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Zöbeli | Ein Ticket nach Schottland | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Zöbeli Ein Ticket nach Schottland

Roman
15001. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95818-042-0
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-95818-042-0
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Job weg, Freund weg, Wohnung weg. Jo Müller bleibt nichts anderes übrig, als mit Ende dreißig noch einmal zu ihren Eltern zu ziehen. Ein Inserat für ein Garten-Praktikum in Schottland kommt da gerade recht. Mit einer guten Portion Zuversicht im Gepäck fliegt Jo in die Highlands. Doch statt grüner Idylle findet sie dort vor allem harte Arbeit und einen hitzigen, wenn auch ziemlich gutaussehenden, Chefgärtner namens Duncan vor. Fatalerweise denkt Duncan, Jo hätte eine Gärtnerinnen-Ausbildung und treibt sie mit seinen Ansprüchen zur Weißglut. Jo, die eigentlich gelernte Köchin ist, versucht mit allen Mitteln, ihr Manko zu verheimlichen - was natürlich im Chaos endet. Zum Glück ist Duncans kleiner Sohn Nick deutlich verständnisvoller als sein Vater, der erst nach und nach merkt, dass Jo auch in seinem Herzen einiges durcheinander gebracht hat ... 'Wer einen Kurzurlaub in das vielseitige Schottland voller Schönheit und Charakterpersonen möchte, der sollte in 'Ein Ticket nach Schottland' verschwinden.' (Blog, Sophies Little Book Corner) 'Ein wundervolles Buch. Einfach genießen, abschalten und dahinschmelzen.' (Bookflower, LovelyBooks) Von Alexandra Zöbeli sind bei Forever erschienen: Ein Bett in Cornwall Ein Ticket nach Schottland Die Rosen von Abbotswood Castle Der Himmel über den Black Mountains Der Pub der guten Hoffnung Die Sterne über den Black Mountains

Alexandra Zöbeli lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Zürcher Oberland in der Schweiz. Sie bekennt sich selbst als Britoholikerin - verrückt nach allem, was von der Insel kommt. Für Alex gibt es kaum etwas Schöneres, als die verschiedenen Ecken Großbritanniens zu entdecken und sich dabei vorzustellen, welche Geschichte sich an Ort und Stelle gerade abspielen könnte. Seit sie das Schreiben für sich entdeckt hat, leidet zwar der Haushalt, aber zumindest hat ihr Kopfkino endlich ein Ventil erhalten. Unter der Aufsicht ihres Katers Noah, der mit Vorliebe neben Alex' Laptop schläft, sind bisher sieben Romane entstanden.
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Kapitel 2


Am nächsten Morgen war Jo alleine zu Hause. Sie hatte sich eine Tasse Kaffee gemacht und blätterte lustlos in einem Gartenmagazin ihrer Mutter. Erst ein Artikel über Schottlands Gärten erweckte ihre Aufmerksamkeit. Die Gärten waren wirklich eine einzige Pracht und nach dem langen dunklen Winter war dieses blühende Feuerwerk eine richtiggehende Wohltat. Der Bericht war witzig und schwärmerisch geschrieben. Man konnte aus jedem Wort lesen, dass der Schreiber oder die Schreiberin hin und weg war von dem Land. Jo war zwar schon öfters in England gewesen und sprach fließend Englisch, aber nach Schottland war sie bisher noch nie gereist. Auf einem Bild sah sie einen traumhaft schönen Garten und im Hintergrund leuchtete das Meer dunkelblau. Sie seufzte wehmütig. Es war schon ewig her, seit sie zuletzt Meeresluft geschnuppert hatte. Das Surren ihres Handys unterbrach ihre schwärmerischen Gedanken. Sie wollte danach greifen, als sie aus Versehen den Henkel ihrer Tasse streifte. Die Tasse kippte augenblicklich um und der Kaffee schwappte über den Tisch.

»Mist!« Sie griff mit der einen Hand nach dem Gartenmagazin, das ebenfalls etwas von der dunklen Brühe abbekommen hatte, und mit der anderen noch mal nach ihrem Handy.

»Müller«, meldete sie sich gereizt und ging zur Spüle hinüber, um mit dem Abwaschlappen den Kaffee von dem Artikel zu wischen.

»Ich bin’s, Markus. Leg bitte nicht gleich wieder auf! Es geht um die Wohnung.«

Er hatte Glück, sie wollte wirklich gleich das Gespräch wegdrücken, aber da es um die Wohnung ging, überlegte sie es sich anders. »Was ist damit?«

»Es geht um die Miete bis ich was Neues gefunden habe.«

Über so viel Unverfrorenheit blieb ihr einfach die Luft weg.

»Du hast den Mietvertrag mitunterschrieben«, fügte Markus an.

