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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 399 Seiten
Reihe: Lakeland Love
Zöbeli Nanny über Nacht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-139-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman, Lakeland Love 1 | Großbritannien von seiner schönsten Seite - der neue Liebesroman der Erfolgsautorin
E-Book, Deutsch, Band 1, 399 Seiten
Reihe: Lakeland Love
ISBN: 978-3-98952-139-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Alexandra Zöbeli lebt gemeinsam mit ihrem Mann in der Schweiz. Sie ist bekennende Britoholikerin - verrückt nach allem, was von der Insel kommt. Mit ihren warmherzigen und humorvollen Romanen konnte sie sich eine große Fangemeinde erobern. Ihre Bücher werden aktuell in sechs Sprachen übersetzt. Die Autorin im Internet: facebook.com/alex.zoebeli und instagram.com/alexandra.zoebeli/. Bei dotbooks veröffentlichte Alexandra Zöbeli ihre »Lakeland Love«-Reihe sowie ihre Cosy Romance »Scones zum Frühstück«. Ihre Bücher sind auch als Printausgabe und Hörbuch bei Saga Egmont erhältlich.
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Kapitel 1
Endlich Ferien! Endlich Zeit, sich um den verlotterten Garten zu kümmern. Es tat Harriet im Herzen weh, ihn derart vernachlässigt zu sehen, nachdem ihre Großmutter all die Jahre unzählige Stunden damit verbracht hatte, ihn liebevoll zu pflegen. Granny, wie Harriet ihre Großmutter immer genannt hatte, war anders als der Rest der Familie mit einem grünen Daumen geboren worden. Ganz egal, was Granny in die Erde gesteckt hatte, es war wunderbar gediehen, während bei Harriet sogar ein Kaktus ums nackte Überleben kämpfen musste. Aber sie gelobte Besserung. Zumindest hatte Harriet jetzt den entsprechenden Anreiz dazu.
Vor ein paar Monaten war sie in das alte Cottage mit den grüngrauen Fensterläden eingezogen, das idyllisch am Fuße der nördlichen Pennine-Gebirgskette lag. Nach Grannys Tod war das kleine Haus in den Besitz von Harriets Mum Sarah gelangt. »Ich habe nie verstanden, wie meine Mutter es hier ausgehalten hat. Die winzigen Räume sind völlig unpraktisch, und bei den tiefen Decken kriegt man Platzangst«, hatte Sarah damals schaudernd zu Harriet und ihren beiden Brüdern, Gregg und Giles, gesagt. Sie hatten ihr gerade dabei geholfen, die Sachen ihrer Granny auszuräumen. »Wenn keiner von euch hier einziehen will, übergebe ich es einem Immobilienmakler.«
Der Gedanke, jemand Fremdes könnte auf Grannys hölzerner Bank unter dem Apfelbaum sitzen, hatte Harriet einen Stich versetzt.
Zu jener Zeit hatte sie noch mitten in Penrith gewohnt, in einer Zweizimmerwohnung über einem Lebensmittelladen, gleich gegenüber einem Pub. Das war zwar ziemlich praktisch gewesen, aber auch nervtötend laut. Sie hatte daher kaum eine Sekunde gezögert, als ihre Brüder kein Interesse an dem alten Cottage gezeigt hatten. Im Gegensatz zu ihrer Familie störte Harriet sich nicht an den tief liegenden Balken im Wohnzimmer. Sie fand das gemütlich, und die dicken Mauern wirkten beschützend auf sie. Schon als kleines Mädchen hatte sie es geliebt, sich mit einem Kissen in einem der Sitzfenster einzurichten und in die Welt der Bücher abzutauchen. Gerade wenn es draußen regnete und sie nicht im Garten ihren eigenen Abenteuern nachjagen hatte können.
