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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 23, 196 Seiten

Reihe: Klagenfurter Kneipen-Krimi

Zingerle Deserteure

Karawanken-Krimi
2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96610-401-2
Verlag: Edition Z
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Karawanken-Krimi

E-Book, Deutsch, Band 23, 196 Seiten

Reihe: Klagenfurter Kneipen-Krimi

ISBN: 978-3-96610-401-2
Verlag: Edition Z
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein tragischer Autounfall in Kärnten kostet dem Monteur Frank Poltl das Leben. Eher lustlos verfasst die Journalistin Barbara Stromberger den Artikel über den Vorfall. Am nächsten Tag kommt der ehemalige UNO-Soldat Ernst Vogt zu ihr in die Redaktion und behauptet, das Unfallopfer heiße in Wahrheit Heinz Fössl und sei vor zwanzig Jahren unter mysteriösen Umständen am Golan - dem Grenzgebirge zwischen Israel und Syrien - verschwunden. Doch was ist damals am UN-Stützpunkt wirklich vorgefallen - und hat bei Poltls Unfall jemand nachgeholfen? Ein Mord nach zwanzig Jahren Hubert Pogatschnig, mittlerweile Berufsdetektiv, übernimmt den Fall und muss schnell erkennen, dass die Ereignisse damals einen weitaus größeren Einfluss auf die Gegenwart haben, als er ohnehin schon befürchtet hat. Nicht nur Vogt, auch er selbst gerät ins Fadenkreuz des Mörders. Die Kärntner lassen das Morden nicht Im zweiten Folgeroman zur Groschenheft-Kultserie 'Klagenfurter Kneipen-Krimi' verarbeitet Roland Zingerle seine Erfahrungen aus seiner Zeit als UNO-Soldat. Düster, österreichisch, verrückt: Von Mördern, die ihr Handwerk verstehen. Zur Serie Über die Einhaltung von Gesetzen wacht die Polizei - aber nicht nur. In Klagenfurt am Wörthersee haben sich der Großhandelsvertreter und spätere Bierführer Hubert Pogatschnig und der Bierführer-Assistent Ludwig Melischnig die Aufklärung von Kapitalverbrechen zur Aufgabe gemacht. Dabei besteht der besondere Reiz für die beiden darin, schneller zu ermitteln als die Polizei. Von den Medien als 'Zwei für die Gerechtigkeit' gefeiert und von der Kripo unter dem Kommando von Chefinspektor Leopold Ogris als 'Deppen-Duo' verachtet, machen sich die beiden Hobby-Detektive die Vorteile des Tratsches zunutze: Sie suchen dort nach Hinweisen, wo Informationen ausgetauscht werden, nämlich in Gaststätten oder Gewerbebetrieben, Vereinen oder Nachbarschaften, beim täglichen Herumkommen oder auf gelegentlichen Extratouren an Originalschauplätzen in und um Klagenfurt am Wörthersee.

Roland Zingerle, geboren 1973, lebt und arbeitet in Klagenfurt am Wörthersee. Er studierte Germanistik und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Journalist und Kulturmanager, ehe er sich als Schriftsteller selbstständig machte. Zingerle verfasst Romane und Sachbücher und unterrichtet deutsche Literatur und kreatives Schreiben.
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Kapitel 2


Montag, 12.15 Uhr


Gasthaus Pumpe, Klagenfurt


Ludwig Melischnig legte den Kopf in den Nacken und öffnete den Mund so weit, dass jeder, der im richtigen Blickwinkel saß, die halb gekauten Gulaschstücke darin sehen konnte. Dann lachte er aus vollem Hals. Hubert Pogatschnig sah in die teils empörten, teils belustigten Gesichter der Gäste an den anderen Tischen. Sein schelmisches Lächeln war nur an kleinen Fältchen rund um Augen und Mund erkennbar.

»... mit Bier gefüllt«, wieherte Melischnig. »Das ist gut!« Er schien sich nicht mehr einkriegen zu können, und als es doch gelang und er einen Schluck Bier in den Mund nahm, zwang der nächste Anfall ihn, seine Mundfüllung krampfhaft zu schlucken, um sie nicht auf dem Wirtshaustisch zu verteilen. Danach kicherte er weiter.

Hubert kaute derweil stillvergnügt an seinen Käsnudeln. Er gab es nicht gerne zu, doch er hatte es vermisst, mit Melischnig beim Pumpe zu Mittag zu essen.

»Was ist denn mit dem los?«

Hubert sprang auf und tupfte sich hastig den Mund ab, bevor er ihn Heike Ogris entgegenhielt, die soeben mit Wastl an den Tisch der beiden getreten war. Sie nahm seinen Kopf in beide Hände und küsste flüchtig seine Lippen.

»Servus, Schatzi«, sagte sie und deutete dann fragend auf Melischnig.