»Markus, du bist das Hinterletzte!« Damit drückte sie ihn weg. Anschließend rief sie die Hausverwaltung an und erklärte dem Sachbearbeiter ihre Situation. Sie würde die Kündigung der Wohnung noch heute abschicken und bis zum Ende des Mietverhältnisses pünktlich die Hälfte des Mietbetrages überweisen, aber der Rest wäre Sache des Zweitmieters. Der Mann erklärte ihr zwar freundlich, aber dennoch bestimmt, dass sie, da sie den Mietvertrag mitunterzeichnet hätte, solidarisch für den ganzen Betrag hafte. Wenn Markus die andere Hälfte also nicht pünktlich bezahlte, würde man auf sie zurückgreifen. Super!

Nach dem deprimierenden Gespräch mit der Hausverwaltung fiel ihr Blick wieder auf die Zeitschrift und den Artikel. Ein kleiner Absatz weckte da ihre Neugier: »… Zwischenjahr einlegen? Wir nehmen Sie gerne für ein Praktikum bei uns auf. Sie lernen, wie man eine professionelle Gartenanlage pflegt und helfen bei den täglichen Arbeiten mit. Bei Interesse melden Sie sich bei Lochcarron Garden Estate.« Der Absatz endete mit einer E-Mail-Adresse und einer Telefonnummer. Unglücklicherweise konnte sie den Anfang des Textes nicht mehr lesen, da der Kaffee seine Spuren darauf hinterlassen und sie mit dem Abwaschlappen die Sache nur noch verschlimmert hatte. Jo blickte nachdenklich zum Fenster hinaus. Das wäre schon was: für eine Weile mal an der frischen Luft zu arbeiten, das Meer zu riechen und endlich mal aus der Küche herauszukommen. Gärtnern würde ihr bestimmt Spaß machen, auch wenn sie noch keine Erfahrungen damit hatte. Früher hatte sie im kleinen Garten ihrer Eltern geholfen, aber seit sie ausgezogen war, hatte sie nie selbst einen Garten besessen. Aber im Artikel stand ja, man würde in dem Zwischenjahr ausgebildet werden. Dass man Erfahrung mitbringen musste, davon war nicht die Rede. Und wie schwer konnte ein bisschen Gärtnern schon sein? Sollte sie wirklich so einen Schritt wagen? Schottland lag nicht gerade nebenan und ob sie den als schwierig geltenden Dialekt verstehen würde? Andererseits, wann würde sich in ihrem Leben je wieder so eine Gelegenheit für eine Auszeit bieten? Sie hatte keine Verpflichtungen mehr, keine eigene Wohnung und keinen Job. Markus kam ihr wieder in den Sinn, wie er mit höhnisch grinsendem Gesicht gespottet hatte, dass sie nie etwas wage und eine Langweilerin sei. Noch bevor sie ihr Mut wieder verlassen konnte, ging sie zum Computer ihrer Eltern und schaute sich dieses Lochcarron Garden Estate genauer an. Es war eine große Gartenanlage mit einem piekfeinen Fünfsternehotel. Die Fotos aus dem Garten zeigten Teppiche von blauen Frühlingsblumen, Rosen und anderen Pflanzen, die sie nicht kannte, aber wunderhübsch aussahen. Dazu gehörte auch ein Gemüse- und Kräutergarten. Im Waldgarten führte ein hölzerner Steg zum Meer hinunter. Das ganze Anwesen war ein Traum. Das Hotel besaß nur fünfzehn Gästezimmer, führte aber ein Gourmet-Restaurant und einen hübschen Tea-Room, in dem man den Nachmittagstee genießen konnte. Auch Pflanzen und kleine Geschenke wurden vertrieben. Jo sah sich bereits im Garten werkeln und am Abend am Meer sitzen. Sie öffnete das Mail-Programm und schrieb an die Verwalterin, dass sie sehr interessiert wäre, für ein Zwischenjahr bei ihnen im Garten zu arbeiten, und praktisch sofort anreisen könnte.

Als ihre Eltern vom Einkaufen nach Hause kamen, entschuldigte sie sich zuerst bei ihrer Mutter, die Zeitschrift ruiniert zu haben und erzählte dann, dass sie sich auf die Anzeige unter dem Artikel gemeldet habe.

»Aber Liebes, ist das nicht ein bisschen weit weg?«, meinte ihre Mutter besorgt.

»Und du weißt schon, dass die Schotten mit so einem lustigen Akzent sprechen, den man kaum versteht?«, grinste ihr Vater.

Die ohnehin schon leicht angespannte Jo hatte sich in der letzten Stunde genau dieselben Gedanken gemacht. »Na ja, sollte es nicht gehen, kann ich ja wieder heimfliegen. Die Welt ist nicht mehr ganz so groß wie früher.« Ihr Lächeln wirkte etwas zaghaft. »Und noch habe ich ja keinen Bescheid von dem Hotel erhalten. Vielleicht haben sie ja gar keine Praktikumsstelle mehr frei, vielleicht ist das Team schon komplett.«

Doch schon am Abend, als sie ihre E-Mails abrief, sah sie das Antwortschreiben. Sofern sie eine abgeschlossene Berufsausbildung hätte, würde man sie gerne aufnehmen. Es stehe sogar im Moment noch ein Zimmer in der Personalunterkunft für sie bereit. Jo atmete tief ein und aus. Sollte sie es wagen? Sie hörte in ihrem Hinterkopf wieder Markus’ hämische Aussage, wie langweilig sie doch sei.

