E-Book, Deutsch, Band 2406, 200 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
Zwengel Der Butler 06: Die Bedrohung
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-507-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2406, 200 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
ISBN: 978-3-95719-507-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Bizarre Fischmenschen tauchen im Wattenmeer auf. Butler James und Lady Marbely müssen lernen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die auf nichts Rücksicht nehmen. Auch nicht auf eine freundliche, steinreich Lady von Adel.
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In Wyk
Wyk war mit Abstand der verkehrsreichste Ort auf der Insel. Johann, der als Chauffeur und Pilot für Mylady tätig war, ließ die kleine Gruppe vor dem Rathaus aussteigen und suchte sich einen Parkplatz, wo er auf Abruf bleiben würde.
„Die Damen und ich gehen auf einen Snack ins Café Steigleder“, erklärte Lady Marbely munter und hakte sich bei Claire und Cassy unter. „Ihr Jungs seid schon alt genug, um euch alleine um das Problem zu kümmern, oder?“
Cassy warf Mick einen flehenden Blick zu. Es war offensichtlich, dass sie es vorgezogen hätte, zu arbeiten, anstatt ihre Zeit mit Kaffee, Kuchen und Konversation zu verbringen. Aber Mick winkte mit einem Lächeln ab und ließ sie für das Kaffeekränzchen zurück.
Johann beschrieb ihnen den Weg zu Sudings kleiner Kundgebung und die beiden Agenten fanden den kleinen Menschenauflauf mühelos. Mick und James erwarteten einen Mann, der geifernd auf einer Apfelsinenkiste stand und verrückte Sachen herausbrüllte. Stattdessen hockte Torben Sudings Gesellschaft auf ein paar zusammengeschobenen Stühlen.
„Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte Mick.
„Erst einmal abwarten. Ich habe nicht den Eindruck, als könne er besonders viele Menschen überzeugen.“
Die Versammlung auf der Promenade von Wyk zog kaum Interessenten an. Die meisten waren Touristen, die es für einen Teil des Unterhaltungsprogramms hielten. Neben einer ständig wechselnden Zuhörerschaft, die immer nur für ein paar Sätze blieb, hatte sich etwa ein halbes Dutzend Menschen um Suding geschart, die ihm aufmerksam zuhörten und sich auch mit ihm unterhielten. Sie waren nicht sehr daran interessiert, dass sich weitere Leute zu ihnen gesellten.
„Ich kenne den Anführer“, sagte Mick überrascht.
„Tatsächlich? Und wer ist dieser ausgesprochen unsympathische Zeitgenosse?“
„Torben Suding. Einer der beiden Überlebenden des AIDA-Unglücks. Er war der Pilot der verschwundenen Cessna.“
Der Butler machte ein nachdenkliches Gesicht. „Gab es da nicht Bedenken wegen seiner Geschichte?“
„Man konnte ihm nichts nachweisen und leider ist es nicht strafbar, ein Arschloch zu sein.“
„Ja, eine bedauerliche Gesetzeslücke“, sagte der Butler.
Das Internet reichte als Informationsquelle. Innerhalb von Minuten war die gesamte Lebensgeschichte von Torben Suding verfügbar, einschließlich aller negativen Einträge, die man mühelos gegen ihn verwenden konnte.
Es würde viel Aufsehen erregen, wenn die beiden Agenten diese Versammlung zerstreuen würden, also wollten sie diese Aufgabe den Behörden überlassen. Bevor Mick allerdings die Polizei verständigen konnte, trat bei der Versammlung eine Frau neben Suding und ergriff das Wort.
„Das ist jetzt natürlich Pech“, sagte der Butler. Er erkannte die Frau sofort. Es war Lena Berner, die er vor dem Fischwesen gerettet hatte. Offenbar hatte sie sich ihren eigenen Ratschlag nicht zu Herzen genommen und war alten Showbizinstinkten gefolgt. Diese sollten ihr allerdings verraten, welche Art Mensch dieser Suding war.
