E-Book, Deutsch, 191 Seiten
Zobel Traumatherapie
1., Aufl
ISBN: 978-3-88414-728-3
Verlag: Psychiatrie-Verlag eBooks
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Eine Einführung
E-Book, Deutsch, 191 Seiten
Reihe: Fachwissen (Psychatrie Verlag)
ISBN: 978-3-88414-728-3
Verlag: Psychiatrie-Verlag eBooks
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die wichtigsten Aspekte der Traumatherapie, die man für die Behandlung von Menschen wissen muss, die durch Erlebnisse wie Unfälle oder Gewalterfahrungen seelisch schwer erschüttert sind, werden in diesem Buch knapp und praxisnah dargestellt.
Nach einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung der Traumatherapie und über die neurophysiologischen Grundlagen, die zum Verständnis der Traumafolgestörungen notwendig sind, geht es um das konkrete Vorgehen in der therapeutischen Praxis. Der Schwerpunkt liegt bei verhaltenstherapeutischen Zugängen und EMDR, dem Verfahren, das in den letzten Jahren als Therapeuten und Klienten besonders schonendes und hilfreiches Verfahren Verbreitung gefunden hat. In je eigenen Beiträgen werden folgende Themen behandelt:
- Diagnosestellung,
- Stabilisierung,
- verhaltenstherapeutische Interventionen,
- EMDR,
- der Umgang mit Dissoziationen
- die medikamentöse Behandlung.
Auch die Angehörigen von traumatisierten Menschen, denen es nicht leicht fällt, mit dem oft befremdlichen Verhalten der Betroffenen umzugehen, werden nicht vergessen. Abgerundet wird der Band durch eine Checkliste mit Empfehlungen, die im Umgang mit Traumapatienten unbedingt zu beachten sind. Darüber hinaus gibt es eine kommentierte Liste von weiterführenden Internetadressen zum Thema Psychotraumatologie.
Für das Buch hat Martrin Zobel ein Team von zwölf erfahrenen Autorinnen und Autoren versammelt, darunter ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet der Traumatherapie wie Luise Reddemann und Oliver Schubbe. Auch der kürzlich verstorbene Klaus Grawe ist vertreten.
Zielgruppe: Psychotherapeuten in Aus- und Weiterbildung
Stichworte: Traumatherapie, EMDR, Dissoziationen, Traumafolgestörungen, Zobel
Der Herausgeber
Dr. Martin Zobel (Jg. 62), Diplom-Psychologe. Er arbeitet als Psychotherapeut in eigener Praxis, ist Lehrbeauftragter der Katholischen Fachhochschule Köln und in der wissenschaftlichen Begleitforschung der Kliniken Daun/Eifel tätig.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;6
2;Vorwort;7
3;Historische Entwicklung der Traumatherapie;8
3.1;Die Entwicklung bis ins 19. Jahrhundert;8
3.2;Sexueller Missbrauch und Psychoanalyse;9
3.3;Die beiden Weltkriege;11
3.3.1;Erster Weltkrieg 1914–1918;12
3.3.2;Zweiter Weltkrieg 1939–1945;12
3.4;Nachkriegszeit;13
3.5;Vietnamveteranen als Wegbereiter;15
3.6;Sexueller Missbrauch – neue Konzepte und Sichtweisen;16
3.7;Posttraumatische Belastungsstörung und Komorbidität;18
3.8;Zusammenfassung;19
4;Neurologische Hintergründe und »neuropsychotherapeutische« Implikationen bei Posttraumatischen Belastungsstörungen;21
4.1;Eine kurze Einführung in die funktionelle Neuroanatomie der Angst;21
