E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Zukic / Popp Vergiss das Schöne nicht!
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-451-83061-7
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit Lebensfreude Krisen meistern
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-451-83061-7
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sr. Teresa Zukic, geb. 1964, ist Gründerin der 'Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu' und eine der bekanntesten Ordensschwestern Deutschlands. Sie ist eine gefragte Rednerin und Autorin von Bestsellern wie 'Die Seele braucht mehr als Pflaster' (Herder 2017). Als sie 2020 an Krebs erkrankte, entschied sie sich dafür, in den Sozialen Medien offen über die Höhen und Tiefen ihrer Erkrankung zu berichten. Da sie täglich viele Menschen über die sozialen Medien ermutigt, wird sie auch liebevoll 'Instasister' genannt. Das Engagement für Vereine wie die 'Initiative mit Krebs leben' ist ihr ein Herzensanliegen. Im Juli 2023 wurde sie mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
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Einleitung
Suchet der Stadt Bestes
Schwester Teresa Zukic
Das Leben ist ein Geschenk! Wie wahr das ist, erfuhr ich, als einige fiese, schnellwachsende Krebszellen in der Gebärmutter meinem Leben 2020 ein Ende setzen wollten. Sie rissen mich aus dem Alltag heraus und katapultierten mich in den Status einer Krebspatientin. Dieses bösartige schnellwachsende Ungeheuer zeigte mir die Zähne und biss erbarmungslos zu. Mein Gegner war unfair und heimtückisch, aber er rechnete nicht mit meinem Arzt, dem besten Chirurgen, der mich operieren konnte, einem unerschütterlichen Glauben und Vertrauen auf Gott, einer unbändigen Lebensfreude und rasch wiedergefundenem Humor, dem auch eine Krankheit nicht gewachsen war.
Humor hat der Teufel sicher nicht. Seine Waffen sind Angst, Verwirrung, Zwietracht, Hass, Ablehnung, schlecht reden und machen, Zerstörung, Traurigkeit, Verzweiflung, Sinnlosigkeit und Verderben, chronische Unzufriedenheit und vor allem das Jammern auf hohem Niveau.
Jammern hält gefangen
Häufig sind es die kleinen Probleme des Alltags, über die wir jammern. Als hätten wir nicht schon genug Probleme gehabt mit dem Dauerbrenner Covid. Nein, ich will nicht all die Krisen aufzählen, die uns in den letzten drei Jahren geplagt haben und manche gar nicht mehr aus der negativen Gefühls- und Denkspirale herauskommen ließen. Der allgemeinen Missstimmung und Unzufriedenheit gibt es kaum etwas entgegenzusetzen. Aber es gibt sie noch, die nicht klein zu kriegenden Optimisten und Lebenskünstlerinnen, die sich nicht in das Dauerjammern einreihen.
Manche Menschen leiden an chronischer Unzufriedenheit. Sie macht nicht nur einsam, strapaziert auf Dauer die Umgebung und wirkt sich sehr negativ auf unser Gehirn und Wohlbefinden aus. Robert Sapolsky, Professor für Biowissenschaften an der Stanford University, hat bereits im Jahr 1996 in einer Studie herausgefunden, dass »chronische Unzufriedenheit« den Hippocampus verkleinert. Diese Gehirnregion ist für unsere Gedächtnisleistung verantwortlich. Chronisches Jammern kann demnach zu Vergesslichkeit führen. Wen wundert es, dass permanentes Jammern den Stresslevel dauerhaft hochhält? Dieser Dauerstress kann für niemanden gesund sein. Es ist »die« Form von Energieverschwendung, die unsere Lebensfreude schrumpfen lässt. Und dabei brauchen wir jede Menge Lebensenergie, um uns den neuen Herausforderungen zu stellen und jeder Form von Veränderung und Verlusten gewachsen zu sein.
Sicher ist es auch meiner überstandenen Krebserkrankung geschuldet, dass ich gerne in die Welt hinausschreien möchte: »Vergesst das Positive nicht«, oder noch besser: »Vergesst das Schöne nicht!« All das Gute, das Schöne, das Wertvolle, das Glücklichmachende, das immer noch vorhanden ist.
