frischen Bäckerduft wahrgenommen hat.
„Du siehst aber noch ganz schön müde aus“, foppt Sten sie, der sich mittlerweile hingesetzt hat.
„Du musst ja auch nicht so zeitig zu mir kommen“, kontert Ella und stellt zwei Teller, Tassen, Sahne und Zucker auf den Tisch.
„Aber hallo, es ist schon nach zehn“, sagt Sten und fährt mit seinen Fingern über Ellas kurzen blonden Haarschopf. Sie stehen in alle Richtungen von Kopf ab und Sten muss sich das Lachen verkneifen.
„Weg“, zischt Ella und schlägt gegen seine Hand. Sie mag es nicht, wenn er das macht, aber er tut es immer wieder sowie er die Gelegenheit dazu bekommt.
„Es ist wohl gestern spät geworden?“, lenkt Sten auf ein anderes Thema.
„Nein, eigentlich nicht“, kommt von Ella, die den Kaffee in die Tassen gießt und sich jetzt mit an den Tisch setzt. „Ich war um 22 Uhr zu Hause. Wir sind diesmal eher nach Hause, denn Sunny hat heute doch Frühschicht“, fügt sie noch hinzu.
„Da hast du zwölf Stunden geschlafen“, sagt er und kann offensichtlich nicht verstehen, wie man so lange schläft und dann immer noch todmüde ist, zumindest so aussieht.
„Ich bin erst gegen zwei ins Bett. Ich hatte noch ein paar Ideen und die musste ich zu Papier bringen“, verteidigt sich Ella und Sten nickt ihr nur still zu.
Ella ist Designerin für Damenmode und arbeitet zu Hause. So kann sie sich die Zeit einteilen, wie sie möchte. Und wenn dann eine Idee kommt, ist es egal, wie spät es ist. Sie entwirft Kleider, Anzüge und Blusen für die gehobene Preisklasse und sehr anspruchsvollen Frauen.
Sie arbeitet mit einer Agentur zusammen, die Ellas Entwürfe in echte Stücke aus Stoff und Tüll verwandelt und sie über ein Onlinegeschäft vermarktet. Bis jetzt ist es sehr gut gelaufen und mit der Beteiligung am Verkauf kann Ella gut leben. Es gab sogar schon Zeiten, wo Ella der Nachfrage nach neuen Modellen gar nicht hinterherkam. Aber es macht ihr Spaß und so kommt es dann auch mal vor, dass sie sich die ganze Nacht um die Ohren schlägt, nur um die Ideen auf Papier festzuhalten.
„Und was willst du eigentlich so zeitig bei mir?“, fragt Ella nach ein paar Minuten, in denen sie das frische Brötchen mit Honig gegessen hat.
„Du hattest vor mit mir heute einkaufen zu gehen“, kommt verständnislos von Sten, nachdem er den letzten Bissen von seinem Marmeladenbrötchen hinuntergeschluckt hat.
„Wollte ich das wirklich?“ Ella grinst Sten an, hat aber wahrscheinlich doch vergessen, dass sie ihm das versprochen hat.
„Ich brauche eine neue Couch und du wolltest mit mir in ein Möbelgeschäft. Ich vertraue deinem guten Geschmack“, schmeichelt er Ella und sie schenkt ihm dieses Mal ein verschmitztes Lächeln.
„Schon gut, ich muss mich nur etwas zurechtmachen.“
„Okay, ich lese inzwischen“, erwidert Sten und greift nach der Tageszeitung, die er vorhin mit hochgebracht hat. Er weiß, dass es sich nur noch um Stunden handeln kann.
„Ich beeile mich, versprochen“, sagt Ella, denn sie hat die versteckte Botschaft schon verstanden. „Räumst du bitte den Tisch ab?“, fragt sie und ist gleichzeitig auf den Weg ins Bad. Dort schaut sie erst einmal in den Spiegel und in ihre immer noch verschlafenen Augen. Sie wäscht ihr Gesicht mit kaltem Wasser und rubbelt es sich ab. Dann ein wenig Schminke, um die Augenringe wenigstens etwas verschwinden zu lassen. Ihre kurzen blonden Haare sind schnell gekämmt und mit ein wenig Gel in Form gebracht. Jetzt schaut sie sich zufrieden im Spiegel an. Aber sie schüttelt den Kopf, denn nicht nur, dass sie die Verabredung mit Sten vergessen hat, auch ihre Lust auf diesen Einkaufsbummel lässt zu wünschen übrig. Sie hat es jedoch versprochen und daran hält sie sich.