4.2;Ein vorläufiges neurowissenschaftlich gestütztes Modell der Posttraumatischen Belastungsstörung;23
4.3;Implikationen für die Praxis;26
4.4;Abschließende Bewertung der Relevanz biologischer Modelle für die therapeutische Praxis;29
5;Von der Anamnese zur Diagnose;31
5.1;Mit welchen Symptomen kommen Traumapatienten in die Behandlung?;31
5.2;Nach traumatischen Erlebnissen fragen;33
5.2.1;Wann sind belastende Erlebnisse traumatisch?;34
5.3;Stabilisierende Übungen und Distanzierungstechniken;37
5.3.1;Die Zwerchfellatmung;37
5.3.2;Distanzierungstechniken;38
5.3.3;Den Patienten »rausquatschen«;38
5.3.4;Den Patienten rückwärts rechnen lassen;38
5.3.5;Die Aufmerksamkeit des Patienten auf körperliche Bewegungsabläufe lenken;39
5.3.6;Bilder schwärzen;39
5.3.7;Dissoziationen stoppen;40
5.3.8;Der »sichere Ort«;41
5.4;Screening: Impact of Event Scale (IES);42
5.5;Kriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung gemäß ICD-10;44
6;Stabilisierung;47
6.1;Erstkontakt;48
6.1.1;Beziehungsaufnahme;49
6.1.2;Anamneseerhebung;51
6.2;Aufbau eines tragfähigen Arbeitsbündnisses;52
6.2.1;Psychoedukation;53
6.2.2;Kognitive Arbeit;55
6.3;Erlernen von Affektkontrolle;55
6.3.1;Ressourcenorientierung;55
6.3.2;Umgang mit Gefühlsüberflutung;56
6.3.3;Umgang mit dissoziativem Verhalten;57
6.4;Ego-state-Konzepte;57
6.4.1;Die Arbeit mit dem »inneren Kind«;59
6.4.2;Praktische Umsetzung;61
6.4.3;Modifikation der Arbeit mit dem inneren Kind bei stärker dissoziativen Patientinnen und Patienten;62
6.4.4;Bedeutung von anhaltendem Täterkontakt;63
6.4.5;Arbeit mit Täterintrojekten;64
6.5;Gruppenarbeit mit stabilisierenden Techniken;66
7;Verhaltenstherapeutische Interventionen;68
7.1;Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung;69
7.1.1;Wiedererleben;69
7.1.2;Vermeidungsverhalten;69
7.1.3;Erhöhtes Erregungsniveau;70
7.2;Weitere traumakorrelierte Störungen;70
7.3;Therapie;71
7.3.1;Erster Therapieteil: Die Stabilisierungsphase;72
7.3.2;Zweiter Therapieteil: Konfrontation und Integration;78
7.3.3;Weitere Aspekte der Therapie;85
8;EMDR;87
8.1;Die acht Phasen der EMDR-Behandlung;88
8.1.1;Erste Phase: Anamnese und Behandlungsplanung;88
8.1.2;Zweite Phase: Stabilisierung und Vorbereitung;93
8.1.3;Dritte Phase: Einschätzung vor dem Prozessieren;96
8.1.4;Vierte Phase: Neuverarbeitung;98
8.1.5;Fünfte Phase: Verankerung;102
8.1.6;Sechste Phase: Körpertest;103
8.1.7;Siebte Phase: Abschluss;103
8.1.8;Achte Phase: Überprüfung und Neubewertung;104
8.2;Zur Wirkung von EMDR;107
8.2.1;Welche Klienten profitieren von EMDR?;107
8.2.2;Wie wirkt EMDR im Vergleich zu anderen Methoden und Kontrollgruppen?;107
8.2.3;Wie wirkt die bilaterale Stimulation bei EMDR?;108
8.2.4;Wie wirkt EMDR bei chronifizierten Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung?;110
8.2.5;Was zeigen die bildgebenden Verfahren über die Wirkung von EMDR?;110
8.2.6;Wie wirkt EMDR im Vergleich mit Psychopharmaka?;111
9;Vom Umgang mit Dissoziationen und Körpererinnerungen;113
9.1;Intention;113
9.2;Eingrenzung des Begriffs;114
9.2.1;Kontext der Begriffsbestimmung;114
