Zwengel | Der Butler 08: Das Haus Etheridge | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

Zwengel Der Butler 08: Das Haus Etheridge


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-512-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 8, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

ISBN: 978-3-95719-512-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



England im Jahr 1906. Das Geisterjägerpaar Montgomery und Victoria Carlyle soll das heimgesuchte Herrenhaus Etheridge Manor von seinem Spuk befreien, doch allem Anschein nach haben es die beiden mit mehr als nur dem Geist eines Verstorbenen zu tun. England in der Gegenwart: Eine Entrümpelungsfirma soll das leer stehende Herrenhaus für seine neue Besitzerin Lady Amanda Marbely vorbereiten. Das Grauen kehrt zurück. Die Printausgabe umfasst 160 Buchseiten

Zwengel Der Butler 08: Das Haus Etheridge jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1

Südwestlich von London, 1906

„Mister Montgomery Carlyle samt Gattin, darf ich annehmen?“, sagte der Butler an der Eingangstür. Er stellte sich als Fry vor und ließ keinen Zweifel daran, wer in diesem Haus das Sagen hatte. Fry war über einen Meter neunzig groß und trug seine Kinnpartie so hoch, dass er kleinere Menschen nur schwer ausmachen konnte. Beim Anblick der beiden Gäste bot sich auf seinem Gesicht die komplette Gefühlsskala von Abneigung dar. „So ist es“, bestätigte der jungenhafte Gentleman, der trotz der robusten Arbeitskleidung seine Herkunft aus gutem Hause nicht verleugnen konnte. Seine Frau nickte dem Butler grüßend zu, aber es war mehr eine Geste, wie man sie unter Kollegen benutzte.

Fry hob eine Augenbraue als Ausdruck des Erstaunens und drückte die Unterlippe gegen die obere Zahnreihe, um Missbilligung zu demonstrieren. Mrs. Carlyle besaß ein wunderschönes Äußeres, aber die hochgesteckten Haare und der Hosenanzug verrieten eine pragmatische Einstellung, die Fry besonders bei einer Frau nur ablehnen konnte.

Der Butler ließ das Ehepaar eintreten und übernahm persönlich die Führung durch das Haus. Dabei erwies er sich als Kenner der Familiengeschichte, der gleichzeitig auch über ein fundiertes Architekturwissen verfügte. Er vermittelte den Besuchern das Gefühl, sie durch sein eigenes Haus zu führen.

„Kaum vorstellbar, dass seine Herrschaft noch größere Snobs sein könnten“, flüsterte Victoria Carlyle ihrem Mann zu. Falls Fry sie gehört hatte, ließ er es sich nicht anmerken. Er führte die Carlyles in den Westflügel des Hauses.

„Wo wurde der Spuk beobachtet?“, fragte Montgomery.

„Im Laufe der letzten Wochen in fast allen Räumen des Hauses.“

„Sie selbst haben es also auch gesehen?“

„Mehr als einmal.“

„Warum sind Sie dann so abweisend zu uns?“, erkundigte sich Victoria interessiert.

„Ich glaube an die Existenz des Spuks in diesem Haus“, gab der Butler zur Auskunft. „Das heißt aber nicht, dass ich Sie beide nicht trotzdem für Scharlatane halte.“

„Wir werden uns bemühen, Sie vom Gegenteil zu überzeugen, Fry“, sagte Montgomery, den die Worte des Butlers nicht im Geringsten beleidigen konnten. „Mit welcher Art von Spukerscheinung haben wir es hier zu tun?“

Fry erbleichte und blieb stehen, als sei er vor eine Wand gerannt. Er drehte sich zu dem Ehepaar, ohne seine Beine sichtbar zu bewegen. „Es gibt verschiedene Arten?“

„Beschreiben Sie die Erscheinung“, bat Montgomery. „Sind es Poltergeister, Spukgeister oder etwas völlig anderes.“

