Zimmermann | Winterkönig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 410 Seiten

Zimmermann Winterkönig

Historischer Roman
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-6731-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 410 Seiten

ISBN: 978-3-6951-6731-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als "Winterkönig" ist Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich V. (1596 - 1632) in die Geschichte eingegangen. Als "Winterkönig" verspottete ihn die zeitgenössische gegnerische Propaganda während der Frühphase des Dreißigjährigen Krieges, in der Friedrich ein Jahr lang (1619 - 1620) als gewählter und gekrönter König von Böhmen amtierte. Durch die Annahme von Wahl und Krone machte sich Friedrich für die Ausweitung eines regionalen Konflikt (Böhmischer Aufstand) zum Europäischen Krieg verantwortlich.

Geboren in Worms am 06. August 1954. Aufgewachsen im rheinhessisches Alsheim. Dort Grundschule, anschl. Gymnasium in Oppenheim. Abitur 1974. 15 Monate Wehrdienst. Studium Germanistik und Geschichte in Mainz. Erstes Staatsexamen 1981. Zweites Staatsexamen 1983. Anschl. Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag. 2004 Wechsel zur Zentrale der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Dort Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Infolge einer lebensbedrohlichen Krankheit (Schlaganfall) Ausscheiden aus dem Berufsleben zum Ende 2016. Krebsdiagnose 2022 und 3 1/2-jährige Therapie in der Unimedizin Mainz. Seit 1981 ansässig in Oppenheim. Verheiratet seit 1981, vier erwachsene Kinder, fünf Enkelkinder (Stand 2025). Bisherigen Veröffentlichungen (siehe auch www.friederzimmermann.com): 4 Rheinhessenkrimis (alle Matthias Ess-Verlag, Bad-Kreuznach) - Weinbergsfallen 2015 - Kasernenmord 2016 - Windradmafia 2017 - Weinsteingrab 2018 Historische Kurzgeschichten und historische Romane - Nicht nur Luther war hier. Historische Persönlichkeiten und ihre Zeit in Oppenheim 2016 (Matthias Ess-Verlag, Bad-Kreuznach) - Mélac. Mordbrenner des Königs 2023 (TZ-Verlag, Roßdorf bei Darmstadt) Diverse Aufsätze in - Oppenheimer Hefte, Jahrbuch des Geschichtsvereins Oppenheim (mehrfach) - www.regionalgeschichte.net (Onlineportal des Instituts für Landesgeschichte der Uni Mainz, mehrfach) - als Heft im Eigenverlag z.B. Kaspar Sturm. Ein Oppenheimer im diplomatischen Dienst des Kaisers (vergriffen) - Beiträge zur Oppenheimer Stadtgeschichte bei Facebook - Kaspar Sturm. In: Oppenheim am Rhein. Festbuch anlässl. 800 Jahre Stadtrecht. Hrsg. Oppenheimer Geschichtsverein 2025.
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Böhmen - Pulverfass mit kurzer Lunte


In der schlesischen Stadt Namslau unterzeichneten am 22. November 1348 der böhmische König Karl IV. und der polnische König Kasimir der Große einen Friedensvertrag, der die 40 Jahre dauernden Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Schlesien beendete. Polen verzichtete „auf ewige Zeiten“ auf das wirtschaftlich starke Schlesien. Aus Böhmen würden im Gegenzug keine Ansprüche auf die polnische Krone erhoben. Der Vertrag von Namslau machte den Weg frei für die als Inkorporation in die Geschichte eingegangene Verbindung der Herzogtümer Schlesien, Ober- und Niederlausitz sowie einer Vielzahl kleinerer Herrschaften, von denen manche in der Oberpfalz und in Franken lagen, mit der Krone Böhmen. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts kamen die Markgrafschaft Mähren, 13 kleinere schlesische Fürstentümer und das Herzogtum Luxemburg hinzu. 1415 vervollständigte die Inkorporation der Mark Brandenburg die Krone Böhmen. Die Inkorporation war nicht mit einem modernen Bundesstaat zu vergleichen. Die Machtverhältnisse waren insofern klar geregelt, dass das Königreich Böhmen mit seinen Ständen den Kern und das Haupt verkörperten, während die anderen Länder dahinter anstanden und die Glieder bildeten. Eine staatsrechtliche Besonderheit, die den Samen legte, aus dem einmal ein Konflikt erwachsen würde, der einen großen Teil Europas ins Unglück stürzen sollte. Das Königreich Böhmen und die Länder der Krone Böhmen erstreckte sich schließlich über eine Fläche von 135.000 km2, etwas mehr als die Fläche Englands, und war infolge von Bodenschätzen und deren Verarbeitung sowie als Handelszentrum im Herzen Europas wohlhabend und einflussreich.