Der Butler drehte sich von der kleinen Gesellschaft weg. Das war natürlich etwas albern, denn nicht sein Gesicht machte ihn so auffällig, sondern seine Kleidung. „Wir sollten besser gehen“, raunte er Mick zu.
In diesem Moment streckte Lena Berner ihren Arm aus und zeigte direkt auf den Butler. Die Umstehenden musterten die beiden Neuankömmlinge misstrauisch, so als wollten die beiden Agenten ihnen etwas wegnehmen. „Dieser Mann hat mich gerettet!“, schrie sie. „Er hat das Ungeheuer auch gesehen!“
Alle drehten sich zu Mick und James. Der Butler wandte sich an Torben Suding. „Ich sah einen Mann, der sich als Seeungeheuer verkleidet hatte.“
„Er lügt, es war keine Verkleidung. Da war außerdem die Leiche einer Frau.“
Der Butler blieb weiterhin völlig ruhig. „Frau Berner hat einen Schock erlitten. Es gibt keine Seeungeheuer auf Föhr.“
„Das ist eine Lüge!“, brüllte Torben, damit es auch jeder hören konnte. „Ich habe selbst gegen diese Monster gekämpft. Um mein Leben. Ich habe gute Freunde verloren, die von diesen Ungeheuern getötet wurden. Sie beschmutzen deren Andenken, wenn Sie die Existenz dieser Wesen leugnen.“
„Pfui!“, rief eine Frau und kramte in ihrer Einkaufstasche. Ob sie nach etwas suchte, dass sie aus Protest werfen konnte? Aber alles darin schien ihr zu wertvoll dafür zu sein.
Torben war in seinem Element. Er stellte zufrieden fest, wie seine Zuhörer zustimmend nickten und sich neugierig zu dem Angesprochenen umdrehten. Torben setzte sofort nach und nahm nun ebenfalls den Butler ins Visier. „Durch Ihr Leugnen bringen Sie jeden Menschen auf der Insel in Gefahr. Jede Frau, jeder Mann und vor allem jedes Kind könnte das nächste unschuldige Opfer werden. Opfer, die Sie durch Ihr Verhalten zu verantworten haben!“
Einige der übrigen Zuhörer standen auf und wandten sich Mick und dem Butler zu. Es wurde langsam bedrohlich und den beiden Agenten wurde klar, dass Suding nicht mehr so einfach ruhiggestellt werden konnte.
Horn betrachtete den jungen Kerl und den Typen, der aussah wie ein englischer Butler. Er schätzte den Grad ihrer Bedrohlichkeit ab und fand ihn akzeptabel. Es wurde Zeit, ein paar Leute herumzuschubsen. Er entschied sich für Mick und kaum eine Minute später flog er in hohem Bogen auf die benachbarte Rasenfläche und rollte aus.
Mick wandte sich an Löhnberg, doch der hob abwehrend die Hände. „Das ist doch nur ein Missverständnis!“
„Das sollten Sie Ihrem Kumpel erklären, wenn Sie ihm wieder aufhelfen!“, sagte Mick und der Angesprochene eilte davon.
Der Butler vermisste in dieser Situation seinen Schirm, aber es würde wohl noch etwas dauern, bis er einen Ersatz bekam. Er tippte in der Tasche seines Frackrocks eine SMS an Johann. Sofort zum Sandwall. Inselcafé! „Ich darf Sie alle zur Besonnenheit aufrufen. Sie steigern sich hier in etwas hinein, dass die Sache nicht wert ist“, versuchte er, die Leute zu beruhigen.
„Ihr verschweigt uns die Wahrheit!“, rief ein Mann.