Der Butler ließ sich endlich zu einer Beschreibung der Erscheinung herab. Allerdings war er kein besonders guter Beobachter oder Kenner von Bekleidungsstilen, sodass ihm keine historische Einordnung gelang. Er beschrieb die drei Gestalten als modern gekleidet, was nach Montgomerys Einschätzung wohl lediglich bedeutete, dass sie weder Felle noch Rüstungen trugen. Ebenso löchrig und wenig belastbar erwies sich sein Gedächtnis, was die Art und Häufigkeit der Geistererscheinungen betraf. Er hatte sich natürlich keine Notizen über die vergangenen Ereignisse gemacht und merkte selbst, wie unzufrieden die Carlyles mit seinen Auskünften waren. Andererseits wäre er sicher in der Lage, aus dem Stand aufzuzählen, was seine Herrschaft im vergangenen Jahr an jedem einzelnen Tag gespeist hatte und welche Kleidung sie dazu trugen.

„Die anderen haben so etwas nie gefragt“, brachte er zu seiner Verteidigung vor.

„Wie überraschend“, kommentierte Victoria. Sie blieb nicht ganz so gelassen wie ihr Ehemann, wenn sie von oben herab behandelt wurde.

Die Carlyles waren nicht die erste Wahl der Herrschaften gewesen. Fry hatte Druiden, Exorzisten, Schamanen, Hexen und Magier ins Haus kommen sehen und ihm klangen noch die Ohren von den Gesängen und Beschwörungen. Der Geruch von verbranntem Salbei und anderen Kräutern hing weiterhin in allen Räumen.

Der lange Flur, den sie entlang gingen, war nur spärlich beleuchtet.

„Wir sehen uns Spukhäuser gerne bei hellem Tageslicht an“, sagte Victoria. „Könnten Sie also die Vorhänge zurückziehen und Tageslicht hereinlassen?“

„Ungern. Ich fürchte, der Gast von Lady Ivanna ist etwas lichtempfindlich. Miss Borderline meidet das Tageslicht.“

Montgomery und Victoria warfen sich einen fragenden Blick zu, beschlossen aber erst einmal, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Die Besitzer des Hauses schienen so manche Eigenart zu besitzen. So war den Carlyles bereits die große Zahl an Spiegeln aufgefallen, die sich im Haus befanden. Anscheinend betrachteten sich diese Leute sehr gerne.

„Wir haben ein Zimmer für Sie vorbereitet“, fuhr Fry fort. „Sie können sich dort etwas frisch machen.“

„Wir möchten lieber sofort unsere Ausrüstung aufbauen“, erklärte Montgomery.

„Aber die Herrschaften würden Sie gerne begrüßen.“

„Dafür sind sicher ein paar Minuten Zeit, bevor wir beginnen“, entschied Victoria.

Fry machte ein schockiertes Gesicht. „Sie wollen den Herrschaften in diesem Aufzug gegenübertreten?“

Victoria verlor langsam die Geduld, aber ihr Mann legte ihr beruhigend eine Hand auf den Unterarm.

„Es tut uns leid, Fry“, sagte Montgomery. „Aber wir haben unsere Abendgarderobe nicht dabei. Außerdem hatten wir den Eindruck, dieser Fall sei sehr dringend und wir sollten sofort tätig werden.“

„Das stimmt vollkommen, Sir, aber das ist doch kein Grund, die Etikette zu vernachlässigen.“ Bei dem Butler klang der Vorwurf eher nach: Das ist doch kein Grund, die komplette Zivilisierung zu ignorieren.

„Dann hätten die Gespenster gewonnen, nicht wahr?“, sagte Victoria und versuchte erst gar nicht, den ironischen Unterton zu verbergen.

„Ich werde den Herrschaften mitteilen, dass Sie bereits Ihre Arbeit aufgenommen haben“, sagte Fry kühl und wandte sich zum Gehen, da fiel sein Blick aus dem Fenster, und er sah den monströsen Dampfwagen, der die Auffahrt heraufrumpelte. „Mein Gott, was ist das?“

Victoria lächelte. „Unsere Ausrüstung. Oder dachten Sie, wir versprühen nur etwas Weihrauch und murmeln dazu Beschwörungen?“

„In diesem Augenblick wünschte ich, es wäre so“, gab Fry kühl zurück.

