Zwengel | Der Butler 07: Teneriffa-Voodoo | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

Zwengel Der Butler 07: Teneriffa-Voodoo


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-508-1
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 7, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

ISBN: 978-3-95719-508-1
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Auf dem Flughafen Frankfurt greift ein Passagier aus Teneriffa Fluggäste an. Der Butler, dort mit dem Aufbau seiner neuen Organisation beschäftigt, eilt selbst zu Hilfe. Mick Bondye steht seinem neuen Chef zur Seite und entdeckt dabei Verbindungen zu seiner eigenen Vergangenheit. Die beiden Agenten unternehmen einen verhängnisvollen Trip zu den Kanarischen Inseln.

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Im Flugzeug

Im Flugzeug herrschte eine angenehme Temperatur. Bernd Traut stellte sein Handgepäck auf den Sitz neben sich, den er mitgebucht hatte. Wenn er schon gegen seinen Willen reisen musste, dann sollte es so angenehm wie möglich geschehen. Und das bedeutete, keine quasselnden Typen neben sich zu haben, die ihm den ganzen Flug über ein Ohr abkauten. Keine Omas, die von ihren lieben Enkeln schwärmten, oder, noch schlimmer, kleine Kinder, die keine fünf Minuten ruhig auf ihrem Hintern sitzen konnten. Nein, er wollte alleine sein. Warum sollte Traut seinen Flug nicht genießen? Es würde schließlich sein letzter für lange Zeit sein.

Als die Leuchtsignale zum Anschnallen aufleuchteten, folgte er der Anweisung und schaute aus dem Fenster, bis sie in der Luft waren. Die Insel Teneriffa wurde immer kleiner unter ihnen. Er versuchte, an etwas anderes zu denken, als an Geschäfte. Aber es erwies sich als sinnlos, seinem Gehirn befehlen zu wollen, an etwas Bestimmtes auf keinen Fall zu denken. Genauso sinnlos war es für ihn, nicht an die Szene zu denken, als Bergmann ihn anrief, und ihm erklärte, warum ihre Geschäftsbeziehung nicht länger aufrechterhalten werden würde. Nette kleine Umschreibung dafür, dass Bernd einen gewaltigen Auftrag verlor.

Traut hätte sich lieber an die Ereignisse der letzten Nacht zurückerinnert, aber da klaffte leider ein undurchdringliches schwarzes Loch in seinem Gedächtnis. Schwach erkannte er ein Bild vor sich, die Rothaarige und die Dunkelhaarige. Er wünschte, er wüsste noch, was genau in der Nacht geschehen war.

Nun flog er zurück nach Deutschland, wo ihn niemand erwartete. Seine Frau besaß seit fünf Jahren einen Liebhaber, mit dem sie sogar ihren Urlaub verbrachte. Seine erwachsenen Kinder kannten ihn kaum noch. Er hatte seine Familie für den Job geopfert, und jetzt drängte der berufliche Nachwuchs Traut aus dem Geschäft. Die Konkurrenz war groß, seine Nachfolger standen bereits vor der Tür. Hoch motivierte, junge Burschen, die ihr Privatleben als überflüssigen Luxus abhakten und ihre Seele der Firma verkauften. In ein paar Jahren seid ihr so weit wie ich, dachte er.

Traut, gerade achtundfünfzig geworden, fehlte die Zeit, um eine vorläufige Bilanz seines Lebens zu ziehen. Es gab eine Menge Erfolge, auf die er hätte zurückschauen können, aber sein Blick war fest vorwärts auf die Zukunft gerichtet.

Er befand sich auf dem Weg nach Frankfurt, um einen langjährigen Vertrag mit Bergmann zu retten, der seiner Firma jährlich ein kleines Vermögen bescherte, das er auch für die nächsten Geschäftsjahre fest einplanen wollte.