9.2.2;Gelingende Integration;115
9.3;Dissoziation – ein Begriffsspektrum;117
9.3.1;Körpererinnerungen: von der Konversion zur somatoformen Dissoziation;120
9.3.2;Dissoziation und Erinnerung;121
9.3.3;Zusammenfassung der Theorie;122
9.4;Umgang mit Dissoziationen, Intrusionen und Körpererinnerungen;122
9.4.1;Arbeitsgrundlage: die Zeitlinie;122
9.4.2;Grundsätze im Umgang mit dissoziierten Erinnerungen;125
9.4.3;Sinnvolle Unterscheidungen und Interventionsformen;126
9.4.4;Weitere Arbeitsgrundlagen;128
9.5;Psychoedukation;134
9.6;Schlussbemerkung;135
10;Medikamentöse Therapie bei Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen;136
10.1;Mögliche Indikationen zur Pharmakotherapie bei Posttraumatischen Belastungsstörungen;136
10.2;Was ist bei der Gabe von Psychopharmaka zu beachten?;137
10.3;Wichtige Medikamentengruppen bei der Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen;138
10.4;Überwachung der medikamentösen Behandlung;139
10.5;Medikamente in der Notfallbehandlung;140
10.6;Erhaltungstherapie mit Psychopharmaka;141
11;Angehörige traumatisierter Personen;142
11.1;Herr K. – ein hypothetisches Geschehen;143
11.2;Angehörige als soziale Ressource in der Akut- und Postakutphase;148
11.3;Arbeit mit Traumatisierten und Angehörigen;151
12;Psychotraumatologie im Internet;159
12.1;Ressourcen für Fachkreise;160
12.1.1;Internationale Metasites;160
12.1.2;Organisationen,Vereine und Arbeitsgemeinschaften;160
12.1.3;Forschung;162
12.1.4;Diagnostik;163
12.1.5;Intervention;163
12.1.6;Literaturrecherche und Zeitschriften;164
12.1.7;Kollegialer Austausch;165
12.2;Ressourcen für Betroffene;166
12.2.1;Allgemeine Informationen;166
12.2.2;Körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch und kriminelle Gewalttaten;167
12.2.3;Tod nahe stehender Personen;168
12.2.4;Lebensbedrohliche Erkrankungen;168
13;Anhang: Übersicht über Indikationen, Diagnostik und Behandlung;169
13.1;1. Aufbau einer tragfähigen und vertrauensvollen Arbeitsbeziehung;169
13.2;2. Motivation des Patienten;169
13.3;3. Sekundärer Krankheitsgewinn;169
13.4;4. Körperliche und psychische Stabilität;170
13.5;5. Komorbidität;170
13.6;6. Depression;170
13.7;7. Dissoziation;170
13.8;8. Selbstverletzendes Verhalten;170
13.9;9. Akute Suizidalität;171
13.10;10. Bestehender Täterkontakt;171
13.11;11. Psychotisches Erleben;171
13.12;12. Exploration des belastenden Ereignisses;171
13.13;13. Diagnostik;172
13.14;14. Behandlungsplanung;172
13.15;15. Supervision;172
14;Literatur;173
15;Autorinnen und Autoren;190
16;Mehr eBooks bei www.ciando.com;0
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Die moderne Verhaltenstherapie mit ihrem unvoreingenommenen Blick auf die individuelle Lerngeschichte und ihrer Beachtung biopsychosozialer Zusammenhänge verfügt über besonders gute Voraussetzungen für die Integration neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in ihren pathogenetischen Verständniskosmos.Davon profitiert auch die Verhaltenstherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung in erheblichem Ausmaß.