„Sir Roger hat das alles abgesegnet“, erklärte Montgomery.

Frys Gesichtsausdruck zeigte deutlich, wie er zu dieser Entscheidung stand. „Tun Sie mir einen Gefallen und versuchen Sie, nicht das komplette Anwesen zu zerstören. Da ertrage ich lieber weiter die Gesellschaft der Geister, die haben zumindest die Einrichtung verschont.“

„Wir haben das unter Kontrolle, keine Sorge“, versicherte Carlyle.

„Wie viele Personen befinden sich momentan im Haus?“, fragte Victoria.

„Vier. Die Herrschaften, ihr Gast und ich.“

„Sie haben das übrige Personal weggeschickt?“

„Ihre Anwesenheit erschien mir nicht notwendig. Es sei denn, Sie wünschen zu speisen. In dem Fall würde ich unsere Köchin rufen lassen, sie wohnt nur eine halbe Stunde entfernt.“

„Keine Umstände“, sagte Montgomery. „Es ist für unsere Arbeit von Vorteil, wenn sich so wenige Personen wie möglich im Gebäude befinden. Sagen Sie uns nur, wer von dem üblichen Personal heute nicht anwesend ist.“

„Die Köchin, das Dienstmädchen und die Kammerzofe Ihrer Ladyschaft. Unser Kammerdiener ist sofort nach der ersten Geistererscheinung verschwunden. Sir Roger musste sich am nächsten Morgen selbst anziehen. Es ist ein Skandal. Außerdem gibt es noch einen Kutscher und einen Gärtner, die sich allerdings nur bei Bedarf hier aufhalten.“

Das Personal von Haus Etheridge war durch die vorangegangenen Ereignisse bereits sehr ausgedünnt worden. Fry hielt tapfer die Stellung. Ebenso die Köchin, die bereits seit dreißig Jahren an seiner Seite tätig war und sich für zu alt hielt, um noch den Tod zu fürchten, und ein blutjunges Hausmädchen, das nicht sonderlich intelligent war. Ihm fehlte schlicht die Phantasie, um sich zu fürchten. Ähnlich verhielt es sich bei der Kammerzofe, aber sie verfügte immerhin über genug Grips, um sich ihren Dienst fürstlich entlohnen zu lassen. Die drei waren allein nicht in der Lage, den ursprünglichen Glanz des Hauses zu bewahren, aber sie hielten zumindest den Betrieb aufrecht.

Sobald die Carlyles ihre Arbeit erfolgreich erledigt hätten, würde man Etheridge Manor wieder zu seinem alten Ruhm zurückführen. So lautete zumindest die Absicht seiner Lordschaft.

Sie erreichten den Salon des Westflügels. Sir Roger und Lady Ivanna sowie ihr Hausgast Miss Borderline saßen bei einer Tasse Tee im Salon und warteten vergeblich darauf, dass das exzentrische Ehepaar, über das ganz London sprach, ihnen ihre Aufwartung machte. Als der Butler zur Seite trat, um die Gäste eintreten zu lassen, klemmte sich der Hausherr sein Monokel ins rechte Auge.

Montgomery und Victoria begrüßten die Anwesenden.

Lady Ivanna bemühte sich, ein Lächeln für Victoria aufzubringen. „Ihre Zofe kann die Kleider auf Ihr Zimmer bringen, dann können Sie sich vor dem Essen umziehen.“

Victoria lehnte dankend ab. „Ich habe weder ein Kleid dabei noch eine Zofe, und wenn alles gut geht, dann werden wir Ihr Geisterproblem noch heute lösen und benötigen kein Zimmer.“

„Sie haben keine Zofe?“ Das Entsetzen war echt. Lady Ivanna warf ihrem Mann einen schockierten Blick zu und betrachtete dann wieder das Ehepaar. Dieses Mal mit noch...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.