Die besondere Konstellation änderte sich nicht, als der Habsburger Ferdinand I. 1526 die Krone Böhmen erbte, die bis dahin mehr als 200 Jahre lang vom Haus Luxemburg regiert worden war. Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erhob Ferdinand Böhmen neben Österreich und Ungarn zu den Kernlanden seiner Herrschaft. Die von den Ländern der Krone Böhmen im Prinzip anerkannte Vormachtstellung des Königreichs Böhmen innerhalb der Inkorporation wurde brüchig, als die Anerkennung der Lehre des Reformators Johannes Hus durch Böhmen, die schon ihre Unvereinbarkeit mit dem in Mähren tief verankerten Katholizismus nachgewiesen hatte, durch die Reformation mit neuen Phänomenen mit Spaltungspotenzial konfrontiert wurde. Die Markgrafschaft Niederlausitz und mehrere schlesische Fürstentümer traten zum Luthertum über. Am 9. Juli 1609 stellte Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aus dem Haus Habsburg und böhmischer König, den sogenannten Majestätsbrief aus, der den Ländern der Krone Böhmen Religionsfreiheit gewährte. Seine Sympathie für Böhmen war groß, so groß, dass er sogar seine Residenz von Wien nach Prag verlegte. Doch Rudolf starb am 20. Januar 1612. Auf dem Kaiserthron folgte ihm sein Bruder Matthias, der schon ein Jahr zuvor böhmischer König geworden war.

Während der Tage, in denen die Vertreter der protestantischen Union in Heidelberg tagten und die dramatischen Ereignisse dort erlebten, nahm die Spirale des Verderbens im Osten des Reiches Fahrt auf. Der römisch-deutsche Kaiser und böhmische König Matthias zerschnitt den Majestätsbrief Rudolfs eigenhändig und veranlasste die Rückverlegung der Residenz von Prag nach Wien. In Prag setzte er Statthalter ein, die u.a. beauftragt waren, den Katholizismus in Böhmen zu beleben und zu stärken. Die Empörung der böhmischen Stände wuchs ins Unermessliche.

Die Eskalation in Böhmen geschah in einer Phase der europäischen Politik, die mit der am Vorabend des Ersten Weltkrieges vergleichbar war. Mit Spanien und Frankreich standen sich seit langer Zeit zwei Mächte als Rivalen um die europäische Vormachtstellung gegenüber. Das Haus Habsburg, dessen spanische Linie in Madrid auf dem Thron saß und Herr über die Spanischen Niederlande war, grenzte von Mailand im Süden bis zur Nordsee an den Herrschaftsraum des Hauses Bourbon. Das war eine Grenze, die einem spannungsgeladenen Minenfeld glich, wo es an vielen Stellen täglich zu Zusammenstößen, Konflikten und deren Zuspitzung kommen konnte. Frankreich hatte einen regelrechten Einkreisungskomplex entwickelt und tat alles, um aus den habsburger Grenzlinien keine Umklammerung werden zu lassen. Dazu gehörte die massive Unterstützung der sieben abtrünnigen Provinzen, die als Vereinigte Niederlande schon seit 1568 einen blutigen Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien führten. Ein zwischenzeitlicher Waffenstillstand würde 1621 auslaufen. Im Nord-Osten Europas rüsteten sich Dänemark und Schweden, den Streit um die Vorherrschaft im Ostseeraum gegebenenfalls auch kriegerisch auszutragen. Im Südosten Europas stellte der osmanische Imperialismus seit der Eroberung Konstantinopels eine latente Gefahr dar. Seit der mit Mühe und Not abgewehrten ersten Belagerung Wiens 1529 bestand allgemein Klarheit darüber, dass ganz Europa das Ziel der osmanischen Expansionspolitik war. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wechselten hier kalte und heiße Kriege einander ab, die gewaltig große Opfer forderten, unglaubliche Geldsummen verschlangen und wesentliche Teile der Streitkräfte des Reichs, Ungarns, Polens, Litauens und Venedigs an deren Süd- und Ostgrenzen banden.

