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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Zöbeli Die Rosen von Abbotswood Castle
16001. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95818-079-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-95818-079-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alexandra Zöbeli lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Zürcher Oberland in der Schweiz. Sie bekennt sich selbst als Britoholikerin - verrückt nach allem, was von der Insel kommt. Für Alex gibt es kaum etwas Schöneres, als die verschiedenen Ecken Großbritanniens zu entdecken und sich dabei vorzustellen, welche Geschichte sich an Ort und Stelle gerade abspielen könnte. Seit sie das Schreiben für sich entdeckt hat, leidet zwar der Haushalt, aber zumindest hat ihr Kopfkino endlich ein Ventil erhalten. Unter der Aufsicht ihres Katers Noah, der mit Vorliebe neben Alex' Laptop schläft, sind bisher sieben Romane entstanden.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Hetty blätterte lustlos in einem Klatschheftchen, das ihre Tochter Becky beim letzten Besuch mitgebracht hatte. Doch in Wirklichkeit interessierte es sie überhaupt nicht, was die Stars und Sternchen dieser Welt von sich gaben, was für Kleider sie trugen oder welche Partner sie gerade wieder mal eingetauscht hatten. Ihr war langweilig – stinklangweilig, und das an ihrem Geburtstag! Oliver hatte ihr nach dem Frühstück einen flüchtigen Kuss aufgedrückt und gemeint, dass sie dann am Abend feiern gehen würden. Er hätte noch ein wichtiges Golfspiel mit irgendwelchen Kunden, die kurz davor wären, in ein großes Geschäft einzusteigen. Sie sollte sich doch einen schönen Tag machen, mal wieder zum Frisör gehen und sich ein hübsches Kleid kaufen. Hetty schnaubte verärgert auf, sie hatte sich schon so darauf gefreut, mal wieder etwas gemeinsam mit ihrem Mann zu unternehmen. Doch der Golfplatz ging mal wieder vor. Wie hatte sie nur glauben können, dass er sie überraschen und irgendwohin ausführen würde?! Im Flur gackerte ein Huhn und Hetty musste augenblicklich schmunzeln. Becky hatte ihr geholfen, diesen Klingelton auszusuchen und auf ihr Handy zu laden, mit dem sich Hetty immer noch nicht angefreundet hatte. Wozu brauchte sie ein Telefon, das fotografieren, Musik abspielen und all den anderen Schischi machen konnte, wenn sie doch nur telefonieren wollte? Sie legte die Zeitschrift zur Seite und ging hinüber in den Flur, wo ihre Handtasche auf einem kleinen antiken Schrank stand. Natürlich war das Handy mal wieder zuunterst in der Tasche, und beinahe hätte das Huhn zu gackern aufgehört, bevor sie den Anruf entgegennehmen konnte. Auf dem Display lächelte ihr Becky entgegen.
»Hallo, Liebes«, begrüßte sie ihre Tochter und ließ sich dabei nicht anmerken, wie frustrierend der heutige Tag für sie war.
»Happy birthday to youuuuu, happy birthday to youu«, sang Becky lauthals und zum Gotterbarmen falsch in ihr Ohr. »Ich wünsche dir alles Liebe! Du bist die beste Mutti der Welt!«
Hettys Laune verbesserte sich schlagartig. »Danke, Becky. Wie geht es dir?«
»Ich lerne, bis mir der Kopf raucht, so wie es Dad mir eingebläut hat. Die Anforderungen hier in Oxford sind schon um einiges höher als zu Hause auf dem College.«
»Macht es dir auch Spaß?«
»Machst du Witze, Mum?! Ich bin hier, um zu studieren, nicht um Spaß zu haben!«
Hetty lächelte. Ihre Tochter kam ganz nach Oliver, nur die blauen Augen und die Sommersprossen, die hat Becky von ihr geerbt.
»Und was machst du heute an deinem Geburtstag? Plant ihr einen Ausflug?«, fragte Becky neugierig.
»Schön wär’s. Aber dein Dad hat keine Zeit.« Weil er lieber mit seinen Geschäftskollegen auf dem Golfplatz ist, fügte sie im Stillen hinzu und spürte, wie der Ärger wieder in ihr hochkroch.