Die Posttraumatische Belastungsstörung hat bei den verschiedenen Menschen und auch in den verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche »Gesichter«. Bei manchen Betroffenen stehen Albträume ganz im Vordergrund, bei anderen wiederum ein vollständiges Vermeidungsverhalten, so dass sie wie erstarrt wirken können. Wieder andere wirken scheinbar grundlos übertrieben ängstlich und schreckhaft. Es kommt de facto nicht vor, dass ein Patient Symptome benennt und sagt: »Ich habe diese Auffälligkeiten, weil ich früher ein Trauma durchlebt habe.« Die Störungen sind für die Patienten kaum zu beschreiben und in den seltensten Fällen zuzuordnen. Häufig wird über das Trauma gar nicht oder höchstens nur nebenbei und ohne größere emotionale Beteiligung berichtet. Die Ärztin oder der Psychologe, die die Diagnose stellen, müssen erst einmal auf die Idee kommen, dass eine solche Erkrankung vorliegen könnte, und dann die vorliegenden Auffälligkeiten daraufhin überprüfen. Schließlich sollte behutsam nach Art und Umfang der Traumatisierung geforscht werden,wobei tunlichst vermieden werden muss, den Betroffenen eine Traumatisierung zu suggerieren.
Hat man einen Blick dafür entwickelt, so lassen sich viele zuvor nicht beachtete bzw. nicht einzuordnende Auffälligkeiten als Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung erkennen. Diese setzt sich in individuell unterschiedlicher Ausprägung im Wesentlichen aus folgenden Symptomen zusammen: einem qualvollen, sich aufdrängenden sinnlichen, emotionalen und physiologischen Wiedererleben eines in der Vorgeschichte durchlittenen Traumas (Intrusionen), einem daraus resultierenden Vermeidungsverhalten sowie einer überhöhten sympathikotonen Aktivierung und Wachsamkeit (Hyperarousal).
Häufig sind auch Dissoziationszustände. Immer bedingt das Trauma eine Erschütterung der zuvor vorliegenden Selbst- und Weltsicht mit dem konsekutiven Aufbau dysfunktionaler Schemata von Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Häufig führt das Vermeidungsverhalten zu einer Tendenz, das Trauma auch im therapeutischen Zusammenhang zu verschweigen. Oft liegen weitere psychische Störungen vor, die meist der primäre Anlass zur Durchführung einer Psychotherapie sind, deren alleinige Behandlung jedoch nicht zur umfassenden psychischen Gesundung der Betroffenen führen kann.
Die Posttraumatische Belastungsstörung ist die einzige psychische Störung, die zwingend das Erleben einer Traumatisierung in der Vorgeschichte zur Vorbedingung hat.
Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung
Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung ist das häufige Wiedererleben des ursächlichen Traumas in Form intensiver Sinneseindrücke und Gefühle, so als ob das Trauma zum jeweiligen Zeitpunkt erneut durchlebt würde (Intrusionen).Typischerweise treten auch stark belastende Wiederholungsträume bezüglich des Traumas auf. Manchmal ist das Wiedererleben so intensiv, dass die Person auch im eigentlichen Wachzustand, außerhalb des Schlafes, wie in Trance wirkt und sich eventuell so verhält, dass dies die Traumatisierung widerspiegelt.
So kann z.B. ein Mann, der beinahe erwürgt worden wäre, plötzlich beginnen zu röcheln und sich zu winden. Sehr häufig wird die betroffene Person durch ein äußerliches Zusammenzucken auch ein innerliches Erschrecken offenbaren. Auslöser für dieses sich aufdrängende sehr quälende Wiedererleben können Situationen sein, die in irgendeiner verdeckten oder offenen Weise an das Trauma erinnern oder die es symbolisieren.Hierzu gehören auch Jahrestage des Traumas. Typische Auslöser des Wiedererlebens eines Verkehrsunfalls können z.B. plötzlich auftauchende rote Bremslichter, laute, krachende Geräusche oder auch das Hören des Signaltons von Rettungsfahrzeugen sein. Die Trigger, die ein solches Wiederdurchleben des Traumas hervorrufen, sind jedoch nicht immer so leicht zu identifizieren und sind häufig insbesondere für den Betroffenen selbst rätselhaft, so dass ihm sein eigenes Verhalten unerklärlich oder gar verrückt erscheinen mag.




