Zimmermann | Nur er weiß warum | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 270 Seiten

Zimmermann Nur er weiß warum


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-1816-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 270 Seiten

ISBN: 978-3-8192-1816-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jedes Opfer hat eine Botschaft: "Nur er weiß warum" In einem Bach, unterhalb des Stadtparks wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Grausam zugerichtet und mit einer Botschaft. Der Kommissarin Anita Keller und ihrem Team, die von dem Fund zutiefst geschockt sind, läuft jedoch die Zeit davon, denn zwei weitere Frauen wurden bereits entführt. Sind sie ebenfalls bei diesem Täter? Wohl ja, wobei eine der Frauen nicht in das Täterprofil zu scheinen passt. Genau diese kann weitere Entführungen und Morde zwar nicht verhindern, aber sie selbst ist der größte Fehler, den der Täter gemacht hat, denn mit ihrem Mut und ihrem psychologischen Wissen, bringt sie seinen Plan ins Wanken.

Ich, Angela Zimmermann, wurde 1966 geboren, bin Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebe heute mit meinem Mann in Dippoldiswalde, Deutschland. Nach mehrjähriger Tätigkeit in dem Beruf als Uhrmacherin widme ich mich nun dem Schreiben. Das Interesse dazu, war schon lange da, und 2011 fand ich endlich die Zeit und Ruhe, alles niederzuschreiben. Mit dem Erscheinen des ersten Romans 2014 im Verlag DeBehr begann eine Wende in meinem Leben. Insgesamt fünf weitere Romane sind im TelegonosVerlag erschienen, leider aber nur noch über den persönlichen Kontakt zu mir erhältlich. Ich lote mit den Geschichten die Grenzen der menschlichen Existenz aus und befasse mich mit Erscheinungen, die über das normale Fassbare für uns hinausgehen. Bei BoD Books on Demand, erscheint nun mein zweiter Thriller von mir als Selfpublisher. Da habe ich ebenfalls schon einen Roman veröffentlicht. Ein weiteren findet ihr bei epubli. Weitere Informationen findet ihr hier: autorin-angela-zimmermann.jimdofree.com
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Kapitel 3


Der Pick-up fährt durch ein Tor, was sich hinter ihm von allein wieder schließt. Es ist schon hell geworden und er muss sich beeilen, das Auto in der anliegenden Scheune zu verstecken und die Frau ins Haus zu bringen. Er weiß nicht wie lange die Betäubung anhält und er will vermeiden, dass sie hier draußen aufweckt. Wenn sie schreien würde, was möglich wäre, denn das Klebeband ist wahrscheinlich durch die Nässe von ihrem Mund abgefallen, könnte es passieren, dass seine abgerichteten Hunde sofort auf sie losgehen würden. Sie gehorchen ihm zwar, aber er will kein Risiko eingehen.

Er zieht die Frau von der Ladefläche und dabei rutscht ihr die Kapuze vom Kopf. Er hält erschrocken inne und starrt sie an. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Er hat einen Fehler gemacht. Sie ist brünett. Er will aber nur blonde Frauen. Sollte er sie am besten gleich umbringen?

Er entscheidet sich dagegen sie zu töten und bringt sie widerwillig ins Haus. Er setzt sie auf einen Stuhl und schaut sie sich in Ruhe genau an. Sie ist hübsch, sehr hübsch. Er streicht ihr die immer noch nassen Haare zurecht und sein Herz beginnt zu springen. Diese junge Frau ist wohl der größte Fehler, den er je begehen konnte. Was soll er jetzt machen?

Er lebt mit seinem Sohn hier allein und will ihn mit den Frauen etwas auflockern. Jonas ist nach dem Tod der Mutter in ein tiefes Loch gefallen und hat sich komplett zurückgezogen. Er, Rolf sein Vater, möchte ihm doch nur helfen, aber er lehnt die Frauen ab, die er ihm bringt. Ob er diese auch ablehnt? Rolf ist auf Blondinen fixiert. Warum? Seine Frau Michell, die er bis heute abgöttisch liebt, war brünett und diesen Typ Frauen würde er nie zu nahe treten. Er kann es einfach nicht. Seine guten wie auch schlechten Erinnerungen hindern ihn daran. Und nun das. Er hat nicht aufgepasst und um sie zurückzubringen ist es auch zu spät. Er ist sich sicher, dass der ganze Park voller Polizei sein wird. Ihm bleibt nichts weiter übrig, er muss sie behalten, aber anders als die blonden Frauen.