»Hmm, das ist blöd. Aber ihr könnt ja danach noch was unternehmen. Du, sag mal, kannst du mir am Wochenende meine Kleider waschen? Es ist hier so mühsam mit den Waschautomaten.«
»Natürlich, Liebes. Heißt das, du kommst nach Hause? Ich freue mich so! Wir könnten zusammen ins Kino gehen, so wie früher.«
»Nicht böse sein, Mum, aber ich habe mich bereits mit ein paar Freunden aus der Zeit vom College verabredet. Oh, ich muss los, die Pause ist vorbei. Tschüss, Mum.«
Hetty wollte ihr Handy gerade zurück in die Handtasche stecken, als es erneut gackerte. Dieses Mal erschien ihre Mutter auf dem Display. »Hallo, Mum«, meldete sie sich, und klang dabei selbst in ihren eigenen Ohren wie Becky.
»Guten Morgen, Henrietta. Gut, dass ich dich erwische. Wir haben heute kurzfristig über Mittag ein Familienessen geplant. Schau doch bitte, dass du kommen kannst.«
Einen Augenblick war Hetty sprachlos. Dann besann sie sich eines Besseren und dachte, vielleicht hätte die Familie ja ein Überraschungsessen für sie auf die Beine gestellt.
»Bist du noch dran, Henrietta?«
»Ja, klar, Mum. Es ist zwar wirklich etwas kurzfristig, aber ich werde da sein. Oliver wird allerdings nicht kommen können, er ist auf dem Golfplatz.«
»Das macht nichts, es geht sowieso um die Familie.«
»Mum, er ist mein Mann, er ist Familie!«, erinnerte sie ihre Mutter leicht genervt.
»Ja, ja, nun reg dich nicht gleich auf. Wir sehen uns also zum Mittagessen. Ach, und könntest du bitte noch ein Dessert mitbringen? Ich komme leider nicht mehr dazu, selbst etwas zu machen und du kannst das doch so gut.«
Hetty seufzte: »Ja, natürlich.«
Super, nun durfte sie an ihrem Geburtstag auch noch ihren eigenen Kuchen backen.
Zwei Stunden später fuhr Hetty mit ihrem teuren Jaguar vor ihrem Elternhaus vor. Oliver hatte darauf bestanden, dass sie als Frau eines Bankmanagers in einem entsprechenden Statussymbol herumfuhr, obwohl sie ihren ersten Wagen, einen alten Vauxhall, viel lieber mochte. Aber sie wollte mit Oliver wegen so etwas nicht streiten und hatte sich daher nicht gewehrt, als er den Vauxhall nach seiner Beförderung in der Bank vor fünf Jahren einfach verkauft hatte. Der Jaguar, den er ihr dann geschenkt hatte, war zwar schön und bequem, aber sie kam sich darin völlig dekadent vor. Zudem befürchtete sie immer, sich irgendwo einen Kratzer in den teuren Lack einzufangen. Sie wusste, wie ihr Mann sich über solche Kleinigkeiten aufregen konnte und versuchte daher gar nicht erst in diese Situation zu geraten. Das eine Mal hatte ihr völlig gereicht.
Hetty griff nach dem herrlich duftenden Schokoladengugelhupf auf dem Rücksitz und ging entlang dem Wagen ihrer Schwester zur Haustür. Noch immer dachte sie, dass alle nur auf sie warteten, um dann laut »Überraschung!« zu rufen. Sie drückte auf die Klingel und musste sich einen Moment gedulden, bis ihre Mutter die Tür öffnete. »Ah, da bist du ja endlich. Komm rein, Henrietta! Lucy ist auch schon da und wir haben mit dem Essen nur noch auf dich gewartet.«
Hetty zog den Mantel aus und ging dann ins Esszimmer, wo sie ihren Dad und ihre Schwester Lucy begrüßte, die bereits am Tisch saßen. Niemand gratulierte ihr zum Geburtstag und ihr wurde schnell klar, dass es hier um etwas anderes ging. Sie setzte sich und wartete, bis ihre Mutter allen das Essen auf den Tellern serviert hatte. Es gab Kartoffelbrei, einen trockenen Schweinebraten mit einer pampigen Sauce und dazu Möhrchen in einer zu sauren Balsamico-Sauce. Ihre Mutter war keine große Köchin, aber niemand wagte es, das Mahl zu kritisieren. Im Gegenteil, ihr Vater lächelte seine Frau an und nickte anerkennend: »Köstlich, meine Liebe, sehr köstlich.«
Hetty verkniff sich ein Lächeln, ihr Vater war wirklich ein herzensguter Charmeur.