Jeder Tag ist ein Geschenk
Überseht das Wichtigste nicht: die Liebe! Sie ist immer noch da und im Überfluss vorhanden. Trotz aller Bedrohungen und Krisen! Die Liebe durfte ich neu entdecken, als mein Leben mit der Krebserkrankung auf den Kopf gestellt wurde. Auch kopfüber war sie zu finden! So brutal die Krebserkrankung auch war, schmerzhaft und lebensbedrohlich, mit schweren Stunden verbunden, gab es genauso wunderschöne Stunden, glanzvolle Begegnungen und himmlischen Trost und die Erfahrungen von Getragensein. Es war eine der größten Herausforderungen meines Lebens. Täglich musste ich meinem Gehirn beibringen, an das Schöne zu denken und daraus Kraft zu schöpfen. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, mich nicht auf die Defizite zu konzentrieren, sondern auf die neuen Möglichkeiten, die sich ergeben. Es wurde zum Abenteuer meines Lebens, ein Geschenk, weil ich Menschen, die gerade eine schwere Zeit durchmachen müssen, nun noch besser verstehen kann.
Ich frage mich oft: Braucht es wirklich immer erst ein Schicksal, eine Pandemie, Krieg oder eine bedrohliche Krankheit, um umzudenken und an jedem einzelnen Tag unser Leben zu genießen? Nicht nur an den schönen, gesunden, erfolgreichen oder glücklichen Tagen, sondern an jedem Tag, der uns geschenkt ist? Ich durfte lernen, dass ich, auch wenn ich krank bin, glücklich sein kann. Jeder Tag ist ein Geschenk und einmalige, unwiederbringliche, geschenkte Lebenszeit. Schon vor der Krankheit wusste ich, dass jeder einzelne Tag, der am Abend ausklingt, nie wieder kommen wird. Wieso ihn also überfrachten mit negativen Gedanken und Gefühlen?
»Jeder Tag hat seine eigene Plage« (Mt 6,34), heißt es in der Bergpredigt. Wunder dich also nicht. Betrachte jeden Tag als Geschenk und mache das Beste daraus. Natürlich sind wir täglich sehr vielen negativen Einflüssen und Problemen ausgesetzt. Wissenschaftler haben erforscht, dass es tatsächlich nur 10 Prozent äußere Lebensumstände sind, die unsere Zufriedenheit tagtäglich beeinflussen. Ganze 90 Prozent werden als Be-Last-ung in unserem Gehirn produziert. Nicht die Situation stresst uns also, sondern unsere eigene Reaktion darauf. Ich kann einfach nichts Positives erwarten, wenn ich mir selbst alles schlechtrede.
Ich fürchte allerdings, dass manche ihr Gehirn mit so viel negativen Gedanken gefüttert haben, dass sie vergessen haben, was das Wichtigste ist, das unser Leben ausmacht.
Früher war alles besser? Quatsch! Es wird nie wieder so sein – wie es noch nie war! Ganz ehrlich, ich möchte nicht im Mittelalter gelebt haben, auch nicht als die Pest in Europa wütete, und wie dankbar bin ich, nicht die beiden Weltkriege miterlebt zu haben, in denen Millionen Menschen vertrieben und getötet wurden. Im Gegensatz zu diesem unvorstellbaren Leid sollten wir im Lockdown einfach nur zu Hause bleiben! Ja, auch ich trauere um viele wundervolle Freunde, die wegen Corona ihr Leben verloren haben, darunter auch mein Vater. Ich weiß auch, dass die Zeit der Lockdowns besonders für viele alte, kranke und allein lebende Menschen eine extrem schwere Zeit war. Doch viele Menschen haben während der Lockdowns auch die kleinen Dinge des Lebens neu wertschätzen gelernt, wie einen Spaziergang oder ein selbstgebackenes Brot. Von ihrer geschenkten, gemeinsamen Zeit haben auch viele Beziehungen profitiert.