Natürlich war Harriet sich bewusst gewesen, dass ihr Einsatzplan als Flugrettungssanitäterin bei der Great North Air Ambulance ihr kaum Zeit für die Pflege des Kleinods lassen würde. Aber es weggeben? Granny hätte sich im Grabe umgedreht. Und so war sie noch vor Weihnachten aus ihrer Wohnung ausgezogen, um gleich die Tücken der eigenen vier Wände kennenzulernen. Bereits in der dritten Nacht hatte die Heizung gestreikt. Wie praktisch war es zuvor gewesen, als sie einfach den Vermieter hatte bitten können, sich des Problems anzunehmen. Damit war es nun vorbei, sie musste sich selbst darum kümmern. Nach einer weiteren durchgefrorenen Nacht schaffte sie es, einen Handwerker aufzutreiben, der sogar Zeit hatte. Aber sein sorgenvoller Blick gefiel ihr gar nicht, als er aus dem Heizungsraum kam. Eine Reparatur würde sich nicht mehr lohnen, war seine nüchterne Zusammenfassung der Lage gewesen. Die Summe seines Kostenvoranschlags für eine neue Heizung hatte bei Harriet zu einem Schweißausbruch geführt. Leider hatte der aber nur kurz angehalten – ansonsten wäre das wohl die günstigste Variante gewesen, für Wärme zu sorgen.
Zwei Wochen später war ihr Kontostand zwar in Schieflage geraten, doch dafür musste sie nachts nicht mehr mit drei Schichten Kleidern, einer Mütze und einer Wärmflasche ins Bett gehen. Um den finanziellen Rückschlag wettzumachen, hatte sie in den letzten Monaten zusätzliche Schichten übernommen. Wer wusste schon, welche technischen Katastrophen das Cottage noch zu bieten hatte?
Aber nun hatte sie endlich eine ganze Woche Urlaub, und die schönste Jahreszeit hatte begonnen: der Frühling!
Genussvoll nahm Harriet einen Schluck aus ihrer Teetasse, mit der sie durch den Garten schlenderte. Gedanklich machte sie sich Notizen, was sie als Erstes in ihrem grünen Reich angehen wollte. Es war ihm deutlich anzusehen, dass Grannys Kräfte in den letzten Jahren nachgelassen hatten. Die Sträucher mussten dringend ausgelichtet werden. Brombeerranken hatten einige Teile des Gartens ganz übernommen, und auch die Ramblerrose am westlichen Zaun war zu einem verholzten Monster mutiert. Die Gemüsebeete waren unter dem Unkraut, das sich darin sichtlich wohlfühlte, nicht mehr zu erkennen. Wehmütig erinnerte sich Harriet daran, welche Leckereien Granny immer aus ihren Gartenschätzen gezaubert hatte. Aber, dachte Harriet mit einem leisen Seufzen, sie selbst würde kaum ähnliche Köstlichkeiten zubereiten. Denn wenn sie nach einer Zwölf-Stunden-Schicht nach Hause kam, hatte sie keine Lust, sich noch um das Gemüse zu kümmern, geschweige denn lange in der Küche zu stehen. Sie sollte stattdessen besser pflegeleichte Stauden in die Beete setzen oder gar eine Wildblumenwiese ansäen. Wenn sie die Augen schloss, sah sie das blühende Paradies bereits vor sich. Schmetterlinge tanzten durch die Luft, während pummelige Hummeln versuchten, ihre Hintern in die pinkfarbenen Blüten der Fingerhüte zu zwängen.
Schmunzelnd öffnete Harriet wieder die Augen und blickte in die noch wenig erfreuliche Realität. Ob sie sich da nicht zu viel vornahm? Sie schaute um sich und entdeckte ein paar vereinzelte Narzissen und leuchtend rote Tulpen, die sich von dem Unkraut nicht hatten verdrängen lassen. Im Rasen, der mehr einer Wiese glich, verbreiteten Primeln und Gänseblümchen gute Laune. Es war, als ob die ersten Frühlingsblüher ihr Mut zuflüsterten, das Projekt Garten anzupacken.
Mittlerweile war Harriet bei dem Apfelbaum angelangt, dessen dicke Knospen verrieten, dass die Blüten nicht mehr lange auf sich warten ließen. Grannys Gartenbank, die sich unter seinen ausladenden Ästen befand, hatte allerdings ihre Blütezeit längst hinter sich. Shabby chic war ja schön und gut, aber chic war an der Bank nun leider gar nichts mehr. Sie würde sie abschleifen und frisch streichen müssen. Vielleicht sollte sie das gleich ganz oben auf ihre To-do-Liste setzen. So könnte sie im Sommer vor Schichtbeginn unter dem Apfelbaum ihren morgendlichen Tee genießen. Am besten ging sie gleich los und besorgte sich Schleifpapier und einen Eimer Farbe. Sie musste sowieso noch Lebensmittel einkaufen.