»Der amüsiert sich nur über eine altägyptische Volksweisheit«, winkte Hubert ab und drückte Wastl die Hand zur Begrüßung. Während die beiden Ankömmlinge Platz nahmen, fragte Heike: »Was für eine altägyptische Volksweisheit?«

»Habe ich gestern im Internet gelesen«, erklärte Hubert, »ein Spruch, der lautet: ›Der Mund eines glücklichen Mannes ist mit Bier gefüllt.‹«

Melischnig wieherte erneut auf. Auch Heike kicherte, aber eher wegen Melischnigs Verhalten.

»Originell«, gestand sie, »aber so witzig ist der auch wieder nicht.«

»Doch, denn Ludwig hat ihn erst nach der dritten Erklärung verstanden.«

»Was verstanden?«, fragte Wastl. Seine hängenden Backen gaben seinem verständnislosen Blick etwas Hündisches. Daran änderte sich auch nichts, als Heike den Spruch für ihn wiederholte.

»Was, mit Bier gefüllt?«

»Wenn du den Mund voller Bier hast«, schaltete Hubert sich ein, »dann bist du glücklich, oder?«

Wastl zuckte die Achseln. »Nicht immer.«

Heike begann zu lachen.

»Siehst du«, meinte Hubert zu ihr. »Genauso war es bei Ludwig auch. Wastl: Der Spruch meint, dass ein Mann immer dann glücklich ist, wenn er Bier trinken kann.«

»Aber ich kann doch auch ...« Eine Erkenntnis erhellte Wastls Gesicht. »Ach so, du meinst umgekehrt ...«

Sein linker Zeigefinger zeigte nach rechts und sein rechter nach links. Dann begann auch er zu lachen, und dieses Lachen steigerte sich so weit, bis sein dröhnender Bass seinen unförmigen Körper zum Wabbeln brachte.

»... mit Bier gefüllt«, kam es zwischendurch hervor. »Nicht schlecht.«

Er und Melischnig nickten einander zu, und Melischnig zeigte mit dem Daumen nach oben.

Hubert sah Heike derweil ebenso vergnügt in die Augen wie sie ihm.

»Wie lange seid ihr schon hier?«, fragte sie.

»Eine Viertelstunde, ungefähr, heute ist viel zu tun.«

»Bei uns nicht, aber am Wörthersee haben sie die Süduferstraße gesperrt, das hat uns einige Zeit gekostet. Wastl wollte die Mittagspause schon in Reifnitz verbringen.«

Hubert zog die Augenbrauen hoch. Wastls Sturheit war in der ganzen Brauerei legendär.

»Wie hast du ihn dazu gebracht, doch noch hierherzufahren?«

»Ich habe ihm gesagt, ich trete ihm in seinen dicken Hintern, wenn er es nicht tut.«

Hubert sah ihr forschend in die Augen, dann meinte er mit einem kurzen Kopfschütteln:

»Glaube ich dir nicht.«

»Na gut, Herr Detektiv«, sie schlug die Augen nieder, »wir müssen dann in der Stadt noch ein paar Cafés beliefern, da war es egal, ob wir gleich zurückkommen oder erst nach dem Essen. Und nachdem ich gewusst habe, dass mein Liebling hier auf mich wartet, habe ich Wastl gebeten hierherzufahren.«

Hubert blinzelte öfter und verliebter, als er wollte. Seit mehr als zwei Jahren war Heike nun schon Bierführerin, doch Huberts Befürchtung, dass die Arbeit sich wie bei ihren männlichen Kollegen auf ihre Statur auswirken würde, hatte sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Mit ihren siebenundzwanzig Jahren war Heike noch gleich schlank wie damals, und die Muskeln, die sie durch die Arbeit bekommen hatte, machten ihre Figur eher sportlich als klobig. Hubert hätte sich eine solche Entwicklung auch für sich gewünscht, doch aus Erfahrung wusste er, dass ihm eher das Gegenteil bevorstand.

»Wie geht’s meiner Schwester?«, fragte sie Melischnig, der sich jetzt anscheinend wieder im Griff hatte. Heikes Frage ließ ihn schlagartig ernst werden.

»Gut«, antwortete er, »sehr gut, danke. Unter diesen Umständen halt.«

Heike nickte, und Hubert sah, wie sie ihre Lippen aufeinanderpresste. Offenbar bereute sie, gefragt zu haben.

