Vom Turm des Ca n’Oliver hat man einen fantastischen Blick
Maó (span. Mahón)
Maó, das 1722 von den britischen Besatzern zur Hauptstadt Menorcas erklärt wurde, besitzt einen der größten Naturhäfen des Mittelmeers. Eine Reihe guter Restaurants, ein schickes Opernhaus (Teatre Principal), ein interessantes Nachtleben und das beste Museum der Insel sind weitere Pluspunkte der knapp 29.000 Einwohner zählenden Stadt. Und auf der Illa del Rei gibt es ein neues Kunstzentrum, das zeitgenössische Werke zeigt.
„Ich kenne im Mittelmeer nur vier sichere Häfen. Juni, Juli, August und Mahón“, soll der Genueser Admiral und Staatsmann Andrea Doria (1466-1560) einst gesagt haben. Auf jeden Fall ist der Hafen von Maó eine imposante Erscheinung: Wie ein fjordartiger Einschnitt, rund 5,5 km lang und bis zu 1,2 km breit - als würde das Meer mit einem kräftigen, leicht erhobenen Arm ins Land greifen. Heute sieht man im riesigen Hafen kaum mehr Kriegsschiffe und Frachter, dafür legen im Sommer regelmäßig große Kreuzfahrtschiffe an, aus denen Passagiere zum Landgang strömen. Bei einem Hafenspaziergang lassen sich zudem von Frühjahr bis Herbst schöne Privatyachten bestaunen.
Nicht Andrea Doria, sondern den Briten hat die Stadt am meisten zu verdanken: Die dreimaligen Besatzer machten Maó im Jahr 1722 zur Inselkapitale und enthoben Ciutadella dieser Würde. Mit der Entscheidung trugen die Briten in erster Linie ihren militärischen Interessen Rechnung. Sie waren darauf aus, den riesigen Hafen zum Ausbau ihrer Vormachtstellung im Mittelmeer zu nutzen. Im geschützten Hafenbecken konnte Englands gesamte Mittelmeerflotte anlegen.
Die militärische Bedeutung ist inzwischen kaum mehr von Belang, doch Maó ist Inselhauptstadt geblieben. Wer sich auf eine Hafenrundfahrt begibt, in einem der vielen Restaurants am Wasser zu Abend isst oder sich im mondänen Teatre Principal ein Konzert oder eine Oper ansieht, kann nachvollziehen, warum das so ist.
Maó lohnt einen Ausflug. Und wer Städte mit ihrem Nachtleben und kulturellen Angebot der häufig künstlichen Atmosphäre von Feriensiedlungen vorzieht, kann sein Lager getrost in der Inselhauptstadt aufschlagen und von dort aus mit Zweirad, Bus oder Auto Tagesfahrten zu den umliegenden Stränden von Cala Mesquida, Es Grau, Punta Prima, Binibèquer und Alcaufar unternehmen. Die Busverbindungen in nahezu alle Ecken der Insel sind gut. Im Spätherbst und Winter sind Maó und Ciutadella die einzigen Orte, in denen nach Sonnenuntergang nicht die Gehsteige hochgeklappt werden.
Stadtgeschichte
Schon Karthager, Griechen und Römer wussten den Hafen von Maó zu schätzen. Im 18. Jh. rangen die damaligen Weltmächte England und Frankreich um die Vorherrschaft über den geschützten Hafen. Doch erst unter den Briten, die Maó zur Inselhauptstadt machten, konnte sich die Siedlung im Osten, die lange hinter Ciutadella die zweite Geige spielte, zu einer echten Stadt entwickeln.
Zwei Theorien ranken sich um die Entstehung des Stadtnamens: Die eine besagt, der Name stamme vom phönizischen Wort „maghen“, was so viel wie Schutz bedeutet. Die andere bemüht den karthagischen Feldherrn Mago, Bruder Hannibals, der 206/205 v. Chr. auf Menorca balearische Steinschleuderer als Söldner für den Kampf gegen die Römer rekrutiert haben soll.
Doch die Geschichte der heutigen Hauptstadt Menorcas beginnt nicht erst mit der Vorherrschaft der Karthager (5. bis 2. Jh. v. Chr.) im Mittelmeerraum: Bereits um ca. 1500 v. Chr. laufen phönizische Schiffe das große natürliche Hafenbecken im Osten Menorcas an. Die phönizischen Seeleute begegnen Einheimischen der Talaiot-Kultur, die beispielsweise auf dem Gebiet der heutigen Plaça de la Conquesta sowie bei Trepucó siedelten, das keine 20 Fußminuten vom Stadtkern Maós entfernt besichtigt werden kann. Auch die Griechen, die Menorca „Meloussa“ (Insel des Kleinviehs) nannten, errichteten ab dem 8 Jh. v. Chr. Handelsniederlassungen. Doch es waren die Römer, die 123 v. Chr. den von der Natur so begünstigten Hafen „Portus Magonis“ tauften und den Ort 74 n. Chr. als Municipium in den Rang einer Stadt erhoben. Spuren einer römischen Nekropolis finden sich unter der Església del Carme. Die Römer machten Mago zu einem wichtigen Stützpunkt im Mittelmeer und bauten eine Straße nach Iamo (Ciutadella).