Mit diesem Ziel vor Augen kehrte sie zurück ins Haus, um sich ihre Geldbörse und die Autoschlüssel zu schnappen. Dabei warf sie einen kurzen, prüfenden Blick in den Spiegel über der Kommode. Ihre rotblonden Locken hatte sie mit einem jeansfarbenen Tuch zusammengebunden, und der hellblaue Hoodie war noch ohne Flecken. Yep, sie war vorzeigbar. Mehr brauchte es nicht, denn sie war ja nicht auf dem Weg zu einer Party oder einem Date, sondern wollte lediglich einkaufen gehen.
Beinahe hätte sie laut aufgelacht. Ein Date! Du meine Güte, als ob sie überhaupt noch wüsste, was das war. Ihre letzte Beziehung war mittlerweile vier Jahre her, seither war sie nur einmal mit einem Typen ausgegangen. Der hatte ihr aber so lange von seiner Ex vorgejammert, dass sie noch vor dem Nachtisch aufgestanden war und gemeint hatte: »Sei mir nicht böse, Rupert, aber besser, du lädst beim nächsten Mal deine Ex zum Essen ein.«
Mit offenem Mund hatte er ihr nachgeschaut, wie sie ihre Jacke angezogen und das Restaurant verlassen hatte. Irgendwann hatte sie ihr Glück noch mal über eine Dating-Plattform versucht, weil eine Kollegin ihr das empfohlen hatte. Tja, aber als ihr vermeintliches Match sie gebeten hatte, ihr ein Foto von ihren nackten Füßen zu senden, hatte sie sich nicht mehr gemeldet und ihr Konto gleich wieder gelöscht. Der Gedanke an den Fußfetischisten ließ sie auch jetzt noch schaudern.
Bei ihrer Arbeit lernte sie viele Menschen kennen, auch Männer natürlich. Einige, denen sie medizinisch geholfen hatte, hatten sie danach zu einem Date einladen wollen. Aber so etwas ging in Harriets Augen gar nicht. Job und Privatleben waren strikt zu trennen. Sie hatte schon oft genug mitbekommen, wie ehemalige Patienten Dankbarkeit mit Liebe verwechselten.
Natürlich wäre es schön, abends nach Hause zu kommen und von jemandem begrüßt zu werden, der auf sie wartete und sich dafür interessierte, wie ihr Tag gewesen war. Aber eigentlich ging es ihr auch allein gut. So musste sie zumindest keine Kompromisse eingehen, keine Probleme ausdiskutieren und sich nicht rechtfertigen, wenn ein Einsatz mal wieder etwas länger dauerte.
Zufrieden mit sich und der Welt setzte Harriet sich in ihren knallgrünen Mini und machte sich auf den Weg zum Farmers Market. Sie sang laut und leidenschaftlich einen Song im Radio mit, während sie Richtung Penrith fuhr. Erschrocken zuckte sie zusammen, als wie aus dem Nichts ein silberner Porsche Carrera mit völlig überhöhter Geschwindigkeit an ihr vorbeiflitzte. »Sag mal, geht’s noch?!«
Ihr Puls hatte sich gerade wieder normalisiert, als sie um die nächste Kurve bog, wo plötzlich mitten auf der Straße ein Lastwagen stand. Seine roten Rücklichter leuchteten ihr schrill entgegen. So heftig sie konnte, trat Harriet auf das Bremspedal. Es blieb nicht mal Zeit für ein Stoßgebet. Gottlob schien ihr Schutzengel zu den Strebern zu gehören, die keine persönliche Aufforderung brauchten. Nur wenige Zentimeter vor dem Lastwagenheck blieb ihr Mini stehen.
Erleichtert stieß Harriet den Atem aus und versuchte, ihr wild klopfendes Herz zu beruhigen. Die Bremslichter vor ihr erloschen, die Kabinentür des Führerhauses flog auf, und der Fahrer kletterte hastig heraus. Ohne einen Blick an sie zu verschwenden, rannte er die leicht abfallende Wiese hinunter.
Erst jetzt bemerkte Harriet den dunkelblauen SUV, der in einer Trockensteinmauer steckte. Sie schaltete den Warnblinker ein und stieg ebenfalls aus. Dann...