Melischnig hatte jahrelang einen Lkw-Verleih aufgezogen, der anfangs recht erfolgreich gewesen war, im vergangenen Jahr jedoch ins Trudeln geriet. Schuld daran war ein Transportunternehmen namens Trans-Carinthian, das seit zwei Jahren ein Konkurrenzunternehmen nach dem anderen mit Schleuderpreisen in den Ruin trieb. Haupteigentümer und Geschäftsführer war ein Manager namens Friedrich Grilc, der aus Kärnten stammte, sein Geld davor aber mit einer Import-Export-Firma in Wien verdient hatte. Man munkelte, Grilc kenne aus dieser Zeit auch seine finanzkräftigen Partner, die ihm nun in der Phase des Kahlschlags unter die Arme griffen, damit er den Preiskampf finanziell überlebte. Seine Strategie und die dahinterstehende Absicht waren allgemein bekannt, dennoch grinste der dicke bärtige und glatzköpfige Anfangvierziger von allen Titelblättern und wurde von den selbst ernannten Szeneblättern des Landes wie auch von der Wirtschaftskammer hofiert, weil der Aufstieg seines Unternehmens als Erfolg angesehen wurde.

Mitte des vergangenen Jahres zeichnete sich ab, dass Melischnigs Firma dem Konkurrenzdruck von Trans-Carinthian nicht standhalten würde, mit Jahreswechsel sperrte er zu. Da hatte er aber schon die Zusage von seinem ehemaligen Dienstgeber, dass er mit Jänner wieder als Bierführer würde arbeiten können; besser gesagt, als Bierführer-Assistent, denn den Lkw-Führerschein hatte Melischnig noch immer nicht.

Seither tat er wieder das, was ihm am liebsten war, nämlich Bier ausführen, und obwohl Hubert auch jetzt wieder sein Chef war, war Ludwig dennoch ein glücklicher Mensch. Die Sache hatte für ihn nur einen Makel: Er konnte seiner Frau Bettina – Heike Ogris‘ Schwester – und seinen beiden Kindern Huberta und Hubert nicht mehr den Lebensstandard bieten, den er ihnen gerne geboten hätte. Alle wussten das, und obwohl Bettina selbst ihm immer wieder versicherte, sie sei glücklich, wenn er glücklich wäre, hatte er deswegen Gewissensbisse. Deshalb bereute Heike nun wohl, ihn nach Bettina gefragt zu haben, denn offensichtlich hatte ihn das an sein vermeintliches Versagen erinnert.

Hubert wollte ihn auf andere Gedanken bringen. Er sah mit einer übertriebenen Geste auf seine Armbanduhr, stieß ihm in die Seite und meinte:

»Ludwig, tummel dich, wir müssen weiter.«

Ein Zucken ging durch den Angesprochenen, und er beeilte sich dienstbeflissen mit dem Essen. Heike schenkte Hubert einen dankbaren Blick.

Auf dem Weg zum Bierwagen läutete Huberts Handy. Als er auf das Display blickte, hellte sich sein Gesicht auf.

»Barbara Stromberger«, rief er erfreut ins Telefon, »das ist aber eine Überraschung.«

»Hubert Michael Pogatschnig«, kam die Antwort, »wie lange ist das jetzt her? Fünf Jahre, oder?«

»Du hast die Tage gezählt?« Beide lachten. »Was heckst du diesmal aus?«

»Muss ich etwas aushecken, um einen alten Freund anzurufen? « Sie klang vorwurfsvoll. Hubert ließ ein paar Sekunden verstreichen, um seiner Antwort mehr Gewicht zu verleihen:

»Bisher hast du mich immer nur kontaktiert, wenn du meine Hilfe gebraucht hast, und die hast du dann schamlos ansgenützt und mich im Regen stehen gelassen. Also, was soll ich denken?«

»Du enttäuschst mich«, kam die Antwort. »Ich habe nicht gedacht, dass du so nachtragend bist.«

»Bin ich gar nicht. Vorsichtig bin ich.«

»Vorsichtig genug, um dich nicht mit mir zu treffen?«

Hubert wurde hellhörig. »Worum geht es?«

Barbara kicherte, wohl um Zeit zu gewinnen, doch Hubert hatte ihr keinen Raum für Ausreden gelassen.

»Um eine Story«, gestand sie, »um eine hammermäßige Story, wenn ich nicht ganz falschliege.«

»Du arbeitest also immer noch als freie Journalistin?«

»Nein, mittlerweile bin ich angestellt. Das heißt, ich bin nicht mehr darauf angewiesen, Knüller zu verkaufen, du kannst dich also entspannen.«

»In deiner Gegenwart?« Wieder lachten beide, diesmal gehässig.

»Aber im Ernst, wann können wir uns sehen?«

Pogatschnig überlegte. »Heute nach Dienst? Um halb sechs?«

»Wie, nach Dienst? Ich habe gedacht, du bist Privatdetektiv?«

»Privatdetektive gibt es in Österreich nicht, bei uns heißt es ›Berufsdetektiv‹.«

»Wurscht, wie es heißt; bist du es, oder bist du es nicht?«

Hubert wollte antworten, wusste aber nicht, wie. Deshalb redete er sich heraus:

»Das ist eine lange Geschichte. Treffen wir uns um halb sechs in meinem Büro? Die Adresse ist Alter Platz 1.«

In dem nun folgenden kurzen Schweigen hörte er Unverständnis, Ver- und auch...



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