Unsere Zeit ist voller Krisen: Da sind so viele Menschen, die im Ukrainekrieg sinnlos ihr Leben lassen, und so viele Opfer von Naturkatastrophen, die alles durch das Erdbeben in der Türkei oder die Überschwemmungen im Ahrtal verloren haben. Da sind die vielen, die wir jeden Tag durch eine Krebserkrankung oder andere schwere Erkrankungen verlieren, weil es keine Betten gibt, nicht zu vergessen, die vielen jungen und alten depressiven Menschen, die keinen Weg ins Licht finden, weil sie keinen Platz in psychiatrischen Kliniken bekommen. Da sind die vielen Menschen, denen die Inflation so zu schaffen macht, dass sie sich fragen, wie sie Lebensmittel und Miete noch bezahlen sollen.
Aber ich habe inmitten dieser Krisenzeit auch so viele Wunder der Hilfsbereitschaft und Liebe gesehen, die auch in diesen letzten Jahren möglich geworden sind. Ich sehe sie jeden Tag. Ich will sie sehen und keinen einzigen Tag übersehen. Die schönen Momente, die kleinen zärtlichen Lichtblicke, die es dennoch gibt, die heroischen Menschen, die den Mut und die Kraft aufbringen, das Gute nicht zu unterlassen und mitzuhelfen, wo sie können. Die Ermutigerinnen und Ermutiger, die Beter und die Mutigen, die immer noch an DEN glauben, der Himmel und Erde gemacht hat.
Verliebt in Gott
Könnte es sein, dass wir das Kostbarste vergessen haben, was wir zum Leben brauchen? Dass wir Gott vergessen haben, obwohl wir doch aus Seinem Segen leben? Ist unser Herz so voller Sorgen, Ängste und mit dem Negativen überfrachtet, dass kein Platz mehr für IHN ist? Ist ER nicht immer noch Herr über Himmel und Erde, Leben und Tod? Und Seine unermessliche Liebe zu uns ist und bleibt tröstende Wirklichkeit! Sie war immer und ändert sich nicht. »Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt!«, verspricht ER uns. Die Liebe hat nie aufgehört, uns zu lieben. Gott hat nie aufgehört.
Die Liebe können wir nicht kaufen und auch nicht besitzen. Sie wird uns geschenkt. Sie hört niemals auf, denn sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles und hält allem stand. Wenn ich von der Liebe spreche, spreche ich vom Schönsten, Tiefsten und Ergreifendsten – unserem wahren Lebenselixier – und der daraus entspringenden Lebensfreude. Aus ihr wurden wir geschaffen und sie wurde in uns hineingelegt.
Unser liebender Gott, so erfahre ich das, seit ich mit 18 Jahren zum Glauben gekommen bin, ist da, gerade in den dunkelsten und angstvollsten Momenten unseres Lebens und ER ist verrückt nach uns. Deshalb kann ich nicht aufhören, verliebt zu sein in Gott und die Menschen. Und ich lasse mich gerne von Seinen Worten ermutigen und inspirieren, gerade in schwierigen und bedrängten Zeiten.
Überrascht von Gott
Gottes Worte geben mir Kraft, Trost und neue Energie und verlieren nie ihre Gültigkeit. Selbst Worte aus dem Alten Testament können uns hilfreiche Wegweiser werden, auch wenn manche vielleicht denken, können 5000 Jahre alte Texte uns wirklich Ratgeber in unserer hochtechnisierten Welt sein? Uns wirklich noch helfen? Oh ja, und wie sie das können.
Gott gibt uns einen wegweisenden Lebenstipp für alle Situationen, in die ER uns bringt. Mir persönlich hat dieser Ratschlag vom lieben Gott schon sehr oft geholfen. Was war passiert?
Israel war endlich im verheißenen Land. Nach der Sklaverei und dem Auszug aus Ägypten fühlten sie sich endlich angekommen. Und dann holte Gott sie wieder raus. Sie wurden deportiert. 70 Jahre – ein dunkles Kapitel in einem fremden Land ohne ihren Tempel. Gott führte sie raus aus aller gefühlten...