Ihn schauderte beim Gedanken an Deutschland. Seit Wochen hatte er kein schlechtes Wetter gesehen. Dagegen sollte er sich wappnen. Als sie ihre Reisehöhe erreichten und das Anschnallzeichen erlosch, löste er den Gurt, strecke sich in seinem Sitz und bestellte einen Whiskey. Der Drink würde ihm helfen, auf andere Gedanken zu kommen. Traut kippte den ersten Drink ansatzlos hinab und wies die hübsche Flugbegleiterin an, ihm gleich einen Doppelten zu bringen, damit das arme Mädchen nicht so oft zu laufen brauchte. Er hatte in der vergangenen Nacht viel zu viel getrunken, und der erste Schluck schmeckte wohl deswegen so übel. Es handelte sich möglicherweise um eine sehr billige Marke, denn sein Gaumen vermochte die Flüssigkeit nicht einmal als Whiskey zu identifizieren.

Nach dem zweiten Doppelten wartete er immer noch vergeblich darauf, dass sein Körper und Geist entspannten. Dafür hatte der zweite Doppelte noch übler geschmeckt als der erste. Er lehnte sich in seinem Sitz zurück und schloss die Augen.

Irgendwann weckte ihn die Flugbegleiterin und sagte ihm, er solle sich anschnallen, weil sie jeden Augenblick in Frankfurt landen würden. Überrascht stellte er fest, wie tief er geschlafen hatte. Noch halb benommen, bemerkte er, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Etwas geschah etwas mit ihm, in seinem Körper ging etwas vor, das er nicht benennen konnte. Es ging ihm nicht gut.

Traut wusste nicht mehr, was sich während der letzten Nacht auf der Insel ereignet hatte, obwohl er nicht betrunken genug für einen Blackout gewesen war. Er erinnerte sich an diese jungen Leute, die mit ihm gefeiert hatten, und er war mit ihnen durch die Klubs gezogen. Doch die anschließenden Ereignisse lagen hinter einem dichten Schleier. Gerne würde er sich an eine hemmungslose Sexparty erinnern, mit Frauen, die kaum älter als seine Enkelinnen waren, aber er hielt es für wahrscheinlicher, dass sie ihn stattdessen mit Ko-Tropfen außer Gefecht gesetzt hatten. Sein erster Verdacht war gewesen, dass sie darauf aus gewesen waren, anstatt ihm seine Kreditkarten zu missbrauchen. Aber sie befanden sich noch in seiner Tasche und als er die Kartenfirma anrief, konnte hatte Unregelmäßigkeiten auf seinen Konten festgestellt werden. Vielleicht tat er ihnen auch Unrecht, aber es erschien ihm eben unwahrscheinlich, dass sie seine Gesellschaft wegen seines Äußeren oder seines einnehmenden Wesens gesucht haben sollten. Was immer sie tun wollten, er hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er einfach verschwand, um seinen Flug zu bekommen. Ein neuer Gedanke kam ihm. Hatten seine Konkurrenten jemanden beauftragt, um ihn in eine kompromittierende Lage zu bringen? Gab es Fotos von der Party? Steckte einer der Ehrgeizlinge dahinter, die verhindern wollten, dass er die Geschäftsbeziehung mit Bergmann wieder ins Reine brachte?

Die Flugbegleiterin betrachtete ihn misstrauisch. Ihr durfte aufgefallen sein, dass es ihm nicht gut ging. Er spürte deutlich den Schweiß auf seiner Stirn und am restlichen Körper, wo er seine komplette Kleidung durchtränkte. Was stimmte nicht mit ihm? Er konnte den Puls seines Gangnachbarn hören. Der Takt, in dem das Blut durch den Körper des Mannes gepumpt wurde. Er glaubte sogar, sehen zu können, wie sich seine Blutbahnen weiteten, wenn ein weiterer Herzschlag die kostbare Flüssigkeit durch die engen Röhren presste. Er meinte, das Blut durch die Haut seines Nachbarn riechen zu können, auch wenn das unmöglich sein sollte. Er wurde gerade verrückt, eine andere Erklärung fiel ihm nicht ein.