Er klebt ihr erneut den Mund zu, schwingt sie nochmals auf die Schulter und betritt widerwillig das Zimmer von Jonas. Das hat er stets verhindert, aber diese Frau zwingt ihn dazu.

Jonas sitzt vor seinem Fernseher und lässt sich von den Nachrichten berieseln, wobei man sicher sein kann, dass davon nichts bei ihm ankommt. Er dreht sich kaum spürbar zur Seite und beobachtet, fast schon angewidert, seinen Vater. Rolf setzt die Frau auf den Stuhl und bindet sie fest. Ihr Kopf liegt auf ihrer Brust und beide können nicht sagen, ob sie von all dem etwas mitbekommt.

Unvermittelt springt Jonas auf und stürmt an seinem Vater vorbei aus dem Zimmer.

„Wo willst du hin?“, folgt ihn Rolf, der ihm nacheilt und froh ist, den Raum genauso schnell verlassen zu können.

„Was soll das? Wo hast du sie her?“, faucht Jonas seinen Vater an und der ist erstaunt, da es lange her ist, dass er einmal so aus sich herausgekommen ist, geschweige denn überhaupt mit ihm geredet hat.

„Mir ist ein Fehler passiert“, murmelt Rolf.

„Ein Fehler?“, kreischt Jonas fast.

„Sie hatte eine Kapuze auf, da konnte ich nicht sehen, dass sie nicht blond ist“, verteidigt sich Rolf.

„Das ist vollkommen egal. Du solltest aufhören. Und nun sie“, schmettert Jonas ihm an den Kopf.

„Erstens habe ich noch gar nicht richtig angefangen und zweitens gehst du jetzt da hinein und widersprichst mir nicht mehr. Ich hoffe, diesmal machst du etwas daraus, denn ich kann sie nicht gebrauchen“, tritt Rolf Jonas resolut entgegen und seine Stimme ändert sich. Sie klingt plötzlich düster und gefährlich. Jonas schaut ihn augenblicklich wieder eingeschüchtert an und scheint der Aufforderung schnellstens Folge zu leisten, denn er kennt ihn und will seinen Aggressionen aus dem Weg gehen.

Diese Worte hört Laura, die junge Frau, die eben festgestellt hat, dass sie an einen Stuhl gefesselt ist und ihr wird sofort klar, dass sie entführt wurde.

Die Tür geht auf und Jonas tritt herein. Sehr laut fällt sie wieder ins Schloss und lässt sie ängstlich zusammenzucken. Erst jetzt als er sie richtig ansieht erstarrt er fast bei ihrem Anblick.

Laura schaut zu ihm auf und errechnet in Sekundenschnelle ihre Situation. Obwohl ihr Kopf schmerzt, arbeitet ihr Gehirn sofort und sie kommt zu dem Schluss, dass sie entweder von ihm nichts zu befürchten hat, denn er scheint psychisch krank zu sein. Seine Augen verraten ihr das. Oder sie ist in den nächsten Minuten nicht mehr am Leben. Gerade als nun doch Panik in ihr aufsteigt, wendet er seinen Blick von ihr ab und bewegt sich langsam um den Tisch herum. Er setzt sich ohne ein Wort ihr gegenüber auf einen Stuhl und fällt fast gleichzeitig in seine Welt. Er scheint vollkommen in seinen Gedanken gefangen zu sein. Ganz sacht und monoton wiegt er seinen Körper hin und her und vermittelt ihr dadurch eine gewisse Sicherheit, bei ihm momentan nicht in Gefahr zu sein. Er ist zu labil und scheint sich selbst nur geschützt zu fühlen, wenn er abtaucht und damit dieser Situation aus dem Weg geht.

Laura Gerold ist 25 Jahre alt und wohnt hier in der Stadt. Sie studiert seit mehreren Semestern Psychologie und das könnte ihr hier am Ende helfen. Dieser Mann, der ihr gegenüber sitzt und sie mutwillig zu ignorieren versucht, ist eher jünger als älter wie sie und ohne Zweifel nicht ihr Entführer. Das sagt ihr nicht der Zustand, in dem er sich befindet, sondern auch die Unterhaltung, die sie vor wenigen Minuten mitbekommen hat.

