Zimmermann | truly, madly, deadly - für immer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

Zimmermann truly, madly, deadly - für immer


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96089-557-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

ISBN: 978-3-96089-557-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei Studenten in einer WG, die sich nicht leiden können: Harry, der strebsame Perfektionist, der sein Studium mit Bestnoten abschließen möchte, und Partygänger Finnian, der sein Studentenleben in vollen Zügen genießt. Harry hat die Schnauze gestrichen voll. Er fiebert dem Tag entgegen, an dem er ausziehen kann und Blondie nie wiedersehen muss. Es sollte ihn daher eigentlich nicht besonders interessieren, dass besagter Blondie vom neuen Mitbewohner bei jeder Gelegenheit angebaggert wird - oder dessen stalkender Ex-Freund ständig vor der Tür steht. Eigentlich, wohlgemerkt. Verwirrte Gefühle sind jedoch nicht das einzige Problem und definitiv auch nicht das größte, denn nach und nach wird klar: Finnians Ex-Freund ist offenbar bereit, buchstäblich über Leichen zu gehen, um ihn zurückzugewinnen ...

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2. KAPITEL – Finnian


Harry war ein Idiot.

Nicht nur das.

Er war ein Idiot der Weltklasse.

Hätte er vorhin auch nur ein einziges weiteres Wort von sich gegeben, hätte ich ihn mit meiner Gitarre vermöbelt und …

„Was?“ Völlig von der Rolle schrak ich hoch, als Ellis mich mit einer Stange seines Notenständers in die Seite stupste. „Tut mir leid, ich war kurz … abgeschweift.“

Abgeschweift. Was für eine jämmerliche Untertreibung. Man könnte mein Gehirn im Moment, metaphorisch gesprochen, wohl stückweise vom Boden aufkratzen und in die Tonne treten, so groß war das Chaos darin.

Der zweifelnde Blick meines Kumpels sprach Bände. „Das konnte ich sehen. Bist du sicher, dass alles klar ist?“

Angestrengt rang ich mir ein Grinsen ab, das hoffentlich nicht wie ein grimmiges Zähnefletschen wirkte. „Ja, sicher. Alles gut.“

Ellis war an der Nasenspitze abzulesen, dass er mir selbstverständlich nicht glaubte, aber zu meiner unsäglichen Dankbarkeit schien er ebenso zu begreifen, dass jetzt der falsche Zeitpunkt war, um neugierig nachzuhaken.

Stattdessen nickte er nur langsam, bevor er sich den Gurt seiner Gitarre über den Kopf zog und das Instrument in die dazugehörige Tasche zu verfrachten begann. „So gern ich zur Psychohygiene noch ein wenig weitergeprobt hätte, muss ich leider los. Ich muss spontan eine Schicht im Café heute Abend übernehmen, nachdem sich eine Kollegin krankgemeldet hat.“

Dagegen hatte ich, ehrlich gesagt, überhaupt nichts einzuwenden.

„Kein Problem. Bei uns steht heute ohnehin noch ein WG-Casting im Terminkalender.“ Insgeheim erleichtert, schob ich den Ordner mit den Songs von mir. Normalerweise konnte ich nie genug davon bekommen, Musik zu machen – vor allem mit Ellis, meinem unangefochtenen, treuen Gig-Partner – aber nach meiner neuesten Auseinandersetzung mit Harry vorhin … nun ja.

Natürlich würde ich das niemals laut zugeben, aber dieses Gespräch hatte mich tatsächlich mehr mitgenommen als erwartet. An hitzige Wortgefechte mit ihm war ich gewöhnt, zur Hölle, die letzten zweieinhalb Jahre hatte ich fast jeden einzelnen, verdammten Tag damit verbracht. Aber sein Zum-Glück-Bin-Ich-Nicht-Schwul-Kommentar hatte sich nun aus irgendeinem Grund in meinem Kopf festgesetzt und wollte mich nicht mehr loslassen.

War das der Grund, wieso er mir gegenüber von Anfang an so abweisend gewesen war? Hatte er ein Problem mit meiner Homosexualität? Aber eigentlich hätte er mir das doch bei unzähligen Gelegenheiten schon längst kundtun können, oder?