Vom Aufstieg des Christentums Anfang des 5. Jh. zeugen die frühchristliche Basilika Fornàs de Torrelló zwischen Maó und der Ortschaft Sant Climent sowie die Reste einer Basilika auf der Illa del Rei im Hafenbecken von Maó. Zu den Fundstücken zählen gut erhaltene Mosaiken. Jenes von der Illa del Rei kann im Museu de Menorca bestaunt werden, das von Torrelló vor Ort.
Um 455 eroberten die Vandalen die Stadt, 534 geriet sie wie der Rest der Insel unter die Herrschaft des Byzantinischen Reichs. Aus dieser Zeit sind kaum historische Zeugnisse vorhanden. Anders verhält es sich mit der Ära der Mauren, die im Jahr 903 beginnt. Die Stadt und ganz Menorca wurden Teil des Emirats al-Andalus, Maó verlor unter den neuen Herrschern, die das Hauptaugenmerk auf die Medina Minurka (Ciutadella) und die Bergfestung Sen Agaiz (Santa Águeda) richteten, an Bedeutung - Mago war den neuen Herrschern lediglich eine kleine Verteidigungsburg über dem Hafen wert.
Den Grundstein der Stadt, wie sie dem Reisenden heute begegnet, legte Alfonso III, nachdem er die Stadt von den Mauren zurückerobert hatte. Er ließ eine neue Burg bauen und errichtete innerhalb der Mauern eine Kirche für die heilige Jungfrau Maria. Die Stadt wuchs, und bald schützte ein zweiter Mauerring die neu entstandenen Straßenzüge und Häuser.
Doch ein anderer Feind machte nicht vor der Stadt im Osten halt: 1535 segelte der Pirat und spätere osmanische Admiral Khair ad-Din mit 15 Schiffen gen Menorca. Der Herrscher von Algier nahm in Maó Rache für eine Niederlage, die ihm eine christliche Flotte in Tunis zugefügt hatte. Der von den Christen Barbarossa genannte Korsar und seine Gefolgsleute plünderten und verwüsteten die Stadt - und zogen mit rund 800 Gefangenen ab. Maó lag in Trümmern. Gegen die Verantwortlichen, die auf eine Kapitulation gedrängt hatten und den Piraten die Stadttore öffnen ließen, wurden drakonische Strafen verhängt und grausam vollstreckt. Dem Stadtrat Antonio Olivar, der Khair ad-Dins Truppen das Tor öffnete, wurden die Hände abgeschlagen und anschließend die Kehle durchgeschnitten.
Um sich gegen künftige Überfälle zu wappnen, bauten die Menorquiner auf Befehl Karls V. am südlichen Hafeneingang die sternförmige Festung Sant Felip, die nach dem Ausbau und ihrer Ergänzung um den Außenposten Fort Marlborough in der Cala Sant Esteve durch die Briten zu einer der größten Befestigungsanlagen Europas wurde. Sant Felip verhalf der Stadt zu einem neuen Aufschwung, schließlich musste das Bollwerk zunächst gebaut und danach versorgt und erhalten werden.
Im 17. Jh. erlebte die Stadt eine Blütezeit. Mallorquiner wanderten zu, weil es im großen Hafen der kleinen Schwesterinsel viel Arbeit gab - in Lagerhäusern, im Schiffsbau, bei Segelmachern und anderen Handwerkern. Auf den Feldern zwischen Stadt und Festung entstand der neue Stadtteil S’Arraval, auch das Viertel um die Plaça des Monestir, heutiger Standort des Museu de Menorca, wurde in dieser Zeit errichtet, ebenso die Häuser entlang des Cós de Gràcia sowie des Camí des Castell. Im Jahr 1641 bekam Maó ein eigenes, von der damaligen Inselkapitale Ciutadella unabhängiges Rathaus. Die Auswirkungen des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1713) erreichten Maó 1708: Englische Truppen besetzten im Namen des habsburgischen Erzherzogs Karl, der später dem anderen Thronanwärter Philipp von Anjou unterlag, die Insel. 1713 bekam Großbritannien im Frieden von Utrecht Menorca und Gibraltar zugesprochen. Die Engländer verlegten 1722 alle Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung von Ciutadella nach Maó und machten es zur Hauptstadt der Insel. 1756 eroberten die Franzosen Menorca, den Oberbefehl hatte der Herzog von Richelieu, ein Neffe des berühmten Kardinals. Der Neffe war politisch nicht so einflussreich wie sein Onkel, kulinarisch jedoch umso mehr: So soll die Mayonnaise ihren Namen dem Erfolg des Herzogs in der Schlacht um den Hafen von Mahón verdanken (? Essen und Trinken/Kasten „Der Name der Sauce“). Nach dem Sieg hielten die Franzosen das Zepter fest in Händen, mussten es jedoch 1763 wieder an die Briten abgeben. Pirat Rotbart - Khair ad-Din
Der Zerstörer von Maó wurde gefürchtet und verehrt. „Es starb der Herr des Meeres“ - mit diesem Spruch auf dem Grabstein würdigte das Osmanische Reich einen seiner größten Seefahrer. Doch in den Liedern der spanischen Seeleute über Khair ad-Din (1466-1546) erklangen andere, schön gereimte Worte:
„Barbaroja,...