Sie weiß nicht, wie viel Zeit sie hat, und so bringt sie ihr Gehirn auf Hochtouren. Die Theorie des Studiums hat sie stets gut absolviert, aber das Praktikum, was sie erst vor wenigen Monaten bei einer Psychiaterin machen durfte, gab ihr die richtige Sichtweise, um mit psychisch kranken Menschen umzugehen. Sie versucht, alles abzurufen was sie bei der Ärztin gesehen, gelesen oder gehört hat. Ihr wurde erlaubt, bei vielen Sitzungen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern teilzunehmen und in Krankenakten einzusehen, die sie wissensdurstig durchgearbeitet hat.

Dieser junge Mann ist nach ihren Einschätzungen verhaltensgestört oder hat autistische Züge. Das Wippen sagt ihr, dass er damit versucht, seinen Körper wieder zur Ruhe zu bringen. Als er sie vorhin angesehen hat, wurde in ihm etwas ausgelöst, was ihn förmlich in eine Starre gebracht hat. Was es ist, wird sie sicher noch erfahren, wenn er es zulässt und sie die Zeit dazu bekommt.

Während sie in ihrem Kopf alles zu sortieren versucht, beruhigt sie sich selber und wagt einen kurzen Rundumblick im Zimmer. Es ist ziemlich klein. In der Mitte befindet sich der Tisch, an dem sie sich gegenübersitzen. Rechts an der Wand hängt ein Fernseher, links steht eine Kommode. Hinter ihr ein Bett und eine weitere Tür. Diese ist ebenfalls geschlossen und somit kann sie nicht wissen, was dahinter ist. Nach vorn sind zwei Fenster, der Weg in die Freiheit? Daran vermag sie jetzt nicht zu denken, denn im Moment versucht sie ihn zu analysieren und vielleicht die Beziehung der beiden Männer zueinander zu erkennen. Sie vermutet, dass darin der Schlüssel liegt, wie sie hier wieder lebend herauskommen kann.

Gerade als sie sich den anderen Mann versucht vorzustellen, brüllt dieser das ganze Haus zusammen. Sie hört eine sehr tiefe und wütende Stimme. Es fliegen wahrscheinlich Gegenstände durch das zu ihnen angrenzende Zimmer und irgendwie kommt es ihr vor, als würde er jemanden anschreien. Ist da etwa noch ein weiterer Mann? Das wäre nicht gut für sie. Gegen zwei weitere hätte sie wohl nie eine Chance, auch wenn der junge Mann an ihrer Seite stehen würde. Und das sie vor ihm die wenigste Angst zu haben braucht, zeigt sich im selben Augenblick.

Mit einem Satz ist er auf den Beinen, um dem Tisch herum und steht neben ihr. Er hält einen Finger vor seinen Mund und schüttelt seinen Kopf.

„Sei bitte still, sonst bringt er dich um“, flüstert er fast ängstlicher, als sie es ist. Aber auf sich aufmerksam zu machen ist ja sowieso ziemlich eingeschränkt. Ihr Mund ist immer noch zugeklebt und zudem ist sie an dem Stuhl festgebunden.

Da war jedoch das Wort BITTE? Seit wann sagt ein Entführer Bitte. Nun ist sie sich ganz sicher, dass er nicht derjenige ist, der sie hierher verschleppt hat. Aber soll sie ihm vertrauen? Auch er könnte ihr irgendwann mit seiner offensichtlichen psychischen Erkrankung gefährlich werden. Und welche Störung hat der andere hinter der Tür? Der scheint ihr größeres Problem zu sein.

Sie schaut den jungen Mann an und sein Blick ist sehr eindringlich. Dann zeigt er auf das Klebeband auf ihrem Mund und will so still fragen, ob er es entfernen soll. Laura nickt zögerlich und schon nähert sich seine Hand ihrem Gesicht. Langsam, ganz langsam zieht er an dem Klebeband. Anscheinend will er ihr nicht weh tun, aber er verursacht genau das Gegenteil.

Laura hält still, wünscht sich, dass er doch einfach ziehen soll. Ein Ruck und es wäre ab, denn so tut es wahnsinnig weh. Ihr steigen Tränen in die Augen und er will schon die Hand wegziehen, als sie ihren Kopf ruckartig zur Seite dreht. Erschrocken und mit dem Klebeband an den Fingern...



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