»Ihr wisst ja«, griff ihre Mutter schließlich das Thema auf, weswegen sie die ganze Familie zusammengetrommelt hatte, »dass ich euren Vater damals gegen den Widerstand meiner Familie geheiratet und daher kaum noch Kontakt zu ihr habe.«
Ja, das hatte sich Hetty in ihrer Jugend bis zum Abwinken anhören müssen. Ihre Mutter stammte aus einem schottischen Adelsgeschlecht und dass sie da ausgerechnet einen einfachen englischen Büroangestellten geheiratet hatte, ging der Familie total gegen den Strich. Janes Familie war der Trauung ferngeblieben und hat seither keinen Kontakt zu den beiden aufgenommen. Hettys Vater hatte sich beruflich hochgearbeitet und mittlerweile gehört ihm das Hotel, in dem er als kleiner Lehrling begonnen hatte. Ihre Mutter hat ihn stets unterstützt, half im Hotel bei der Organisation von größeren Anlässen mit und war ansonsten in verschiedenen Wohltätigkeitsprojekten engagiert. Auch die Erstgeborene des Paares, Lucy, hat Karriere gemacht. Sie ist Kinderärztin geworden und arbeitet nun als Kinderchirurgin im Saint Mary’s Hospital in London.
Nur Hetty passte irgendwie nicht so richtig in die beruflich ehrgeizige Familie. Kurz nach ihrem neunzehnten Geburtstag hatte sie den Banker Oliver auf einer Party einer Freundin kennengelernt. Nach nur sechs Monaten wurde Becky aufgrund eines geplatzten Kondoms gezeugt. Oliver stand zu seiner Verantwortung und heiratete Hetty, denn eine Abtreibung kam für sie nicht in Frage. Manchmal fragte eine kleine leise Stimme in ihr, ob Oliver und sie aus den richtigen Gründen geheiratet hatten und ob er sie auch wirklich liebte. Wenn sie ehrlich war, war sie sich hin und wieder selbst nicht sicher, ihren Mann aufrichtig und aus vollstem Herzen zu lieben. Doch war das nicht normal? Gewöhnte man sich nicht mit der Zeit so sehr aneinander, dass der Partner einfach Familie, nicht aber mehr Liebhaber ist? Dass das Herzklopfen ausbleibt, wenn er nach Hause kommt und man einfach nur auf einen friedlichen Abend nebeneinander hofft?
»Henrietta! Hörst du überhaupt zu?«, fragte ihre Mutter spitz und holte sie aus ihren Gedanken zurück.
»Ja … natürlich, Mum . Es geht um deine Familie.«
»Es wäre schön, wenn du möglichst bald nach Schottland fahren könntest, um dich um Maxwell zu kümmern.«
»Was? Wie?! Das geht nicht! Und überhaupt, wer ist Maxwell?«
»Das habe ich doch gerade eben erklärt!«, schimpfte ihre Mutter.
»Maxwell ist ein Onkel von Mum. Er ist über achtzig, zuckerkrank und braucht nun jemanden, der sich um ihn kümmert«, erklärte Lucy dem lieben Frieden willen. »Wenn er stirbt, erbt ansonsten Mums Schwester Liz das Schloss, und wir gehen leer aus. Das wollen wir doch alle nicht, nicht wahr?«
»Lucy!«, wies ihr Vater seine Älteste zurecht.
»Na, wenn wir ehrlich sind, ist das doch genau der Punkt, oder, Mum?«, seufzte Lucy.
»Ähm … natürlich nicht, Lucy! Als ich...