Immer noch recht nachdenklich und schweigsam verabschiedete ich mich von Ellis, der am Ende mitsamt all seinem Gepäck zum Bus sprinten musste, um nicht eine halbe Stunde lang auf den nächsten warten zu müssen. Langsam schnappte ich mir den zu zwei Dritteln geleerten Snackteller sowie die zwei Gläser vom Boden und machte mich auf den Weg in die Küche. Wenig überrascht nahm ich zur Kenntnis, dass sich Dylan mit seinem ganzen Kram für seine Bachelorarbeit dort ausgebreitet hatte. So wie ich ihn kannte, schlürfte er sicherlich schon die dritte Flasche seines geliebten, ach so gesunden grünen Gesöffs.

In diesem einen Punkt waren Harry und ich uns nämlich durchaus einig: Dylans grüne Smoothies schmeckten (und rochen) wie halbverdauter Mageninhalt.

„Hey, Dyl.“ Ich bemühte mich erst gar nicht darum, eine fröhliche Fassade aufzusetzen. Dylan kannte mich viel zu gut – es war vollkommen egal, was ich tat, er würde trotzdem innerhalb eines Wimpernschlags erkennen, dass bei mir gerade das Regenwetter des Jahrhunderts herrschte.

Wie erwartet musste mein Mitbewohner nur kurz den Kopf heben, bevor er sein Dokument zwischenspeicherte, um sich dann seufzend zurückzulehnen. Seine Hände schoben die mit Katzen bedruckte Kaffeetasse auf dem Tisch hin und her.

„Finnian. Schieß los.“

Trotz allem musste ich lächeln. „Was soll es denn loszuschießen geben? Ich bin sicher, Harry hat dich bereits in alles Wissenswerte eingeweiht.“

Dylan verdrehte die Augen. „Ich bin unparteiisch, schon vergessen? Wenn ich eine Seite gehört habe, will ich auch die andere hören. Also?“

Ich kämpfte mit mir. Sollte ich ihm meinen Verdacht äußern? Der Gedanke, der mir seit dem neuesten Streit mit Harry im Kopf umherschwirrte, war alles andere als harmlos und konnte unter Umständen für noch mehr Unfrieden sorgen – nicht nur zwischen Harry und mir (falls es zwischen uns überhaupt noch mehr Unfrieden geben konnte), sondern zwischen uns allen dreien.

Fast schon andächtig stellte ich die Gläser in die Spüle, wobei ich sorgsam darauf achtete, Harrys dämlichem Stapel benutzten Geschirrs nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ich würde mich nur sinnloserweise darüber ärgern. Wenn ich etwas hasste, dann waren das Sachen im Haushalt, die ständig liegengelassen wurden. Natürlich machte es mir nichts aus, wenn ein Teller mal einen Tag lang in der Spüle stand, aber wenn sich irgendwann das Geschirr einer ganzen Woche auf der Anrichte stapelte, fand meine Geduld ein abruptes Ende. Leider war Harry absoluter Spezialist darin, Geschirr, Wäsche, Schuhe und so ziemlich alles andere überall ewig herumliegen zu lassen, bis sich entweder jemand anderes darum kümmerte oder wir uns darüber aufregten.

Wobei Letzteres mehr auf mich zutraf. Dylan hingegen schien es nichts auszumachen, immer wieder Harrys Gläser und Teller zusammen mit seinem eigenen Geschirr abzuspülen. Meine eigenen Wutanfälle brachten mir auf Harrys Beliebtheitsskala natürlich nicht gerade Punkte ein.

Zugegeben: Ich genoss es allerdings wohl auch ein bisschen zu sehr, ihn mit allem aufzuziehen. Harry war einfach so reizbar und fuhr so schnell aus der Haut, dass es beinahe Spaß machte, ihn zu provozieren. Ganz eventuell war ich an unserer misslichen Lage also auch nicht ganz unschuldig, aber …

„Denkst du, Harry ist homophob?“

Erst als Dylans Augen die Größe von Untertassen annahmen, ging mir auf, dass diese Worte eben laut aus mir hervorgeplatzt waren, bevor ich sie überdenken hätte können.

