E-Book, Deutsch, 272 Seiten, Web PDF
Zuber Innovationsmanagement in der Biotechnologie
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-8349-9943-6
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Nachhaltigkeit als Leitbild einer entwicklungsbegleitenden Evaluierung
E-Book, Deutsch, 272 Seiten, Web PDF
Reihe: Forum Produkt- und Produktionsmanagement
ISBN: 978-3-8349-9943-6
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Pascal Zuber legt den Fokus auf die Steuerung der frühen Phasen biotechnologischer Entwicklungen hinsichtlich des ökonomischen Nachhaltigkeitsaspekts. Er entwickelt ein ökonomisches Evaluierungsmodell, mit dessen Hilfe biotechnologische Entwicklungsprozesse bewertet und Ansätze zur Steuerung des Innovationsprozesses gegeben werden können. Für den ökonomischen Wert biotechnologischer Innovationen sind insbesondere nichtmonetäre Elemente der Umwelt wie beispielsweise rechtliche Rahmenbedingungen oder gesellschaftliche Akzeptanz von Bedeutung.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
Biotechnologische Produkt- und Prozeßentwicklung im Wettbewerb.- Biotechnologie: Potential, Anwendung und Entwicklung.- Methodische Grundlagen des Evaluierungskonzepts.- Evaluierungskonzept zur Beurteilung der ökonomischen Nachhaltigkeit.- Fallstudie: Pyruvatproduktion.- Ausblick.
2 Biotechnologie: Potential, Anwendung und Entwicklung (S. 29-30)
2.1 Grundlagen der Biotechnologie
2.1.1 Historischer Abriß der Biotechnologie
In das Bewußtsein der Öffentlichkeit dringt der Themenkomplex Biotechnologie i. d. R. nur in negativer Ausprägung durch die Medienpräsenz z. B. während des Streits zwischen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union um die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel oder wenn beispielsweise Versuchsfelder für gentechnisch veränderten Mais zerstört wurden.1 Aktuell werden die Aktivitäten von Unternehmen im Bereich der Biotechnologie sehr genau beobachtet und analysiert. Diese Transparenz ist notwendig, da einige dieser Unternehmen an die Börse streben bzw. auf der Suche nach Fremdkapital zur Finanzierung ihrer Aktivitäten sind.
Die von vielen Seiten als „Zukunftstechnologie" gepriesene Biotechnologie erhält beispielsweise durch veröffentlichte Berichte über Entwicklungen in der pharmazeutischen Wirkstofforschung auch Aufmerksamkeit mit positiver Öffentlichkeitswirkung. Tatsächlich ist diese „Zukunftstechnologie" allerdings nicht neu. Die Wurzeln der Biotechnologie als „the application of biological organisms, systems and processes to the production of goods and services" reichen weit in die Geschichte der Menschheit zurück.
Die historische Entwicklung der biotechnologischen Forschung und Anwendung der Forschungsergebnisse läßt sich in verschiedene Epochen bzw. Entwicklungsetappen einteilen. Die zeitliche Einteilung ist dabei in der Literatur nicht einheitlich,3 es lassen sich jedoch beim Vergleich der Autoren ähnliche Unterscheidungsmerkmale erkennen. Der erste Zeitabschnitt der biotechnologischen Entwicklung ist dadurch geprägt, daß die Menschen eher zufällig und unbewußt in Kontakt mit Mikroorganismen kamen und diese für ihre Interessen z. B. die Nahrungsmittelzubereitung nutzten. Geschichtliche Überlieferungen und archäologische Erkenntnisse lassen den Schluß zu, daß be zur alkoholischen Gärung z. B. im ägyptischen Kulturkreis, bekannt waren. In dieser Epoche, die als Phase der empirischen Biotechnologie bezeichnet werden kann, wurden z. B. auch Verfahren zur Sauerteigherstellung, der Essigproduktion oder der Käse- und Joghurtverarbeitung entwickelt.
Die mit biotechnologischer Hilfe produzierten Güter wiesen zu dieser Zeit starke Qualitätsschwankungen auf, was sich z. B. in hohen Ausschußraten, d. h. mangelnder Stabilität der Produktion äußerte. Es dauerte bis ins Mittelalter bis erste zielgerichtete Arbeiten1 dazu führten, daß die empirischen Erkenntnisse in erste industrielle Techniken mündeten. Durch Standardisierung der Verfahren wurden die Ergebnisse biotechnologischer Prozesse reproduzierbar. Ein entscheidendes Erkenntnisproblem blieb: Man wußte zwar wie gewünschte Ergebnisse erreicht werden konnten, aber nicht warum bestimmte Prozesse abliefen.
Die Entdeckungen in den Naturwissenschaften des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts werden mit Namen wie Berzelius, Liebig, Volta etc. verbunden. Sie sind gleichfalls Anzeichen für den Übergang in die Epoche der klassischen Biotechnologie, die etwa bis zum 2. Weltkrieg reicht. Im Zuge der beginnenden bzw. zunehmenden Industrialisierung (industrielle Revolution) rückt durch die gewonnenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse hinsichtlich des Warum bio-/chemische Prozesse ablaufen und wie diese gesteuert und kontrolliert werden können (Entwicklung industrieller Fermentationstechniken) nun die bewußte Nutzung von Mikroorganismen zur Produktgewinnung in den Vordergrund.