Nach fünfzehn Minuten ist Ella fertig und Sten fast mit der Zeitung durch. Gemeinsam machen sie sich endlich auf den Weg.
Es hat schon eine Weile gedauert, bis sie etwas Passendes gefunden haben. Ella macht mehrere Bilder und schickt sie dann Sunny auf das Handy. Sie möchte auch ihre Meinung haben, denn sie ist nicht gewillt das allein zu entscheiden. Sten kann das überhaupt nicht und hätte wohl die erste Couch genommen, an der sie vorbeigekommen sind. Ungeduldig wartet Ella auf eine Antwort, Sunny meldet sich jedoch nicht. Sie versucht sie anzurufen, aber sie nimmt den Anruf ebenfalls nicht entgegen.
„Wo ist sie denn?“, entfährt es Ella genervt und wählt nochmals die Nummer von Sunny.
„Vielleicht ist sie noch einkaufen“, redet Sten beruhigend auf sie ein.
„Ja, könnte sein. Aber mir wenigstens kurz schreiben ist doch drin“, entgegnet Ella und ruft nun schon zum vierten Mal an.
„Wir schaffen das auch ohne sie“, lächelt er und setzt sich auf die Couch, die ihm am besten gefällt.
„Die?“, fragt Ella entsetzt, denn das ist ganz und gar nicht ihr Geschmack und von ihr hat sie auch kein Foto gemacht.
„Die finde ich echt toll“, antwortet Sten und lässt sich nochmals darauf fallen, um wahrscheinlich die Federung zu prüfen. Sein Grinsen zeigt, dass er absolut zufrieden ist.
„Die ist aber wesentlich teurer, gegenüber den anderen“, flüstert Ella, als sie sich neben ihn setzt.
„Ella, du weißt, dass ich gut verdiene. Die kann ich mir echt leisten“, scherzt Sten und zieht sie in seine Arme.
Das macht er immer wieder mal, obwohl er weiß, dass es Ella nicht gefällt und so in der Öffentlichkeit erst recht nicht. Er versucht, ständig in ihrer Nähe zu sein, und dass er heute allein mit ihr hier ist, freut ihn am meisten. Er hat das absichtlich auf den Tag gelegt, weil er wusste, dass Sunny arbeiten ist. Er mag Sunny ebenfalls, und die beiden sind ja auch fast immer zusammen anzutreffen, Ella hat es ihm jedoch angetan. Er versucht, schon lange ihr Herz zu gewinnen, aber sie weist ihn stets wieder ab. Er gibt jedoch nicht auf. Irgendwann wird sie einsehen, dass er der Richtige für sie ist und dann wird er wohl der glücklichste Mann auf der Welt sein.
„Gut, lass uns eine Verkäuferin holen“, sagt Ella und windet sich aus den Armen von Sten.
Sie schaut sich um und keine Minute später sitzen sie schon an einen Verkaufstisch. Die junge Frau macht die Papiere fertig und Sten muss nur noch eine kleine Anzahlung tätigen. Die Couch kommt in einer Woche, was erstaunlich schnell geht und so hat er gerade noch Zeit, die Alte aus seinem Wohnzimmer zu räumen.
Ella schaut währenddessen wieder auf das Handy, aber Sunny hat sich noch immer nicht gemeldet.
„In einer Stunde kommt sie doch zu dir. Mach dir keine Sorgen. Wer weiß wo sie ist“, lächelt Sten Ella an, aber er erreicht sie nicht damit. Ella ist wirklich besorgt, denn so hat sich Sunny noch nie verhalten. Sie schreibt sonst immer eine kurze Nachricht oder ruft zurück. Heute bleibt aber beides aus und sie kann nur hoffen, dass sie wie abgemacht um 16.00 Uhr zu ihr kommt.
Sten versucht alles, um Ella abzulenken, aber es funktioniert nichts. Sie will einfach nur noch nach Hause und sehen, ob Sunny vielleicht schon da ist. So bringt er die fast abwesende und in ihren Gedanken gefangene Ella zurück in ihre Wohnung.
Es ist fast 17.00 Uhr und...