Wundervoll.

Jetzt bekam ich sicherlich einen Vortrag.

Dylan stieß beinahe seinen Smoothie vom Tisch, so hektisch setzte er sich auf, um dann die Ellbogen an die Kante zu stemmen, die Arme dabei so angespannt, dass die so sorgfältig trainierten Muskelgruppen hervortragen.

Ich bemühte mich, nicht allzu auffällig hinzusehen.

Auch wenn Dylan durch und durch hetero und für mich wirklich nur ein Kumpel war, kam ich nicht umhin, immer wieder verstohlene Blicke auf sein trainiertes Äußeres zu werfen. Sein Durchhaltevermögen in Sachen Sport war mir persönlich ein Rätsel. Im Gegensatz zu Dylan war ich nicht nur ein Zwerg, sondern auch ein schwächlicher Lauch. Wobei Harry aber der noch größere Lauch von uns beiden war, wie man an dieser Stelle anmerken musste. Im wahrsten Sinne des Wortes, immerhin überragte er mich um einen halben Kopf.

So viel dazu.

„Wie bitte?“ Dylan klang so ungläubig, dass ich mir auf der Stelle lächerlich vorkam. „Harry? Homophob? Wie zur Hölle kommst du darauf?“

Peinlich berührt zuckte ich mit den Schultern und wandte mich resolut ab, um die verbliebenen Snacks von dem Teller zu räumen und mich an den Abwasch zu machen. „Egal. Vergiss es.“

Ich fuhr zusammen, als mich ein Kugelschreiber an der Schulter streifte und dann geradewegs in das Spülwasser segelte, das ich eben ins Waschbecken einließ. Empört drehte ich mich um, doch Dylan schnappte sich bereits den nächsten Stift, ohne sich um das Schicksal seines Vorgängers zu kümmern.

„Also.“ Auffordernd musterte er mich. „Ich höre?“

Seufzend ließ ich die beiden Gläser in die Spüle gleiten und sah zu, wie diese mit leisem Plätschern unter der schaumbedeckten Wasseroberfläche verschwanden.

„Er hat vorhin, als wir uns gestritten haben, eine Bemerkung gemacht, die sich irgendwie … schlecht angefühlt hat. Ich kann es nicht erklären. Es war wahrscheinlich total harmlos und nur etwas, das er im Eifer des Gefechts gesagt hat, aber irgendwie werde ich dieses blöde Gefühl nicht mehr los.“

Dylan schürzte die Lippen. „Finn, glaub mir, Harry mag ja alles Mögliche sein – so wie du auch, wie ich an dieser Stelle anmerken muss – aber er ist sicherlich nicht homophob. Mit Reggie kommt er immerhin auch blendend klar. Und der ist so offensichtlich schwul, dass neben ihm sogar Elton John in den Schatten rückt. Außerdem kennst du Harry. Wenn er wütend ist, wirft er mit Sachen um sich, die er nicht wirklich so meint. Also … nein. Ich würde mir keine Gedanken machen.“ Er hielt inne. „Wieso machst du dir denn überhaupt Gedanken? Ihr zwei hasst euch doch sowieso schon aus Prinzip.“

Verlegen schüttelte ich den Kopf, während meine Hände wie ferngesteuert den Abwasch fortführten. „Wir hassen uns nicht, Dylan. Wir sind nur … nicht gerade die größten Fans voneinander.“

Dylan gab ein albernes Keckern von sich und nahm dann einen großen Schluck von seinem Smoothie.

„Nicht gerade die größten Fans voneinander?“ In einer übertriebenen Geste wischte er sich über den Mund „So würdest du das beschreiben? Na gut. Von mir aus.“

Ungehalten schüttelte ich den Kopf. „Krieg dich wieder ein, Salatkopf. Für mich ist das schon lange normal.“ Ich hielt inne, als meine Finger unter all dem Schaum auf den vorhin so kläglich ertrunkenen Kugelschreiber stießen.

„Wenn das für dich Normalität ist,...



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