»Du kannst mich mal!«, zischte sie und schrieb der Verwalterin, dass sie gerne das Angebot annähme und einen der nächsten Flüge nach Glasgow buchen würde.

Und so kam es, dass Jo eine Woche, nachdem sie mit der Verwalterin Mailkontakt hatte, mit einem nervösen Gefühl im Magen im Flugzeug saß. Nach der Landung ging sie mit ihren beiden Koffern zur Bahnstation und kaufte sich ein Ticket nach Oban. Von dort ging es weiter mit dem Überlandbus. Die Bushaltestelle war glücklicherweise in der Nähe des Hotelgeländes. Die großen eisernen Tore waren weit geöffnet und so marschierte sie, ziemlich beeindruckt von der herrschaftlichen Aufmachung des Hoteleinganges, mit ihren schweren Koffern weiter. Doch wenn sie glaubte, das Hotel wäre gleich um die Ecke, so hatte sie sich getäuscht. Sie musste mit ihrem Gepäck weitere fünfzehn Minuten gehen, bis sie das Haupthaus erreichte. Trotz der kühlen Märzluft kam sie ziemlich ins Schwitzen. Erschöpft, aber froh, endlich angekommen zu sein, meldete Jo sich am Hotelempfang.

»Sie müssen Josephine Müller sein.« Eine junge, sehr gepflegt aussehende Frau kam mit ausgestreckter Hand auf sie zu. »Oh, haben Sie etwa den ganzen Weg mit Ihren schweren Koffern zu Fuß zurückgelegt? Wir hätten Sie doch abholen können.«

Jo lächelte. »Es ging schon. So habe ich bereits einen Teil des Gartens gesehen. Es ist hier ganz zauberhaft.«

»Danke. Ich bin Miss Douglas. Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihre Unterkunft, dann können Sie sich etwas frisch machen. Heute Abend gibt es für Sie ein kleines Willkommensdiner, bei dem Sie die anderen Praktikanten, Gärtner und Gärtnerinnen kennenlernen können. Der Chefgärtner konnte es leider nicht einrichten auch dabei zu sein, aber ihn werden sie dann morgen treffen.«

Miss Douglas führte sie aus dem Hauptgebäude heraus und steuerte auf einen kleinen Golfwagen zu. »Stellen Sie bitte Ihr Gepäck da hinten drauf.«

Jo tat, wie ihr geheißen und setzte sich danach neben die Verwalterin. »Leben Sie schon lange hier?«, erkundigte sie sich.

»Praktisch mein ganzes Leben. Das Hotel gehört meinen Eltern und wird später an mich übergehen.«

»Oh.« Mehr fiel ihr dazu nicht ein. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten und führte sie durch eine ganz traumhafte Anlage. Schließlich hielt Miss Douglas vor einem größeren Gebäude den Golfwagen an.

»Da sind wir. Hier haben wir die Unterkünfte für unsere Angestellten.«

Jo stieg aus dem Gefährt aus und griff nach ihren Koffern. Miss Douglas machte keine Anstalten ihr zu helfen. Ohne anzuklopfen öffnete sie die Tür und wies Jo an, ihr zu folgen. Im Erdgeschoss gab es eine große Gemeinschaftsküche und ein gemütliches Wohnzimmer mit Fernseher und Kamin. Jeder hätte hier sein eigenes Zimmer, erklärte ihr Miss Douglas. »Und Ihres, meine Liebe, ist das da hinten, gleich neben der Küche.«

Sie öffnete die Tür des erwähnten Zimmers und ließ sie in einen zwar schlichten, aber doch großzügigen Raum eintreten. Es gab ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen kleinen Nachttisch, auf dem eine altmodische Tiffany-Lampe stand. Das Badezimmer wiederum musste sie sich auf dieser Etage mit drei weiteren Leuten teilen.

»Ich lasse Sie jetzt erst mal...


Zöbeli, Alexandra
Alexandra Zöbeli lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Zürcher Oberland in der Schweiz. Sie bekennt sich selbst als Britoholikerin — verrückt nach allem, was von der Insel kommt. Für Alex gibt es kaum etwas Schöneres, als die verschiedenen Ecken Großbritanniens zu entdecken und sich dabei vorzustellen, welche Geschichte sich an Ort und Stelle gerade abspielen könnte. Seit sie das Schreiben für sich entdeckt hat, leidet zwar der Haushalt, aber zumindest hat ihr Kopfkino endlich ein Ventil erhalten. Unter der Aufsicht ihres Katers Noah, der mit Vorliebe neben Alex' Laptop schläft, sind bisher sieben Romane entstanden.



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