„Er kennt die Ungeheuer!“, rief Lena Berner von hinten. „Wahrscheinlich macht er mit ihnen gemeinsame Sache.“
Der Butler verzog das Gesicht, als er diesen Blödsinn hörte. „Wieso hätte ich Sie dann retten sollen, verehrte Dame?“
„Woher soll ich wissen, was in ihrem verdrehten Kopf vorgeht?“, keifte Lena zurück und verwirrte den Butler damit nur noch mehr.
„Lassen Sie sich bloß nicht auf eine Diskussion mit diesen Leuten ein, die glauben nur, was zu der Meinung passt, die sie ohnehin schon haben. Wenn die sie für einen Lügner halten, wird nichts sie vom Gegenteil überzeugen. Am wenigsten Argumente.“
Die beiden Agenten wichen rückwärtsgehend vor der Gruppe zurück, damit diese sie nicht einkreisen konnte. Keiner von Sudings Zuhörern saß mehr auf seinen Plätzen, alle schlossen sich dem seltsamen Marsch an. Einige mit bedrohlich geballten Fäusten, die meisten allerdings nur aus Neugier.
Der Butler und Mick taten alles, um kein Aufsehen zu erregen. Auf keinen Fall durfte die Situation eskalieren.
Der Maybach rollte im Schritttempo über den Sandwall an. Claire sprang aus dem Wagen und hielt den beiden Agenten die Tür auf. „Ihr Taxi, meine Herren!“, rief sie lachend und es war ihr deutlich anzusehen, wie viel Spaß ihr die Aktion bereitete.
Mick tauchte in den Maybach hinein und nahm neben Lady Marbely und Cassy Platz. Claire sah ihm beim Einsteigen zu, dadurch bemerkte sie nicht die volle Bierflasche, die aus der Gruppe von Sudings Anhängern geworfen wurde.
James bemerkte sie aus dem Augenwinkel, aber da war es bereits zu spät. Hätte er seinen Schirm dabei gehabt, wäre es ihm vielleicht gelungen, die Flasche im Flug zu zerschlagen oder den Schirm als Schutz aufzuspannen. Doch so konnte er nur nach ihr greifen, musste aber feststellen, dass sie sich außerhalb seiner Reichweite befand.
Die Flasche flog knapp an Claire vorbei, knallte dann neben der Limousine auf den Boden und zerplatzte. Claire wurde von Mick blitzschnell ins Wageninnere gezogen.
Johann war bereit, Vollgas zu geben und seine Passagiere in Sicherheit zu bringen, doch noch waren nicht alle eingestiegen. Der Butler hatte den Werfer ausgemacht. Ein junger Bursche, kaum volljährig, aber alt genug, um zu wissen, was er getan hatte. Es schien ihm tatsächlich bewusst zu sein, denn er drängte sich aus der Gruppe und versuchte, entlang der Promenade zu fliehen.
Der Butler lüftete seine Melone. Er schien vollkommen ruhig zu sein, aber es wirkte wie die Ruhe vor dem Sturm. Er nahm kurz Augenmaß und schleuderte dann seine Melone wie ein Frisbee. Durch die Stahlfüllung flog sie nicht besonders weit, aber auf diese Distanz erfüllte sie ihren Zweck. Die Melone hatte schon so manchem Gegner Kopfzerbrechen bereitet. Sie traf den Fliehenden am Hinterkopf und schickte ihn ins Reich der Träume.
Der Butler schritt durch die verdatterte Menge auf den Besinnungslosen zu, hob seine Melone auf und würdigte den Burschen keines Blickes. Er ging den gleichen Weg zurück, mitten durch die Gruppe von Sudings Zuhörer, die sich vor wenigen Minuten noch auf ihn stürzen wollte. Sie machten ihm bereitwillig Platz und vermieden verunsichert jeglichen Augenkontakt. Unbehelligt stieg der Butler in den Maybach, der sofort losfuhr.
Paul Seyferd war bereits an den ungewöhnlichsten Arbeitsplätzen tätig gewesen. In luxuriös...