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte die Flugbegleiterin und beugte sich weiter zu ihm herunter. Hatte sie wirklich Angst um ihn oder hielt sie ihn für einen Trinker und überprüfte, in welchem Umfang er so kurz vor der Landung noch Ärger bereiten könnte.

Er nickte mehrmals und blickte aus dem Fenster. Das Flugzeug tauchte in die geschlossene Wolkendecke ein, die über Frankfurt hing, und vor dem Fenster wurde es grau. Traut konnte nichts erkennen, bis kurz vor der Landung die Rollbahn sichtbar wurde. Im nächsten Moment setzten sie auf.

Die Besatzung nickte Traut mit sichtbarer Erleichterung zu, als er das Flugzeug verließ. Er wischte sich mit einem frischen T-Shirt aus seinem Handgepäck den Schweiß vom Gesicht und entsorgte es in einem Abfalleimer. Er brauchte dringend einen Arzt. Worum es sich auch handelte, es würde nicht von alleine aufhören.

Bernd Traut erreichte noch die Ankunftshalle, als der erste schwere Schub einsetzte.

Etwas befand sich in seinem Körper, zirkulierte in seinem Blut. Traut konnte spüren, wie es in ihm wuchs und sich ausbreitete. Sein Blick fiel auf die Glasfront eines Cafés, und er schrie auf, als er die grauenhafte Fratze sah, die einmal sein Gesicht gewesen war. Er schlug mit der Hand gegen die Scheibe und ließ alle Kunden und Angestellten dahinter zusammenzucken.

Eilig rannte er weiter und bedeckte sein Gesicht mit dem Unterarm. Er rannte, weil er nichts anderes tun konnte. Herumstehen war ihm mit diesen rasenden Schmerzen unmöglich. Es musste doch irgendwo einen Rettungsdienst geben, der ihm, wenn schon keine Heilung, dann zumindest starke Schmerzmittel geben konnte. Traut wollte raus aus dem Gebäude, zu einem Arzt, der herausfand, was mit ihm nicht stimmte.

Die Leute sahen ihn überrascht und neugierig an. Manche schüttelten verärgert den Kopf über das Schauspiel. Alle machten ihm bereitwillig Platz, aber die Leute wirkten nicht erschrocken oder ängstlich, höchstens etwas besorgt. Sahen sie denn nicht, was mit seinem Gesicht geschah? Wie konnten sie bei diesem Anblick so ruhig bleiben?

Erinnerungsfetzen peitschten durch seinen Verstand. Er hoffte, dass es sich um Wahnvorstellungen handelte und nicht um Erinnerungen, denn Ersteres wäre weniger erschreckend. Was er sah, war wirklich furchterregend und verstörend.

Beim ersten Mal erkannte er nur Blut, das wie ein Tsunami über ihn hinweg schwappte. Beim zweiten Mal waren es nackte Körper mit grauenhaften Masken. Er dachte, dass es sich um Masken handelte und nicht um echte Köpfe.

Die Bilder blitzten immer schneller auf und überdeckten die realen Dinge, die sich vor ihm befanden. Traut stieß ein wütendes Brüllen aus. Sein Körper machte eine Veränderung durch. Zuvor fühlte er bereits die schleichende Wandlung, doch nun schien es mit großer Geschwindigkeit fortzuschreiten, verbunden mit rasenden Schmerzen. Etwas lief wie glühendes Metall durch seine Adern. Er wollte sich die Arme aufreißen, um es herausfließen zu lassen.

Traut sah Polizisten, die auf ihn zu rannten. Sie hatten ihre Waffen gezogen, also machte er keinen harmlosen Eindruck. Er hob seine Hände, um ihnen zu zeigen, dass er keine Waffen bei sich trug, doch das beruhigte die Beamten sehr wenig.

Überraschend spürte Traut die Eckzähne, die sich in seinem Oberkiefer vergrößerten. Mit seiner Zunge befühlte er die Veränderung. Er hatte einmal gelesen, dass sich mit der Zunge alles zehnmal größer anfühlte, als es tatsächlich war, und er...



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