Die Kurpfalz, für die Friedrich mit seiner Volljährigkeit als Pfalzgraf und Kurfürst die Regentschaft formell übernahm, lag unförmig quer, aus zwei großen und mehreren kleinen Landesteilen bestehend, innerhalb des Heiligen Römischen Reichs und damit im Zentrum einer Region, die einem sich zunehmend aufheizenden Kessels glich. In die beiden großen Landesteile waren, wie im Reich üblich, eine Vielzahl nicht kurpfälzischer Herrschaften eingelagert. Die nordwestliche Untere Pfalz war stark von Landwirtschaft, Wald- und Weinbau geprägt. Hauptstadt und Residenz des Kurfürsten war Heidelberg. Die Oberpfalz lag ein ganzes Stück weit entfernt im Südosten zwischen der Provinz Pilsen der Krone Böhmen und dem Herzogtum Bayern. Diese Region wurde vom Bergbau geprägt, war eine der wirtschaftsstärksten des Reichs und entsprechend wohlhabend.

Die hochexplosive Spannung, die in diesen Jahren ganz Europa erfasste und es zu einem Pulverfass mit einer kurzen Lunte machte, die geradezu darauf wartete angezündet zu werden, wurde natürlich auch in Heidelberg wahrgenommen. Jedoch mehr vom Kanzler und den fürstlichen Räten, von den hohen Militärs und den politischen Beratern, von den reformierten Theologen und Geistlichen, von den Bankiers und den Verwaltern der Gruben und Hütten, von den Landvögten und Leitern der fürstlichen Güter und Flächen, als vom regierenden Fürsten selbst. Friedrich V. Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst und Erztruchsess des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation aus der Linie Pfalz-Simmern des Hauses Wittelsbach war in Rekonvaleszenz. Für die restlichen vier Monate des Jahres 1614 hatte sein Leibarzt verordnet, er möge sich erholen, und hatte dafür ein strenges Programm aufgestellt. Dazu gehörte vor allem Ruhe und die Schonung von Körper und Geist. Da der Fieberanfall von Ende August hinsichtlich seiner Ursachen und Auslöser nicht aufgeklärt werden konnte, hatte der Ärztliche Rat Wildanger entschieden, Vorkehrungen gegen alle nur denkbaren Verursacher von Funktionsstörungen und Leistungsverminderungen von Körper und Geist zu treffen und den gesamten Organismus des Fürsten gegen einen neuerlichen Anfall zu wappnen, zu kräftigen und zu befähigen, einen solchen, wenn er nicht verhindert werden konnte, wieder zu überstehen. Das Programm verbot gänzlich körperliche Anstrengungen. Damit waren Ausritte zu Jagd und jede Form der aktiven Beteiligung an Turnieren verboten, was Friedrich schwer traf. Das ansonsten regelmäßige Training mit dem Rapier und mit der Pike wurde ausgesetzt. Das tat weniger weh. Als Bewegung wurden Friedrich lediglich kurze Spaziergänge durch die Gartenanlagen des Schlosses gestattet. Oft hielten sich Friedrich und Elisabeth mit ihrem Hofstaat wochenlang im Jagdschloss Deinschwang, Friedrichs Geburtsort in der Oberpfalz, auf, weil die Luft dort besser war als am Neckar. Bei allen Gelegenheiten durfte seine Gattin stets an seiner Seite sein. Zum Entsetzen beider verbot der Arzt aber für zunächst sechs Monate jegliche Form des ehelichen Verkehrs, weshalb das riesige Ehebett im fürstlichen Schlafgemach, wie auch das deutlich bescheidenere Schlafzimmer im Jagdschloss durch zwei getrennte und mit einigem Abstand aufgestellte Schlafstätten ersetzt wurde. Die geschlechtliche Enthaltung wurde von dafür abgestellten Leibwächtern Nacht für Nacht überwacht. Die Folge war, dass der kleine Prinz Heinrich Friedrich zunächst ein Einzelkind blieb. Das Zeugen und Gebären seiner am Ende zwölf Geschwister setzte erst 1617 wieder ein. So war das junge Paar zwar Tag und Nacht zusammen, durfte sich auch nahe kommen. Sexuelle Erregung aber, so die ärztliche Befürchtung, hätten den Druck auf Blut, Gehirn und Herz derart erhöht, dass ein neuerlicher Anfall...



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